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Ich entlasse einen Gert Voss nicht aus der Verantwortung!

 

345. Unser Afrika

 

Hier, in der Kommentarspalte versammeln sich
vornehmlich Leute, die beispielsweise mit sehr
vielen Fremdwörtern um sich schmeißen,
abstruse politologische und verschwörungs-
theoretische Traktate absondern oder schlicht-
weg neidisches und kleinmütiges Zeugs … 
Nichts Besonderes also. Ansonsten ist das hier
eine sehr nützliche und lesenswerte Seite.

 

Heribert Fassbender, Posted 24.07.2009 16:50:41 .

 

14. Januar 2009. Das Berliner Theaterjahr 2009 beginnt in der Schaubühne mit einem der bekannten Jan Pappelbaum-Bungalows aus Plexiglas und Sperrholz. Für John Gabriel Borkman hat Thomas Ostermeier eine Starbesetzung aufgeboten. Kirsten Dene kommt vom Burgtheater Wien, Angela Winkler von ihrem Familien-Bauernhof und Sepp Bierbichler aus seiner Ambacher Gaststube. Sebastian Schwarz als Borkman junior antwortet auf die Beschwörungen all der Tschechow-Menschen, sie wollten, müssten, sollten arbeiten, mit einem Schrei nach Freiheit: "Ich bin jung, ich will nicht arbeiten, ich will leben".

Am nächsten Tag steigen die Kommentatoren bei nachtkritik.de in den Ring: "Das schlechteste, was ich von Ostermeier gesehen habe. Dene und Winkler für sich hervorragend, der Rest eine Katastrophe", macht "Martin" gar nicht viel Federlesen. "Laster an Luftballons" sieht in der Aufführung dieselbe totale Stagnation auf hohem Niveau, die auch draußen in der Gesellschaft herrscht, "ökonomistisches Machtstreben", sich "selbst verausgabende konsumistische Verschwendung". Gedanken, die jedoch weniger interessieren, als der Verdacht, in der Schaubühne sei die Selbstbedienung als fester Hausgast eingezogen.

Weil das Programmheft den Hausdramaturg Marius von Mayenburg für das Deutsch der Übersetzung zuständig erklärt, vermuten die Kommentatoren einen "Schwindel". Hat der Mayenburg etwa mehrere Tausend Euro Tantiemen (wie einer flugs vorrechnete) für die Übersetzung eingestrichen? Kann der überhaupt Norwegisch? Klebt also der Schaubühne "Dreck an Weste dran"? Die Wellen der allgegenwärtigen Empörungsbereitschaft schlagen so hoch, dass andere Leser ob der "Freunde des Finanzamtes" und "Bessermenschen vom GutundhochNiveauTheater" fassungslos die Kommentarhände überm Kommentarkopf zusammenschlagen. Die Kritiker fordern vom Theater Aufklärung. Doch als die Schaubühne anbietet, auf direkte, nicht-öffentlich gestellte Fragen zu antworten, herrscht plötzlich Ruhe im Kommentatoren-Karton.

Dafür hat sich mittlerweile die "RevolteGroup 49" zu Wort gemeldet, mit der Entdeckung eines Sandkastens, in dem Gott, Mayenburg und Ostermeier "Burgen bauen mit Eimerchen und Schäufelchen". In einem überraschenden "Lagebericht aus New York" gelingt es der Gruppe, John G. Borkmann als den Finanzbetrüger Bernard L. Madoff zu entlarven. "Ich Borkman sitze in meinem Apartment in Manhattan mit Fußfesseln, mein Chauffeur bringt mir schwarzer Afghan, sobald ich meine Eggs Benedict verzehrt habe …".

 

 


KulturwissenschaftlerInnen mit Gender-Avonköfferchen

14. Februar 2009. nachkritik.de meldet, dass Birgit Minichmayer bei den Berliner Filmfestspielen für ihr Spiel in Maren Ades Film "Alle Anderen" den Silbernen Bären als beste Darstellerin erhalten hat.

Dass das Internet so ziemlich alles auf den Kopf stellt, wird im Verlauf einer Diskussion klar, in der die KombattantInnen so tun, als fechten sie einen veritablen Geschlechterkampf aus, sich dann aber plötzlich hinstellen und rufen: Hä hä, dran gekriegt, ich Mann bin ja in Wirklichkeit eine Frau-hau, ä-hä-tsch!

Die Post geht ab, als "Erich Bahr", allein gegen alle, den Minichmayer-Fans den Fehdehandschuh hinhaut. Für ihn hat das Spiel der Brandauer-Schülerin "zuviel power, die jegliche feinheit übertönt", es sei "sinnlich, aber nicht erotisch, kraftvoll, aber nicht ehrlich-lebendig", kurz: es handle sich nicht um Kunst. Deutschland sei eben, mit Madame de Stael gesprochen, "ein land der kulturellen hanswurste" und genauso sähen eben auch "unsere berlinale gewinner" aus.

Für diesen Freimut bekommt "Bahr" kräftig Haue: "großes rätsel, was ausgerechnet jemand wie Sie ins theater geführt hat", geht eineR in die Vollen. "Inga Sundström" macht es traurig, dass Bahr versuche, "eine stereotype Fixierung weiblicher und männlicher Geschlechterrollen" zu betreiben. Das geht eine Weile so. Aber am schönsten in Netz-Auseinandersetzungen ist es eben doch, persönlich zu werden. Und so schießen Mutmaßungen über Bahrs Alter und seinen "generationell" gegründeten Patriarchalismus ins Kraut. Doch "Bahr" ist ein fintenreicher Internet-Fighter. Zuerst outet er sich als jung, jünger als die Minichmayer, was die Gegner bereits verblüfft. Den Coup landet er aber mit der Behauptung, er sei sowieso eine Frau, nicht-deutsch und mit "teilweise" von den Nazis verfolgten Vorfahren. Der Mann (die Frau?) weiß wirklich wie's gemacht wird. Fehlte nur noch "Kommunist" und "Schwarzer".

Am Ende, nach einem auf Französisch verabredeten Rendezvous, ("Ich liebe es! Der Wahnsinn bricht aus, es wird eine Kontaktbörse") sind die "emanzipierten KulturwissenschaftlerInnen mit ihrem Gender-Avonköfferchen als Gehirnprothese" ("Heribert Fassbender") erschöpft. Und von Erich Bahr weiß man weniger denn je, welchen Geschlechts, Alters und politischer Familiengeschichte er/sie denn sei.

 


Ulkigst genossener Stuhlorgasmus

9. April 2009. Frank Castorf, der Geliebte, der Unerreichte, in den Himmel gehobene und in den tiefsten Krisenabgrund niedergeschriebene Castorf, inszeniert Amanullah Amanullah, einen Franz Arnold & Ernst Bach-Schwank im Prater der Volksbühne. Mit afghanischem König, Augenrollen, Türenklappen, Gekreisch mit österreichischem Akzent. Für den hauseigenen Skandalruch sorgt der Verlag. Er argwöhnt allfällige Regiegewalttätigkeit gegen das literarische Kulturgut und verbietet die Verwendung des Original-Titels "Hulla di Bulla" .

