logo_nachtkritik_klein.png
Drucken

Unter dem Titel "Auf den Tod habe ich überhaupt keine Lust" erzählt Zadek davon, wie er mit zunehmendem Alter nur noch dringliche Inszenierungen und "nicht mehr irgendeinen Jux" zu machen sucht. Es geht um seine Freundschaft mit dem verstorbenen Autor Robert Muller und um die gemeinsame Enttäuschung darüber, dass ein spätes autobiographisches Theaterstück Muellers über einen jüdischen Emigranten, der nach dem Krieg in Hamburg sein Familienschicksal untersucht, unter Jürgen Flimm vom Hamburger Thalia Theater abgewiesen wurde.

Das Gespräch kreist um die Todesnähe und um Zadeks jüdisches Selbstverständnis: "Christen glauben ja an ein Paradies, da kommt also was Schönes. Paradies, hätte ich nichts dagegen, aber ich möchte eigentlich ewig hierbleiben. Vielleicht ist das jüdisch."

Und gleich einem Vermächtnis wischt der große Regisseur das Reden von der Krise des Theaters weg: Ich "finde sogar heute das Theater gegenüber dem Advance des Hightech, wo alles immer abstrakter und unpersönlicher wird, immer wichtiger. Ob Theater weniger Geld zur Verfügung hat als früher und vielleicht demnächst nur noch auf kleinen Bühnen im Hinterhof gespielt wird, ist völlig egal", sagt er.

Und weiter: "Menschen werden immer Theater spielen, weil Menschen sich immer die Geschichten des Lebens vorspielen werden. Der einzige Weg, die wirklichen Schrecken des Lebens zu überstehen, besteht darin, sie nachzuspielen. Ob man den Tod nachspielt oder etwas Lustiges oder eine Liebesgeschichte, das ist ganz egal."

 

Das Gespräch in der FAS ist ein Auszug aus dem Buch Peter Zadek - Die Wanderjahre: 1980-2009, das bei Kiepenheuer & Witsch erscheint.


Mehr über den Regisseur Peter Zadek und über Nachtkritiken zu seinen Inszenierungen finden Sie über das Glossar von nachtkritik.de.