Ein bisschen Hebbel, ein bisschen Holofernes

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, 27. Juli 2009. Drei Frauen sind's, die schließlich im Bordell landen: Judith, die Erste, jene Frau, die Hebbels Text im Mund führt (oder wenigstens jene Text-Rudimente, die Hebbel zugestanden werden an diesem Abend). Dann Judith, die Zweite, eine quirlige, reichlich vorlaute Göre, die fürs Heute steht und schon mal hinausschreit: "Ich scheiß drauf … es gibt keinen Gott … ich bin ein Kind des Satellitenfernsehens!" Und dann ist da noch eine dritte, "Juditha triumphans" – die musikalische Hauptrollenträgerin in Antonio Vivaldis Oratorium.

Alle drei sind in dieser deftigen Bordell-Szene mit dem ebenfalls in mehrere Männer aufgespaltenen Holofernes beschäftigt. Ihrer unterschiedlichen Ideologie nach engagieren sie sich unterschiedlich intensiv. Man will ja auch was haben von der Selbstaufopferung. Auch als potentielle Retterin des jüdischen Volkes, als eine Gott wohlgefällige Sex-Märtyrerin im Dienste einer höheren Sache. Da darf schon Lust auch mitspielen.

Der Feind in ihrem Bett

Diese krasse Szene mag konventionelle Gemüter beunruhigen – in Wirklichkeit ist Sebastian Nübling da ganz nahe beim literarischen Objekt. Friedrich Hebbels "Judith" handelt ja davon, dass der Titelfigur religiöser Auftrag und persönliches Gefühl ordentlich durcheinander geraten. Der Macho Holofernes, Feldherr der assyrischen Invasoren, ist für die verwitwete Jungfrau (was für eine verkrachte Psycho-Existenz!) durchaus auch ein Objekt der Begierde. Der Feind in ihrem Bett. Sie erfüllt nicht nur einen göttlichen Auftrag, wenn sie mit ihm schläft und ihm dann den Kopf abschlägt. Gerade dieser Zwiespalt bereitet ihr dann nicht wenig Seelenpein.

Da wären wir (auch) ganz im Heute. In der Diskussion um "männliche" Macht. In der Gender-Diskussion. Von Alice Schwarzer bis Charlotte Roche könnte man da ab- und hinausschweifen. Hebbel erlaubt einschlägige Assoziationen sonder Zahl. Aber muss Judith auch über die gerechte Verteilung von Trinkwasser in der Welt sinnieren? Irgendwie scheint dieser durchaus wirkungsvollen Bühnenumsetzung des Judith-Stoffes zwischen Schauspiel, Oper und Bewegungstheater das Ziel aus den Augen entschwunden zu sein.

Wollen Nübling und die Seinen die ganze Welt erklären und retten an einem Theaterabend? Da steckt eigenartige 1968er-Bewegtheit drin, die nicht recht glaubhaft sein will. Schließlich war der Regisseur damals gerade in der Volksschule. Sollte er gar nichts dazugelernt haben seither? Oder ist er gar nicht so modern, wie es scheinen mag, hängt Sebastian Nübling mit dieser "Judith" eigentlich schon wieder einem vorgestrigen Theaterverständnis nach?

Vivaldi mit Rumbakugeln

Hebbels "Judith" ist durchzogen von Monologen. Das legt Figuren-Splitting durchaus nahe. Weil man das Literarische auch noch mit Musiktheater spickt, mit Nummern aus Vivaldis Oratorium "Juditha triumphans", begleiten auch noch barock gewandete Sängerinnen und Sänger die Darsteller als Alter ego. Ein Barockorchester sitzt im Graben. Ein Gesangsquartett bildet den Opernchor. Ein Countertenor (Daniel Gloger) mit übermächtiger Krinoline geistert durch die Szene wie eine Mischung aus tanzendem Derwisch und wabernder Riesenqualle.

Da können schon mal Rumbakugeln den Originalklang aufpeppen oder jazzige Saxophone Vivaldi den Garaus machen. In einer Arie verwandelt sich die Sängerin gar in eine Diseuse. Die Musik spielt jedenfalls eine Hauptrolle, und sie spielt sie deutlich besser als die Darsteller und viel besser als die Sänger – man mag gar nicht glauben, dass die alle vom Schauspiel Stuttgart und der Stuttgarter Staatsoper kommen (die Aufführung ist eine Koproduktion und hat in Stuttgart am 10. Oktober 2009 Premiere). Keine Opernschule getraute sich, solche sängerische Leistungen zu präsentieren. Festspielen ist dieses Singen jedenfalls unwürdig.

Zeitgeistiger Wortschwall mit Musik

Der Text ist zusammengestöpselt aus ziemlich wenig Hebbel und einem zeitgeistigen Wortschwall, für den die Darstellerin der "heutigen" Judith, die Aktionskünstlerin Anne Tismer, selbst verantwortlich zeichnet. Es ist über weite Strecken ein seichtes, aber temperamentvolles Geplapper, das nervt. Mag's auch als lustvoller Stilbruch gemeint sein, so torpediert Anne Tismer alle literarischen Optionen. Eine dritte Textbaustelle ist das Buch Judith selbst – diese bibelnahe Erzählung wird pepig aufbereitet als Sprechchor, eine tollkühne Mischung aus Vivaldi'schem Nähmaschinenrhythmus und Rap. Vivaldis Libretto schließlich ist Lateinisch und wird übertitelt.

