Ghettos von Verlierern

5. Januar 2010. In einem Interview mit dem Deutschlandradio hat der Oberhausener Intendant Peter Carp am Abend auf Äußerungen des Düsseldorfer Regierungspräsidenten Jürgen Büssow reagiert, der gestern in einem Interview mit der WAZ einen harten Sparkurs gefordert hatte.

Büssow hatte in diesem Zusammenhang den Wuppertaler Oberbürgermeister für seinen Mut gelobt, das Schauspielhaus Wuppertal zu schließen und darüber hinaus weitere Schließungen und Zusammenschlüsse von Theatern in NRW für notwendig befunden. Dabei hatte Büssow auch explizit die Frage gestellt, warum die Menschen aus Oberhausen nicht auch in Essen ins Theater gehen könnten.

Dies sei ein großer Akt von Bildungsfeindlichkeit, sagte Carp nun dem Deutschlandradio, da man mit der Schließung eines Theaters, dessen Etat etwa 2% des Haushalts ausmachen würde, ein Haushaltsloch von 1,8 Milliarden nicht schließen könne. Er wisse natürlich, dass Oberhausen zu den Problemstädten gehöre. Doch wenn man Städten wie Oberhausen nun noch die letzten kulturellen Identitätspunkte nehme, "was bleibt dann von diesen Städten? Ghettos von Verlierern. Es ist die Frage, ob die Politik das möchte."

(sle)

 

