WillkommenHartmanns 280 GeorgSoulek Burgtheater 073s u"Willkommen bei den Hartmanns"
© Georg Soulek
Wien, 20. November 2017

Es war einmal

Wie immer Sommer 2015 in Deutschland das Wort "Willkommenskultur" groß geschrieben wurde, bildete ein Jahr drauf Simon Verhoeven in seiner Feelgood-Komödie Willkommen bei den Hartmanns ab, die die Kinokassen klingeln ließ. Am Akademietheater hat Peter Wittenberg die Geschichte einer Münchner Familie, die einen nigerianischen Geflüchteten aufnimmt, ins heutige Österreich übersetzt – Martin Pesl berichtet.

Innsbruck, 20. November 2017. Was wollen wir? fragen sich die drei jungerwachsenen Aussteiger-Kinder in Teresa Doplers Stück Was wir wollen – Verena Schopper hat die Uraufführung am Tiroler Landestheater inszeniert, mehr von Martin Jost.

Wien, 19. November 2017: Ein Volksfeind von Jette Steckel am Burgtheater

Glyphosat, Paradise Papers, Abgasskandal, vertuschende Politiker, Lügenpresse: das sind die Zutaten, aus denen Jette Steckel am Burgtheater eine starbesetzte Neufassung des Umweltskandalklassikers Ein Volksfeind von Henrik Ibsen gewohnt originell auf die Bretter wuchtet. Unter anderem mit Joachim Meyerhoff und Mirco Kreibich. Eva Biringer sah die Premiere.

Weimar, 19. November 2017: Unterleuten von Juli Zeh

Die Idylle kann die Hölle sein: in Unterleuten zum Beispiel, dem titelgebenden Dorf aus Juli Zehs brandenburgischen Gesellschaftsroman. Auf den Bestsellerlisten rangierte das Buch weit oben. Jenke Nordalm hat die Windkraftrad-Posse nun am Nationaltheater inszeniert, mehr von Henryk Goldberg.

Bochum, 19. November 2017: Lisa Nielebock inszeniert die Orestie

Die Figuren in der Orestie des Aischylos sind Zeugen ihrer Geschichte, keine Handelnden. Am Schauspielhaus hat Lisa Nielebock eine eindringliche Versuchsanordnung für den antiken Theatertext geschaffen. Martin Krumbholz ist angetan.

Hamburg, 19. November 2017: Studio Braun uraufführen Der goldene Handschuh

Es ist ein Elend und den Figuren seit je "das Glück im Arsch erfroren". Jetzt hieven Studio Braun die von Heinz Strunk literarisch abgeschilderte Hamburger 24-Stunden-Kneipe Der goldene Handschuh am dortigen Schauspielhaus auf die Bühne. Mit dabei: Doornkaat-Willy, Bulgaren-Harry, Ritzen-Schorsch und Katrin Ullmann.

Mülheim / Ruhr, 19. November 2017: König Ubu # Am Königsweg, Regie: Philipp Preuss

Alfred Jarrys König Ubu schreit "Merde!" wie Donald Trump "Fake News!" schreit. Sind Ähnlichkeiten auch darüber hinaus frappierend? Für König Ubu # Am Königsweg hat Philipp Preuss im Theater an der Ruhr das Jarry-Stück mit Elfriede Jelineks Trump-Text zusammengeschnitten. Und, Friederike Felbeck?

Bruchsal, 19. November 2017: Die Recherche Es wird schon nicht so schlimm!

Es wird schon nicht so schlimm! setzt sich mit dem Freitod des Schauspielers Joachim Gottschalk und seiner jüdischen Frau in der Nazizeit auseinander und die Geschichte ist so wirklich passiert. Nun hat der Bruchsaler Intendant Carsten Ramm den Stoff auf die Bühne gebracht. Und Thomas Rothschild beeindruckt.