Die Kommentare tröpfeln Castorf-unüblich eher spärlich. "Benjamin Blümchen" freut sich über "geile schauspieler" und die Rückkehr eines Ensembles. "Henriette Schwungfuß-Brolle" bekam Denkanregungen etwa zu "repressiven Mechanismen in einem Staat" in einer Aufführung weit über "dem üblichen Boulevardniveau". Heftiger schlagen die Commentatores mit den Flügeln als "Johnny Cash" knochentrocken für das 1928 geschriebene Stück "sozioökonomische und politische Parallelen" zur Weltwirtschaftskrise 1929 aufzuzeigen" sich anschickt. Sobald eine demokratische Gesellschaft sich nicht mehr auf "der Basis eines gemeinschaftlich ausgehandelten politischen Diskurses, sondern auf der eines reinen Verwaltungshandelns" aufbaue, liege "darin möglicherweise der Keim" für "mafiöse Verstrickungen". Das wiederum lasse sich mit dem von Castorf in den Schwank hineinmontierten "Artaud in Verbindung bringen, da die Pest ähnlich funktioniert: Sie löst einen lebendigen Organismus von innen heraus auf". Genauso lasse sich die "gegenwärtige Lage in Afghanistan beschreiben". Denn statt Freiheit und Demokratie herrschten "die Drogenökonomie mit ihren Händlern, Clans und Warlords". Uff.

Unbeeindruckt von derlei politischen Exegesen entgegnet "Kraftfahrzeug", das Theater sei nicht der Ort, "um den Klimawandel, die ökonomische Krise, die Armut der Massen diskursiv zu verhandeln". Erst in der "Reibung mit dem Publikum", das "frenetisch" nach den Lachen machenden "Belanglosigkeiten" verlange, könne "ein Theater-Bewußtsein" provoziert werden, das "für den Blick auf die Welt jenseits der Kunstinstitution von Belang sein kann". Castorf schaffe das, na klar, in dem er Politik und Leiden "affektiv" bündele und das Publikum fast folterhaft lange dem Theatralischen aussetze. Dagegen findet "puppetofmasters", Theater sei gar nicht "obligiert kopflastig" zu sein. Er jedenfalls habe die Aufführung "ulkigst genossen".

Das reicht, um die Diskussion in einen polemischen Schlagabtausch zu treiben, in dem Castorfs Aufführung, von einem "Stuhlorgasmus" abgesehen, keine, Heiner Müller, die Vornamen von Dostojewski, Italo Calvino, Giorgio Agamben, Fernsehserien im Allgemeinen sowie Walter Benjamins berühmter "Tigersprung ins Vergangene" im Besonderen eine prominente Rolle spielen.

 


Schlingensiefiaden

 

1. Mai bis 27. August 2009. Christoph Schlingensief beschäftigt die Gemüter der Kommentatoren-Gemeinde den ganzen Sommer lang. Nach seinem kontrovers debattierten Auftritt mit seiner Kirche der Angst auf dem Theatertreffen 2009, schreibt Marla P.: "Die Mythifizierung Schlingensiefs hat längst eingesetzt. Wir sind Schlingensief, wo er doch gleich auch noch den Krebs für uns austrägt. Nie war er so selbstdarstellerisch wie jetzt, aber von einem Selbstdarsteller spricht keiner mehr."

"Kirche der Angst" nimmt die Erkrankung Schlingensiefs zum Thema und Ausgangspunkt. "w.a." fragt, ob die andren Diskutanten etwa meinten, C.S. hätte "mit seinem Buch und seinem Öffentlichmachen" nichts bewegt in Sachen Krebs? "Viele waren berührt, haben etwas empfinden können und die tiefe der auseinandersetzung mit der dunklen seite in uns erfahren können", schreibt "Olaf" und ruft am Ende Schlingensief zur "Weltkunst" aus. "Jeanne d'Arc", die Unvermeidliche, behauptet, die Aufführung eröffne die Möglichkeit, "das Unverständliche ästhetisch wahrzunehmen, wo es rational nicht (mehr) fassbar" sei.

Da habe der Herr S. mit dem Krebs ja mal ein "gänzlich unbeackertes Feld" aufgetan, ätzt "aha". Während sich für den Krebs in seiner Familie keiner interessiere, werde Schlingensief "gefeiert, als hätte er Amerika entdeckt". "Roland Hübsch" findet, das "geliebte schwarze Schaf des Feuilletons" langweile mit "seinem Privat-Krempel", während "Jeanne d'Arc" schwurbelt, "das Fließen und Ausdehnen der Raum-Zeit, das Dahinfließen von Augenblicken" könne "wahrgenommen" werden in der Aufführung, "fixierte Denk- und Ordnungsschemata" würden "aufgebrochen", "Dimensionen des Tabus" an die "Oberfläche geschwemmt". Und gegen Zeitgenossen wie "Papst" gewandt, der froh ist, dass er den "verlogen weinerlich humorfreien Himmel" des Schlingensief-Universums gegen eine "saftig zynische Hölle" der nachtkritik-Kommentatoren tauschen kann, schreibt "Jeanne d'Arc", wie Beuys erkläre Schlingensief "lieber dem toten Hasen Bilder" als den "menschlichen Wesen mit ihrem sturen Rationalismus" und, schwupps, das Geoffenbarte, hier ward's Ereignis.

Nebenher macht auch ein fleckiger Stuhlgang Furore, der abermals die unnachahmliche "Jeanne" dazu anregt, sich an die "deutsche Toilettenideologie nach Zizek" zu erinnern, und letztendgültig zu fragen: "Warum ist etwas und vielmehr nichts?"

Der Onkel in der Sänfte

Kaum ist diese erste Schlingensiefiade vorüber, setzt auch schon die zweite Welle ein. Im Juni bringt ein Redaktionsblog eine Diskussion in Gang, die am Ende zeigt, wozu das Internet und seine Gemeinde fähig sind.

Aber der Reihe nach. Am Anfang schwebt der Onkel unserer Redakteurin auf einer Sänfte über die Unwegsamkeiten im Kamerun der vorletzten Jahrhundertwende. Er zitiert Goethe, um seine schwarzen Träger zu erbauen. Dann kommt der Weltkrieg, dann ist der Onkel alt und die Redakteurin sitzt, ein Kind noch, ihm zu Füßen und lauscht seinen Afrika-Erinnerungen. Schließlich kommt Schlingensief und will ein Opernhaus errichten in Afrika. Und unsere Redakteurin muss an ihren Onkel denken.

Kurz danach erscheint ein Artikel in der Wochenzeitung Die Zeit, der Schlingensiefs Besuch in Afrika schildert (1). Und schon bricht die erwartbare Diskussion los: Ist Schlingensief ein Kolonialist, der den "Negern" Wagner-Opern nahe bringen will oder ein Rassist, weil er glaubt Wagner sei besser als afrikanische Musik, oder sowieso ein Maniac, den man vor sich selber schützen müsse. Oder ist Schlingensief ein Guter, vielleicht sogar ein ganz Guter, der einfach was tut, wo die anderen nur schwätzen?