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Kommentare  
#1 Oberhausen schließen: S. versteht Herrn Büssow nichtSchließungsfeindin 2010-01-06 16:20
Denkt Herr Büssow denn sonst auch nicht nach bevor er mit seinen verwehten Vorschlägen an die Öffentlichkeit geht. Das kann man ja kaum noch kommentieren!Gerade Städte wie Oberhausen brauchen ihre Theater.Das zu schließen wäre so, als würde man jemanden ein Organ herausreißen.Im Revier fahren wir außerdem sowieso schon immer zu Aufführungen unserer Nachbarstädte, das ist ja auch gerade das Spannende hier.Ein Wegfall des ohnehin schon so geringen Kulturetats der einzelnen Kommunen,wäre doch gar nicht zu spüren. Dafür ist das Opfer viel zu groß und zu unwürdig.Das wäre etwa so, als würde man in den Suppenküchen die Nudelsuppe reduzieren um den Etat zu sanieren
#2 Oberhausen schließen: Schließer sind unter unsKritikasterfeindin 2010-01-06 19:02
Über solche dummdreisten Drohgebärden aus der politischen Realitätsferne sollten sich auch in Foren wie nachtkritik.de ganz besonders diejenigen mal Gedanken machen, die hier vor allem als Hetzer gegen einzelne Personen oder ganze Theaterprogramme auftreten, die ihnen nicht behagen. Sie reden solchen Politpopulisten ins Wort, wenn sie ganze Häuser, Inszenierungen, Regisseure oder Schauspieler aburteilen wie am Volksgerichthof, und manchmal auch genau mit dessen Tonfall und Wortwahl! Dann haben es Stammtischparolen wie "Schließt die Theater" in der breiten, immer theaterferneren Masse umso leichter! Vielleicht auch da mal drüber nachdenken, bevor sich hier jetzt alle wieder kollektiv über Theaterschließungen empören. Die Feinde sitzen auch da in den eigenen Theater- und Zuschauerreihen!
#3 Oberhausen schließen: 123 versteht Oberhausen nicht123 2010-01-06 20:29
Machen wir uns nichts vor: Oberhausen hat keine großen Abende hervorgebracht, die zu einer neuen Identität der Region beigetragen hätten. – Stellen wir uns einmal kurz vor, dies Haus wäre geschlossen ! Für wen sollte man es wiedereröffnen ?! – Ich meine für eine „traditionelle Arbeiterstadt“, für ihre Arbeiter. Heute mehr bekannt unter dem Namen „Prekariat“. Welchen bekannten Autor der Region hat dieses Theater groß gemacht ?
#4 Oberhausen schließen: üble Propagandawehret den anfängen 2010-01-07 01:03
jetzt kommt wieder 123 aus der kiste und verrichtet die zerstörungsarbeit von fdp und neoliberalismus. es ist müssig die interessanten inszenierungen in oberhausen aufzuzählen.123 ist ein eingeschleuster politsekretär, der sich immer dann zu wort meldet, wenn theater geschlossen werden sollen. später kann man sich von seiten der politik auf die meinungen der fachseite nachtkritik beziehen. da hiess es dann auch schon, oberhausen, wuppertal etc. seien schliessenswert, weil irrelevant. schwarz auf weiss. das ist sehr, sehr üble propaganda.
#5 Oberhausen schließen: erlahmte Stadttheaterstruktur123 2010-01-07 14:50
Üble Propaganda ? Warum ? Propaganda für was denn, wenn ich einmal nachfragen darf ? – Also ich habe mich stets, wenn ich Aufführungen in Oberhausen besuchte etwas übel gefühlt. Wusste ich doch: Hier wird ein fast schon kleinbürgerlicher Geschmack bedient. Und jeder Theatermacher, der einen anderen Ansatz hat, als diese Art von Publikum zu bedienen, wurde eher sehr skeptisch angesehen. Ich habe gestern aufrichtig versucht mich an gute Abende zu erinnern, die allerdings schon einige Zeit zurück liegen. Es ist mir nicht wirklich gelungen. Im Gegenteil. Auffallend war für mich, dass eines der Hauptargumente zum Erhalt ist, dass man ja mit einer solchen Schließung gar nicht soviel sparen kann. Aber nur weil etwas „günstig“ ist, ist es ja noch lange nicht gut. Schmerzlich vermisste ich echte Argumente, die mich überzeugen. Mein Vorredner hält es ja sogar für müßig diese zu erarbeiten und schreitet gleich zur Abstrafung vor, was ja auch viel einfacher ist. Ich dagegen stelle mir vor, dies Haus schließe, und kurz darauf erobert sich ein neue „flämische“ Truppe das Gebäude und arbeitete mit einem ganz anderen Ansatz. Nicht in dieser erlahmten Stadttheaterstruktur, wo man auf Grund von Ermüdung, Schlaffheit und auch Faulheit seine Halbheiten für überlebensnotwendig hält und es nicht mal für nötig erachtet gegenüber kritischen Geistern sich redlich zu verteidigen. Und deshalb frage ich einfach noch einmal: Welche Autorin, welchen Autor hat dieses Theater in den letzten dreißig Jahren groß und bekannt gemacht ? Eine ganz einfache Frage.
#6 Oberhausen schließen: Zerstörung einer Kulturmöglichkeit@123 2010-01-07 16:45
es geht nicht um die abende, die ein gerade aktuelle intendanz hervorbringt...so ein quatsch...ehrlich...es geht um die struktur eines hause, einer möglichkeit, mit subventionen theater zu schaffen, es ist eine naivität zu glauben, danach könnte das haus wie zuvor bespielt werden!!!! nein, eine schließung bedeutet ganz einfach eine zerstörung einer kulturmöglichkeit..ich erinner da an die schillertheaterschließung in berlin...seitdem wurden dort semiprofessionelle, halbseidene, extrem unkulturelle musicals geboten, ein paar geburtstagsfeiern gegeben, eine kleine offtheatervermietung,...aber niemals wieder in irgendeiner form, ein professionelles theater gezeigt...es war einfach eine kulturzerstörung...- und SIE wollen ein/ professionelle/r, intellektuelle/r autor/in sein...dann DENKEN sie bitte mal, bevor sie SCHREIBEN...entschuldien sie den harschen ton, ab er diese form von bildzeitungspropaganda bringt mich auf die palme...sorry...
#7 Oberhausen schließen: am Beispiel der Brigitte123 2010-01-07 20:42
Heute schlug ich nach der Arbeit die Brigitte auf. Sie glauben es nicht, ja, die Brigitte. Auf der ersten Seite links das Portrait einer alten Frau und rechts davon eine üppige Frau. Wo waren all die Models hin ? Weg. Etwas hatte sich über nacht geändert und ich war sehr erleichtert. Dies kann auch jedem Stadttheater einmal zu seinem eigenen Vorteil passieren. Warum nicht ? Und wenn Sie sich noch so aufregen. Dies fände ich für Oberhausen wünschenswert. Wie sich dies im einzelnen vollzieht, ist reine Verhandlungssache. Halten Sie mich für den für den Sie mich halten wollen; ich aber stelle weiterhin meine Frage: Welche Autoren hat dieses Theater in den letzten dreißig Jahren groß gemacht ?
#8 Oberhausen schließen: Ghettobildung123 2010-01-07 20:47
Zudem möchte ich noch hinzufügen: Getthobildung in Oberhausen gibt es mit oder ohne Theater. - Hier kann das Theater höchstens die Betroffenen für eine gewisse Zeit aus ihrem Prekariat herausholen, um sie im Theater eine eigene Kultur erarbeiten zu lassen.
#9 Oberhausen schließen: warum immer diese Litanei?Arkadij Horbowsky 2010-01-07 23:16
"Bestes Theater" in der Kategorie "Jenseits der Zentren" unter dem Intendanten Carp (Deutsche Bühne 8/ 09): das klingt jetzt auch nicht sonderlich danach, "sich für eine Schließung" des Stadttheaters anzubieten: aber es ist natürlich die selbe Nummer wie im "Wuppertal-Strang": Kein Stadttheater bietet sich dafür an, und in dieser Hinsicht sollten die Theater zunächst sehr viel enger zusammenarbeiten, denn offenbar hat das Zeichen vom Kulturstaatsminister her nicht bis Ober-
hausen gefunden. Warum, 123, immer wieder diese Litanei:
Große Würfe ?? So betteln und maulen und kratzen und
fordern, fordern, fordern die Leute hier, ob Prekariat oder nicht,
eh landauf, landab, daß es unerträglich ist, woher nur all diese großen Ansprüche herkommen und warum immer andere Leute das befriedigen sollen: und Sie tun da eifrig mit: Wozu ??
Strukturdebatten (siehe meinen Hinweis auf das Th-Jahrbuch
1993) mögen dringlich sein, hier aber geht es um einen Staat, Länder und Städte, die sich aus ihrer Verantwortung zu stehlen suchen und damit erst recht "alles mit dem Arsch" umreißen,
worum -wie sagt es der angehende Intendant der Münchener
Kammerspiele sinngemäß, ob flämisch ???- unser Land sonst alle anderen Länder eher beneiden als alles Andere !! Es geht
um Prinzipien der Kulturpolitik, die nicht von heute auf morgen
umgestoßen werden dürfen, erst recht nicht, wenn sonst so viele in diesem Land ganz unvernünftig und immer hektischer immer nur fordern, fordern, fordern..
123: Lesen Sie, was Gunnar Decker ausgangs der TdZ dieses
Monates zu Wuppertal und ... Hamburg (!) schreibt, und sehen Sie endlich ein, daß es jetzt kaum die Zeit sein dürfte, für diese leidigen theaterpolitischen Plänkeleien, und freuen Sie sich auf den Oberhausen-Bericht in der dann kommenden Ausgabe !!.
#10 Oberhausen schließen: Zelle zu, gute Nacht!456 2010-01-07 23:16
Ist 123 eigentlich ihre Zellennummer? Zwei Sorten von Fragen brauchen keine Antwort: rhetorische und dumme. Ihre Frage ist keine rhetorische, soviel steht fest. Ich fände für das Theater in Oberhausen wünschenswert, daß Leute wie Sie es zukünftig (ja, Oberhausen hat Zukunft) nicht mehr mit ihren Rechenschiebermodellen penetrieren. Zelle zu, gut´ Nacht!
#11 Oberhausen schließen: Modell Brigitte @123 2010-01-08 00:13
soso, sie vergleichen die vermeindliche neue form der brigitte (!!!!!!) mit der schließung, d.h. in ihrer interpretation, "reformierung" eines theater... halt, denkfehler!! (ich unterstelle ungern frauen denkfehler, weil ich p.c. sein will, aber in diesem falle, wenn sie schon brigitte (!!! lesen, möchte ich das ungeniert tun..., falls sie eine sein sollten)---erstens: ist brigitte nicht abgeschafft und das verlagshaus geschlossen worden, es gibt sie noch zu kaufen..oberhausen wird aber nicht mehr zu besuchen sein!! wie blauäugig kann man nur sein!! und zweitens: hat sich brigitte einfach nur andere "schauspieler", also mdels, gesucht, einfach billigere und weniger professionellere...das finde ich zwar auch des kaisers neue kleider - zur auflagensteigerungsproduzierte propaganda (ja, auch SIE, die/der sie sonst NIE brigitte lesen, anscheinend, haben das neue heft gekauft!!) und wäre so, wie wenn eben oberhausen künftig ausschließlich mit unbezahlten, unausgebildeten laiendarstellern theater machen würde..das fände ich als studierter zwar widerlich, aber vielleicht auch ein interessanter ansatz..., naja, für ne produktion, zur publikumsquotensteigerung vielleicht (hält zwei stücke, da stoßen die laien an ihre grenzen, aber kurzzeitig wären die feuilletons voll von diesen neuerungen, naja, als werbemaßnahme vielleicht)....- wie gesagt, sie müssen denken lernen..bitte. trainieren sie. tägliches schreiben hilft..und bitte von intellektuellen weggefährten lektorieren lassen. sie tendieren zur klischeebildung.
#12 Oberhausen schließen: eins, zwei, drei123 2010-01-08 00:27
...eins,zwei,drei steht für eins,zwei,drei...nein hundert Hausautorenstellen in aller nächster Zukunft an den Stadttheatern....
#13 Oberhausen schließen: Politik mit anderen MethodenMichal Zyk 2010-01-08 01:04
Sehr geehrte Arkadij Horbowsky, Verzeihung, daß ich mich da einschalte, aber wegen des Überlebens einzelner Theater auf einen Schreiber wie Herrn Decker zu verweisen, ist sehr unklug. Wenn ich ihrer Argumentation auch folge, aber Herr Decker vermacht sich gern auch mal für die ND, ist also auch nur das, was hier schon mal Gysis alte Störtrupps genannt worden ist. Wenn er also die Schließung eines Theaters bemäkelt, dann nicht wegen der Schließung des Theaters, sondern wegen der politischen Lager, die die Schließung gerad durchsetzen wollen. Seine Artikel sind also auch nur Politik, und zwar mit ganz linken Methoden.
#14 Oberhausen schließen: der ewig falsche Zeitpunkt123 2010-01-08 01:11
@9. Vor über zehn Jahren saß ich in einer wichtigen Kulturdebatte darüber, wie man die Theaterstruktur verbessern könne,...es ist nie der richtige Zeitpunkt...es ist wie mit dem Kinderkriegen...immer falsch disponiert...Schluss damit:: Die Zeit ist reif. Jetzt.
#15 Oberhausen schließen: tot oder lebendig4 2010-01-08 02:57
damit sie das verstehen 123: bei ihrem brigitte beispiel zu bleiben, es geht nicht um dicke oder dünne modells, gute oder schlechte artikel, sondern darum die ganze brigitte einzustellen. alles. haben sie das denn ungefähr verstanden ? oberhausen hat übrigens u.a. shakespeare, schiller, müller, brecht groß gemacht. grüße ins ministerium
#16 Oberhausen schließen: happy, wenns bleibt, wie es ist3 2 Risiko 2010-01-08 12:18
so lange alles bleibt wie´s ist, sind die Deutschen happy, ich wünsche mir etwas mehr Mut in dieser Debatte!
#17 Oberhausen schließen: Minderheitenveranstaltung Theater123 2010-01-08 12:22
@15. Köstlich, wie Sie da das Oberhausener Theater mit der Brigitte gleichstellen wollen. Nur es hat niemand vor die Brigitte einzustellen, denn die funktioniert auf Grund ihrer Wandlungen immer noch recht gut und erreicht wahrscheinlich mehr Leser als das Oberhausener Theater Zuschauer. Das Theater aber von dem wir reden, kann man wahrscheinlich wesentlich leichter schließen, weil es nicht an die Wirkungen einer Brigitte heranreicht, eventuell, und auch nicht soviele Fans hat. Haben Sie das denn jetzt so ungefähr verstanden. Wahrscheinlich kümmert es kaum jemanden, wenn das Haus schließt. - Theater ist ein hochsubventioniertes schichtspezifisches Medium, dass sich an ca. drei Prozent der Bevölkerung richtet. Dies ist schon in sich fragwürdig, so eine subventionierte Minderheitenveranstaltung, aber tragbar, weil sie Kultur vermittelt. Schwierig wird es an Orten wie Oberhausen, wo man die schichtspezifische Zielgruppe schon eher simulieren muss, weil sie entweder nie vorhanden war oder immer mehr wegbricht. An solchen Orten wünscht man sich schon ein auf andere Bevölkerungsschichten spezifiziertes Theater. Aber dies nur am Rande. Und noch ein Letztes, Sie haben schon verstanden, dass ich von Autoren, lebenden Autoren aus der Region sprach, sie wollen nur nicht anständig antworten, weil die Antwort wohl nicht so glücklich ausfallen würde. Und deshalb stelle ich meine Frage noch einmal: Welche lebenden Autoren aus der Region, die wesentlich zur kulturellen Identität hätten beitragen können, hat dieses Theater in den letzten dreißig Jahren groß gemacht ?
#18 Oberhausen schließen: Traum aller AusbeuterStruppi Stromhügel 2010-01-08 13:00
Es ist ja richtig, dass es Veränderung geben muss, dass die wesentlichen Innovationen, Impulse und auch Führungsfiguren der letzten Jahre aus der freien Szene und nicht etwa aus dem Stadttheater kommen. Aber jetzt in der Konsequenz gleich deren Schließung zu fordern, ist heikel und auch ein Beweis, wie tief das neoliberale Denken bereits greift. Denn letztlich beruht ja der Erfolg des freien Theaters nicht nur auf den innovativen Ästhetiken und Themen, sondern auch den leanen, mobilen Produktionsformen. Ist doch der unter prekären ökonomischen Verhältnissen bar aller örtlichen oder gar familiären Bindungen flexibel arbeitende und ortsunabhängige Theatermacher, Performer o.ä. geradezu das Idealbild des Arbeitnehmers in der Globalisierung, der Traum aller Ausbeuter sozusagen. Das aber reflektiert das freie Theater gar nicht, sondern sieht sich als Speerspitze der Avantgarde. Deshalb sind die Stadt- und Staatstheater als Kultuerbe unbedingt schützenswert.
#19 Oberhausen schließen: nachdenken, zurückkommen123 2010-01-08 13:25
@11. Vielen Dank für Ihre Hinweise. Ich werde darüber nachdenken und komme bei Gelegenheit auf Sie zurück.
#20 Oberhausen schließen: Mutmaßungen über 123Flohbär 2010-01-08 15:10
Eine kleine Frage, 123. Sind Sie vielleicht Tom Stromberg? Jedenfalls würden Sie sich gut mit ihm verstehen.
#21 Oberhausen schließen: kein Verständnis123 2010-01-08 16:46
Herr Stromberg und ich verstehen uns nicht.
#22 Oberhausen schließen: da hat sich was geändert123 2010-01-08 17:59
@11. ...wie gesagt, sie müssen denken lernen..bitte. trainieren sie. tägliches schreiben hilft...