Lars Wittershagen ist für das Musik-Konglomerat verantwortlich, das viel Witz bereit hält und letztlich durchdachter wirkt als die Textmischung. Lutz Rademacher leitet das ad hoc zusammen gestellte Orchester. Sebastian Kowski ist der Wortführer in der Holofernes-Truppe, er lässt die Muskeln spielen. Auch seine Kumpanen sind "echte" Männer. Eine Noli-me-tangere-Figur: Stephanie Schönfeld. In ihrem altmodischen Faltenrock ist sie genau das Gegenteil zur quirlig-frech-kessen Zweit-Judith Anne Tismer. Die schmucklose schwarze Bühne (Bühne und Kostüme: Muriel Gerstner) hat hinten noch ein Guckkasten-Bühnchen, wo die Protagonisten am Ende die Judith-Ikonographie aus der bildenden Kunst in Standbildern "durchspielen".

Wie war das doch am Ende der Bordellszene? Da hat die "moderne" Judith ihrer "altmodischen" Kollegin zugestimmt, dass es nun Zeit für den Mord wäre: "Ja klar, aber wie setzen wir das jetzt um?" Sebsatsian Nübling hat diese Hebbel-light-Version lustvoll aktionistisch umgesetzt. Aber was er uns wohl wirklich erzählen will über Gott und die Welt? Der großer, dankbare, zeitlose Stoff ist in Salzburg schon sehr marginalisiert.

 

 

Judith
von Friedrich Hebbel

Juditha Triumphans

von Antonio Vivaldi
Inszenierung: Sebastian Nübling, Austattung: Muriel Gerstner, musikalische Leitung: Lutz Rademacher, Komposition: Lars Witterhagen. Mit: Anne Tismer, Tajana Raj, Stephanie Schönfeld, Jonas Fürstenau, Daniel Gloger, Sebastian Kowski, Sebastian, Scandariato Matias Tosi, Capella Triumphans, Annelie Gahl (Leitung).

www.salzburgerfestspiele.at

 


Kritikenrundschau

Abenteuerlustig habe sich in Salzburg "ein großes Theaterteam in das Meer eines alten Stoffes gewagt", schreibt Peter Michalzik Frankfurter Rundschau (29.7.) "Aber der Stoff hat sich als zu groß erwiesen. Je länger der dreistündige Abend dauerte, desto tiefer versank die Aufführung im unübersehbaren Material, bis kaum mehr etwas von ihr übrig blieb." Auch die Texte, die Anne Tismer, ein der Judith-Darstellerinnen, zur Aufführung beigesteuert hat, überzeugen Michalzik nicht. "Warum muss Frau Tismer uns als Anklage fünf Minuten lang das um die Ohren hauen, was über die ungerechte Verteilung von Wasser in jeder Zeitung steht?" fragt er. "Und warum muss sie dazu Rad schlagen und Spagat machen?" Man wohne ausufernder Bildproduktion bei, "von Sinnproduktion ist man dagegen weit entfernt und damit auch von der Befragung von Frauenbildern, um die es doch geht. Die einzelnen Schichten des Stoffs werden ihres Gehalts entkleidet": Je länger das gehe, desto ununterscheidbarer werde das graue Meer und desto unabweisbarer kommt Michalzik auch das Wort "Programmhefttheater" in den Sinn.

Von einem "denkfaulen Abend", der den Judith-Deutungen keine neue hinzugefügt habe, spricht Christopher Schmidt in der Süddeutschen Zeitung (29.7.) Während Lars Wittershagen und Lutz Rademacher aus seiner Sicht zumindest "Zeiten und Musiken in einen spannungsvollen Dialog" setzen würden, herrsche auf der Textebene Beliebigkeit. "Weder bekommt man eine Ahnung von den Originalen, noch fügen sich die Versatzstücke zu einem Dritten." So missrate Nübling diesmal, was ihm vor drei Jahren in Basel mit "Dido und Aeneas" nach Purcell und Marlowe wunderbar gelungen sei. "Was nicht zusammenpasst, wird jetzt mit dem Vorschlaghammer angepasst, wie man sich hier überhaupt im Grobmotorischen eher zu Hause fühlt als im Feinstofflichen", was für Schmidt auch auf die Texte von Anne Tismer zutrifft. Mit einer nonchalanten Geste streiche die Inszenierung das Drama durch, "als gelte es, letzten Bildungsballast abzuwerfen. Pathos konterkariert sie mit Free-Jazz- und Kampfsporteinlagen sowie Wikipedia-Kurzreferaten über den Clash der Kulturen. Das Problem ist nur, dass der Abend permanent die Bildung voraussetzt, die er zur Hölle wünscht."