Wien, 18. November 2017: Hermann Schmidt-Rahmer verstört mit Orwells 1984

George Orwells 1984 wird momentan an diversen Bühnen aus dem Regal gekramt, scheint doch kaum ein literarisches Werk die Trump-Zeit so hellsichtig vorwegzunehmen wie dessen Romandystopie. Am Wiener Volkstheater stürzt Hermann Schmidt-Rahmer Orwell in verstörende Verfremdung. Theresa Luise Gindlstrasser hat's überzeugt.

Berlin, 18. November 2017: Thomas Melles Versetzung von Brit Bartkowiak uraufgeführt

Nach seinem autobiografischen Roman "Die Welt im Rücken" hat Thomas Melle nun auch ein Stück geschrieben, das vom Thema Bipolare Störung dominiert wird. Die Uraufführung von Versetzung hat in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Brit Bartkowiak inszeniert. Mehr von Michael Wolf.

Graz, 18. November 2017: András Dömötör befragt den Joseph-Roth-Stoff Hiob

Joseph Roths Hiob ist ein Entwurzelter ist Joseph Roths Hiob. Am Schauspielhaus Graz treibt András Dömötör diese Entwurzelung auf die Spitze und sieht in ihr die Quelle religiösen Fundamentalismus. Plausibel, Reinhard Kriechbaum?

Hamburg, 17. November 2017: Signas Empathie-Versuchsanordnung Das halbe Leid

Es spukt wieder. Diesmal in Hamburg. Das Deutsche Schauspielhaus hat das berühmt-berüchtigte dänisch-österreichische Performancekollektiv Signa eingeladen, und das lädt sein Publikum – wie immer immersiv – in eine ehemalige Fabrikhalle. Dort betet der Empathie-Verein Das halbe Leid zur Schmerzensgöttin Dolores – Michael Laages hat sich unter die Fittiche nehmen lassen.

Luzern, 17. November 2017: Bram Jansen macht aus Kleist einen Unzerbrochenen Krug

Er liegt in Scherben, Heinrich von Kleists "Zerbrochner Krug". Aber nur solange, bis sich das Personal von Bram Jansen am Luzerner Theater postfaktisch drüber hergemacht hat. Heraus kommt ein Abend mit dem Titel Der unzerbrochene Krug – mehr von Valeria Heintges.

Berlin, 17. November 2017: Sandra Hüller in Herrndorfs Bilder ... an der Volksbühne

Am Neumarkt Theater inszenierte Tom Schneider im April 2016 Wolfgang Herrndorfs Bilder deiner großen Liebe als (Fast-)Solo für Sandra Hüller. Nun gastiert die Produktion in der Volksbühne. Die Nachtkritik aus Zürich von Kaa Linder.

Berlin, 16. November 2017: Das NT of Oklahoma mit The Pursuit of Happiness am HAU

Das Nature Theater of Oklahoma und die slowenische EnKnapGroup lassen es krachen: In The Pursuit of Happiness, das dieser Tage am Berliner HAU gastiert, schicken sie selbstmitleidige Cowboys auf Selbstmordmission. Das Publikum zu Berlin gluckste vergnügt. Köstlich amüsiert hat sich zur Premiere beim Steirischen Herbst auch Reinhard Kriechbaum.

Hamburg, 12. November 2017: Anna Karenina als Schlager-Show von Bürk/Sienknecht

Witziger Untertitel: Anna Karenina – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie. Hatten Barbara Bürk und Clemens Sienknecht so auch schon bei ihrer "Effi Briest"-Radioshow 2016 in Hamburg und dann beim Berliner Theatertreffen. Voll Schlager und Herzblut. Heuer genauso. Aber merke: Ein Witz muss nicht schlechter werden, wenn er mehrfach erzählt wird, weiß Falk Schreiber.