Ist es angemessen, fragen etliche Mitstreiter, dass Deutschland als Teil des Westens dafür sorgt, dass afrikanische Produzenten unter den herrschenden Bedingungen des Welthandels chancenlos am Weltmarkt bleiben, die Regierung aber via Goethe-Institut den Schlingensiefschen Kultur-Export subventioniert? Ist es richtig, dass die Festung Europa sich vor den Zuwanderern aus Afrika abschottet, aber deutsche Künstler nach Afrika schickt, damit sie dort, so Schlingensief, "lernen"? Schlingensief selbst macht auch mit in dieser Auseinandersetzung und wundert sich über den Grad an bösem Willen, an Missverstehenslust, den die Diskutanten aufbringen, insofern: alles beim Alten.

Neues erscheint indes, als die Kommentatoren anfangen, den Blick von dem exzentrischen Projekt eines Opernhauses für Afrika – das in Wirklichkeit genauso gut Schule, Krankenhaus und Kulturhaus wie eine Oper werden soll – abzuwenden und stattdessen auf sich selbst zu richten. Wie rassistisch sind wir eigentlich selbst? Wie kommen wir eigentlich dazu, nicht den leisesten Winkel des Kontinents Afrika zu kennen, aber durchaus vollmundig Strategien zu empfehlen, wie den Armen dort zu helfen sei? Unterstützen gerade Künstler mit ihren Projekten in Afrika die Politik der Nachhaltigkeit, was immer das bedeuten möge, oder ist nicht gerade diese Geste, etwas Luxuriöses wie ein Opernhaus in eine der ärmsten Gegenden der Welt zu bauen, ein Schlag mitten in die böse Fratze des rein zweckorientierten, grundschlechten Kapitalismus?

Libretto

Fast unhörbar erst, beginnt es im Schilf zu flüstern: lasst uns ein Libretto schreiben für die Oper. "Bettina" ruft "Carlos Palabras", den Poeten, auf, der fühlt sich geehrt, "Felicitas" hilft im Büro, und "Karl Laberfeld" hat "Respekt" vor Pferden, seit er vom Schimmel Diabolo fiel. "Corinna" kündigt ihren Job als Krankenschwester, "Raphael" kocht "spitze Ingwertee", "Sven Jurgel" recherchiert. Und dann beginnt die Produktion des Librettos: "… aus der Ackerwinde, das heitre / Sauget das Gift … Wollt ihr Negergesänge? Huri-Tänze? …" Nebenbei bleibt Zeit für das "ausweglos Tragische" und mancherlei Spekulationen über Identitäten der anonymen Librettisten. Raffael träumt von einem Traumzimmer wie aus einem französischen Film, in das er die Geliebte … blöderweise liegt bloß im Nebenzimmer eine alte Leiche, die er auf dem Gewissen hat.

Überraschenderweise entpuppt sich in Kommentar 198 Mitdiskutant "Helmut" als Kenner von Land und Leuten in Burkina Faso und der Sitten. Dort, teilt er mit, schweigen die Burkinabé auf peinliche Vorschläge wie den eines Opernhauses aus Höflichkeit und mögen die hierzulande so geschätzten Lehmbauten des Architekten und Schlingensief-Mitstreiters Francis Kéré gar nicht leiden. Sagt Helmut.

Während Schlingensief nach Burkina Faso reist und ein sehr dunkles Video eines Lagerfeuers ins Netz stellt, auf dem Trommeln zu hören sind und die Stimme des Meisters, wie er mehrfach das Wort "nachtkritik, nachtkritik" in die afrikanische Nacht hinein ruft, werden Stimmen laut, die argwöhnen, die afrikanische Oper sei der Versuch von Schlingensiefianern, jede Kritik am Projekt Festspielhaus durch "Aberwitz" zu unterwandern. Und verlässlich wie das Rattern tibetanischer Gebetsmühlen am Morgen erhebt sich die Frage: "Und was hat das noch mit Schlingensief zu tun?"

Es ist gleichsam schon im Herbst der Diskussion, da meldet sich "Larissa Schneider-Sölleking" aus Schniebelwald im Taunuskreis zu Wort. In der Gemeinde Schniebelwald, berichtet sie, "haben wir einen prozentualen Ausländeranteil von 0", und weil die Kinder auch aus dem Gröbsten raus seien, käme der Hobbyorganistin der örtlichen Kirchengemeinde das "Abenteuer Afrika" gerade recht. Dann wandert die Diskussion hinunter nach Namibia, wendet sich, unvermeidlich, Claus Peymann zu, streift den Bundesgerichtsghof in Karlsruhe, Flaubert oder Flohbär, beschäftigt sich mit den 18 Kilo, die Klaus Maria Brandauer im Playboy abgenommen hat, weil er 22 Tage lang nur Wasser trank, widmet sich den Begrenzungen eines Lebens als Organistin in Schniebelwald und außerdem fragt "Jeanne d'Arc" nach der "Konstruktion des Begriffskonzepts Liebe".

Die Redaktion blamiert sich, indem sie die lieben User verdächtigt, gar nicht Corinna, Feli, Bettina, Karl, Heribert, Sven und all die andern, sondern nur ein oder zwei User mit vielen Masken zu sein. Und am Ende sind Teil eins und Teil zwei eines Librettos Die Afrikanische Oper produziert und "Konrad" stellt alle Uhren wieder auf Anfang: "Kann jemand ganz kurz zusammenfassen, worum es hier überhaupt geht? Ich verstehe es nicht. Zunächst wurde Schlingensiefs Afrikaprojekt besprochen, also kritisiert und verteidigt, auch von Schlingensief selbst. Dann kam eine Art Libretto auf. Dieses besteht aus teilweise übernommenen, teilweise abgeänderten Passagen aus Werken toter Schreiber. Wieso soll das ein Libretto sein? Auf dem Weg gab es eine Art Romanze mit spanischen Einsprengseln und gegenseitigen Freundschaftsbekundungen. Jetzt zerfasert es alles, und gefakte oder reale Kirchgängerinnen winken einander zu. Dazwischen gab es noch Hinweise auf dies und das, Atta Atta und ich kann singen. Bin ich verrückt, oder sind die alle albern?"

(1) http://www.zeit.de/2009/27/DOS-Schlingensief

 


Nicht ernst zu nehmen

 

10. Juni 2009. Ebenfalls im Juni entspinnt sich eine heftige Diskussion zwischen Nachtkritikern und ihren KommentatorInnen. Der erste Anlass ist ein Text des Münchner Theaterkritikers Christopher Schmidt über Verausgabungstendenzen der Theater, in dem dieser von einer zunehmenden Zahl von Inszenierungen schreibt. Dabei gehe ein "Mehr an Produktionen bei gleichbleibenden oder sogar bereits geschrumpften Ressourcen zwangsläufig auf Kosten der Zeit und Sorgfalt" der einzelnen Produktion. Außerdem inszeniere eine "immer kleiner werdenden Schar tonangebender Regisseure" die "wichtigsten der so vielen Premieren". Immer unklarer werde, "zu welcher Ästhetik" sich die Theater" bekennen. Dafür übersetze eine "anschwellende Traktatliteratur für den Zuschauer", was dieser auf der Bühne nicht mehr entziffere. Daran wirkten auch die Kritiker kräftig mit, indem sie immer häufiger nicht mehr über, sondern "in den hauseigenen Publikationen" für das Theater schrieben und dadurch ihre Unabhängigkeit preisgäben.

