Lenin und der leise Zweifel

1. Dezember 2022. Das Theater hat in der DDR eine herausragende Rolle gespielt: erst als Zukunftslabor für den werdenden Staat, dann als Ort der Opposition und Gegenöffentlichkeit. In unserer Reihe "Der historische Stream" zeigen wir ab 16. Dezember vier exemplarische Inszenierungen aus verschiedenen Phasen. Ein einordnender Essay.

Von Esther Slevogt

1. Dezember 2022. In den Debatten um das Erbe der DDR im heutigen Deutschland wird selten über die Hoffnungen gesprochen, mit denen dieser Staat bei seiner Gründung 1949 an den Start ging. Die Gründung der DDR war eine Reaktion auf die Gründung der Bundesrepublik gewesen, die sich als westdeutscher Teilstaat bereits am 23. Mai 1949 auf dem Territorium der drei westlichen Besatzungszonen formierte.

Als die Kommunisten in der Sowjetischen Besatzungszone knapp fünf Monate nach Gründung der Bundesrepublik am 7. Oktober mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik nachzogen, war daran auch die Hoffnung geknüpft, nach dem von Deutschland begonnenen Weltkrieg und den Verbrechen, die im deutschen Namen begangen worden waren, ein besseres Deutschland aufzubauen. Dabei wollte man auch an politische und besonders an künstlerische Entwicklungen anknüpfen, die 1933 von den Nationalsozialisten brutal abgebrochen wurden. Es war eine Ursprungsutopie dieser wesentlich von Emigrationsrückkehrern und aus Nazi-KZs und -zuchthäusern befreiten NS-Gegnern gegründeten DDR, nicht nur ein Arbeiter- und Bauernstaat, sondern auch eine Republik der Künstler zu werden.

Stalinismus als Geburtsfehler

Insbesondere das Theater hat in der DDR eine herausragende Rolle gespielt: zunächst als Zukunftslabor für den werdenden Staat, und je repressiver dieser Staat wurde, dann als Ort der Gegenöffentlichkeit. Denn der Stalinismus als Geburtsfehler der DDR ruinierte schon bald alle in sie gesetzten Hoffnungen ebenso gründlich, wie er am Ende den ganzen Staat aushöhlte und zum Einsturz brachte.

Was für ein finsteres Staatswesen jedoch auch die junge Bundesrepublik war, hat gerade Hans-Hermann Klare in seinem Buch "Auerbach" noch einmal aufgerollt. Es erzählt die Geschichte des Auschwitz-Überlebenden Philipp Auerbach, der nach 1945 erst als Regierungsrat und später als Staatskommissar für die Entschädigung rassisch, religiös und politisch Verfolgter und für eine juristische Aufarbeitung der Naziverbrechen stritt, bevor er 1951 verhaftet, von alten Nazirichtern für nichtige Vergehen angeklagt und verurteilt wurde und sich am Tag nach der Urteilsverkündung das Leben nahm.

Rundkoepfe1 Lang 1983 ScreenshotTheater als Ort der Gegenöffentlichkeit: Szene mit Reimar Joh. Baur und Volkmar Kleinert aus Alexander Langs Brecht-Inszenierung "Die Rundköpfe und die Spitzköpfe", 1983 am Deutschen Theater in Berlin/DDR - Screenshot aus der Aufzeichnung von 1985 

Das Theater war in der DDR stets eine Staatsangelegenheit, und Theaterkünstlerinnen und -künstler, so bedroht sie durch Zensur und staatliche Willkür immer wieder waren, verlieh dieser Sachverhalt durchaus auch Selbstbewusstsein. Denn Inszenierungen, Stücke oder einzelne Protagonist:innen konnten die Staatsmacht zuverlässig herausfordern, sie testeten Spielräume und Grenzen des Sag- und Zeigbaren aus. Ihre Kritik am Staat war jedoch in der Regel aus der Position der Solidarität mit der DDR heraus formuliert.

"Wir waren nicht Gegner der DDR - das Verhältnis von Opposition und Identität war komplizierter", hat kurz nach der Wende der Regisseur Adolf Dresen erklärt, dessen "Faust"-Inszenierung zum 20. Jahrestag der DDR-Gründung am Deutschen Theater in Berlin 1969 einen der größten Theaterskandale des Landes ausgelöst hatte. "Wir wollten, ohne uns jemals klar zu werden, eine ideale DDR gegen diese konkrete, einen echten Sozialismus gegen diesen real existierenden. Das war die Hoffnung, die vielen Künstlern auch 1989 ihren Mut gab, und das ist die Enttäuschung, die sie der so bekämpften DDR nun nachtrauern lässt. Das ist unser Scheitern, mitten im Sieg." Denn sie wollten Dresen zufolge ja gar nicht Opposition sein, "unser Widerstand hatte seine Unschuld darin, dass er von sich selbst nichts wusste, die Staatsmacht wusste es meist früher als wir".