Wuppertal, 12. November 2017: Jakob Fedler inszeniert Die Zofen

Jean Genets Die Zofen werden oft als Gesellschaftsparabel gelesen. In Wuppertal betont Jakob Fedler die Nähe zu Beckett. Sehr zum Gefallen von Sascha Westphal.

Schwerin, 12. November 2017: Christa T. / Störfall von Patrick Wengenroth

Christa Wolfs gedankenlastige Romane eignen sich kaum für die Bühne. Patrick Wengenroth hat in Schwerin mit Nachdenken über Christa T. / Störfall dennoch einen Wolf-Cocktail gemixt. Mundet er, Frank Schlößer?

Berlin, 11. November 2017:  Volksbühnen-Eröffnung mit Samuel Beckett / Tino Sehgal

Nach dem Start am Tempelhofer Flugfeld kehrt Chris Dercons Volksbühne Berlin nun im Stammhaus am Rosa-Luxemburg-Platz ein. Zum Auftakt gibt es eine Werk-Kombination Samuel Beckett / Tino Sehgal, also Beckett-Einakter, vom Beckett-Getreuen Walter Asmus inszeniert, und Performances von Tino Sehgal. Zwischen E-Gitarrenrock, Pausenhofrauschen und Beckett-Stille ließ sich Georg Kasch treiben.

Bautzen, 11. November 2017: Oliver Bukowskis Ost-West-Besichtigung Birkenbiegen

Erst in den Westen, dann zurück in den Osten. Gelingt die Rückkehr reibungslos? Das fragt Lutz Hillmann mit Oliver Bukowskis Birkenbiegen am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen. Michael Bartsch war vor Ort.

Oberhausen, 11. November 2017:Männer, die denken von der Performing Group 

Auf die Grillwurst, fertig, los! Mit Männer, die denken gehen die Performing Group und das Oberhausener Ensemble feministisch aufs Patriarchat los. Wie bissig die Arbeit in Zeiten von #MeToo wurde, weiß Cornelia Fiedler.

Berlin, 10. November 2017: Tracy Letts' Novität Eine Frau am Berliner Ensemble

Zum Verwechseln ähnlich: "Eine Familie" heißt der Kassenschlager von Tracy Letts. Läuft überall. Eine Frau ist sein neues Stück und läuft jetzt am Berliner Ensemble. In der atmosphärischen Regie von David Bösch. Auf die Stationenreise durch das Leben einer amerikanischen Frau begab sich Simone Kaempf.

Wien, 10. November 2017: Thomas Köcks Die Zukunft reicht uns nicht

Zeitkritik pur gibt's in Thomas Köcks neuem Diskurstext Die Zukunft reicht uns nicht (Klagt, Kinder, klagt!), den er gemeinsam mit Elsa-Sophie Jach am Schauspielhaus Wien herausbringt. Ein Chorwerk mit Wucht sah Andrea Heinz.

München, 9. November 2017: Das Spielart-Festival mit postkolonialem Schwerpunkt

Apartheid abgeschafft, Kolonialismus überwunden? Schöne Wunschvorstellung. Schaut man nach Südafrika, wie es die diesjährige Ausgabe des Münchner Festivals Spielart mit seinem postkolonialen Schwerpunkt tut, wird klar, wie alte Stereotype weiterwirken. Michael Stadler ließ sich gern irritieren.

Berlin, 6. November 2017: Milo Rau politisiert mit General Assembly an der Schaubühne

General Assembly nennt sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen, die in der derzeitigen Weltlage viel Gegenwind bekommt. Doch Milo Rau glaubt an das Konzept. In der Schaubühne Berlin hat er ein dreitägiges Weltparlament organisiert – zur Repräsentation der Lobbylosen. Demokratie für alle/s war das Motto, am Ende sollte eine gemeinsame Charta verabschiedet werden. Daraus wurde nichts – warum, Sascha Ehlert?