Schöner Hinweis. Ich dachte so bei mir, als ich die Brigitte, die ich übrigens im Café betrachtete und nicht kaufte: Da hat sich was geändert. Plötzlich betrachtete ich die üppige Frau auf Seite drei ganz unbefangen. Ich schaute ohne Scham genau hin. Betrachtete den abgebildeten Menschen. Nichts penetrierte mich. Kein Sexismus, kein irreales Frauenbild, welches von Krankheit und Magersucht herrührte. Einige Filter, die ich schon längst zwischen mich und meine Umwelt geschoben hatte, zogen sich wie von selbst aus meiner Sicht und ich kam in den Genuss ein Menschenbild in einer kommerziellen Zeitschrift ganz frei von Dünkel und falschen Ansprüchen zu betrachten. Seit langer Zeit schaute ich mir mal wieder gerne eine leicht bekleidete Frau an, so wie unlängst Bilder in einer weltberühmten Galerie in einer der Metropolen Osteuropas. Fein, dachte ich so bei mir. War dies nun falsch gedacht ? Und für einen kurzen Moment wünschte ich mir eine ähnliche Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit in der Spielweise der Stadttheater für ein modernes Menschenbild, welches allem gegenüber offen ist; auch Schichten, die normalerweise weniger die Theater besuchen, aber in den Getthos von Oberhausen wohl zu finden sind. Sicherlich kein ausgereifter Gedanke. Aber ich kann ihn ja durch tägliches Üben ein wenig verbessern. Trauen Sie mir das zu?
#23 Oberhausen schließen: bringt Spaßflimmer 2010-01-08 20:49
an "123. Nicht registriert" Oberhausen schließen
Sehr geehrte 123. Nicht registriert,
mir fällt aus, dass Sie schöne Texte schreiben. Bringt Spaß zu lesen. Inhaltlich gehe ich da auch mit.
Herzlichen Gruß
#24 Oberhausen schließen: den Skakavci in die Hand spielenArkadij Horbowsky 2010-01-08 22:30
@ 13 , 123 und andere

