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Hans Magnus Enzensberger ist tot

25. November 2022. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger ist tot. Das melden unter anderem die Süddeutsche Zeitung und die NZZ.

Am 11. November 1929 in Kaufbeuren im Allgäu geboren, hinterlässt der Lyriker, Essayist, Herausgeber und Übersetzer Hans Magnus Enzensberger ein umfangreiches Werk.

1955 promovierte er nach einem Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie mit einer Arbeit über die Poetik Clemens Brentanos und begann, an den von Hans Werner Richter ausgerichteten Autor:innen-Treffen der Gruppe 47 teilzunehmen. 1957 veröffentlichte Enzensberger im Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, wo er als Redakteur gearbeitet hatte, den kritischen Text "Die Sprache des SPIEGEL". Mit dem Essay über den "meinungsstarken Überrumpelungsjournalismus" des damals wichtigsten deutschen Nachrichtenmagazins wurde er schlagartig bekannt, wie die NZZ in ihrem Nachruf schreibt.

1957 debütierte Enzensberger als Lyriker mit dem Gedichtband "die verteidigung der wölfe", der ihm den Ruf eines "zornigen jungen Mannes" einbrachte, so die SZ. Doch seine Sprachverwendung sei schon damals "kühl und modern" gewesen. Enzensberger interessierte sich für Medien- und Konsumkultur, so analysierte er in seinem Essayband "Einzelheiten" 1962 unter anderem den Neckermann-Katalog.

1963 erhielt Hans Magnus Enzensberger im Alter von nur 33 Jahren den Georg-Büchner-Preis.

Er schrieb regelmäßig für Medien wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung und den von ihm kritisierten Spiegel, publizierte Gedichte und Essaybände zu Themen wie Gewalt in Zivilgesellschaften, Lyrik, Migration, Mathematik oder Intelligenzforschung.

Von 1965 bis 1975 gab Hans Magnus Enzensberger die Zeitschrift Kursbuch heraus, die zu einer wichtigen Publikation für die Studentenbewegung wurde, deren Gründungsaufruf er 1967 unterschrieben hatte. Enzensberger hatte die Außerparlamentarische Opposition wohlwollend, aber kritisch begleitet, stand durch seinen Bruder Ulrich zeitweise der Kommune I nahe und reiste ins sozialistische Kuba, ohne sich je einer Gruppierung oder politischen Ideologie anzuschließen.

Von 1985 bis 2007 war Enzensberger zusammen mit Franz Greno Herausgeber der Buchreihe "Die Andere Bibliothek" im Aufbau Verlag. Der von ihm entworfene "Landsberger Poesieautomat"  steht heute im Literaturarchiv Marbach.

Hans Magnus Enzensberger verfasste zudem Dramen und Libretti, so etwa "Das Verhör von Habana", "Der Luxus der Zukunft" oder "Die Bettleroper" nach John Gay. Sein Versepos "Der Untergang der Titanic" aus dem Jahr 1978, das George Tabori 1979 in München auf die Bühne gebracht hatte, wird auch heute noch als Kommentar zur Klimakrise inszeniert.

Hans Magnus Enzensberger war bis ins hohe Alter als Redakteur, Herausgeber und Autor tätig. Im Alter von 93 Jahren ist er gestern in München gestorben. Das teilten die Verlage Suhrkamp und Hanser unter Berufung auf Enzensbergers Familie mit.

(SZ, NZZ, Wikipedia / eph)

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