Komplementärabend aus Tragödie und Komödie

Auf nachtkritik.plus zeigen wir ab 16. Dezember in der Reihe "Der historische Stream" vier exemplarische Inszenierungen des DDR-Theaters, von Nikolaus Merck kuratiert. Es beginnt mit Alexander Langs Inszenierung "Die Rundköpfe und die Spitzköpfe" von Bertolt Brecht, die 1983 am Deutschen Theater Berlin herauskam – kurz nachdem das Haus aus Anlass seines 100. Bestehens rundumerneuert worden und in Anwesenheit von Staats- und Parteiführung nach mehrjähriger Schließung feierlich wiedereröffnet worden war.

Lang, 1941 in Erfurt geboren, war damals der bedeutendste und auch international erfolgreichste Regisseur der DDR. Begonnen hatte er als Schauspieler und war besonders durch Inszenierungen von Adolf Dresen bekannt geworden. Als Prinz von Homburg in Dresens Kleist-Inszenierung am Deutschen Theater von 1975 zum Beispiel, der die Tragödie vom preußischen Prinzen mit der Komödie "Der zerbrochne Krug" zu einem Komplementärabend über Menschen verschnürte, die sich ihrem Staat einerseits verbunden fühlen, ihn anerkennen und seine Geschäfte besorgen – aber dann, ohne es zu wollen, in Konflikt mit ihm geraten. Lang war damals in der Doppelrolle des Ruprecht und des Prinzen von Homburg zu sehen.

Runkoepfe3 Lang 1983 Screenshot"Die Rundköpfe und die Spitzköpfe" von Bertolt Brecht, 1983 inzeniert von Alexander Lang am Deutschen Theater in Berlin/DDR – Screenshot aus der Aufzeichnung von 1985 - Christian Grashof und Reimar Joh. Baur

Ende der 1970er Jahre, als Adolf Dresen in den Westen gegangen war, nahm Alexander Lang als Regisseur am Deutschen Theater dessen Faden auf, untersuchte in seinen Inszenierungen die Geschichte seit 1789, die zum Glück zu wenden noch immer nicht gelungen war. Freilich in einer viel grelleren, zugespitzteren Art, als Dresen das je vermocht hätte. Es war eine fast neoexpressionistisch übersteigerte Spielart des Epischen Theaters, das Lang zwischen 1978 und 1986 am Deutschen Theater entwickelte – gemeinsam mit einer Gruppe von Schauspielerinnen und Schauspielern, zu deren Kern Christian Grashof, Katja Paryla, Dieter Montag, Simone von Zglinicki, Roman Kaminski, Kurt Böwe, Gudrun Ritter, Dietrich Körner und Margit Bendokat gehörten.

Berühmt ist 1981 besonders Alexander Langs Inszenierung von Georg Büchners traurigem Revolutionsdrama "Dantons Tod" geworden, die Danton und Robespierre als zwei Seiten einer Medaille beschrieb. So wurden sie damals von einem einzigen Schauspieler gespielt – von Christian Grashof, der diese Figuren als bibbernde, weinerliche Terroristen vorführte: heulende Antivisionäre, die einem Gemälde von Edvard Munch eher als einem Revolutionsdrama entsprungen zu sein schienen.

Gräuelmärchen als Clownsspiel

In Langs Inszenierung "Die Rundköpfe und die Spitzköpfe" begegnen wir jetzt auf nachtkritik.plus vielen der großen Alexander-Lang-Spieler*innen wieder, allen voran Katja Paryla und Christian Grashof. Volker Pfüller hatte für das 1936 uraufgeführte Stück mit dem Untertitel "Ein Gräuelmärchen" eine hölzerne Arena gebaut – mit Fenstern im oberen Rang und Wandelgang im unteren. Die Szenerie erinnert an Zirkus oder Stierkampf, weckt aber auch Assoziationen an Dressur oder einen Gefängnishof. Hier nun hatte Lang Brechts Parabel über die Entstehung des Faschismus, der Rassismus als Identifikationsangebot nutzt, als Farce über die bedrohliche Banalität der Borniertheit in Szene gesetzt. Ein Stück über die Zurichtung von Menschen zu Untertanen, das Gräuelmärchen als Clownsspiel, dessen Befunde auch in der DDR des Jahres 1983 gültig blieben.