Das gibt den ersten Anlass für eine Diskussion über die Unabhängigkeit von Kritikern. Und die Marktförmigkeit des Kunst-Ausstoßes der Theater. Doch alsbald verschiebt sich die Diskussion hin zu der Praxis der nachtkritik-Redaktion, persönlich beleidigende Kommentare, zu zensieren. Die Redaktion bekommt ordentlich ihr Fett weg, schlägt aber unverdrossen zurück. Die Anonymität, die Anonymität – ach wie sehr ist sie umstritten.

Nach Verrauchen ihrer Wut wenden sich die KommentatorInnen wieder Christopher Schmidt, seinem Text und Kritikern im Allgemeinen zu. Gleichsam im Vorübergehen zeiht einer Schmidt noch der "geistigen Brandstiftung" wegen seiner Kritik an Dieter Dorns Bayerischem Staatsschauspiel, aber schließlich einigt man sich doch gütlich, dass Kritiken weder auf den Erfolg einer Produktion beim Publikum nennenswerten Einfluss besäßen, noch in ihrem Urteil und seinen Begründungen wirklich ernst zu nehmen seien. Wie auch, wenn junge Kritiker mit beschränkter Seherfahrung versuchten, sich durch Verrisse publizistisch zu profilieren, während routinierte Theaterbesucher mit ihrer größeren Erfahrung das Gesehene wesentlich angemessener einzuordnen verstünden. Kritiken dienten ganz einfach zur Unterhaltung am Frühstückstisch. Danach kapern "Wahlsinn", der kongeniale Nachfolger von "Uli Wahl", und "Jeanne d'Arc" die Diskussion und reiten mit Sprüchen von Heidegger, Nietzsche, Sloterdijk, Foucault und überraschenderweise auch Juli Zeh auf den Lippen in den Sonnenuntergang.


Am 11. Juni wird bekannt, dass Jürgen Gosch gestorben ist. LeserInnen von nachtkritik.de legen virtuelle Rosen zu seinem Gedenken nieder.

Am 30. Juni wird bekannt, dass Pina Bausch gestorben ist. LeserInnen von nachtkritik.de legen virtuelle Rosen zu ihrem Gedenken nieder.

 

 

 


Spaghetti mit Holzhammer

26. Juli 2009. Erfolgsautor Daniel Kehlmann hält die Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele. Kehlmann wettert gegen das Regietheater oder das, was er dafür hält, und findet Spaghettiessen auf der Bühne langweilig. Außerdem wirft er dem Theater von heute vor, seinen Vater, einen Regisseur von gestern, an der Ausübung seines Berufes gehindert zu haben. Kann er das alles ernst meinen? fragt der Wiener nachtkritik-Korrespondent Stefan Bläske und schreibt, nichts sei aus dieser Rede über das gegenwärtige Theater zu lernen. Kehlmann fehle es an grundlegenden Kenntnissen. Er ignoriere völlig die veränderten Sehgewohnheiten, ignoriere, dass etwa Schiller, den er stückemäßig in historischem Kostüm gespielt sehen wolle, selbst Stoffe aufgegriffen und für seine Zeit und sein Theater modernisiert habe.

Uiiii, wie das die KommentatorInnen aufbringt. "Hohl, widersinnig und ungenau" sei diese Polemik wider die Polemik schreibt "kr" gleich als erster und besteht darauf, Kehlmann habe eine Debatte "jenseits der Klischees von 'Werktreue' und 'Aktualisierung' anzustoßen versucht". Und "jl" bekräftigt: "Das Problem ist doch, daß gegenwärtiges Regietheater allzu oft mit seinem ständigen over-acting, mit den geistverhöhnenden Holzhammer-Symboliken und den Matsch-Blut-Schminkmaterialschlachten einen Kampf gegen eine visuelle Profi-Schockindustrie kämpft, den sie schon lange verloren hat". Im heutigen "Medienwettbewerb" könne das Theater nur in "der Disziplin sensibles, bedächtiges, kluges und intellektuell herausforderndes Worttheater aufgrund intelligenter Texte" konkurrieren. Und "Ulf Steinebrunner" merkt an: es gebe verflixt viele Menschen, mehr jedenfalls als Blaeske sich offenbar vorstellen könne, die "Kostümbälle und Textfanatismus" mögen.

Die Gegner solcher Konservativismen verschlägt es ob dieser Vehemenz zunächst die Wortgewalt. Etwas schwächlich weist "Theatermacher Tobias" drauf hin, dass "Theater seine Energien schon immer aus Musik, Tanz, blödestem Quatsch und hoher Literatur" bezogen habe. Erst "si tacuisses" wird grundsätzlich: Kehlmann konstruiere mit "unterstellungen eine scheinbare diktatur des regietheaters, dass keine andere ästhetik zulassen würde", er suggeriere das Bild eines unverständlichen Theaters und unterstelle ein linkes, anscheinend "scheinheiliges Theater, dass im Reihenhaus wohnen" will. "Das alles ohne Fakten oder Beispiele..."

Aber die Kehlmänner geben sich unbeirrt: das "verstaubte 68er regietheater" solle "nicht jammern", sondern "endlich für das publikum produzieren!" Ausrufezeichen, schreibt "troja". Blöde nur, darauf weist "abstrakta" hin, dass gerade das von K. verachtete Theater der Castorf, Thalheimer, Stemann "hohen zuschauerzulauf" hatte und habe, und warum? Weil es sich um KUNST handele, "eine eigene sprache, einen gesellschaftlichen ausdruck der ZEIT". Zuletzt bleibt eine Frage, naturgemäß, unbeantwortet stehen: "Also, woran erkennt man WIRKLICH GUTES THEATER????"

Am 30. Juli wird bekannt, dass Peter Zadek gestorben ist. LeserInnen von nachtkritik.de legen virtuelle Rosen zu seinem Gedenken nieder.

 

 

 


"die welt hat sich für mich verändert"

4. September 2009. "Mätzchenhaft", ein "Suppenwürfel", "leer", als "Augenwischerei" verreißen die Zeitungskritiker Anfang September Matthias Hartmanns Faust 1 und 2, die Eröffnungsinszenierung seiner Intendanz am Burgtheater. Tobias Moretti spielt Faust, Gert Voss Mephisto, Katharina Lorenz die Grete. Im zweiten Teil spielt unter anderem Joachim Meyerhoff an der Seite einiger Bildschirme. So sehr die Kritiker murren, die Wiener lieben den Hartmann-Faust. Auch die Nachtkritikerin zeigt sich angetan.

"nichts berührt, nichts wird erzählt", wir schauen "mit vor schreck geweiteten augen in die Zukunft", beschwert sich "schillerchen" am Morgen nach der Premiere. So "schlechtes, dummes Theater" bekräftigt "goethelein", "einfach unglaublich" stöhnt "pudel". "Susanne Peschina", der die Chose durchaus gefallen hat, schreibt, man sehe die "Handschrift eines 3-fachen Vaters, der gewohnt sei, seinen Kindern schwer Verständliches verständlich zu machen", das "Leid der Guten" werde "gedämpft, damit die lieben Kleinen beim Einschlafen keine bösen Träume", worauf "goethelein" trocken erwidert: "schülertheater gibts in wien aber besseres."