Cottbus, 5. November 2017: Jo Fabians Einstand als Schauspieldirektor mit Onkel Wanja

Das schwarze Kätzchen, hat das einer gesehen? Es ist so etwas wie der Elefant im Raum von Jo Fabians sehr eigener Inszenierung von Anton Tschechows Onkel Wanja am Staatstheater Cottbus, mit dem er seinen Einstand als Schauspieldirektor gab. Frank Starke war vor Ort.

Münster, 5. November 2017: Die Fremden / Der Kaufmann von Venedig

Zwei Shakespeare-Texte band Stefan Otteni fintenreich am Theater Münster zu einem äußerst aktuellen Abend über das xenophob vergiftete Klima dieser Tage zusammen: Die Fremden / Der Kaufmann von Venedig. Sascha Westphal war vor Ort.

Mainz, 5. November 2017: 7 Minuten / Betriebsrat von Stefano Massini

7 Minuten weniger Pause? Das heißt auch 7 Minuten mehr Arbeit. In Stefano Massinis wortgewaltigem Stück 7 Minuten / Betriebsrat kämpfen Arbeiterinnen um Gerechtigkeit. Carole Lorang hat inszeniert, Valentina Tepel zugeschaut.

Braunschweig, 4. November 2017: Klaus Gehre mit Spiel mir das Lied vom Tod

Das Staatstheater Braunschweig erkundet in einer Reihe den nahen, fernen Freund der Europäer: die USA. Im ersten Teil der Trilogie findet Klaus Gehre in Sergio Leones Western Spiel mir das Lied vom Tod die Anfänge des Raubtierkapitalismus. Und harte Kerle, die keine Grenzen kennen. Jan Fischer war dabei.

Basel, 4. November 2017: Lukas Linder mit Der Revisor oder: Das Sündenbuch

Der Revisor oder: Das Sündenbuch ist Lukas Linders Neudichtung des Klassikers von Nicolai Gogol. Cilli Drexel besorgt die Basler Uraufführung der Komödie. Wobei der Abend auch ins Horrorgenre passen könnte, wie Elisabeth Maier berichtet.

Frankfurt, 4. November 2017: Roger Vontobel mit Bernard-Marie Koltès

Roger Vontobels Inszenierung von Bernard-Marie Koltès' Kampf des N*** und der Hunde lief gestern erstmals am Schauspiel Frankfurt. Gerhard Preußer besprach im Mai die Premiere in Bochum.

München, 4. November 2017: Mamela Nyamzaa mit De-Apart-Hate beim Spielart-Festival

De-Apart-Hate heißt Mamela Nyamzaa tänzerische Auseinandersetzung mit der Geschichte Südafrikas. Gestern gastierte die Produktion beim Spielart-Festival. Jan Fischer bewunderte sie bereits zuvor bei "Theaterformen".

Berlin, 3. November 2017: Die Juden-Monologe am Gorki Theater

Mächtig was los machen hier Maschinengewehr-Monster und Mutproben über Moralkeulen: Mit zwei markanten Monologen eröffnen die Radikalen Jüdischen Kulturtage am Berliner Maxim Gorki Theater. Unter anderem führt die Autorin Sasha Marianna Salzmann zum ersten Mal Regie. Gabi Hift berichtet.

München, 3. November 2017: Versuch über das Turnen beim Spielart-Festival

Mit dem Versuch über das Turnen erkundet das Kollektiv Hauptaktion um Oliver Zahn den Zusammenhang zwischen körperlichem Drill, Masse und Nationalstaat. Sabine Leucht war dabei.

Wiesbaden, 2. November 2017: Rabih Mroué zeigt am Staatstheater Sand in the Eyes

Welche Bilder vom Töten zeigen wir? Welche nicht? Warum? Diese Fragen stellt Regisseur, Performer und Medienkünstler Rabih Mroué in seiner neuen Lecture Performance Sand in the Eyes am Staatstheater Wiesbaden. Einmal mehr mischt Mroué Fiktion und Dokumentation, legt falsche Fährten. Alexander Jürgs ist beeindruckt.