Für Gerhard Rohde von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (29.7.) erweist sich die Idee, "Vivaldis festlich gestimmtes barockes Huldigungs-Oratorium mit Hebbels psychologisch zergrübeltem Drama zu kombinieren", eher als kontraproduktiv. Schon dem Hebbelschen Versuch, in 'Judith' die Geschlechterpsychologie mit einer Religionskritik des neunzehnten Jahrhunderts zu verknüpfen, haftet seiner Ansicht nach "etwas Gequältes an". Um diesen Eindruck zu lindern, hätten Nübling und sein Team "fleißig Gegenwärtiges an Text und Musik in die umfängliche Szenenfolge" eingeschoben, der daher für Rohde "nur schwer ein dramatisches Kontinuum gewinnt, geschweige denn finale Stringenz". Im Übrigen werde besonders von Anne Tismer der "Kunst des kleinstimmigen Schreiens huldigt – eine Spezialität des gegenwärtigen deutschsprachigen Theaters". Was den Kritiker gleichwohl für die zerfaserte Aufführung einnimmt, der immer wieder auch einprägsame Bilder gelängen, "ist der enorme Einsatz aller Mitspieler, das elastisch-tänzerische Agieren der Holofernes-Gruppe bis hin zur physischen Erschöpfung, der körperliche Einsatz auch der Judith-Darstellerinnen. Dadurch gewinnen die Abläufe der Auftritte und Szenenfolgen eine bemerkenswerte Geschmeidigkeit und theatralische Plastizität."


Einen schwungvollen Musik-Theater-Hybrid "mit stichhaltigen formalen Lösungen" dagegen hat Margarete Affenzeller von der Wiener Tageszeitung Der Standard (29.7.) gesehn. Allerdings hinken ihrem Eindruck zufolge die inhaltlichen Behauptungen einer " fein schnurrende Referenzmaschinerie" dem handwerklichen Vermögen hinterher.

"Genial und dilettantisch, schön und gewöhnlich, witzig und platt zugleich", fand
Norbert Mayer
von der Wiener Tageszeitung Die Presse (29.7.) Nüblings "Show", fühlte sich allerdings nach "drei Stunden Gesamtkunstwerk" am Ende so  kopflos wie Holofernes. "Es wird deklamiert, musiziert und getanzt, für Bildungsbürger gibt es am Ende sogar Scharaden nach barocken Schinken, zuvor komplexe Arien in Latein." Trotzdem ergibt sich für Mayer nicht wirklich ein stimmiges Gesamtbild, nur beeindruckende Einzelbilder und Momente. Auch fragt er sie Nübling geritten hat, diesen komplexen Stoff mit Anne Tismers vie zu simplen "Girlie-Texten" versehen. Überhaupt diese drei Judiths: "Mann, Nübling!" stöhnt Mayer. "Diese überspannten Tussen gehen einem mit der Zeit echt auf den Keks."

"Ein anregender Abend mit betörend schönen Momenten", schreibt Ulrich Weinzierl in der Tageszeitung Die Welt (29.7.) "Das Wichtigste: Er langweilt keinen Augenblick." Trotzdem kostet es den Kritiker augenscheinlich einigen Zuschauerschweiß, um zu diesem freundlichen Gesamturteil zu gelangen, woran, wie wir lesen "Nüblings gnadenloses Kunstwollen" und ein "gewisser Hang zur Schmockerei" schuld ist. Und das "Text-Ragout", für Weinzierl eine "Mischung aus Hebbel und emanzipatorischem Sexualgeplapper à la René Pollesch." Vorbehaltlos wird dagegen Lutz Rademachers Präzisionsarbeit als Dirigent gefeiert: "das federt, das schwebt, das reißt mit und verzaubert."

Jürgen Berger winkt in der Berliner taz (30.7.) eher ab. Spannend wird das Patchwork für ihn nur, "wenn Mezzosopranistin Tatjana Raj als eine der drei Judiths zum ersten Mal im Heerlager der Assyrer auftaucht und mit Vivaldi gegen das Holofernes-Rudel ansingt. Lange hält sie einen hohen Ton, den die Tontechnik in einen Echoraum überführt und der von dort von Tatjana Raj wieder zurückgeholt wird, sobald das zurückweichende Rudel sich erneut nähert." Ansonsten wirkt die Regie von Sebastian Nübling auf Berger, "als sei er nur Arrangeur einer Überfülle von Judith-Material."