Ein ehemaliger Hartmann-Wegbegleiter diagnostiziert aus der Ferne: "herrn hartmann fehlt der kern. die innerlichkeit, die etwas mehr als form und äußerlichkeit auf der bühne aussagen will. aussagen MUSS." Während "manekineko" das Gespräch mit der Kehlmann-Debatte kurzschließt: "80 prozent der hier nachzulesenden kommentare scheinen von den unerlösten zu kommen. so wie michael kehlmann selig schon in zweiter generation überzeugt ist, die dilettanten und mafiosi hätten ihn als burgtheater- und josefstadtdirektor verhindert und an seiner stelle die dilettanten und mafiosi peymann und gobert in die ämter geputscht: so gibt es in dieser stadt bis heute unerlöste "faust"-regisseure und burgtheaterdirektoren…".

Ganz konkrete Kritik formuliert "1808": "Die armen Schauspieler und der böse dumme, dumme Hartmann. … War das so ? Wir werden's nicht herausfinden." Aber, mit gleichsam schillerscher Burgtheater-Drohgebärde: "Ich entlasse einen Gert Voss nicht aus der Verantwortung!" Und ebenso herrlich weiter: "Warum Herr Voss? Eine völlig eindimensional gespielte Karikatur ohne Charisma / Persönlichkeit. .. Wo ist die Bestialität, Gefährlichkeit, Dämonie? Wann, lieber Herr Moretti haben Sie das letzte Mal ihr Leben von einer Reaktion ihres Partners auf der Bühne abhängig gemacht? Zurück ... zurück, ich mein das im Ernst! Wo Herr Moretti ist Ihr persönlicher innerer Schmerz – Faust – Zorn ? …". Derweil "Herman the German" speziell "Faust zwo" äußerst "grenzwertig" vorkam: "Eine verklebte Blut & Boden Metaphorik, mit High-Tech-Mitteln erzählt. Diese Landnahme-Szene mit den Spielzeugbaggern, die den Frauenleib kolonisieren zum Beispiel."

Dagegen erkennt "Norbert Retter" nach dem "erschütternden" Stück: "ich weiß nicht mehr wie so weiter gemacht werden kann, nach diesem abend hat sich die welt für mich verändert", einfach erfrischend sei es, wie Hartmann zeige, dass Goethe "schon früh den schindluder der kapitalistischen gedankenleere entlarvt" habe. Und bei "Enrico Zapf" verschwimmen Satire und Ironie mit ehrlicher Bedeutung: "Schon allein das Glück, den großen Burg-Schauspieler Voss in dieser Glanzrolle, ja Paraderolle erleben zu dürfen, hat mein Leben bereichert."

Und außerdem? Na, Pollesch und "Jeanne d'Arcs" "Sprengung der gegenwärtigen symbolischen Realitätskonstruktion" selbstverständlich, Macho-Genies, "Papageien-Schauspieler", "verhuschte Hausfrauenblondchen", die "quasi lacanschen Frau im 'Antichrist' von Lars von Trier", "Sex vor der Ehe" in Bayern, "Gretchen" in islamischen Ländern, die "Machtkonstruktion des fremdbestimmten Befehls: »Genieße!«", eine "anonyma" mit zwei älteren Herren als Geliebten sowie der Butler von "Jeanne d'Arc".

 

 

 

 


Die Innenseite des Laberhorizonts

12. Oktober 2009. In Berlin treffen sich Theatermacher, Autoren und anderes buntes Volk, um über das Verhältnis der Theater zu den Autoren zu diskutieren.

Gibt es einen Uraufführungsstau? Nein, gibt's nicht. Brauchen die Autoren mehr Geld und Zuspruch vom sowie mehr Bindung ans Theater? Ja. Mehr Geld und Zeit vor allem, am besten als Hausautoren. Aber wer soll die bezahlen? Die ausgequetschten Theater? Wovon? Brauchen die Theater bessere Stücke? "Welthaltige" oder "unterhaltende"? Sowohl als auch. Braucht es noch mehr Förderprogramme? Ja, sagen die Teilnehmer des Symposiums Schleudergang Neue Dramatik. Nein, völliger Quatsch, eine "Förderlücke" gibt es nicht, schreibt Gunther Nickel vom Deutschen Literaturfonds in Darmstadt und eröffnet damit auf nachtkritik.de eine bewegte Diskussion.

Schnell und zum wiederholten Male stellt sich heraus, dass keiner so gut und eloquent jammern kann wie die Autoren. Zwar gibt es Stipendien, Preise und sonstige Dotierungen noch und nöcher, aber die Schreibenden haben trotzdem das Gefühl, ihre Qualitäten und Qualifikationen würden nicht angemessen wertgeschätzt. Und es stimmt ja auch: von den 12.500 bekannten AutorInnen hierzulande können gerade einmal 8 Prozent laut einer Erhebung des VS von ihrer literarischen Arbeit leben. Und die anderen?

Von der Freiheit eines Dichtermenschen

"Ich will einfach angemessen bezahlt werden, nicht vom Staat finanziert, fordert einer, "mal was Neues an die Füße, den Kühlschrank mal 'vollpappen', so was." Ja, wie kommt es eigentlich, fragt "Omar" zurück, "dass noch die mittelmäßigsten Autoren glauben, sie müssten von ihren Stücken leben können?" Ob es angemessen sei, so ein Dritter, vom Staat zu fordern, den Autoren das Schreiben wenigstens auf niedrigstem Niveau zu "finanzieren"? Pahhh! Gestandene Autoren haben ein Recht darauf, Hausautorenstellen angeboten zu bekommen, grätscht einer seitwärts in die "unsägliche Debatte".

Oder doch lieber Dichter im Nebenberuf? Um Himmels Willen ruft "Arno Schmidt". Ob man sich "in Leserkreisen" überhaupt "klar darüber" sei, "was ein Dichter an rein handwerksmäßiger Ausstattung mitbringen muß? Den angeborenen Sinn für Rhythmus und Wohlklang, für Naturschönheit und dichterische Situationen. Der gute Schriftsteller muß einen aktiven Wortschatz haben, der das mehrfache von dem des Durchschnitts beträgt …"

"Ich finde den nebenberuf gar nicht so schlecht", wendet "frage" ein, "klar das schlaucht: acht stunden arbeit plus nachts am schreibtisch, vielleicht noch kinder und haushalt etc. und dann liegt man eben mit mitte vierzig unter der erde."