Unklug, mag sein, ... mag immer sein: Ich erinnerte mich nur an den Verlauf des Wuppertal I-Stranges und sein jähes Ende -noch
rechtzeitig zum Jahreswechsel (weströmisch ...)- und mußte so bei mir denken: "Na, wenn da einer oder gar ich von dem Stadttheater als "Seele der Stadt" geschrieben hätte, puh, was da wohl so gehagelt hätte ... ." Angenommen, Herr Decker stünde für eine arg linke Politik, die Redeweise von der "Seele der Stadt" wäre keineswegs spannungsloser geworden; und da es hier tatsächlich, ich bleibe dabei, weniger um Strukturen gehtdenn um eine aalglatte und feige Flucht vor der Verantwortung seitens einiger Kommunalpolitiker (!!), um Prinzipien der Kultur-
politik, darum sind vermutlich auch -sogar politisch begrenzter gemeinte- Statements auf ihre Weise prinzipieller: Wenn in einer Stadt x das Stadttheater dicht gemacht wird, wer sagt Ihnen, daß jene Kommunalpolitiker "Flamenfreunde" und ähnliche ernsthafte Personen sind, für die es das Theaterglück nur für Erwachsene gibt ..., und nicht solche "Bombasten", die ein kleines Theater schließen, um dann sogleich das nächste "Leuchtturmprojekt" aus dem Hut zu zaubern, ... was vermutlich unfehlbar so käme? Wenn in einer deutschen Stadt x ein Stadttheater geschlossen wird, dann wird dieser Stadt auf -vielleicht wundersame Weise- eben mehr als ein fauler Zahn gezogen, "Seele" deutet die Verwicklungen und Verzahntheiten mit der deutschen Theatergeschichte meineserachtens gut an (daher die Bezugnahme auf Herrn Decker, zumal auf der selben Seite der TdZ geradezu das "Erfolgsmodell Oberhausen" für die
Februar-Ausgabe angekündigt wird !!); ich hätte freilich auch, was mir eigenartig vorgekommen wäre, ich jetzt aber trotzdem nachhole, da Herr Behrens ja in der nachtkritik de.-Redaktion
ist, 123 und andere Interessierte darauf hinweisen können, daß Herr Behrens zu den 5 Kritikern in der "Deutschen Bühne" 8/09 zählte, die in besagter Kategorie ("Jenseits der Zentren") für
Oberhausen votiert haben, ... vielleicht kann ja 123 von ihm mehr darüber in Erfahrung bringen, was so für Oberhausen oder sogar noch prinzipieller für Stadttheater gerade in diesen Zeiten sprechen könnte (für mein Dafürhalten ist dabei zentral der
Begriff der "Person", die im Theater ihre Möglichkeiten sucht und findet, ihre Verhaltensüblichkeiten "ganzheitlich" in Frage
zu stellen ... (siehe wiederum besagtes Kersting-Interview, das ich im Wuppertal-Strang bemühte), was mir dringend notwendig erscheint, da ich vor allem ein Volk wahrnehme, das weitgehend an "schädlichen Gewohnheiten" leidet ...(da Theater zu schließen, ist wirklich spürbar (!!) fatal...)). Warum, 123 und andere "Mutige", warum versuchen Sie nicht, teilweise bestehende Theatergebäude geschlossener Stadttheater für sich und ihren Ansatz zu gewinnen, um ihn in diesem System
erproben (ein Argument für Sie gegenüber dem Staat !!), würden die Theaterleute prinzipieller an einem Strang ziehen hinsichtlich einzelner Schließungsandrohungen, dann würden diese "Ihren" Ansatz auch (!) unterstützen: Sie machen zweite Schritte vor ersten, so fasse ich das auf ( sehe allerdings den Ernst dessen, worum es Ihnen wohl geht..., die Rede vom "Neoliberalismus" in diesem Zusammenhang ist mir zum Beispiel sogar richtig lästig, es spielt auch nur den wirklichen Skakavci (Heuschrecken) in die Hand...) beide könnten zu spät kommen ... !!
#25 Oberhausen schließen: die dicke Frau als Kunstobjekt@123 2010-01-08 22:48
habe sie die zeitung wirklich gelesen?? wirklich??? da ist auch filter eingeschaltet....ein dicke frau ist auch ein kunstobjekt, eine schlanke, ja, vielleicht magersüchtige modeltussi ist ebenso ein reales abbild unserer gesellschaft, einfach einer anderen schicht..oft gesehen bei höheren einkommensshcichten und mädchen aus reichem hause ..BEIDES sind REALITÄTSABBILDUNGEN...und theater ohen eine feste spielstätte, mit kaum budget ist oft nicht realisierbar aufgrund ökonomischer zwänge, BEIDES, das subventionierte stadttheater und das freie am-hungertuch-nager-theater sinde realitäten...man kann nicht das eine VERLEUGNEN und das andere propagieren..tut man das, wie jetzt z.b. brigitte oder si, mit ihrem oberhausen-schließungs-wahn verschließen die augen vor der WIRKLICHKEIT!!
ja, schön, wenn sie ÜBEN..ist aber IHRe sache..eigentlich müßte man das vorher absolvieren,..training sollte selbstverständlich sein..
#26 Oberhausen schließen: die Bigotterie der Intendanten123 2010-01-09 03:27
@24.25. Offensichtlich sind sie mir moralisch weit überlegen. Ich für meinen Teil bekomme es einfach nicht mehr hin, jede Schließungsdrohung für einen Untergang der Kultur zu halten. Schon gar nicht, wenn Intendanten in ihrer Bigotterie meinen, wenn Ihr Haus schließe, blieben nur noch Ghettos zurück. Ich möchte echte, lebendige Argumente und Haltungen spüren. Positionen, die meine Sicht verändern, so wie die Abbildung der üppigen Frau eben. Denn dort haben sich Menschen einfach mal umentschieden. Die andere Realität der Models konnten wir lange genug besichtigen. So eine Umentscheidung bedeutet natürlich auch, dass man sich Fehler eingesteht. Das man den Grund für die Schließungsdrohung auch bei sich sucht und nicht nur arrogant von sich weg schiebt den bösen Politikern zu. Sicherlich, eine Schließung birgt immer eine große Gefahr in sich, und es keinesfalls sicher, dass ein solches Haus unter besseren Vorzeichen wieder eröffnet wird. Aber dies sollte es. Ich kann mich nur noch ganz schwer gegen das Gefühl wehren, die eine oder andere Schließung würde zu einer ernsthafteren Auseinandersetzung über die eigenen Versäumnisse führen. Zum Beispiel darüber, wie man in den letzten Jahrzehnten mit lebenden Autoren aus der Region umging. Dies wäre ein Ansatz.
#27 Oberhausen schließen: verwunderliche SichtweiseFlohbär 2010-01-09 10:10
123, Ihre Haltung und Ihre Sichtweise sind schon etwas verwunderlich. Auf der einen Seite fordern Sie die Schließung der Theater in Wuppertal und Oberhausen, aber an anderer Stelle machten Sie sich für eine bessere finanzielle Förderung vom Ballhaus Ost stark - was ich übrigens auch gut fände, denn eine Zeit lang war ich dort recht häufig.
Tom Stromberg ist da mal aufgetreten, zusammen mit Alexander Scheer in einem Rockkonzert. Stromberg arrangierte auch ein Projekt mit seinen Brandenburger Theaterschülern. Leider verstehen Sie sich nicht mit ihm.
Bevor Sie sich weiterhin Ihrer Wuppertaler Schließungswut überlassen, grüßen Sie lieber Anne Tismer, wenn Sie sie sehen.
Achso, die kennen Sie auch nicht.
#28 Oberhausen schließen: Schutzraum für Ideen und Geschichten123 avatar 2010-01-09 13:00
at 123forumleser:
es leben 2 seelen in unserer brust, und könnten eins werden:
123 als verhinderter autor, inkognito und vendetta denkend, und die theater kenner andererseits, moralisch empört und angriffslustig aus dem pc sessel. energie und argumente zuhauf in diesem qualitätsnischenforum, das darauf kann man sich verlassen politisch gelesen und benutzt wird.
was mir in der debatte fehlt sind argumente, ob der auftrag stadttheater zu machen hier relevant übersetzt ist, oder wieviel von diesem system im rahmen als z.b weltkulturerbe geschützt weren kann/soll. Ich sehe es so, das der raum theater für die besucher und angestellten/macher ein schutzraum der ideen und geschichten ist, der auf regionale, kommunale bezüge verweist und dann erst in folge von talent oder begabung der personen, themen, gruppen und strukturen den sprung in den nationalen, wenn nicht sogar internationalen raum findet (beachtet die flamen!!). aber das kann kein maßstab sein, oder? ich habe wenig gutes theater in den letzten zeiten gesehen, aber die möglichkeit gar kein (stadt)theater mehr vorzufinden erhöht die akzeptanz noch mehr in 3-d kinos zu gehen oder vor der glotze hängen zu bleiben. theater wie es die mobilen freien (radikalen) flamen, engländer, amerikaner, italiener... betreiben rührt auch aus dem umstand her, mit der produktions situation freies geld zu finden und binden zu können... ein in deutschland noch nicht zufriedenstellendes
flächendeckendes modell ( siehe brigitte).

also weiter so und mal sehen, was durch den raster fällt. freie gruppen sind auch schon über die klinge gesprungen