Hamburg, 2. November 2017: Das Ensemble Skart mit Tunix! auf Kampnagel

Das Ensemble Skart entwickelt seine Arbeiten gleichberechtigt mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. In Tunix! erzählt es jetzt auf Kampnagel von Arbeit und Müßiggang. Mit dabei: Katrin Ullmann.

München, 30. Oktober 2017: Die Eröffnung des Münchner Spielart-Festivals

Das Münchner Spielart-Festival legt seinen Schwerpunkt in diesem Jahr auf Produktionen aus Südostasien und Südafrika. Obwohl die Inszenierungen teils zehntausend Kilometer voneinander entfernt entstanden, eint sie alle doch eines: ihr politischer Anspruch. Michael Stadler reiste einmal um die Theaterwelt.

München, 30. Oktober 2017:Die 120 Tage und Zig Zig gastieren bei Spielart

Milo Raus Die 120 Tage von Sodom gastiert beim Spielart-Festival. Die Zürcher Premiere der Koproduktion mit dem Theater Hora besprach Christoph Fellmann. Ebenfalls im Programm: Laila Solimans Dokumentartheater Zig Zig über einen Überfall britischer Soldaten auf ein ägyptisches Dorf. Simone Kaempf sah den Abend schon am Berliner Hebbel am Ufer.

Hamburg, 29. Oktober 2017: Falk Richter mit Elfriede Jelineks Am Königsweg

Überall breitet sich in atemberaubender Geschwindigkeit Dummheit, Gewalt und Geschmacklosigkeit aus. Im Phänomen Trump verdichtet sich diese Entwicklung schockhaft. Doch das neue Stück von Elfriede Jelinek rechnet auch mit der Hilflosigkeit der Intellektuellen in diesem Szenario ab. Falk Richter hat Am Königsweg im Deutschen Schauspielhaus uraufgeführt. Und zwar ziemlich bemerkenswert, findet Falk Schreiber.

Frankfurt, 28. Oktober 2017: Anselms Webers Antrittsinszenierung Das siebte Kreuz

Sieben Tage des Wartens auf Leben oder Tod: In ihrem vor 75 Jahren veröffentlichten Roman Das siebte Kreuz folgte Anna Seghers einem KZ-Häftlingen auf seiner Flucht durchs Rheinische. Den Stoff inszeniert Anselm Weber nun zum Antritt seiner Intendanz in Frankfurt. Esther Boldt war dabei.

Stuttgart, 28. Oktober 2017: René Pollesch fragt Was hält uns zusammen ....?

Sex mit einer Bowlingkugel? Warum eigentlich nicht, darüber lässt René Pollesch in Was hält uns zusammen wie ein Ball die Spieler...?, seiner neuen Stuttgarter Arbeit, räsonieren. Unter Armin Petras' Intendanz wirds auch seine letzte sein, mit Katzenklappen-Bühnenbild, Beach-Boys-Sound, Astrid Meyerfeldt und einem Frauenchor. Mehr über den besonderen Abgang von Steffen Becker.

Berlin, 28. Oktober 2017: She She Pop mit The Ocean is closed im HAU

Streicher brummen, ein Nebelhorn schrillt, es fiept, grummelt, wallt: In ihrer Neue Musik-Performance treffen sich She She Pop und das Ensemble zeitkratzer zum kommentierten Konzert. Wie sie in The Ocean is Closed die Ordnung im scheinbar Chaotischen umspielen, berichtet Christian Rakow.

Basel, 27. Oktober 2017: Thom Luz musiktheatralische Leonce und Lena-Version

So hat man Georg Büchners melancholisches Lustspiel Leonce und Lena noch nicht gesehen: Am Theater Basel bringt Theatermagier Thom Luz bei seiner ersten Umsetzung eines klassischen Dramentexts Bezüge und Gewissheiten ins Wanken. Dafür gibt's ein geteiltes Klavier, einen Striptease und jede Menge Musik. Wie steht's um Witz und Gehalt, Claude Bühler?

