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Visionen von Johanna

10. Oktober 2009. Anouk van Dijk tanzt und Falk Richter hat Worte dazu gefunden. Trust heißt die Aufführung in der Schaubühne und wird als eine der wenigen guten eines miesen Berliner Theaterherbstes gesehen. Auch die Nachtkritikerin Kaempf lobt, die sich anschließende Diskussion ist ein Solo für "Jeanne d'Arc".

René Links: "Falk Richters Texte, die sich mit Zwischenmenschlichkeit auseinandersetzen, sind nach wie vor grandios und aktuell! Allerdings fehlt ihnen allzu oft die Zuversicht, das Vertrauen in eine gesunde Beziehungsfähigkeit des Menschen."

Jeanne d'Arc: "ökonomisch-politischen Kontext … Zusammenbruch des Systems des globalen Finanzkapitalismus … reine instrumentelle Vernunft… Emotionen der menschlichen Subjekte … das Körperliche ist unberechenbar … Differenz der feinen Unterschiede … kulturelle Wertesystem der Mittelschichten … Platzen der virtuellen Blase … Provokation und Empörung … Parole "Misstrauen & Behagen" ... Kapitalismuskritik … Lieschen Müller … noch um Ethik oder schon um Profit … Mechanisierung, Bürokratisierung und Rationalisierung der Produktionsverhältnisse … Prinzip des uneingelösten Versprechens … Lagerkoller der Shock Doctrine … Navigationssystem … erfülltes Leben … Basis von Angst und Pessimus ... Oh Gott … Oh Gott … keine einfachen Endlösungen … innerhalb dieses System verorten …  Ungerechtigkeit und Vertrauensbruch … im ökonomistischen Effizienzdenken … Solidarität und Gemeinsinn … Ausnahmezustand … Ausgewogenheit Unausgewogenheit … wahlweise heraufziehenden Kommunismus oder Nationalsozialismus … Individualisierung, Entsolidarisierung und Entdemokratisierung … Ökonomisierung der Privatsphäre … It-Girl-Fondsmanagerin-Sprengmeisterin … Positivmüll … substantielle Vorstellung von Bezeichnungen … grundsätzliche Legitimationsprobleme … zeitgenössische therapeutische Weltsicht … Experten der Seele … Theodizeefrage … schlecht verwaltete Gefühle … Banalität."

Engelbert: "ich finde die zitate auch blöd, weil die nix mit kunst zu tun haben, das ist so seminarkram, für theater quark mit soße … falk richter sein steif belehrendes zeug."

Sebastian Hartmann: "Zitate ersetzen eigene Gedanken." (Lou van Burg)

Jeanne d'Arc: "Ja genau, auch bei Falk Richter ist es eben nicht der 'abstrakte Kapitalismus', der wieder mal an allem Schuld ist, sondern der Kapitalismus in uns. Bei Falk Richter dagegen geht es um die Kredit- und Kapitalökonomie. Falk Richter schreibt dazu im Material zum Stück. Dafür hat Falk Richter eben gerade kein Universalrezept. Wie bei Falk Richter. Im Text von Falk Richter. Bei Richter und bei Pollesch. Falk Richter spielt sehr gut mit dem rhetorischen Mittel der Ironie. Lachtränen in die Augen getrieben. Im Programmheft einen sehr interessanten Textauszug. Mir hat 'Trust' gefallen! 'Qualvoll' war 'Trust' für mich nicht. Im Gegenteil. Ich bin anscheinend so breit grinsend aus dem Saal gekommen. Da arbeitet Falk Richter aber differenzierter. Mir hat diese Inszenierung bereits vom ersten Eindruck her einfach nur gut gefallen. Wissen Sie was? Ich mag sie beide - Pollesch UND Richter! Ich setze mich mit der Inszenierung von Falk Richter auseinander. Vielleicht ist die mir dabei aber auch irgendwie ins Blut übergegangen, kann schon sein."

Lisa Müller: "Jeanne ist F. Richter …"

Jeanne d’Arc: "Ich bin Falk Richter? Hmmm, also das finde ich jetzt irgendwie richtig komisch, diese Annahme. Und dieser Vorwurf der Werbung für eine Person, das ist eine ganz alte und billige Masche, um jemandem den Wind aus den Segeln zu nehmen bzw. ihn zu delegitimieren. Ausserdem machen sich Falk Richters Figuren am Ende auch selbst lächerlich."

 

 

 

 
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