beste grüße aus berlin, war leider noch nie in oberhausen
#29 Oberhausen schließen: für eine andere Betriebsform123 2010-01-09 17:08
@flohbär. Entschuldigen Sie, aber ich möchte weder das Wuppertaler noch das Oberhausener Theater schließen und ich kann dies auch gar nicht. Ich setze mich ein für eine andere Betriebsform, der vielleicht eine größere Welle von Symphatie und Wohlwollen und Solidarität entgegenschlägt,(auch von Seiten der Politik) den genau dies geschah als ich die Brigitte aufschlug. Für wenige Minuten brachte ich dieser Zeitschrift, die ich an sich kaum kenne, völlig unbefangen Symphatie entgegen. - Das Fluidum zwischen Zuschauerraum und Bühne ist seit einiger Zeit "etwas" gestört, weil sich in diesem Land in den letzten zwanzig Jahren eine Menge verändert hat. Würde es den Theatern gelingen, dass ihnen wiederum eine solche Welle der Symphatie und auch des Streites wie in den siebzigern entgegenschlüge, es wäre weitaus schwieriger selbst die kleinste Klitsche zu schließen. Haben Sie mich jetzt verstanden ?!
#30 Oberhausen schließen: wann wessen Jugend warFlohbär 2010-01-10 00:38
123, Sie scheinen ja etliche Jahre auf dem Buckel zu haben, wenn Sie so von den 70er Jahren schwärmen und jetzt noch im Geist ihre von Sentimentalität geprägten Nostalgieträume ausleben und angesichts der verflossenen Zeit fast einen transzendentalen Schmerz empfinden. Meine Jugend war in den 80er Jahren, als es noch schulische Pflicht war, in einem großen Theater "Warten auf Godot" aufzusuchen. Aber die Räder stehen nicht still, damit muss man sich abfinden, auch damit, dass manche Räder einen Betriebsschaden haben. Sie sind in diesem Forum einfach unersetzlich - so unersetzlich wie ein Ersatzteil am Rasenmäher.
#31 Oberhausen schließen: wann Theater lebendig ist123 2010-01-10 01:14
@ Sie sind süß. Was soll ich denn nun mit Ihrer Rasenmäherphantasie machen? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Ich schaff es gerade nicht, das ganz ernst zunehmen. Aber Sie haben mir ein Lächeln in das Gesicht gezaubert. Danke. Manche fangen eben sehr früh an. Mein Kind saß auch schon als Dreijähriger auf dem Schoss von Quadflieg und fragte später immer, wer war eigentlich der Mann mit dem großen Hut? - Aber nun mal ernsthaft: Mit Nostalgieträumen hat meine Haltung wenig zu tun. Sondern viel mehr mit einem genauen Empfinden, wann Theater lebendig ist oder werden kann und wann nicht. In der jetzigen gewordenen Struktur, in dem wenige Einzelne bestimmen, was Theater sei und was nicht, kann man oft schon vorab wissen, was dabei raus kommt. Man spürt die Absicht und ist verstimmt. Und da erinnert man sich hin und wieder an manche großartigen Überraschungen vor langer Zeit und wie die entstanden sind. Und wenn ich mich da recht erinnere, hatten einige Erfolge etwas damit zu tun, dass Theatermenschen Strukturen aufbrachen und plötzlich in der Bo-Fabrik spielten. Ich erinnere nur an "Hamlet" von Zadek und die "Johanna" von Kirchner. Nun, in Fabriken spielt man heute allerorts. Aber was wären die Strukturen, die heute aufzubrechen wären? Da wäre einmal dieses leidige Intendantenkarusell. Wer will, darf dies ruhig mal anhalten und zumindest ein paar neue Pferdchen draufsetzen. Noch schlimmer aber ist das Intendantensystem an sich mit all seinen Trabanten. Wissen Sie ich müsste dringend mit B. in W. telefonieren. Mit K. in B. reden und nächste Woche zu der Premiere von K.und L. in...na irgendwo halt eben, mal wieder Klinkenputzen und an die Gespräche von vor drei Monaten erinnern. Denn es gibt da zwei Projekte, die ich gerne machen würde. Aber wenn ich all diese Termine absolviert habe und mir wieder alle Zwänge angehört habe, die in den einzelnen Häusern herrschen und die daraus resultierenden Begründungen für ein "Ja" oder "Nein", dann denke ich stets wieder, wie schlimm es im Grunde ist auf diese Intendanten und ihre Nöte angewiesen zu sein. Brauche ich die eigentlich? Und was müsste geschehen, dass ich sie tatsächlich nicht mehr benötige? Hätte Sie da eine Idee dazu Herr Flohbär, Freund der Rasenmäher und Ersatzteile ?
#32 Oberhausen schließen: Angewiesensein auf IntendantenFlohbär 2010-01-10 09:39
123, bei Ihrem Angewiesensein auf Intendanten kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen. Aber etwas Aktualität könnte Ihnen nicht schaden, wenn Sie mit alten Zadek-Produktionen kommen. Ich könnte jetzt auch mit meinen Eindrücken anfangen, die ich 1983 bei "Minna von Barnhelm" im Badischen Staatstheater zu Karlsruhe hatte. Oder "Das fliehende Pferd" 1986 in München mit langwieriger eingebauter Fußmassage, von der gar nichts in der Novelle von Walser steht. Das würde ich nur mit meiner Frau machen, wenn ich momentan eine hätte, aber ich habe aufgrund genetischer Restriktionen keine Begabung für die Liebe, kein Talent, weil ich eine Zangengeburt bin und mit Gewalt aus dem Mutterleib rausgezerrt wurde. Ich habe das mal ein einer Zeitung erwähnt ("Freitag", 9.4.1993, Nr.15).
Aber ich schweife schon ab wie Sie, 123. Deshalb nur ein kleiner Ratschlag: blicken Sie in die Zukunft. Auch Oberhausen, wo ich nie war, braucht ein funktionierendes Theater.
#33 Oberhausen schließen: Intendanten durch Disponenten ersetzen123 2010-01-10 12:38
@Flohbär. In der Tat, Sie schweifen weit ab. Und offensichtlich wollen Sie nicht auf mich eingehen. Nun gut. Kommen wir einmal auf Herrn P. zurück, der in seiner unvergleichlichen Art geradezu ein Fundus ist. Der sagt nämlich in seinem bekannten Interview, ich zitiere frei: "Man bekäme auch als Gast an den Häusern öfters die schlechteren Probenbedinngungen." Dies ist also einer der zentralen Gründe warum er an seinem Intendantenstuhl klebt. So etwas überliest man natürlich gerne oder nimmt es für selbstverständlich. Es gibt also laut P. gute und schlechte Probenbedingungen. Es handelt sich da offenbar um ein System, wo man sich zum Liebling oder Günstling hocharbeiten muss, um etwas recht Feudales. Da möchte Herr P. natürlich lieber auf seinem Stuhl sitzen bleiben, sagt er so frei heraus. Offensichtlich also ein ungerechtes System. In dem man nur mit Macht sich Privilegien verschaffen kann. Hätten Sie da eine Idee, wie man diese Ungerechtigkeit ändern könnte ? (Wie leicht kann man sich unter solchen Bedingungen, Konkurrenten vom Hals oder ganz bei Seite schaffen ?) - Da Sie etwas faul und träge sind Fragen zu beantworten, versuche ich es einmal. - Wie wäre es denn, wenn an einem Haus mehrere Truppen arbeiteten, die alle ihren eigene Etat hätten und sich ihre Probenbedingungen selber schüfen? Das würde die Macht der Intendanz ein wenig zügeln, denke ich, oder sogar unnötig machen. Den Intendanten einfach durch einen guten Disponenten ersetzen, dies wäre ein Schurkenstück, nicht wahr ? - Und natürlich sollte auch Oberhausen ein Theater haben, aber vielleicht mit einem etwas anderem Gesicht. Denn es herrscht dort nun mal eine Finanzkrise. Soll die nur in den Getthos alleine abgearbeitet werden ?
#34 Oberhausen schließen: DepressionseffektArkadij Horbowsky 2010-01-11 00:48
@ 123-Avatar und 123-Original

Glauben Sie mir, die PC-Sesselnähe bzw. Oberhausenferne und Wuppertaldistanz machen mir das alles gewiß nicht leichter, und ich werde in der nächsten Woche, die dann ziemlich nacht-schichtfrei sein wird, nach Wuppertal fahren und mir auch Oberhausen anschauen (in Bochum habe ich mittlerweile eine Karte für die "Schwärmer"-Premiere, in Oberhausen soll am darauffolgenden Tag der "Törless" laufen, wäre also ein Musil-Wochenende; zudem sind dann ja auch die "Camus-Tage" in Wuppertal, siehe Wuppertal I-Strang ("Der Reiz der Region")).

Sie erwähnen bzw. fragen beide nach der Moral ?!.
Ich fände das eher bedenklich, wenn das schon bloßes Moralisieren wäre, von Bund, Ländern und Gemeinden einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern zu erwarten !
Im Wuppertal-Strang nannte ich das Beispiel der Forschung bezüglich seltener Krankheiten, nannte sowohl Bildung als auch Kultur und: die Stadttheater (mit ihrer spezifischen historischen Rolle bei der Entwicklung einer einheitlichen deutschen Amtssprache beispielsweise): Bund, Länder und Gemeinden stehen da in einer Pflicht !!
Es geht nicht um böse Politiker, aber eben ganz ehrlich gesagt wohl zunächst um politische Strukturen und weniger um eine Strukturdebatte bei den Theatern. Bund und Länder signalisieren zum Teil Hilfe, Kommunen bestehen auf ihrer Hoheit, wittern Einmischung ... ; es kommt zu den eigenartigsten Szenarien (siehe Köln !!). Gut, diese Hoheit der Kommunen ist ähnlich historisch-verwickelt und ernst zu nehmen wie die Tatsache, daß mit dem Verschwinden eines Stadttheaters mehr mitschwingt, ja, diese "Hoheit" ist sogar verwandt, entzieht sich selbst ein Stück weit den historischen Grund, auf dem sie steht, wenn sie, hektisch dem Zeitgeist folgend, ausgerechnet Stadttheater schließen will: gerade vor dieser Fahrlässigkeit, so sehe ich das, sollten wir die Kommunalpolitiker in Wuppertal und Oberhausen warnen; und es wäre gewiß hilfreich, mehr Stimmen von Wuppertalern und Oberhausenern, Theaterleuten aus diesen Städten zu vernehmen, ebenso wie es hilfreich wäre, von Leuten z.B. aus Frankfurt (Oder) zu hören, was in der Folgezeit der Kleist-Theater-Schließung so passiert ist ("War die Kommune da plötzlich spürbar entlastet ??").