Auch am hohen Ton mangelt es hier nicht. "Arno Schmidt" findet es "traurig genug", daß "ein Dichter, der Unwiederholbares zu leisten imstande wäre, 'zeitraubende Brotarbeiten nebenbei' betreiben muß". – Und noch einmal "wabert der Wobel": "die geschichten rattern in meinem kopf, also schreibe ich". Schreibt ein Romantiker, "wenn mich niemand aufführt, führe ich mich selbst auf. so einfach ist das. wenn ich kein geld habe, suche ich mir einen teilzeitjob. kein problem. ich mache und schreibe und arbeite wie ich will. ich bin frei. und das macht glücklich. -- manchmal bin ich einsam. aber wer ist beim schreiben nicht einsam. ich bin flexibel. ja. ich bin alleine. ja. eine familie ernähren ist auf diese art unmöglich. aber wenn ich diesen beruf ausführen will, so muß ich mich mit diesen bedingungen arrangieren..."

Also wie war das noch mal mit der zeitgenössischen Dramatik?

Die wird doch landauf landab gespielt, schreibt Gunther Nickel. Aber doch nur weil die Theater mit Uraufführungen in den Rezensionen der überregionalen Presse vorkommen wollen, wirft "Barsch" dazwischen. Vielleicht hat diese Dramatik inhaltlich gar keine "Relevanz", provoziert ein "Autor": "Warum adaptieren wir jede Spielzeit -zig Romane und Filme, aber kein Theaterstück schafft es je auf die Leinwand?" Was soll das heißen, antwortet der Chor der Gerechten, ist "erfolgreich" etwa gleich "gut"? Dann kannste ja gleich die BILD-Zeitung als Vorbild nehmen. "Ein Medium, das das Populäre verdammt", kommt die Widerrede, "marginalisiert sich selbst". Und der Gegenschlag: "wenn sie populär werden wollen, dann verdingen sie sich doch als krimiautor, drehbuchschreiberling, schlagersänger..." – "ich glaube nicht, daß theater in einer kapitalistischen gesellschaft, eine relevanz bekommen kann wie z.b. ein rockkonzert oder ein fußballspiel. theater ist im positiven sinne anstrengend, nach-denken ist für viele menschen immer noch nicht sexy" – "was wir brauchen sind einfach sehr gut geschriebene Stücke, keine Stücke die uns schon wieder erklären, dass der Kapitalismus die Reichen reicher macht, - das sagt uns der Tatort in Tateinheit mit der Tagesschau – nein, es darf ruhig um die Innenseite des Laberhorizonts gehen." – "… wenn man gute stücke schreibt, würde man damit auch genug geld verdienen: wenn die mindestforderung für ein auftragswerk bei 5000 euro liegt, könnt ihr euch ausrechnen, was das bedeutet." – "… Es geht im 'subventionierten Betrieb' wieder um gefährliche, wilde Autoren und Autorinnen, die uns mit ihren Phantasien zugleich schocken und in ihren Bann ziehen." – "unter finanziellem druck schreiben leute sowieso besser: ich muss sagen, das macht krank und mürbe. da bin ich nicht wirklich 'leistungsfähig'."

Was noch? Der Spielplan in Kassel und Castrop-Rauxel, ein überarbeiteter Dramaturg in Trier, ein Aufruf, 100 Hausautorenstellen zu schaffen oder 10 Prozent der Gesamtsubvention für Theater von 3 Mrd. Euro an die Autoren auszuschütten. Oder wenigstens ein Uraufführungstheater herzugeben mit dreißig Millionen Etat.

 

 

 


Visionen von Johanna

10. Oktober 2009. Anouk van Dijk tanzt und Falk Richter hat Worte dazu gefunden. Trust heißt die Aufführung in der Schaubühne und wird als eine der wenigen guten eines miesen Berliner Theaterherbstes gesehen. Auch die Nachtkritikerin Kaempf lobt, die sich anschließende Diskussion ist ein Solo für "Jeanne d'Arc".

René Links: "Falk Richters Texte, die sich mit Zwischenmenschlichkeit auseinandersetzen, sind nach wie vor grandios und aktuell! Allerdings fehlt ihnen allzu oft die Zuversicht, das Vertrauen in eine gesunde Beziehungsfähigkeit des Menschen."

Jeanne d'Arc: "ökonomisch-politischen Kontext … Zusammenbruch des Systems des globalen Finanzkapitalismus … reine instrumentelle Vernunft… Emotionen der menschlichen Subjekte … das Körperliche ist unberechenbar … Differenz der feinen Unterschiede … kulturelle Wertesystem der Mittelschichten … Platzen der virtuellen Blase … Provokation und Empörung … Parole "Misstrauen & Behagen" ... Kapitalismuskritik … Lieschen Müller … noch um Ethik oder schon um Profit … Mechanisierung, Bürokratisierung und Rationalisierung der Produktionsverhältnisse … Prinzip des uneingelösten Versprechens … Lagerkoller der Shock Doctrine … Navigationssystem … erfülltes Leben … Basis von Angst und Pessimus ... Oh Gott … Oh Gott … keine einfachen Endlösungen … innerhalb dieses System verorten …  Ungerechtigkeit und Vertrauensbruch … im ökonomistischen Effizienzdenken … Solidarität und Gemeinsinn … Ausnahmezustand … Ausgewogenheit Unausgewogenheit … wahlweise heraufziehenden Kommunismus oder Nationalsozialismus … Individualisierung, Entsolidarisierung und Entdemokratisierung … Ökonomisierung der Privatsphäre … It-Girl-Fondsmanagerin-Sprengmeisterin … Positivmüll … substantielle Vorstellung von Bezeichnungen … grundsätzliche Legitimationsprobleme … zeitgenössische therapeutische Weltsicht … Experten der Seele … Theodizeefrage … schlecht verwaltete Gefühle … Banalität."

Engelbert: "ich finde die zitate auch blöd, weil die nix mit kunst zu tun haben, das ist so seminarkram, für theater quark mit soße … falk richter sein steif belehrendes zeug."

Sebastian Hartmann: "Zitate ersetzen eigene Gedanken." (Lou van Burg)

Jeanne d'Arc: "Ja genau, auch bei Falk Richter ist es eben nicht der 'abstrakte Kapitalismus', der wieder mal an allem Schuld ist, sondern der Kapitalismus in uns. Bei Falk Richter dagegen geht es um die Kredit- und Kapitalökonomie. Falk Richter schreibt dazu im Material zum Stück. Dafür hat Falk Richter eben gerade kein Universalrezept. Wie bei Falk Richter. Im Text von Falk Richter. Bei Richter und bei Pollesch. Falk Richter spielt sehr gut mit dem rhetorischen Mittel der Ironie. Lachtränen in die Augen getrieben. Im Programmheft einen sehr interessanten Textauszug. Mir hat 'Trust' gefallen! 'Qualvoll' war 'Trust' für mich nicht. Im Gegenteil. Ich bin anscheinend so breit grinsend aus dem Saal gekommen. Da arbeitet Falk Richter aber differenzierter. Mir hat diese Inszenierung bereits vom ersten Eindruck her einfach nur gut gefallen. Wissen Sie was? Ich mag sie beide - Pollesch UND Richter! Ich setze mich mit der Inszenierung von Falk Richter auseinander. Vielleicht ist die mir dabei aber auch irgendwie ins Blut übergegangen, kann schon sein."

