Er bleibt

Weimar, 27. Januar 2009. Der Aufsichtsrat des Deutschen Nationaltheater Weimar (DNT) hat einem neuen Vertrag mit Generaltintendant Stephan Märki zugestimmt. Dies erfuhr nachtkritik.de unmittelbar nach der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsrates. Damit bleibt Märki nun fünf weitere Jahre im Amt.

Der Aufsichtsrat hat sich am Abend des 27. Januar zu einer sechsten Sitzung getroffen, drei mal ist im Vorfeld Peter Raue, der Berliner Anwalt und Vertreter Märkis, nach Weimar gereist, um den Vertrag zu verhandeln.

Die Vertragsverlängerung war überraschend wieder unsicher geworden (wir meldeten), nachdem der Weimarer CDU-Vorsitzende Peter Krause einen Brief an Thüringens Kultusminister Bernward Müller (CDU) geschickt hatte und gleichzeitig der Presse zukommen ließ, in dem Märki als ungeeigneter Intendant dargestellt wurde. Der Aufsichtsrat sollte so umgestimmt werden.

Bereits im letzten Oktober hatte Krause versucht, eine Vertagsverlängerung mit Märki zu verhindern (auch dies meldeten wir). Seinerzeit mobilisierte Krause mit nachgewiesen falschen Unterstellungen einige Getreue, die im 18-köpfigen Aufsichtsrat des DNT gegen Märki stimmen sollten – fünf Gegenstimmen hätten gereicht, um die Vertragsverlängerung zu verhindern. Nachdem die Anti-Märki-Kampagne aber öffentlich geworden war, demonstrierten mehr als 1000 Weimaraner Bürger für Märki vor dem Theater (hier unsere Meldung). Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) griff ein, und die Verhandlungen mit Märki wurden wieder aufgenommen.

Jetzt versuchten Krause, drei weitere CDU-Mitglieder und ein SPD-Mann, die Vertragsverlängerung abermals zu verhindern. Der Brief an Kultusminister Müller wurde dabei zu einem Zeitpunkt verschickt, als der Märki-Unterstützer Althaus nach einem Ski-Unfall noch im Krankenhaus lag; kurz bevor das Schreiben in Umlauf kam, war zudem Märkis Mutter verstorben, was Krause & Co. wussten. Sie hofften offenbar, Märki in einer schwachen Situation anzutreffen, um ihn zum Verzicht auf eine Vertragsverlängerung zu bewegen.

Auch wenn ihnen dies nicht gelungen ist, machte der Stadtrat allerdings ein Zugeständnis an die Märki-Gegner, wie das Online-Portal Monsters & Critics am 28.1. mit Bezug auf dpa meldet. So wird Märkis Vertrag nicht erst im kommenden Jahr (zum Auslaufen des derzeitigen), sondern mit sofortiger Wirkung um weitere fünf Jahre verlängert wird. Danach bleibt Märki nun lediglich bis zum Sommer 2014 (und nicht bis 2015) Intendant in Weimar.

Außerdem blieb ein bis zuletzt umstrittener Punkt noch ungeklärt: Märki hatte sein Verbleiben in Weimar an Tarifsteigerungen für seine Mitarbeiter geknüpft. Ein Sprecher des Kulturministeriums sagte, dass die Verhandlungen darüber nun separat geführt werden müssten und der neue Vertrag eine Ausstiegsklausel für den Fall enthalte, dass die Tarifverhandlungen nicht in Märkis Sinne endeten.

Joachim Trommsdorf, der SPD-Mann in den Gegner-Reihen, dessen Stimme die Vertragsverlängerung hätte kippen können, verließ vor der Abstimmung übrigens die Sitzung und legte sein Aufsichtsrat-Mandat nieder.

Martin Kranz, Dirk Möller und Rudolf Keßner, die Märki-Befürworter im Aufsichtsrat, forderen die Märki-Kritiker nach der Entscheidung, so ist in der Thüringer Allgemeine zu lesen, in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, "jetzt zu einer sachlichen Zusammenarbeit zurückzufinden. Die anstehenden Entscheidungen im Theater müssen vom Aufsichtsrat konstruktiv begleitet werden!" Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) hält den Brief der Märki-Gegner außerdem über die Vertragsverlängerung hinaus für beachtenswert, weil viele der dort geäußerten Positionen von einem großen Teil der kulturinteressierten Bürger Weimars geteilt würden. Es sei "richtig und wichtig" gewesen, dass man die gegenseitigen Erwartungen aneinander deutlich gemacht habe.

(dip/ape)

 

Lesen Sie auch, wie nachtkritik.de die Weimarer Vorgänge im Oktober 2008 kommentierte.

 

 

 
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