 

 

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Kommentare

Kommentare  
#1 Salzburger Judith: hohe Zeitgenossenschaft verkanntholofernes 2009-07-28 15:18
oje lieber herr kriechbaum, wie kann man nur derart ungenau schauen, pauschal und mit verlaub unqualifiziert sänger verreißen und die hohe zeitgenossenschaft dieser aufführung verkennen? Zudem ist ihre Kritik gespickt mit seltsamen Widersprüchen gerade im musikalischen urteil! Sänger furchtbar, aber sonst musikalisch toll? Wie geht das? Nübling ein lustvoller alt-68er? Oje! Das ist keine kritik sondern ein offenbarungseid!
#2 Nüblings Judith: sich selbst leider für genial haltendjudith 2009-07-29 21:43
nübling ist ein kunsthandwerker, die tismer eine sich selbst leider für genial haltende schauspielerin, die machmal dann aus dieser pose in ein art von autismus kippt, dino scandarinato und sebastian röhrle leider keine studierten schauspieler, sondern selbst ernannte, die eben in stuttgart lokalmatadormäßig spielen dürfen, der kowski schon in ordnung und die anderen geben sich redlich mühe...das alles als neue zeitgeistige inszenierung zu verkaufen, halte ich leider für kaisers neue kleider. sebastian nübling hat sehr lange kinder und jugendtheater gemacht, das merkt man ihm immer noch an... auch einer aus der sparte: ich bin eitel und von mir überzeugt, also bin ich..und nicht: ich muß dies ausdrücken, weil es mein inneres, sowie das innere der gesellschaft verlangt, mir sagt... jaja.. leider... das ist alles miene meinung, rein persönlich beobachtet und soll nicht beleidigend sein...
#3 Nüblings Judith: peinliche SacheLizzi 2009-07-30 14:51
oh je, was war das denn ? off theater aus den 90er jahren ? peinliche sache.
#4 Nüblings Judith: nicht mit einer Pose der GenialitätFlohbär 2009-07-30 20:51
@ Judith: Ich halte Anne Tismer für eine der besten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum, und ich habe sie schon häufig gesehen. Natürlich kann es ihrer Aufmerksamkeit nicht entgangen sein, dass sie auf der Bühne über ein breites Spektrum an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten verfügt. Aber sie läuft nicht mit einer Pose der Genialität herum und leidet weder an Überheblichkeit oder gar an Größenwahn. Da gibt es im Kulturbereich ganz andere Kandidatinnen und Kandidaten! Angesichts mancher Kollegen hätte sie sogar guten Grund, abzuheben, das tut sie aber nicht.
#5 Anne Tismers Judith: in ihrer Besonderheit suhlendjudith 2009-07-30 23:31
@flohbär
ich habe anne tismer schon auf der bühne beobachtet, da hat sie noch den fetzer unter kruse im klassenfeind in freiburg gespielt - mit einem oberschlimmschrecklichen s-fehler... ich fand sie damals schon etwas eitel und selbstbezogen, die anderen, ebenfalls genialen schauspielerinnen verdrängend..aber sie hat eine kraft und ein wollen um einen ausdruck ringend... als ich sie dann in der schaubühne und jetzt zuletzt im ballhaus ost gestrandet sah, war und bin ich enttäuscht. weil sie sich ihres ausdrucks plötzlich bewußt ist.. und deshalb eitel, sie wiederholt sich. ich bin und war enttäuscht.. sie scheint vielfach müde und sich in ihrer besonderheit suhlend, oft viel zu gleich. das ist vielleicht eine normaler fehler, der sich einschliecht, wenn man sich als schauspieler seines erfolges bewußt und zu sicher wird. das habe ich beobachtet. das gefällt mir nicht. sie ist außergewöhnlich, aber eben eitel. siehe oben. und diese texte in der judith, die finde ich einfach peinlich. sorry. nicht genial. leider. wie gesagt, meine persönliche meinung.
#6 Anne Tismers Judith: nicht vom Macker reingeknetet@judith 2009-07-31 00:32
ach judith, du bist doch schon wieder keine frau. du redest wien männlicher regisseur. also... wenn die schauspielerinnen sich ihres ausdrucks bewußt sind und der nicht von dem macker in sie reingeknetet wird, da stört dich das, ne?
#7 Anne Tismers Judith: 'ne Fraujudith 2009-07-31 03:10
doch, ich bin ne frau. was dagegen??
#8 Nüblings Judith: das wollte ich sehen!Wolfram 2009-08-10 00:04
