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KulturwissenschaftlerInnen mit Gender-Avonköfferchen

14. Februar 2009. nachkritik.de meldet, dass Birgit Minichmayer bei den Berliner Filmfestspielen für ihr Spiel in Maren Ades Film "Alle Anderen" den Silbernen Bären als beste Darstellerin erhalten hat.

Dass das Internet so ziemlich alles auf den Kopf stellt, wird im Verlauf einer Diskussion klar, in der die KombattantInnen so tun, als fechten sie einen veritablen Geschlechterkampf aus, sich dann aber plötzlich hinstellen und rufen: Hä hä, dran gekriegt, ich Mann bin ja in Wirklichkeit eine Frau-hau, ä-hä-tsch!

Die Post geht ab, als "Erich Bahr", allein gegen alle, den Minichmayer-Fans den Fehdehandschuh hinhaut. Für ihn hat das Spiel der Brandauer-Schülerin "zuviel power, die jegliche feinheit übertönt", es sei "sinnlich, aber nicht erotisch, kraftvoll, aber nicht ehrlich-lebendig", kurz: es handle sich nicht um Kunst. Deutschland sei eben, mit Madame de Stael gesprochen, "ein land der kulturellen hanswurste" und genauso sähen eben auch "unsere berlinale gewinner" aus.

Für diesen Freimut bekommt "Bahr" kräftig Haue: "großes rätsel, was ausgerechnet jemand wie Sie ins theater geführt hat", geht eineR in die Vollen. "Inga Sundström" macht es traurig, dass Bahr versuche, "eine stereotype Fixierung weiblicher und männlicher Geschlechterrollen" zu betreiben. Das geht eine Weile so. Aber am schönsten in Netz-Auseinandersetzungen ist es eben doch, persönlich zu werden. Und so schießen Mutmaßungen über Bahrs Alter und seinen "generationell" gegründeten Patriarchalismus ins Kraut. Doch "Bahr" ist ein fintenreicher Internet-Fighter. Zuerst outet er sich als jung, jünger als die Minichmayer, was die Gegner bereits verblüfft. Den Coup landet er aber mit der Behauptung, er sei sowieso eine Frau, nicht-deutsch und mit "teilweise" von den Nazis verfolgten Vorfahren. Der Mann (die Frau?) weiß wirklich wie's gemacht wird. Fehlte nur noch "Kommunist" und "Schwarzer".

Am Ende, nach einem auf Französisch verabredeten Rendezvous, ("Ich liebe es! Der Wahnsinn bricht aus, es wird eine Kontaktbörse") sind die "emanzipierten KulturwissenschaftlerInnen mit ihrem Gender-Avonköfferchen als Gehirnprothese" ("Heribert Fassbender") erschöpft. Und von Erich Bahr weiß man weniger denn je, welchen Geschlechts, Alters und politischer Familiengeschichte er/sie denn sei.

 

 
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