nachtkritik-Theatertreffen 2010: Das Ergebnis

11. Februar 2010. Dreizehn Tage und vor allem Nächte lang hatten die Leser_innen von nachtkritik.de Zeit, ihre Favoriten für das nachtkritik-Theatertreffen 2010 zu pushen. 36 Aufführungen, nominiert von unseren Korrespondent_innen, standen zur Wahl. Jeder Leser, jede Leserin von nachtkritik.de hatte zehn Stimmen zu vergeben, um die für ihn oder sie wichtigsten Inszenierungen der vergangenen 12 Monate zu küren.

Das Ergebnis überrascht insofern, dass die freien Theater Theaterlabor Bremen und andcompany&co unangefochten Platz 1 und Platz 2 belegen, mit großem Abstand gefolgt von kleinen oder mittleren Häusern wie Osnabrück, Halle, Graz und Wiesbaden.

Gegen diese Phalanx der normalerweise Übersehenen kann sich von den arrivierten Häusern alleine die Volksbühne, genauer gesagt aber: René Pollesch behaupten. Er belegt mit seinem Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang Platz 7.

Das Ergebnis überrascht andererseits gar nicht, weil schon im letzten Jahr zu beobachten war, dass die freien Theater es einfach am erfolgreichsten verstehen, ihre Anhänger zu mobilisieren. Dass dies ganz offensichtlich auch Häusern wie Halle, Osnabrück oder Graz in hohem Maße gelungen ist, mag, mit aller Vorsicht gesprochen, ein Fingerzeig für die Akzeptanz dieser Häuser in ihren Städten und Regionen sein.

Von den großen Häusern haben es, neben dem Pollesch-Hauptquartier in Berlin, nur das Theater Basel mit Christoph Marthalers Großherzogin von Gerolstein und die Berliner Schaubühne mit Dritte Generation, einer von Yael Ronen inszenierten Koproduktion mit dem Habima Theater aus Tel Aviv, geschafft. Ob sich das Burgtheater, ob Köln, Frankfurt, Düsseldorf oder die beiden Hamburger Häuser ihres Sieges wohl zu sicher wähnten? Mobilisiert haben auch sie, aber gereicht hat es gegen den Enthusiasmus der Underdogs dennoch nicht.

Vielleicht am meisten jedoch erstaunt, dass das in vielen Kämpfen erprobte und in den nachtkritik-Foren heiß diskutierte Centraltheater Leipzig es mit keiner seiner beiden Aufführungen in die Kränze geschafft hat. Und: dass Köln, obwohl viermal nominiert, zwar knapp, aber zuletzt eben doch unterlag. Karin Beier und die Ihren mögen sich von dem Umstand trösten lassen, dass auf nachtkritik.de schon Wetten laufen, wie viele Kölner Inszenierungen in diesem Jahr zum Berliner Theatertreffen eingeladen werden. Das ist zwar kein vollgültiger Ersatz für das nachtkritik-Theatertreffen, aber immerhin.

Im Folgenden die von den nachtkritik-Leserinnen und -Lesern ausgewählten zehn wichtigsten Aufführungen des letzten Jahres nach der Anzahl der für sie abgegebenen Stimmen:

1. Theaterlabor Bremen
Aristophanes: Plutos
Regie: Frank-Patrick Steckel, Premiere: 26. Februar 2009
3106 Stimmen
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2. andcompany&Co./ Junges Schauspiel Hannover: City Circus Zero Work
Premiere: 12. Juni 2009 bei den Theaterformen Braunschweig/ Hannover
1782 Stimmen
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3. Theater Osnabrück
Anton Tschechow: Der Kirschgarten
Regie: Cornelia Crombholz, Premiere: 28. März 2009
1293 Stimmen
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4. Thalia Theater Halle
Dirk Laucke: Ultras
Regie: Dirk Laucke, Premiere: 19. September 2009
1274 Stimme
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5. Theater Heidelberg
Nis-Momme Stockmann: Der Mann der die Welt ass
Regie: Dominique Schnizer, Premiere: 17. Dezember 2009
644 Stimmen
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6. Schauspielhaus Graz
Peter Handke: Die Stunde da wir nichts voneinander wussten
Regie: Viktor Bodó, Premiere: 14. Mai 2009
580 Stimmen
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7. Volksbühne Berlin
René Pollesch: Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher
Verblendungszusammenhang!
Regie: René Pollesch, Premiere: 13. Januar 2010
573 Stimmen
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8. Staatstheater Wiesbaden
Ben Jonson: Volpone
Regie: Herbert Fritsch, Premiere: 8. November 2009
504 Stimmen
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9. Schaubühne Berlin / Habima Theater Tel Aviv
Dritte Generation
Regie: Yael Ronen, Premiere: 20. März 2009
490 Stimmen
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10. Theater Basel
Jacques Offenbach: Die Großherzogin von Gerolstein
Regie: Christoph Marthaler, Premiere: 20. Dezember 2009
482 Stimmen
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Hier noch einmal die Liste derjenigen Inszenierungen, die zur Auswahl standen.


Herzlichen Glückwunsch!!!

nachtkritik.de gratuliert den Produktionsteams aller ausgewählten Inszenierungen, gratuliert den Autoren und Autorinnen sowie den Theatern, an denen diese Aufführungen entstanden. Wir können sicher sein, dass sich die Auswahl der Korrespondentinnen und Leser von nachtkritik.de wesentlich unterscheidet von dem Einladungs-Tableau, zu dem sich in Kürze die JurorInnen des Berliner Theatertreffens durchringen werden.

Die oder der glückliche SiegerIn des nachtkritik-Theatertreffen-Gewinnspiels wird am Freitag, den 12. Februar ermittelt und benachrichtigt.

 

 
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