Aber fangen wir von vorne an: Im Jahr nach dem Bau der Mauer inszenierten am Berliner Ensemble Manfred Wekwerth und Joachim Tenschert Brechts 1949 geschriebenes Stück "Die Tage der Commune". Premiere war mit dem 7. Oktober 1962 der 23. Geburtstag der DDR gewesen. Theaterstars wie Gisela May, Ekkehard Schall, Wolf Kaiser, Manfred Karge, Angelica Domröse und Hilmar Thate spielten mit in der parabelhaften Geschichte aus dem Paris des Jahres 1871 – als am Ende des deutsch-französischen Kriegs, nach einem Hungerwinter, monatelanger Belagerung und Granatenbeschuss das Volk von Paris eine demokratische Revolution begann, einen revolutionären Stadtrat gegen die Regierung bildete, um die Lebensbedingungen der unteren Schichten zu verbessern. Nach 79 Tagen wurde die "Commune" durch die vereinigten preußischen und französischen Heere niedergeschlagen. Über 20.000 Menschen wurden erschossen, etwa 40.000 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und in die Verbannung geschickt.

TagederCommuneThate DomroeseHilmar Thate und Angelica Domröse in Brechts "Die Tage der Commune", Regie: Manfred Wekwerth und Joachim Tenschert, Premiere 1962 am Berliner Ensemble in Berlin/DDR – Screenshot aus der Aufzeichnung von 1966 

Die Pariser Commune gilt als erster Versuch, eine sozialistische Räterepublik zu gründen – und in dieser Tradition sah sich auch die DDR. Karl Liebknechts Versuch, 1918 nach dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs, das 1871 nach dem Sieg über die Franzosen ausgerufen worden war, eine deutsche Räterepublik zu gründen, war nicht geglückt, Liebknecht gemeinsam mit Rosa Luxemburg bald darauf von rechten Freicorps ermordet worden. Mit der Ausrufung der Weimarer Republik war der SPD-Politiker Philipp Scheidemann ihm am 9. November 1918 um wenige Stunden zuvorgekommen. Erst mit der Gründung der DDR im Oktober 1949 hatte sich der Traum der deutschen Kommunisten von einem sozialistischen Staat auf deutschem Boden erfüllt, dessen revolutionärer Geist dereinst aus Paris ebenso herübergeweht war wie das Bewusstsein für die Bedrohung dieser Unternehmung. Denn dieser Weg war ausgesprochen verlustreich gewesen. Dieses Bewusstsein schwang auch im Jahr nach dem Mauerbau noch mit, als Wekwerth und Tenschert nun die Geschichte der Familie Cabet erzählten, die in den 79 "Tagen der Commune" kurz aufblüht und dann untergeht, als die Commune niedergeschlagen wird. Hanns Eisler hatte die Musik geschrieben, der Bühnenbildner Karl von Appen ein pittoreskes Pariser Szenario errichtet: ein Café in der Rue Pigalle im Stadtteil Montmartre, wo ein Bürger ein gebratenes Huhn bestellt, das aber bald schon in die Hände der Kommunarden fällt.

Kranker Lenin, krankes System

Das Stück "Blaue Pferde auf rotem Gras" wurde 1980 von Christoph Schroth am Berliner Ensemble inszeniert. Schroth, 1937 in Dresden geboren und vor wenigen Wochen gestorben, war damals Schauspieldirektor am Theater Schwerin und gehörte zu den bekanntesten Regisseuren des Landes. Das Stück des sowjetischen Dramatikers Michail Schatrow war im Vorjahr in Moskau uraufgeführt worden und spielt 1920. Im Zentrum steht der bereits todkranke Revolutionsheld Lenin, dem sein Arzt Ruhe empfiehlt. Doch es soll ein Komsomolzen-Kongress stattfinden, und die jungen Leute bestehen auf Lenins Anwesenheit. Denn sie haben Fragen, an Lenin und die Ideale der Revolution.

Schroths Inszenierung beginnt auf dem Vorplatz des BE mit Jugendlichen des Jahres 1980. Mopeds knattern, Rockerjacken verströmen zeitgenössisches Revoluzzer-Potential einer Jugend, die mit der alt gewordenen DDR schon nicht mehr so viel verband wie die Komsomolzen mit der jungen Sowjetunion des Jahres 1920. Denen begegnen wir dann im Theater, das sie auf der ganzen Linie bespielen, wo sie in Rängen und Logen ebenso debattieren wie auf der Bühne. Dort befindet sich in seinem Metallbett auch der kranke Lenin – als Symbol für ein krankes System, den Anforderungen der Gegenwart kaum noch gewachsen.