Wien, 27. Oktober 2017: Social-media-Serie Seestadt-Saga am Schauspielhaus 

Wien 606 Stunden lang wird die Seestadt-Saga gedauert haben, wenn sie Mitte November auserzählt ist. Bis dahin halten die fiktiven Bewohner des realen Wiener Viertels ihre Follower auf Trab. Follower? Die Seestadt-Saga ist eine überwiegend virtuelle, teilweise interaktive Erzählung, erdacht im Writer's Room des Schauspielhauses. Mehr von Theresa Luise Gindlstrasser.

Berlin, 27. Oktober 2017: Riemenschneiders Das Mädchen mit dem Fingerhut am DT 

Am Deutschen Theater ist gestern Alexander Riemenschneiders Inszenierung von Michael Köhlmeiers Roman Das Mädchen mit dem Fingerhut angekommen. Die Uraufführung in Recklinghausen besprach Sascha Westphal.

Berlin, 26. Oktober 2017: Melanie Jame Wolfs Performance Highness 

Im Frühsommer ging ein Raunen durch Berlins Freie Szene: Habt Ihr schon Melanie Jame Wolfs Performance "Mira Fuchs" gesehen? Unbedingt hingehen! Mit Highness hatte jetzt der zweite Teil ihrer Trilogie über archetypische Frauenrollen an den Sophiensälen Premiere. Zeit, das Sommerraunen zu überprüfen. Kann die australische Performerin den hohen Erwartungen gerecht werden, Gabi Hift?

Stuttgart, 23. Oktober 2017: Kirill Serebrennikovs Hänsel und Gretel-Fragment

Der Regisseur Kirill Serebrennikov sollte Hänsel und Gretel inszenieren. Dann aber wurde er von russischen Behörden unter Hausarrest gestellt. Die Oper Stuttgart zeigt am Tag der geplanten Premiere nun ein Work in Progress von Serebrennikovs Arbeit. Das Publikum feiert am Ende aber zwei andere Künstler. Verena Großkreutz berichtet.

Basel, 23. Oktober 2017: Marcel Schwalds Money Piece I (Comedy) an der Kaserne

Gastland des Festivals Culturescapes an der Kaserne Basel ist dieses Jahr Griechenland. Anlässlich dessen inszeniert Marcel Schwald einen griechisch-schweizerischen Abend namens Money Piece I (Comedy). Maximilian Pahl war dabei.

Wien, 22. Oktober 2017: Alvis Hermanis mit Schlechte Partie am Burgtheater

Eine junge Frau ohne Mitgift muss unter die Haube gebracht werden. Gleich mehrere Männer treten zu ihrer Begutachtung an. In Schlechte Partie verhandelt Alexander Ostrowski, was mit Seelen passiert, wenn Leben und Liebe nur noch als Tauschhandel funktionieren. In üppigstem Retro und mit Starbesetzung hat Alvis Hermanis die Chose an der Burg inszeniert. Leo Lippert berichtet.

Hamburg, 22. Oktober 2017: Ersan Mondtag inszeniert die Orestie am Schauspielhaus

Rattenmaskierung, Antiken-Statuen, riesiger Chor: Mit der Orestie am Hamburger Thalia Theater trumpft Ersan Mondtag audiovisuell überbordend auf. Angela Merkel ist auch dabei. Was der Abend über unsere Zeit sagt, weiß Falk Schreiber.

Zürich, 22. Oktober 2017: Barbara Frey mit Der zerbrochne Krug am Schauspielhaus

Mächtige Männer, die ihre Stellung missbrauchen, um sich eine Frau gefügig zu machen, etwa in Heinrich von Kleists Zerbrochnem Krug – da schrillen gleich die tagespolitischen Alarmglocken. Auch bei Barbara Frey in Zürich, Valeria Heintges?