Gesehen am 02.08.2009: Außer den harten Stühlen kann ich nur wenig an der Vorstellung kritisieren. Diese Mischung aus Schauspiel, Chor, Arien und Jazz war für mich brillant gelöst. Das wollte ich sehen und war begeistert.
Warum nur fühlen sich die Theaterkritiker der führenden Zeitungen in Deutschland angegriffen, wenn Frau Tismer die Ungerechtigkeiten vor ihnen, die das schon alles wissen, benennt? Warum denn jetzt schon wieder, wir, die doch nichts daran ändern können.
Oder doch?
Ich finde es wichtig, dass Sie die Ungerechtigkeit laut herausschreit, damit es die in der letzten Ecke auch noch hören, denn das ist ihr, Judiths Auftrag in heutiger Zeit. Keiner soll, wenn er am Ende kopflos herumläuft, meinen, unschuldig gewesen zu sein.
#9 Nüblings Judith: dekadent, zynisch, billigm.reinhardt 2009-08-10 00:23
@wolfram: weil die welt ein wenig komplexer ist? wenn man dinge ändern will, soll man das tun. Bitte ! Sofort ! Konkret ! Aber bei den Salzburger Festspielen viel Kohle verdienen (Audi !, Nestle !) und gleichzeitig mit Kritik an den Zuständen ein bisschen Eindruck schinden wollen, das ist dekadent, zynisch und echt billig.
#10 Nüblings Judith: Träume vom KollektivJeanne dArc 2009-08-10 02:28
Das Thema "Trinkwasser" im Kontext von Hebbels "Judith" erscheint mir durchaus plausibel. Es soll nämlich tatsächlich Leute geben, welche sich jeden Tag ein Vollbad in die Wanne laufen lassen. Ist das wirklich notwendig? Will sich da jemand im metaphorischen Sinne von allen Sünden freiwaschen/reinigen? Dass aber jedes Subjekt fehlbar ist und immer auch aus eigennnützigen Motiven handelt, das mag dem Gutmenschentum und moralischen Sendungsbewusstsein heutiger Christen entgegenstehen, gleichwohl steht es im Johannes Evangelium (8,7) geschrieben: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein [...]." Niemand sollte sich für moralisch wertvoller als seinen Nebenmenschen halten, es gibt keine schuldlos reine Welt. Wer das Gegenteil behauptet, der betreibt bereits Selektion. Die Hippies dagegen hatten noch Utopien: Sie träumten von einer friedlichen Welt, einer politischen Gemeinschaft von Subjekten, unabhängig von begrifflichen Kategorien wie race class und gender, unabhängig von materiellen Motiven und Interessen. Die Differenz vom aktuellen globalisierten Finanzkapitalismus zur politisierten 68er-Generation eröffnet einen Denk-Raum: Haben wir nichts zu verlieren oder haben wir bereits alles verloren? Vielleicht ist wieder mal Zeit für neue alte Utopien: "Wir haben nichts zu verlieren / Außer unserer Angst / Es ist unsere Zukunft / Es ist unser Land / Gib mir deine Liebe / Gib mir deine Hand." (Ton Steine Scherben) Vielleicht wird es Zeit, gegen das individualisierte Konkurrenz- und Profitdenken wieder mal vom füreinander sorgenden Kollektiv zu träumen. Nichts ist unmöglich, oder? Music makes the people come together.
#11 Nüblings Judith: Komplizen von Nestlém.reinhardt 2009-08-10 04:57
@wissen Sie wieviel ihr täglisches Posting an Strom verbraucht ? Jeder Suchvorgang im Internet braucht soviel Strom wie 1 h Glühbirne. zur Information: Nestle, das Gruselunternehmen, welches die Salzburger Festspiele sponsert und der Regie und den Schauspielerinnen somit ihre Gage zahlt hat u.a. folgende Wassermarken: Perrier, Poland Spring, Vittel, Aquarel, San Pellegrino, Contrex, Aqua Panna, Neuselters, Frische Brise, Kloster Quelle, Fürst Bismarck Quelle, Nestlé Aquarel, Nestlé Wellness, Henniez. Sie zerstören örtliche Wasserfirmen, sie wollen Wasser zu einem puren Produkt machen, dass dann eben nicht mehr leistbar bzw. frei verfügbar ist. Eine Marke heisst sogar Pure Life, das wird extra für Entwicklungsländer hergestellt, zerstört durch teure Tiefbohrungen Grundwasser in Brasilien, Afrika und Pakistan und führt dazu, dass die Menschen vor Ort nicht mehr aus ihren Brunnen oder aus dem Leitungswasser trinken können. Das ist Nestle. Da ist so eine Inzenierung doch der zynischste Hohn. Abstrakt wollen die Künstler was verändern, real nehmen sie aber die Kohle und werden sogar zu Komplizen.
#12 Nüblings Judith: Song-Vorschlaga.frege 2009-08-10 12:17
Judith Holofernes hätte auch singen können:

