Medienschau: Blog standpunkt-kultur – Humane Organisation am Theater

Die Exzentrik des Theaters

Die Exzentrik des Theaters

10. November 2022. Auf seinem Blog "standpunkt-kultur.de" diskutiert der langjährige Direktor des Deutschen Bühnenvereins Rolf Bolwin eine gerade erschienene Studie zu betrieblichen Organisation und prüft ihre Übertragbarkeit auf den Theaterbereich.

Das Buch mit dem Titel "Die Humanisierung der Organisation" wurde von Peter Laudenbach (Theaterkritiker der Süddeutschen Zeitung) gemeinsam mit dem Wirtschaftsethiker Kai Matthiesen und der Soziologin Judith Muster verfasst und argumentiert, dass ein humaner und mitarbeiterfreundlicher Betrieb vor allem von guter Organisation abhängt.

Wichtig sei dabei, zwischen dem ganzen Menschen und seiner Rolle als Betriebsmitglied zu unterscheiden. Der "ganze Mensch gehe die Organisation, in der sie arbeiten, nichts an. Der Zugriff auf die ganze Person habe im normalen Arbeitsleben nichts verloren", so referiert Bolwin die These des Buches und zweifelt zugleich ihre Übertragbarkeit auf den Kulturbetrieb an, der "wie etwa das Theater von der Phantasie und den künstlerischen Impulsen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lebt, der zuweilen gerade aus einem gewissen Maß an Unorganisiertheit, aus seiner Spontanität und seinem Improvisationsgeist seine Inspiration erfährt."

"Das Selbstverständnis der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen" eines Theaters "ist vielfach eine starke Identifikation mit den Zielen des Betriebes", vor allem "Künstlerinnen und Künstler erwarten in einem Kulturbetrieb ein geringeres Maß an Entfremdung als in anderen Arbeitszusammenhängen", so Bolwin. Ebenso zweifelhaft sei, ob "Exzentriker und Irrläufer" oder "solche mit einem problematischen Charakter" schlicht "durch organisatorische Maßnahmen auszugleichen" seien.

Produktiv findet Bolwin dagegen die Kritik an "den verbreiteten Traumtänzereien der unorganisierten Kollektivleitung eines Kulturbetriebs nach dem Motto, wir sind und werden uns in allem einig". Hierin spiegele sich die Logik von Start-ups. Am Übergang zur größeren Organisationen würden dagegen "klare Gremienbefugnisse" erforderlich, "um effektives Arbeiten zu gewährleisten". Zugleich müssten in solchen größeren Organisationen  Überregulierung und Bürokratisierung verhindert werden.

(standpunkt-kultur.de / chr)

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