Wir sollten auch niemandem vorhalten, der das rein ökonomische Argument einfach einmal durchspielt und zu dem Ergebnis gelangt, daß es sich in Oberhausen einfach nicht rechnen würde, das Stadttheater zu schließen, da allerlei Verbindlichkeiten, eine zu verwaltende und nutzlose Immobilie, der schwer kalkulierbare Depressionseffekt für eine Region, wenn sogar (!!) schon die Theater geschlossen werden müssen, zu verzeichnen wären. Ist eine gute philosophische Tradition, zunächst die Grundannahmen des Gegenüber zu übernehmen, um das Argument intern zu überprüfen (Lehrstück findet sich dazu bei John Locke mit "Vorausgesetzt-daß-Sätzen ..."): Im Falle Oberhausens beserked das Argument der Politik schon bei Annahme ihrer Argumentation: genau das hat ein Teilnehmer hier schon bemerkt, und sogar das wurde ihm noch irgendwie "angefeindet".

Der Bestands-Pakt wäre in Verbindung mit dem Staatsziel, 123 plädiert ja auch dafür, für das Staatsziel Kultur, bundesweit (!) nur konsequent - eine Strukturdebatte sowohl auf Seiten der Politik als auch auf der Seite der Theater könnte gerade an diesem Punkt ansetzen, so verstehe ich das mit den ersten und zweiten Schritten. Steht das Gebäude des Kleist-Theaters eigentlich noch ???
#35 Oberhausen schließen: Wandernde Theatertruppen?Flohbär 2010-01-11 01:39
Wissen Sie 123, Ihre Diskussionsleidenschaft ist beeindruckend, aber mitunter bin ich eine Verkörperung der Schlaffheit. Ich hatte monatelang mit einer Kulturgruppe zu tun, da wurde den ganzen Tag diskutiert und am Ende kam nur eine magere Fernsehsendung in einem Kleinsender zustande. Deshalb manchmal meine Sehnsucht nach dem Bett.
Mir brauchen Sie nicht viel zu erzählen: ich habe jahrelang als Begleiter eines Kritikers die Berliner Off-Szene durchstöbert und kenne mich ein wenig aus. Glauben Sie ernsthaft, dass sich verschiedene Theatergruppen in einem Haus unter einem Disponenten vertragen, ohne die leider unumgänglichen Eifersüchteleien? Der Theaterdiscounter hat sich für einen Monat mal im Ballhaus Ost eingemietet - aber würde das auf Dauer gut gehen? Wandernde Theatertruppen, das ist ja wie in der Goethezeit. In einem festen Ensemble, das nach jeder Saison gewisse Austauschprozesse im Personal durchläuft, gibt es wenigstens einen bestimmten Stabilitätsgrad.
Wollen Sie vielleicht in Oberhausen drei verschiedene Ensembles unter ihnen als elanvollen Disponenten installieren? Wenn das klappt, komme ich Sie mal besuchen.
#36 Oberhausen schließen: Solidarität verspielt123 2010-01-11 17:28
@35. Alle Veränderung tut einigen weh, andere freut sie. Reformen werden immer angezweifelt, auch dies ist normal. Ich sehe das ganz gelassen. Wenn einige Häuser sich einem Wandel unterziehen, wäre es nicht schlecht. Man könnte dann konkret sehen, was dort wächst. Falls Geld dabei gespart würde, auch gut. Eifersucht gibt es auch in einem feudalem System. - Was ich wirklich bedaure,ist, dass sich die Theater auf eine latente Weise die Solidarität in der Bevölkerung zu großen Teilen selber verspielt haben. Ich erinnere mich da an Stücke wie "Café Umberto", wo man sich ja einig war, die Zeit des Mitgefühls mit "Empfängern" sei nun zu Ende. Wohl vergessend, man gehört selber zu der Gruppe von Empfängern. Man muss sich so nicht wundern, wenn sich jetzt auch den Theatern gegenüber nicht genügend Mitgefühl einstellt. Denn da sind noch die Schwimmbäder, Büchereien, Schulen und Kitas und und und...und wenn die Einnahmen durch Gewerbesteuern immer weiter sinken...ja dann. - Das Theater sollte sich auch immer mit dem Leid und Schmerz der Region verorten, und muss trotzdem Freude und Erhellung verbreiten. Wenn da man nicht einiges versäumt wurde ? (Übrigens, ich bin kein Disponent)
#37 Oberhausen schließen: Theater als Schlafzentrum?Flohbär 2010-01-11 18:05
123, ich liebe das Theater, da sind mir die Einnahmen der Schwimmbäder oder des öffentlichen Personennahverkehrs relativ gleichgültig.
Eben habe ich den Peymann-Blog durchgelesen. Zumindest war ich bei einem Auftritt des abenteuerlichen Gespanns Peymann-Beil hellwach und recht amüsiert.
Manche Theater kann man auch als probate Schlafzentren benutzen. Bei Faust II im Deutschen Theater hatte ich trotz ausgeschlafenen Zustands fortwährend Mühe, die Lider nicht absinken zu lassen, obwohl die ansonsten hervorragende, diesmal nasshaarige Nina Hoss dabei war, Hülsmann, Lehmann usw.
Wenn manche Existenzen in Kulturforen das Wort ergreifen, wird es noch problematischer. Da werde ich von einem exzessiven Ruhebedürfnis befallen und wünsche mir nur noch ein behagliches Schlaflager.
Theater sind gewissermaßen multifunktional nutzbar. Aber in der Regel höre ich sehr gut zu und selbstverständlich sollte sich jedes Theater mit der Region verorten, doch nicht zur Krisenbewältigungsstation werden.
#38 Oberhausen schließen: Vom richtigen Schmerz123 2010-01-11 18:29
Jetzt hören Sie doch mal auf... oder meinetwegen machen Sie auch weiter so. - Auch ich liebe das Theater. Und es ist eine der vornehmsten Aufgaben der Theaterschaffenden sich mit dem Leid und dem Schmerz von Menschen zu beschäftigen. - Krisenbewältigungsstation ? Was für eine Wortschöpfung. Wollen Sie hier als Autor reüssieren ? Ich kann das kaum noch hören. Im Gegenteil zu Ihnen schlaf ich dabei nicht ein. - Immer dann, wenn der Schmerz kaum noch aushaltbar, fängt er an zu reden oder verstummt für immer. Meist ist dies die Stunde, wo ein Schauspieler, ein Autor oder ein Regisseur geboren wird. Oder jemand kaputt geht. Vielleicht muss man in diesen Zeiten einfach die richtigen Schmerzen haben.
#39 Oberhausen schließen: Haben Sie keinen Humor, 123?Flohbär 2010-01-11 19:38
Reden Sie keinen Quatsch, 123, oder lesen Sie richtig. Das Einschlafen bei Faust II war eine der seltenen Ausnahmen. Im Allgemeinen schätze ich die dort auftretenden Schauspieler, vor allem Nina Hoss.
Ich brauche hier nicht als Autor zu reüssieren, weil ich schon einer bin.
Anscheindend verfügen Sie über gar keinen Humor. Für Sie kann ich nur hoffen, dass Sie die "richtigen Schmerzen" gefunden haben.
#40 Oberhausen schließen: Reichtum empfohlen123 2010-01-11 19:38
@Flohbär. Ich empfehle Ihnen einfach reich zu sein und Ihr eigenes Theater ohne Subventionen zu gründen.
#41 Oberhausen schließen: 123 als Küchenchef in Flohbärs KantineFlohbär 2010-01-11 21:29
123, für die Gründung eines eigenen Theaters fehlen mir ein paar Millionen an Sponsorengeldern. Sie könnten ja einen Minimalbeitrag beisteuern, wenn Sie bei Ihren teuer gewordenen Schwimmbadbesuchen etwas einsparen.
Oberhausen wäre gar nicht schlecht, Sie könnten dort als Mitarbeiter und Küchenchef ohne Gammelfleisch reüssieren.
Ich habe nur ein Problem: ich liebe Berlin.
#42 Oberhausen schließen: Wider den Vorwurf der BigotterieArkadij Horbowsky 2010-01-11 21:32
"Einiges noch zum Bigotterie-Vorwurf gegenüber Herrn Carp und zu einigen Fakten angesichts der Schließungsdrohung"