...komm ich zeig dir wie groß meine Liebe ist, und bringe uns beide um.

Damit das mit nestlé endlich erledigt ist!
#13 Nüblings Judith: lieber Sponsoring als gar kein Theaterwolfgang 2009-08-10 12:33
@m. reinhardt: ich trinke gerne Wasser von Nestle, finde Audi baut gute Autos und sehe lieber durch Sponsoring zustande gekommene Aufführungen als gar keine. Zwischen der mit wassergefüllten Badewanne in Salzburg und der Wasserknappheit in der Sahara besteht kein Zusammenhang. Es sei denn Sie stellen ihn her, indem Sie zum Beispiel das bei Ihnen eingesparte Wasser auf dem ökologisch bestmöglichen Weg an eine passende Adresse dorthin verschicken.
#14 Nüblings Judith: kein schlechtes Gewissen trotz NestléFlohbär 2009-08-10 14:15
@m.reinhardt: Fast hätten Sie mir einen Schrecken eingejagt, denn ich habe nach einem Kinobesuch letzte Woche in einem Café am Potsdamer Platz ein Perrier-Wasser von Nestle getrunken. Doch trotz des Erwerbs eines um das Wassermonopol ringenden Herstellers stellte sich aus unerfindlichen Gründen kein schlechtes Gewissen ein.
Ich besuchte schon einige Rock-Festivals, die nur durch Sponsoring zustande kamen. Auf der Bühne wurde von Menschlichkeit und gegen Ausbeutung gesungen, obwohl das Ganze von vielleicht zweifelhaften Firmen finanziert wurde. Sind die Musiker deshalb Komplizen? Ich schließe mich der Meinung von Wolfgang an: lieber Veranstaltungen und Theater mit Sponsoring als gar nichts.
Die von Anne Tismer in dem Stück angesprochene globale Wasserversorgung ist sicherlich ein Problem. Leider weiß ich von der Inszenierung nur durch Fernsehausschnitte und Presseberichte. Das Judith-Thema interessiert mich weitaus mehr als Wasser und Sponsoring. Dieses Thema wurde schon oft variiert, z.B. bei Heinrich Heine (Atta Troll), Flaubert, Huysmans, Laforgue und natürlich Oscar Wilde. Da heißen die Gestalten Salome und Johannes der Täufer (Jochanaan), dessen abgeschnittener Kopf der (liebes-)trunkenen Salome auf einem silbernen Tablett präsentiert wurde. Im 19. Jahrhundert wurden mit der dämonischen Frauenschönheit auch gewisse Leser-Phantasien bedient.
Um mir das Stück anzusehen, müsste ich im Oktober nach Stuttgart fahren, eine Stadt, die ich 1984 zum letzten Mal anlässlich eines Rockkonzerts betreten habe. Nein, es war nicht Ton Steine Scherben. Der oben zitierte Text stammt von 1972. "Der Traum ist aus/Aber ich werde alles geben/dass er wirklich wird", so geht es weiter. Vielleicht wird Jeanne einiges geben.
#15 Nüblings Judith: lieber kein Theater als Nestlé-Stückem.reinhardt 2009-08-10 15:21
und ich finde lieber kein stück, als von nestle finanziert. so einfach kann es manchmal sein.
#16 Nüblings Judith: nach der Krise ist vor der KriseJeanne dArc 2009-08-10 17:02
Das Thema Trinkwasser ist ein globales Problem, auch im Nahostkonflikt ist der Kampf ums Wasser einer der zentralen Punkte. Wie gesagt, es geht um ein grundlegendes Umdenken. Und das kann bereits beim Mineralwasser und bei der Badewanne beginnen. In welchem Maße, das muss der persönlichen Entscheidung jedes einzelne Subjekts überlassen bleiben. Und ebendas ist das Thema von Hebbels "Judith". Solange man meint, für die abstrakte Idee/Ideologie über Leichen gehen zu dürfen, stimmt etwas nicht. Solange man die "Täter" zwar bestraft, aber die "Opfer" nicht entschädigt und alle so weitermachen wie bisher, ist wohl was faul im Staate Dänemark. Im Kontext der aktuellen Finanzkrise könnte das heissen: Solange die Investmentbanker nach der Krise und staatlicherseits "gerettet" so weitermachen wie vor der Krise, wird sich die Situation nicht ändern. "Ändere dich Situation!" (Pollesch) - so einfach ist das eben nicht oder auch: Im Anfang war vielleicht das Wort, aber Worte und Versprechungen allein reichen nicht.
Also, Flohbär, es geht nicht allein ums Geben, sondern um Wechselseitigkeit, aber das haben Sie bestimmt genauso gemeint, oder?
@ a. frege: Wie meinen Sie das? Dieser "Hosen"-Song erinnert mich eher an Shakespeares "Romeo und Julia". Mit Hebbels "Judith" kann man den thematisch nicht in Verbindung bringen, denn Judith bringt sich ja gerade nicht mit um, sondern rächt sich an Holofernes, welcher für sie die Stelle ihres Gottes bzw. der abstrakten Idee eingenommen hatte. Die Frage ist hier ganz allgemein, ob Rache eine Lösung sein kann. Denn wie gesagt, wir haben alle Dreck am Stecken.
#17 Nüblings Judith: Anne Tismers Berechtigungandalusischer Hund 2009-08-17 00:02
@m. reinhardt: Diese Ihre alles oder nichts Ansicht ist eine derartig lähmende Kraft...Gegen denken und gegen agieren. Ja,es ist eine komplizierte Welt. Ja,es hat alles zwei Seiten, Seiten von denen wir nur selten was ahnen, und denen wir im großen und ganzen machtlos gegenüber stehen. Und ich brauch nicht in einer von Nestle gesponserte Vorstellung zu gehen um mich als Komplize zu fühlen. Wenn Sie wollen, sind wir alle nur durch unsere Existenz Komplizen. Da gibt es viele andere Bereiche