Lisa Müller: "Jeanne ist F. Richter …"

Jeanne d’Arc: "Ich bin Falk Richter? Hmmm, also das finde ich jetzt irgendwie richtig komisch, diese Annahme. Und dieser Vorwurf der Werbung für eine Person, das ist eine ganz alte und billige Masche, um jemandem den Wind aus den Segeln zu nehmen bzw. ihn zu delegitimieren. Ausserdem machen sich Falk Richters Figuren am Ende auch selbst lächerlich."

 

 

 


Wupper Kahl Tal

18. November 2009. In Wuppertal wird verkündet, die Stadt sei in Nöten, Geld für die eigentlich bereits beschlossene Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Schauspielhauses nicht mehr vorhanden. Und wozu dann noch ein Schauspielensemble? Also weg damit, das spart auch Geld.

Die Empörung wie immer in solchen Fällen, wenigstens im Westen des Landes, ist groß. Einhelliger Tenor: lebte die im Sommer überraschend gestorbene Pina Bausch noch, hätten sich die Wuppertaler Stadtverweser solch einen Angriff auf die Kultur nicht getraut.

Nachtkritikerin Müller schildert die Zusammenhänge und fragt nach den strukturellen Gründen: "Im Durchschnitt 90 Prozent der Budgets fließen in Fixkosten, die mit der Kunst noch nichts zu tun haben." Es würde Zeit, schreibt gleich "der Max" in die Kommentarspalte, dass "diese Strukturen sterben und Platz für neue Formen machen".

Es entspinnt sich eine Diskussion, die so oder ähnlich schon oft ergebnislos geführt wurde. Der notorische "123" und andere behaupten, die festen Häuser mit ihren Ensembles und Gewerken seien zu teuer, unbeweglich, Motivation tötend, Innovation jeder Art verhindernd: "Ich glaube einfach nicht mehr, dass die Theater in der bisherigen Betriebsform überlebensfähig sind."

Christian von Treskow, seit Sommer amtierender Schauspielchef in Wuppertal wehrt sich: hier ginge es nicht um Strukturen, sondern um Menschen. Theater mache man mit Menschen. Und die kosteten Geld: "Wenn eine Truppe, die durch gemeinsame künstlerische Interessen zusammen gehalten wurde, sich zu einem festen Ensemble zusammen schließen kann, und das an einem interessanten Ort mit interessantem Publikum und unter inhaltlicher Prämisse, dann stellt dies einen Idealfall der Produktions- und Rezeptionsästhetik des Theaters dar."

Eine Idee, wie dem Druck ständig sinkender staatlicher Zuwendungen zu begegnen wäre, ist das noch nicht. Trotzdem stimmt es ja, was "George Sand" schreibt: "dass der 'Tod' der Theater nicht das System retten kann", dass die paar eingesparten Millionen viel zerstören, "ein geschlossenes Haus wird nicht wieder eröffnet", aber haushaltstechnisch wenig mehr bewirken als ein Tropfen auf den heißen Schuldenstein.

Was ist die Rettung einer Bank gegen ein zerstörtes Theater?

"10 000 000 000 : 2 000 000 000" stellt die schon lange erwartete Frage: "wieso kann der staat eine privatbank sponsern, aber ein städtisch-staatliches theater nicht?" Weil aber die Finanzkrisengewinnler und die politisch Verantwortlichen in einem Internet-Forum nicht zur Verantwortung gezogen werden können, bleiben derartige Populismen ohne Konsequenz.

Dabei bieten Stadttheater ihren Beschäftigten nicht einmal soziale Sicherheit. "Schneider": "Laut einer Studie ist die Zahl der Beschäftigen am Theater, die in der Stunde weniger als 5 Euro verdienen, ist in den letzten Jahren um 30 % gestiegen. An festen Häusern verdienen 50 % der Theaterkünstler nur 5 bis 10 Euro pro Stunde. Bei regelmäßigen Einzahlungen in die Künstlersozialkasse über 45 Jahre liegt die zu erwartende Rente bei 447 Euro in den alten, bei 408 Euro in den neuen Bundesländern.

Derweil spitzt "123" seine Position noch einmal zu: "Ich wünsche mir ein Theater in dem ausnahmslos Künstler auf der Basis von Zeitverträgen arbeiten und alle Mitarbeiter in der Künstlersozialkasse versichert sind. Arbeitslose Künstler, die man auch in anderen Bereichen einsetzen kann als Pförtner und Kassenfrauen. Flexible Arbeitszeiten und keine Tarifverträge mehr."

Doch trotz dieses Plädoyer für einen radikalen Wandel: "Die Hauptforderung ist: Die Festschreibung der Aufgabe der Kultur und ihrer Finanzierung im Grundgesetz." Und da wir gerade einmal bei einigermaßen pragmatischen Forderungen sind, klinkt sich "Schneider" ein: "Auf die Agenda einer neuen Theaterpolitik gehört ganz oben auch eine Theaterentwicklungsplanung. Dabei dürfte die alte Spartentrennung zwischen Musik-, Tanz-, und Sprechtheater ebenso ausgedient haben wie die Sektiererei in Puppentheater, Kindertheater oder Kleinkunst."

Perückenknüpfer oder Video?

Aber wenn in den Theatern nur noch Künstler mit Zeitverträgen arbeiten, fragt "Susanne Peschina" - welcher "nicht fest angestellte Schneider kommt denn am Abend um 20:00 Uhr, um schnell ein Kostüm anzupassen, weil der Einspringer gerade erst im Theater angekommen ist? Wer frisiert Perücken nach, wer reinigt Kostüme (oder bringt sie man schnell in die Putzerei?) Wer verwaltet Requisiten. etc.?" – "Perpignon" findet es wunderbar-romantisch, dass Theater über Schlossereien oder Kostümfärbereien verfügen. Weniger wunderbar, wenn alle Videoabteilungen der großen Theater dauerhaft unterbesetzt sind. – "123": Theater, die zwar keine Autoren anstellen, aber für den Erhalt von Tarifverträgen von Perückenknüpfern und Tapezierern kämpfen, haben ein strukturelles Problem, dass ihre Budgetproblematik mit erzwingt."

Was bieten die Theater, für deren Erhalt wir streiten, eigentlich inhaltlich? Ist das genug? "Sommer" hat da seine eigene Meinung: "Sind denn theater in jedem dritten kaff dieser republik überhaupt künstlerisch notwendig?! jeder tatort macht künstlerisch ja nichts anderes als 'hedda gabler' an der schaubühne." Und die Zuschauer? "mit den meisten ist leider kein aufbruch zu einer anderen welt zu machen. wann zum henker geht es mal im ganzen saal ums 'eingemachte'?!" Und "Bandido" zitiert aus Die Deutsche Bühne, 3/2006: "wenn diejenigen, die jetzt noch auf das Theater achten, dort dieselbe vulgäre Quotenästhetik wie im Bezahlfernsehen finden, werden sie sich abwenden. Das Theater muß sich darüber klar sein, daß es das Medium einer Minderheit, einer Elite ist."