Der Auftakt des Intendanten Carp in Oberhausen zu jener Spielzeit, die seinem Theater besagten "Titel" eingebracht hat, ist in der Februarausgabe der Th des Jahrganges 2009 gut dokumentiert (Gerhard Preußer "Am seidenen Faden" - Peter Carps rasanter Neubeginn in Oberhausen in Zeiten des Sparzwanges): die Sachlage der Theaterschließungsgefahr !
"123", "Ghetto hin- Ghetto her", Sie werden - ähnlich wie Herrn von Treskow - auch Herrn Carp kaum gerecht: Er hat sich ganz offenkundig mitnichten der selbstreflexiven Sparzwangseigenanteilspflichtfrage entzogen, sondern vielmehr sogar einen eigenen Sparvorschlag unterbreitet, der zunächst 750000 Euro, späterhin 1 Million Euro eingespart hätte pa..Dieser Vorschlag ist sogar vom Stadtrat abgesegnet worden: in diesem Falle ist es ein wenig anders als in Wuppertal, hier beharrt das Land auf weitergehenden Maßnahmen, die aber, so schätze ich das ein, als überaus fraglich einzuschätzen sind:
Eine Betriebsprüfungsgesellschaft hat drei Vorschläge unterbreitet, von denen zwei gegenüber dem Carp-Vorschlag kaum finanzielle Verbesserungen in Aussicht stellen, eingedenk der Effekte einer Theaterbeschneidung letztlich gewiß sogar teurer
kämen (!!); der erste Vorschlag wäre die totale Schließung und der Verkauf der Immobilie ...: selbst diese bleibt rechnerisch äußerst zweifelhaft (siehe meine vorherige Bemerkung und den Teilnehmer weiter oben, auf den ich mich beziehe !) : dem überall gelobten künstlerischen Auftakt des Herrn Carp in Oberhausen ist das ganz unzweifelhaft völlig unangemessen, ebenso der "Bigotterie"-Vorwurf durch Sie, 123 : Carp plant keine Spruchbänder, keine Mahnwachen, keine Panik:
"Theater kann sich nur durch Theater verteidigen".
#43 Oberhausen schließen: der Pöbel aus dem Ghetto123 2010-01-12 20:03
@Arkadij. Ich kann dem Theater Oberhausen im Moment gar nicht gerecht werden. Denn dazu müsste ich es erst einmal wieder besuchen. Zudem schätze ich Tillman Raabke sehr. Herrn Carp kenne ich leider nicht. Soviel nur hierzu. – Aber, es ist nun mal leider auch so, dass die Theater den mitleidslosen Blick nun über zwei Jahrzehnte trainiert haben und nun wendet sich der selbe Blick gegen sie: Wen würde dies wirklich überraschen ? – Der Vorwurf der Bigotterie bezieht sich einzig und allein auf den Begriff „Ghetto“, denn ich glaube nicht, dass das Theater Oberhausen zu den einzig allein Kulturschaffenden und Erhaltenden in dieser Stadt zählt und ich hege Zweifel, dass, wenn dies Theater geschlossen würde nur Öde zurückblieb. Und ich kann nur schwer von hier aus erkennen, wo sich Herr Carp mit dem Theater gegen Ghettobildung stark gemacht hätte. Eine Mutter-Inszenierung allein, ist da im Bezug auf das Heute noch nicht allzu viel. Und weiterhin bleibt die Frage, welche Autoren aus der Region dies Theater mit einbezogen oder gefördert hat ? Vor allem welche Künstler aus dem vermeintlichen „Ghetto“? Wen oder was Herr Carp damit auch immer meint. Das er von sich aus sparen möchte, mag einen freundlich stimmen. Meine Bedenken sind aber viel tiefgreifender Natur. Wie Sie bemerkt haben dürften, halte ich eine feudale Struktur in der heutigen Zeit für bedenklich, zu mal sie ganz sicher nicht genügend durchlässig für den „Pöbel“ aus dem Ghetto ist, um den sich Herr Carp wohl latent bemühen will. - Trotzdem möchte ich mich bei Ihnen für Ihren umsichtigen Kommentar bedanken.
#44 Oberhausen schließen: Nicht bloß Theater ist Kultur123 2010-01-12 20:08
@Flohbär. "Sie könnten dort als Mitarbeiter und Küchenchef ohne Gammelfleisch reüssieren." Mein Lieber Lausbär, wenn das Ihre Art des Humors ist, machen Sie es mir wirklich nicht leicht. Etwas bessere Pointen könnten da vielleicht helfen. - Nein. Ich möchte mein Vermögen nicht für Sie einsetzen. Denn wer für Kultur nur Theater hält und der Rest ist ihm egal, dem sollte man nicht unbedingt öffentliche Gelder zuschanzen und Sponsoren muss er sich unter Gleichgesinnten suchen.
#45 Oberhausen schließen: verprollt, verheideggert und verwitwetFlohbär 2010-01-13 00:31
123, Sie können Ihr Vermögen, das sich wahrscheinlich in einem bescheidenen Rahmen bewegt, gern behalten und in Ihre zur Vertreibung der Langeweile arrangierten Freizeitabenteuer investieren.
Natürlich ist Kultur mehr als nur Theater, ich gehe auch zu Vernissagen und Lesungen.
Wenn Herr Carp sich latent um den "Pöbel" bemüht, finde ich das empfehlenswert, denn Castorf hat sich 1993 in einem "Freitag"-Interview dahin geäußert, dass er die Underdogs in die Volksbühne holen will, was ihm teilweise gelungen ist.
Entschuldigen Sie, 123: ich bin hoffnungslos "verprollt", obwohl ich schon Texte über Heidegger geschrieben habe.
Bei Ostermeier, der in der Schaubühne einige grandiose Inszenierungen hingelegt hat, tauchen die berühmt-berüchtigten Wilmersdorfer Witwen auf. Ich habe genug mit ihnen in meiner Nachbarschaft zu schaffen.
#46 Oberhausen schließen: Seltsamer Bettler123 2010-01-13 05:47
@ Flohbär. "Ich habe genug mit ihnen in meiner Nachbarschaft zu schaffen." So hat halt jeder seine Probleme. - Kleiner Hinweis: Nun ist aber Herr Castorf und Herr Ostermeier nicht mit Herrn Carp zu verwechseln. Und von dem war hier die Rede. - Darüberhinaus machen Sie den Eindruck eines seltsamen Bettlers, der einen erst angeht, um einem dann mitzuteilen, das Geld sei nicht gut genug. Vielleicht verlangt man ja demnächst noch neben den Klarnamen, dass man hier seine Kontostände preis gibt. Das wär doch mal witzig. Aber ich denke, Sie werden auf diesem Wege nicht herausbekommen, wie es um mein Vermögen steht. Guten Morgen Herr Flohbär. Schon geduscht ?
#47 Oberhausen schließen: Blick nach Berlin könnte nicht schadenFlohbär 2010-01-13 09:59
@123: Richtig, hier geht es um Herrn Carp, aber ein Blick nach Berlin könnte ihm nicht schaden.
Ihr Kontostand interessiert mich nicht, 123. Da es in Wilmersdorf von alleinstehenden Witwen nur so wimmelt, könnten Sie mit einer ein Arrangement irgendwelcher Art treffen, um in Wuppertal oder Oberhausen Ihr vor Tatkraft und Erfindungsgeist sprühendes Projekt mit mehreren Ensembles zu realisieren. Oder Sie könnten in einer beratenden Funktion, als eine Art 2. Sekretär/in Karin Beier nach Berlin lotsen.
Haben Sie mal wieder nach der Arbeit in der Brigitte geblättert? Mir stehen die darin enthaltenen Weisheiten nicht zur Verfügung.
#48 Oberhausen schließen: Auf der Selbstentfaltungsleiter Sneak 2010-01-13 10:47
Ich denke doch, es ist so: Herr Büssow gehört bestimmt zu den Menschen, die, kulturell interessiert, das Theater der Nachbarstädte besuchen. Leider gibt es aber auch Menschen, die auf der Selbstentfaltungsleiter nicht so weit oben stehen wie er. Und denen - um die geht es in Zeiten von Hartz IV, Wirtschaftskrise und Existenzangst - ist damit geholfen, wenn sie sich ihren Selbstentfaltungs-Anschub wie den Anschluss an Bildung und Kultur nicht in einer Nachbarstadt organisieren müssen.
#49 Oberhausen schließen: noch mal zur Bigotterie123 2010-01-13 19:19
Ich fände es ehrlich, wenn sich ein Intendant hinstellte und sagte: Die Zuschauer, die zu uns kommen, denen gelingt es einfach nicht sich vor der Mattscheibe bei der Unterschichtenhypnose von RTL 2 zu regenerieren. Sie verlangen nach mehr. Um ihr Leben am Abend wiederherzustellen, bedarf es einer ausdifferenzierten Kulturäußerung. Im Normalfall richten wir uns mit unserer Arbeit eher an die sogenannten Eliten. Dafür stehen wir. Ich persönlich mache Theater, weil es mich bereichert, mir Lust und Freude bereitet, mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbewusstsein steigert und ich wünsche mir diesen Zustand auch für all unsere Besucher. Theater gibt mir ein Gefühl von Freiheit mich einmal für ein paar Stunden über dräuende Realität zu erheben und Neues zu denken, positiv für die Zukunft zu empfinden. Wenn ich zu einer solchen Veranstaltung auch Mitglieder anderer Schichten verführen kann, freue ich mich um so mehr. Im Grunde sollte mein Theater jeden Bürger der Stadt erreichen. Ob es dies wirklich tut, da bin ich mir nicht immer sicher. Aber auch wenn wir nicht alle erreichen können, bleibt das Theater ein wichtiges, erhaltenswürdiges Medium für das Profil einer Stadt. – Die Frage, die Herr Carp da stellt, enthält doch an sich schon ihre Antwort, denn kein Politiker wird sich ernsthaft hinstellen und behaupten: Ja, ich möchte, dass nach meiner Arbeit nur noch Gettos zurückbleiben. So einfältig diese Frage ist, so verfänglich ist sie auch. Denn sie suggeriert, die Theater arbeiteten immer noch, wie zu Zeiten Brechts an der vollständigen Integration des gesamtem Prekariats in die „höhere“ Gesellschaft. Und genau hier setzt die Bigotterie ein. Denn das halte ich persönlich für äußerst zweifelhaft. – Nur, wenn man zu gibt lediglich für eine kleine Bevölkerungsschicht zu arbeiten, sind dann die Subventionen in dieser Höhe noch gerechtfertigt? Diese Frage macht klare Haltungen zur eigenen Arbeit erheblich schwerer. Es wirkt halt so komplexiert, wenn sich ein Kulturentscheider immer noch indirekt auf die "Armen und Schwachen" beruft.
#50 Oberhausen schließen: Aktenzeichen Theater-muss-nicht-seinJ.Rüttgers 2010-01-13 20:05
Sagen Sie mal, Herr 123, arbeiten Sie in meiner Staatskanzlei oder warum haben Sie den ganzen Tag Zeit, hier Ihren Bürobrei breit zu rühren? Da steht wohl mal `ne Beförderung an, was? Wenns klappt, wird in OB (Aktenzeichen 0110III-OB-Theater-muss-nicht-sein) bald was frei! Behalte Sie im Auge, tapferer Kamerad!
#51 Oberhausen schließen: subjektive Sache123 2010-01-13 20:15
Sehr geehrter Herr Rüttgers. Zeit ist eine subjektive Sache und dehnbar, wenn man die Kraft dazu hat. Die würde ich allerdings in ihrer Kanzlei sicherlich nicht finden, deshalb arbeite ich nicht für Sie. Weiterhin gutes Gelingen für all Ihre Vorhaben. Mit einem freundlichen Gruß 123.
#52 Oberhausen schließen: Barmen, Elberfeld, HatzbergArkadij Horbowsky 2010-01-15 17:26
@ 123
Liebe 123 !