die man sich vornehmen könnte, lange bevor man an Kunst ankommt. Aber ist es nicht genau dieser schrecklicher Widerspruch, die uns in jedem Schritt und Tritt begleitet, unsere größte Tragödie? oder sollen wir deswegen aufhören dagegen anzukämpfen? Das gibt Anne Tismer die Berechtigung. Sie ist ja wohl dessen bewußt, was glauben Sie eigentich!Es wird laut und verzweifelt geschrien und erweckt Hoffnung, kommt sinnlos vor...thematisiert.
Und zur Gage der Künstler; ich finde es geradezu lächerlich solchen Künstler, ob Sie Ihnen gefallen oder nicht, vorzuwerfen das sie einfach die Kohle kassieren...
Von wo Gelder kommen und wohin Gelder fließen ist ja ein ganz großes Thema, doch Kunst muß es weiterhin geben und Künstler müssen von was leben, so einfach ist es!und übrigens;sind sie sich sicher daß Ihr Gehalt moralisch unantastbar ist?
#18 Nüblings Judith: beinahe Buhmaria 2009-08-17 00:18
ich finde es interessant welche diskussion diese aufführung hier im netz nach sich gezogen hat.
Meinem Empfinden nach war die aufführung ein in teilen interessanter aber leider gescheiterter versuch. Habe schon lange keine so schlechten schauspieler mehr gesehen, inclusive frau tismer, die mich früher mal begeisterte. Über ihre texte sollte man auch eher den mantel des schweigens legen. Nervend und peinlich, ich hätte mich fast zu einem Buuh hinreißen lassen.
#19 Nüblings Judith: Es gibt kein Richtiges im falschen Salzburgsalzburg 2009-08-17 02:26
der vergleich den anne tismer macht ist folgender: holofernes schneidet die stadt, die er besiegen will, vom wasser ab, die leute drohen zu verdursten und werden wehrlos. dasselbe macht der westen mit afrika. wir schneiden die wissentlich vom wasser ab. nestle hat dabei in der tat eine ganz üble vision. sie wollen trinkwasser privatisieren. trinkwasser kann man aber nicht privatisieren, genau so wenig wie luft. es ist eine völlig abartige idee. genauso arartig wie die ideen, auf die holofernes kommt in seinem machtrausch. er ist unberechenbar, er folgt nur der logik der freude an der grausamakeit und dem machtrausch. nestle hat einen ähnlichen wunsch: einfach alles soll kommerzialisiert werden, die firma soll immer weiter wachsen. afrika ist ein arbeitslager. die menschen dort sind biomasse. einkaserniert durch uns. die arbeiten da für uns für absurd niedrigen lohn, meisten verrecken sie bei ihrer arbeit für uns. unsere handies, unsere baumwolle, irgendwelche t shirts. bei den salzburger festspielen sitzen die mächtigen. es sind - etwas vereinfacht gesprochen - die lagererbauer des arbeitslagers afrika, die da sitzen. wie die da in die oper gehen, ist wirklich widerwärtig. dieses zurschaustellen ihrer garderobe, die ahnungslosigkeit gegenüber dessen, was kunnst sein könnte. kunst ist immer abwesend in salzburg. salzburg ist ein ort, an dem kunst nicht stattfinden kann. es ist natürlich fragwürdig, da überhaupt zu arbeiten. aber das angebot ist zu verlockend. man bekommt dort viel geld als künstler und man erzählt sich dort die geschichte, dass es eine art elite festival ist, zu dem nur die besten der besten eingeladen werden. und alle zahlen dort immer wieder mit dem abschleifen ihrer kunst. es gibt keine guten, keine gelungenen produktionen aus salzburg. weil man nicht weiß, für wen man dort arbeitet. für diese geldschweine will man ja nicht arbeiten. plötzlich aber stellt man fest, dass die alle da sind und das man jetzt für die engagiert wurde und dass die einen auch nur als dienstleister sehen. die wollen etwas, das sie selbst nicht definieren können. die wollen die inszenierung von daniel kehlmanns vater sehen. wenn wirklich jemand so inszenieren würde dort wie daniel kehlmanns vater wären alle entsetzt, so reaktionär wollen die sich auch nicht gespiegelt sehen. aber über wasser und nestle wollen die auch nichts hören. es gibt keine richtiges im falschen salzburg. für jeden künstler ist salzburg eine no win situation. so kommen dann diese seltsamen konzepte zustande. eigentlich macht der nübling da einen ganz netten, verdaulichen abend, aber irgendwas sagt ihm: ich muss mir jetzt noch eine störung dazuholen, sonst bin ich ja komplett so wie diese salzburger geldschweine: und da kommt dann anne tismer und performt texte, die sie sonst im ballhaus ost performt. und in salzburg sind dann die geldschweine angewidert. die wollen nichts wissen über trinkwasserarmut in afrika, die könnten ja was daran ändern, das wollen die aber nicht.
#20 Nüblings Judith: Sesamstraße an Jeanneernie@bert 2009-08-17 09:57
sehr geehrte frau jeanne, sie schreiben bei punkt 16, sagt ernie, da schreiben sie, rache ist keine lösung.
das glauben wir, ernie@bert auch aus tiefstem herzen.