Hannover, 22. Oktober 2017: Martin Laberenz inszeniert John Osbornes Der Entertainer

Das Stück handelt vom Niedergang der englischen Music Hall-Kultur. Martin Laberenz lässt in seiner Hannoveraner Inszenierung aber weitaus mehr in die Brüche gehen. Jan Fischer war dabei.

Bochum, 22. Oktober 2017: Aki Kaurismäkis Der Mann ohne Vergangenheit in Bochum

Ein Märchen von der Solidarität der Armen und Abgehängten ist Aki Kaurismäkis Film Der Mann ohne Vergangenheit. In Bochum findet Christian Brey ihn vor allem komisch. Mehr von Sascha Westphal.

Berlin, 22. Oktober 2017: Die Entführung Europas am Berliner Ensemble

Unter dem Pseudonym Max Messer schrieb Heiner Müller ein Krimi-Hörspiel. Am Berliner Ensemble lässt Alexander Eisenach eben diesen Max Messer nun im Stile eines Crime Noir Die Entführung Europas ermitteln. War's spannend, Georg Kasch?

Freiburg, 21. Oktober 2017: Intendanz-Eröffnung mit Amir Reza Koohestanis Kirschgarten

Neue Intendanz, neues Glück. Zum Auftakt der Ära (?) Peter Carp inszeniert Amir Reza Koohestani den Kirschgarten von, besser: nach Anton Tschechow. Er hat ihn neu geschrieben, auf Farsi, übersetzt ins Deutsche, gespielt von deutschen Schauspieler*innen, deren Sprache der Regisseur nicht gut versteht. Jürgen Reuß sagt, wie das ging.

Berlin, 21. Oktober 2017:  Kühnel / Kuttner rufen Feminista, Baby! am Deutschen Theater

Der Mann, das klägliche Geschlecht. Valerie Solanas hat ihm mit dem SCUM Manifest ein Grab geschaufelt. Tom Kühnel und Jürgen Kuttner bringen die legendäre Streitschrift in Feminista, Baby! auf die Bühne des Deutschen Theaters. Mehr von Elena Philipp.

München, 21. Oktober 2017: Amélie Niermeyer inszeniert Amoklauf-Stück Gloria am Resi

Amoklauf bei Magazinmachern im Großraumbüro. Gloria von Branden Jacobs-Jenkins, erstaufgeführt in Deutsch von Amélie Niermeyer am Residenztheater, gesehen von Petra Hallmayer.

Berlin, 20. Oktober 2017: Milo Rau reanimiert Lenins letzte Tage an der Schaubühne

Vor genau hundert Jahren übernahmen die Bolschewisten in Russland die Macht. Doch deren Revolutionsführer Lenin starb nur wenige Jahre später. In der Berliner Schaubühne führt uns Milo Rau an sein Totenbett, wo Josef Stalin schon auf seine Chance wartete. Esther Slevogt berichtet.

Berlin, 19. Oktober 2017: Nurkan Erpulat inszeniert Hundesöhne am Gorki

Mit kühler Prägnanz erzählt Ágota Kristóf in ihren Büchern, allen voran "Das große Heft", von Krieg, Exil und Entfremdung in Zeiten der NS-Diktatur und des Sowjet-Regimes. Regisseur Nurkan Erpulat hat sich aus Kristófs Romanwerk einen epischen Theaterabend gebaut: Hundesöhne. Simone Kaempf sah ihn im Gorki Theater.

Berlin, 16. Oktober 2017: Jonathan Meeses Mondparsifal aus Wien nach Berlin

Kleiner Aufschrei im Kulturbetrieb: Jonathan Meese soll in Bayreuth den "Parsifal" inszenieren. Uiuiui! 2012 war das. Zwei Jahre später sagten die Bayreuther Festspiele Meese wieder ab, das geplante Bühnenbild sei zu teuer. Doch Meese holte die Chose als Mondparsifal nach, im Juni bei den Wiener Festwochen, gestern nun auch bei den Berliner Festspielen. Eva Biringer begab sich bereits sommers ins Erzwerk.