BlauePferde Screenshot1"Blaue Pferde auf rotem Gras" von Michail Schatrow in der Regie von Christoph Schroth, Premiere 1980 am Berliner Ensemble in Berlin/DDR – Screenshot aus der Aufzeichnung von 1980

Der Dramatiker Michail Schatrow – 1932 in Moskau als Sohn eines Ingenieurs geboren, der 1937 im Zuge des Terrors erschossen worden war – war während seiner Recherchen für das Stück zum erstem Mal auf Schatten im Heiligenschein der damals noch unangefochten verehrten Revolutionsikone Lenin gestoßen. Wenige Jahre später stand Lenin wiederum im Zentrum eines Schatrow-Stücks, "Diktatur des Gewissens", das 1988 – in der Inszenierung von Friedo Solter am Deutschen Theater – zu einem Signaturstück der Wende wurde. Es rührte an zentrale Tabus: Junge Journalisten, die in der Redaktion des Parteiblatts "Komsomolskaja Prawda" um mehr Gedankenfreiheit streiten, beginnen ein symbolisches Gericht über Lenin abzuhalten, in dessen Verlauf sechzig Jahre sowjetischer Geschichte einer politisch-moralischen Revision unterzogen werden. Über allem schwebte der blutige Schatten Stalins. Bisher tabuisierte Verbrechen, die mit seinem Namen verbunden sind, wurden im Stück nun angesprochen. Selbst die Revolutionsikone Wladimir Iljitsch Lenin streifte plötzlich der Hauch des Zweifels.

Jetzt, in "Blaue Pferde auf rotem Gras", ist der Glaube an das Gelingen des Sozialismus noch so gut wie ungebrochen, auch wenn man die ersten Risse spürt. Der Titel des Stücks bezieht sich auf ein Wandbild, auf dem ein gelähmter Rotarmist seinen Traum von der kommunistischen Zukunft entwerfen will. Doch er stirbt, bevor er sein Bild vollenden kann. Aber die anderen sollen das Bild vollenden.

Gesellschaft im Wachkoma

"Die Übergangsgesellschaft" von Volker Braun hatte im März 1988 im Berliner Maxim Gorki Theater Premiere. Thomas Langhoff hatte diese Überschreibung von Anton Tschechows "Drei Schwestern" inszeniert. Braun hatte den Text 1982 ursprünglich für das Berliner Ensemble geschrieben. Aber da wollte man das von Resignation geprägte Stück über eine Gesellschaft im Wachkoma nicht spielen. So trug Braun es Thomas Langhoff an, der 1979 am Maxim Gorki Theater mit einer Inszenierung von Tschechows "Drei Schwestern" einen späten, aber kometenhaften Start als Theaterregisseur begonnen hatte. Zuvor hatte Langhoff als Regisseur beim Fernsehen gearbeitet.

1938 wurde Thomas Langhoff im Zürcher Exil seines Vater Wolfgang Langhoff geboren, der zur DDR-Gründergeneration zählte und von 1946 bis 1963 Intendant des Deutschen Theaters war. 1934 war er nach KZ-Haft einer neuerlichen Verhaftung in die Schweiz entkommen und hatte dort 1935 ein damals weltberühmtes Buch über seine KZ-Haft geschrieben, "Die Moorsoldaten", eines der ersten Bücher über die Konzentrationslager überhaupt. 1963 war der überzeugte Kommunist Wolfgang Langhoff von der SED in einem demütigenden Verfahren aus dem Amt getrieben worden und wenige Jahre später gestorben. Seine idealistischen Vorstellungen vom Sozialismus empfand die SED als Affront.

Uebergangsgesellschaft3 ThLanghoff 1988 90 Screenshot"Die Übergangsgesellschaft" von Volker Braun in der Regie von Thomas Langhoff, Premiere 1988 am Maxim Gorki Theater in Berlin/DDR – Screenshot aus der Aufzeichnung von 1990 – mit Ursula Werner, Monika Lennartz und Swetlana Schönfeld.