Und ein TheaterEnttäuschter stößt nach: "Ist das wirklich lebendig, was einem die Spielpläne im Großraum NRW bieten, was einem der zufällige Theaterbesuch an einer beliebigen Bühne dort zeigt? Ist das meiste nicht Mittelmaß, Kompromiß? Ist es nicht Zeit, daß die Theater und die Theaterleute sich offensiv mit einer völligen Neuorientierung auseinandersetzen? Könnte man nicht überlegen, ob man jenseits der vier, fünf Leuchttürme die Etats der vielen, vielen nordrheinwestfälischen Stadttheater in einem großen Fond zusammenfaßt und daraus Truppen subventioniert, die herumreisen – Und ein kleiner überschaubarer Arbeit aus hochmotivierten Technikern, Requisiteuren, Verwaltern.

Womit wir wieder beim Anfang angekommen sind.

Was noch? Das Satanische, Showcase Beat le Mot, Klassenkampf, Gewerkschaften, Bäuche halten vor Lachen, Afghanistan, Obama, Das Böse, Kehlmann-Ästhetik, Heiner Geißler, Stalinisten-Bashing, Bausch-Truppe in Berlin, Plädoyer für die Mittelmäßigkeit, das niederländisch-flämische Theatermodell und eine Geschichte über das deutsche Theater in Kasachstan.

 

 

 


Die Trennung der symbolischen Körper von den real existierenden Choristen im Theaterzoo
oder
Ein Theaterdachschaden

13. Dezember 2009. Mon!, nach Volker Löschs erstem Berliner Auftritt mit Berlin. Alexanderplatz und einem Chor von 21 Ex-Sträflingen fliegen die Fetzen.
Welch ein "Schmonzes", ruft "G. Friedrich" aus, "Verblödung höchsten Grades". - "Johannes Wojaczek" dagegen sieht Hauptdarsteller Sebastian Nakajews treffliches Spiel "eindeutig geprägt von Charaktären und Erlebnissen der tatsächlich Hafterfahrenen". - Jede Literatur diene Lösch dazu seine These zu illustrieren "das an wirklich jedem problem die gesellschaft schuld ist", schreibt "volker blutig". "individualität und damit individuelle verantwortung auch individuelles leiden, fehler, irrtümer, trauer, sehnsucht... existieren für ihn nicht." - "Form/Function" sieht bei Lösch den "Holzschnitt" aus dem Hause Brecht, "Reduktion von Komplexität" durch die "eine gefährliche Art von Unreflektiertheit" entstehe.  - Was sei schon der Bankeinbruch eines Tegeler Knackis gegen die "organisierte Kriminalität", wenn "Ackermann Bankberater aussendet, die Stadtkämmerer von Cross Border Leasung Geschäften überzeugen sollen und ihnen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Verträge aufnötigen, die zum Bankrott der Stadtkasse führen", fragt "Richter". - "Rosa L.", die Nachfolgerin von  "Jeanne d’Arc", gibt zu bedenken: "Möglicherweise eröffnet die ästhetische Situation den Ex-Strafgefangenen genau den Artikulationsraum, welcher Ihnen ansonsten kaum zugestanden wird, da sie gemeinhin als "dem Milieu" zugehörig abgestempelt und stigmatisiert werden." - Lösch behaupte ja gar nicht, dass die Gesellschaft an allem schuld sei, schreibt "n. draeger", sondern "er macht unterschiedlichste Denk- und Reflexionsebenen zum Thema Verbrechen und Gesellschaft auf - ganz ohne eine einfache These zu vertreten!". "Müller" insistiert unterdes: "Dass Ackermann organisierte Kriminalität begeht stimmt doch. Entkräftige mal argumentativ das Argument, dass die Kriminalität reicher Leute erheblich größeren Volksschaden anrichtet als die Kriminalität armer Leute." Darauf "Willi Wonka": "Müller, schießen Sie Tore, aber schreiben Sie nicht!" – "Der Abend ist nicht politischer als die Comics von Carl Barks. Lösch ist bloß einer, der die plakativen Posen der Revolte für das Theater ausbeutet, ohne ans echte Ändern der Verhältnisse zu denken", befindet "Robbis Bier".  - Und "praxis agamben" glaubt anders als im Falle Lösch würde "bei rimini protokoll sicher keiner von ausbeutung reden, wenn die experten über heuschrecken oder wallenstein plaudern. das wäre voll die antirepräsentative trendige performance installation. nur bei den ausgesperrten, da läuten die alarmglocken.  …"

Wenn Theater so eine "geil zerfetzte" Debatte noch schafft: nicht schlecht", jubelt "werbung". "@werbung" ist ganz anderer Meinung: "Dann ist Theater gut, wenn es schlecht genug ist, einen auf die Palme zu bringen?"

Gute Ensembleleistung lobt "zuschauer", fragt sich aber "wo jetzt eigentlich die Frage war?" Und "Piscator" mutmaßt, ob nicht allein schon durch die präsenz der Ex-Knackis  "die hermetisch-bürgerliche theaterhierarchie in frage gestellt" werde. Inklusion in die Gesellschaft durch Ausstellung der Exklusion – gewissermaßen (d. Verf.) "@piscator" findet diese Praxis bloß "exhibitionistisch-voyeuristisch. wenn es wenigstens ein bißchen gefährlich wäre …"- Der "Tigerenten-Weihnachtsmann" sieht die "Entsolidarisierung der Gesellschaft" voranschreiten und ballt schon die Faust rebellisch in der Tasche. Fürchtet aber dass die Faust dort auch bleibe - in der Tasche. Ja, schreibt "Rosa L.", auch sie befürchte, "dass Volker Löschs Arbeiten letztlich eben doch nur einer Art Zoobesuch gleichen könnten. … Geht es hier um die Aneignung und damit gleichsam um die "Besetzung" des Bühnenraums als Teil des öffentlichen Raums oder um die Enteignung durch denselben? Öffnet sich der Spiel-Raum hier auf das Politische hin (was zu hoffen ist!) oder auf die reine Sensationslust?"  Mennoh, was ist denn jetzt: "werden bei rimini protokoll laien auch zum zwecke des profits anderer instrumentalisiert?" - "@50": das expertentum bei rimini ist nicht auf der seite des dressurexperten von ex-strafgefangenen." - "Rosa L.": Volker Lösch macht sich tendenziell eher zu einer Art napoleonischen Führers der "unterdrückten Massen", wohingegen sich die Experten bei Rimini Protokoll die Bühne tendenziell eher selbsttätig aneignen, bei Lösch steht die Masse Mensch bzw. der Chor im Vordergrund, bei Rimini Protokoll die individuelle Biographie. - "Protokollnachfrage": wieso denn? "ich habe bei rimini immer selektion durch die regisseure/in gesehen. ... warum jemand im chor agierend auch über einen "fremdtext" nicht von sich erzählen können soll, ist mir nicht ganz klar ..."


Und dann noch? Blamiert sich Claus Peymann im Berliner Ensemble, als er sich mit schlüpfriger Männerfantasie über Carlo Goldonis Trilogie der schönen Ferienzeit hermacht und das Ganze auch noch als politische Tat zu verkaufen sucht. Christoph Schlingensief annonciert den Baubeginn seines Opernhauses in Burkina Faso für Januar und gestaltet das Weihnachts-Feuilleton der Wochenzeitung Die Zeit als eine mehrseitige Anzeige für sein Projekt.
Und dann steht das Christkind draußen und will ins Haus.