Viele Grüße nunmehr aus Wuppertal-Oberbarmen !
Ja, ich habe freilich bemerkt, daß Ihre Äußerungen insgesamt die "feudale Struktur" befragen: auch ich tue mich keineswegs ganz leicht damit, wenn Theaterleute so tun, als stünde ohne sie gewissermaßen -nicht nur wie einmal im Jahr in Warnemünde der Leuchtturm- die Welt in Flammen ! Oder sie machen wie in Kiel bei Kampagnen (da hat man erst recht keine Präsenzpflicht, oder ??) mit wie "Wir Kieler" ("Wir Kieler machen die Stadt weltberühmt" - mit Verlaub, das Kieler Stadttheater, das ich von allen Theatern noch am besten kenne, ist bekannt: ... kaum über Lübeck hinaus, so sieht das aus) , die der reine "Üblichkeitswahnsinn" sind: Leuchtturmprojekte, Selffullfilling-Mentalität ... - wie mit all den Krediten sonst halt auch: ... nur, wie spielt sich ein Güllen-Grand ohne Alfred Ill ??? Sie schrieben ja auch an anderer Stelle von einer
Erinnerungsarbeit !! Ihre Argumente machen deutlich, wie sehr Sie nicht müde geworden sind, sich dieser immer wieder zu stellen: Respekt ! Natürlich existiert diese Frage nach der Legitimation eines Minderheitenmediums ganz und gar zurecht und nicht erst seit gestern, ein Blick auf den "Argumentationshilfenpassus" für ein Stadttheater in Günther Rühles "Theater in unserer Zeit" (zwei Bände: der andere heißt "Anarchie in der Regie") bringt noch einmal etwas pointierter, komprimierter, historischer all diejenigen Gedankenlinien, welche in den Wuppertalsträngen bzw. dem Oberhausenstrang bislang "gefahren" wurden. Schon jemand, der Schimmelpfennigs "Auf der Greifswalder Straße" inszeniert, ist freilich desmeist über das Ghettoding weit erhaben: Keine Behauptung davon, daß es die Greifswalder mit all dem lebenstrotzendem Alltag nicht auch ohne das Stück gäbe !! Und all solches Leben gibt es in Wuppertal eben auch; das Wenigste davon, ob in Barmen, Elberfeld oder Hatzberg, auf der Elisenhöhe (alles Stationen meines ersten Wutaltages) verdient den "Ghettobegriff"; auch das Wenigste, was so "neoliberal" beschimpft wird, ist dies auch, wenngleich Verknüpfungen nicht auszuschließen sind.
Es geht mir um Barmen, Elberfeld, Hatzberg auf der Bühne; und es geht mir darum, daß ich immer häufiger in der Entwicklung des "Theaterbahnsteiges nachtkritik"zum Beispiel auch die Chance einer "schlachtenbummelnden" Zuschauerkultur sehe, denn ich bin ganz sicher kein Einzelfall: Und "Halbtagslebensentwürfe" mögen bei dieser Entwicklung ebenfalls bedacht werden: So paradox es klingt, auch diese könnten dem Theater eher zuspielen: dafür sollten diese Theater aber zunächst ersteinmal stehenbleiben, obgleich ich vermute, daß mancherlei von den Flamenargumenten wird umgesetzt werden müssen ... . Heute "Diener zweier Herren" in Wuppertal; die Camus-Tage bringen eigenartigerweise kein (!!) Bühnenstück Albert Camus - das finde ich allerdings nicht sonderlich klug !!
#53 Oberhausen schließen: Kasernenhofpiscator 2010-01-15 19:26
123 ist gut. weitermachen!

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