aber stell dir vor, was passiert ist, gestern war doch das sesamstrassen-fest, da war das auch thema, ob wir eine aktion gegen die supermarkt-kette starten sollen, die unsere strasse, unseren ureigensten lebensraum einfach so kaputt machen will... es gab für und gegenstimmen, es kam keine einheit darüber zustande.
aber gestern nachmittag nun, ist der bauherr bei einer begehung der geplanten baustelle in einen gulli gefallen, der im rahmen der anstehenden arbeiten bereits geöffnet war, und ist schwer verunglückt. aus dem krankenhaus kam die meldung, dass er womöglich querschnittsgelähmt ist, und im rollstuhl sitzen muss. der arme mann, dass haben ernie@bert ihm natürlich nicht an den hals gewünscht, das ginge ja auch gar nicht.
aber unserer spezieller puppengott beap hat wohl da eine schützende hand über unsere strasse gehalten, und den manager im richtigen falschen moment in den gulli treten lassen.
so könnte man es jedenfalls sehen, oder jeanne?
denn es ist ja kaum anzunehmen, dass sie ihre anbetungswürdigen finger im spiel hatten?!
obwohl ernie schon sowas hat anklingen lassen, aber das ist typisch ernie, lange denken ist nicht sein ding.
ihre treuen verehrer, ernie@bert
#21 Nüblings Judith: Jeanne an SesamstraßeJeanne dArc 2009-08-17 14:35
@ ernie@bert: Entschuldigt, aber jetzt habt ihr bereits alles wieder verspielt. Ich lasse mich nicht von 20 - 30jährigen Kindern vereinnahmen, welche sich in naiver Schadenfreude daran ergötzen, dass "böse Manager" durch Abstürze in Gullydeckel mit einer lebenslangen Querschnittslähmung bestraft werden, welche ihr Leben für immer beeinträchtigt. Genau darum ging es mir, wohin führt diese Lust an der "göttlichen Rache", wenn menschliche Subjekte dabei zu Schaden kommen? Versucht doch lieber, andere mit Argumenten für euer durchaus berechtigtes Anliegen zu überzeugen und genau den Massen, welche sich blind in diese Malls stürzen, die Augen für eine politische Erkenntnis zu öffnen. Macht Kunstaktionen in Malls, whatever. Aber wenn ihr euch über so einen Unfall freut, dann habt ihr im Grunde schon verloren. Niemand wird euch mehr zuhören, weil ihr ausser eurer kleinmütigen Rache keine positiven Gegenargumente formulieren könnt. Menschen sind keine Computerspielfiguren, welche nach dem "Abschießen" auf wundersame Weise wieder auferstehen.
#22 Nüblings Judith: Sesamstraße erklärt sichBibo 2009-08-17 17:56
Unser Verein Sesam nullneun e.V. ist mit dem Tourbus Ende Juli nach Salzburg gefahren, um sich die Stuttgarter Schauspiel- und Opernkollegen in Hebbels Judith live anzuschauen. Die Kostüme waren schon mal schrill, da haben wir uns einige Anregungen holen können und die vielen Rollen und alter egos sind mit unserer Auffassung des traditionellen Theaters kompatibel. Schade, dass Nübling selber nicht mitspielte, aber es war auch so eine rundum sehenswerte Darbietung für uns, Judith in verschiedene Persönlichkeiten gesplittet, sehr spannend. Da dieser fiese Macho Holofernes den anderen den Hahn abdrehen wollte, ist die Reaktion der weiblichen Heldin nachvollziehbar.
ernie@bert haben ja bereits anklingen lassen, dass auch wir, unser Verein, von macht- und geldgierigen Global Playern vereinnahmt werden soll und dass die Sesamstrasse ersatzlos gestrichen werden soll, zugunsten eines betonierten Platzes mit Supermarkt. Im Vorfeld haben wir verschiedene Aktionen veranstaltet, um auf die Misere aufmerksam zu machen, Grobi und Krümelmonster hatten einen erotischen Tango aufgeführt, ernie@bert haben eine Tombola organisiert und Tiffi und Samson eine Unterschriftenaktion angeleiert. Hat alles nichts gebracht. Nächste Woche soll Baubeginn sein.
ernie@bert haben mich gebeten, eine Pressemitteilung folgenden Inhalts zu veröffentlichen:

Die Bewohner der Sesamstraße sowie der Verein Sesam nullneun distanzieren sich von Aussagen, sie hätten sich über den verunfallten Bauherren gefreut. Wir alle bedauern den unglücklichen Unfall, der durch Ungeschick des Shopmanagers wie auch mangelnde Baustellen-Sicherung als unglückliches Zusammentreffen zustande kam.
Gemeinsam haben wir ihn bereits im Krankenhaus besucht und ihm ein Bukett unserer Sesamveilchen überreicht. Die Hausband hat ihm ein Ständchen gebracht. Es geht ihm inzwischen besser, die Ärzte können aber noch keine Prognosen rausgeben.
Er ließ uns ausrichten, dass die Baustelle bis auf weiteres pausieren werde und das Gesamtkonzept nochmal überdacht wird.
Wir haben große berechtigte Hoffnungen, dass ein neuer Standort für den Supermarkt gesucht wird und dass die Sesamstrasse bleiben kann!
Selbstverständlich wünschen wir dem Manager alles Gute und gute Besserung! gez. Bibo

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