1979 war ein zentrales Motiv der Inszenierung seines Sohnes Thomas von Tschechows "Drei Schwestern" der Ruf des Trios "Wir wollen leben!" – Sinnbild für die Sehnsucht nach Freiheit und einem Leben jenseits der Bevormundung durch Staat und Partei. 1988 inszenierte Langhoff mit gleicher Besetzung wie 1979 Brauns Tschechow-Variation: Monika Lennartz als Olga, Ursula Werner als Mascha, Swetlana Schönfeld als Irina. Den alten Kommunisten und Vater der Schwestern spielte Albert Hetterle, der damals auch Intendant des Gorki Theaters war.

Wir begegnen ihm jetzt Zeitung lesend auf der Bühne, umgeben von seltsamen Folienkokons, aus denen sich bald die drei Schwestern und andere Figuren des Tschechow-Stücks schälen. Es beginnt mit Tschechow-O-Ton: Die drei Schwestern klagen über ein verfehltes, sinnloses Leben, ihr vergebliches Warten auf eine Zukunft, die einfach nicht kommen will. Bald aber werden sie zu gegenwärtigen Figuren mit ihrem drängenden Fragen an gesellschaftliche Realitäten und historische Gewissheiten der DDR, die damals bereits im Sterben liegt. Auch wenn dies im März 1988, als die Inszenierung herauskam, noch niemand wusste. Doch als die Inszenierung 1990 aufgezeichnet wurde, war die Mauer bereits gefallen.

 

Die Zitate von Adolf Dresen sind hier nachzulesen: Dresen, Adolf "Siegfrieds Vergessen. Kultur zwischen Konsens und Konflikt", Berlin 1992. S. 175f.

 

Der historische Stream: Aus dem Theater der DDR
kuratiert von Nikolaus Merck

Die Rundköpfe und die Spitzköpfe von Bertolt Brecht, Regie: Alexander Lang, Deutsches Theater Berlin / DDR 1983. Aufzeichnung von 1985. Abrufbar 16. Dezember 2022, 19.30 Uhr bis 17. Dezember 2022, 19.30 Uhr. >>Zum Stream.

Die Tage der Commune von Bertolt Brecht, Regie: Manfred Wekwerth + Joachim Tenschert, Berliner Ensemble, Berlin / DDR 1962. Aufzeichnung von 1966. Abrufbar 20. Januar 2023, 19.30 Uhr bis 21. Januar 2023, 19.30 Uhr.  >>Zum Stream.

Blaue Pferde auf rotem Gras von Michail Schatrow, Regie: Christoph Schroth, Berliner Ensemble, Berlin/DDR 1980. Aufzeichnung von 1980. Abrufbar vom 17. Februar 2023, 19.30 Uhr bis 18. Februar 2023, 19.30 Uhr.  >>> Zum Stream.

Die Übergangsgesellschaft von Volker Braun, Regie: Thomas Langhoff. Maxim Gorki Theater, Berlin / DDR 1988. Aufzeichnung von 1990. Abrufbar vom 17. März 2023, 19.30 Uhr, bis 18. März 2023, 19.30 Uhr.  >>>Zum Stream.


Hinweis: Die Qualität der Aufzeichnungen entspricht, was Bildschärfe betrifft, nicht unseren, von hochauflösenden HD- und Retina-Monitoren geprägten Sehgewohnheiten. Darüber hinaus wurden sie zwar digitalisiert, aber nicht digital restauriert. Wir bitten um Verständnis.

Kommentare

Kommentare  
#1 Der historische Stream, DDR-Theater: HochaktuellThomas Rothschild 2022-12-16 23:26
Volker Brauns "Übergangsgesellschaft", einer der Höhepunkte der DDR-Dramatik, verhält sich zu den "Drei Schwestern" wie Eugene O'Neills "Trauer muss Elektra tragen" zur "Orestie". Beide sind ganz eigenständige, zur Zeit ihrer Entstehung hochaktuelle Stücke, die mit Intertextualität arbeiten, ein Modell paraphrasieren, um mit dessen Hilfe ihre jeweilige Gegenwart zu thematisieren. Beide machen die Armseligkeit und Oberflächlichkeit der Entwürfe von Simon Stone oder Susanne Kennedy überdeutlich. Kann man den Modebegriff der "Überschreibung" nicht für einige Zeit beurlauben? Das allein wäre, neben vielen anderen Gründen, eine Rechtfertigung für die bevorstehende kleine Retrospektive des DDR-Theaters. Es ließen sich jede Menge Inszenierungen nennen, die weiter waren als ein Großteil dessen, was heute auf Bühnen überschrieben und gespielt wird. Sie sind so historisch wie die Straßenbahnen, für die man in mehreren Städten die Schienen legt, die man in einem vermeintlichen Fortschrittswahn entfernt hatte.

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