Köln, 15. Oktober 2017: Pinar Karabulats eisig technoesker Romeo und Julia-Abend

Mit Techno-Beats und eisigem T.S.-Eliot-Feeling hat die junge Regisseurin Pinar Karabulut am Schauspiel Köln William Shakespeares berühmte Liebesgeschichte Romeo und Julia grundiert. Mit dabei: ein unglaublich gutes Ensemble und eine Julia, die eine Entdeckung ist. Martin Krumbholz war begeistert.

Düsseldorf, 15. Oktober 2017: Bernadette Sonnenbichler verheutigt Kästners Fabian

Wer nicht schwimmen kann, kann niemanden vor dem Ertrinken retten. So brachte Erich Kästner 1931 die Lage seiner untergehenden Zeitgenossen in Fabian auf den Punkt. Bernadette Sonnenbichler hat den Romanstoff am Düsseldorfer Schauspielhaus aufs Heute bezogen. Und Dorothea Marcus überzeugt.

Chemnitz, 15. Oktober 2017: Hasko Webers präzise wuchtiger Homo Faber

Homo Faber, das war in Max Frischs Roman der durchrationalisierte Mann, dem das Menschlich-Fehlbare dazwischenfunkt. In Chemnitz ist das bei Hasko Weber ein präzise wuchtiger Theaterabend, findet Tobias Prüwer.

Aalen, 15. Oktober 2017: Hightech und spektakultäre Bilder für Das Faustexperiment

Was passiert, wenn man eine zentrale Dramenfigur auf echte Roboter prallen lässt? In Das Faustexperiment am Theater Aalen fährt ein Team um Tonio Kleinknecht und Marko Timlin Hightech und spektakuläre Bilder auf. Mehr von Elisabeth Maier.

Berlin, 15. Oktober 2017: Michael Thalheimers Penthesilea mit Constanze Becker am BE

Michael Thalheimers Inszenierung von Kleists Penthesilea mit Constanze Becker ist am BE angekommen. Premiere hatte sie schon im Dezember 2015, als Oliver Reese noch Intendant in Frankfurt / Main war – und Grete Götze sie besprach.

Memmingen, 14. Oktober 2017: Kathrin Mädlers rettet Kleists Käthchen von Heilbronn

Zärtliche Liebe unterm Hollerbusch? Nicht bei Kathrin Mädler: Am Landestheater Schwaben erfindet die Intendantin zu Heinrich von Kleists Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe einen feministischen Schluss und lässt Käthchen und Kunigunde lachend von dannen ziehen. Übergriffige Skelettierung – oder Rettung eines Klassikers ins Zeitgemäße, Steffen Becker?

Graz, 14. Oktober 2017: The Pursuit of Happiness beschließt den Steirischen Herbst

Zum Schluss des Steirischen Herbsts lassen Nature Theater of Oklahoma und EnKnapGroup es krachen: The Pursuit of Happiness schickt selbstmitleidige Cowboys auf Selbstmordkommando. Reinhard Kriechbaum hat sich köstlich amüsiert.

Rostock, 14. Oktober 2017: Johanna Schall mit Eugène Labiches Das Sparschwein

Wenn die Provinzler in Eugène Labiches Das Sparschwein in Paris einfallen, geht's zur Sache. Jedenfalls in Johanna Schalls hochtouriger Rostocker Inszenierung – zur Freude des Publikums. Und Hartmut Krugs.

Bern, 14. Oktober 2017. Sabine Boss adaptiert den Erfolgsfiilm Der Verdingbub

"Basierend auf 100.000 Geschichten" erzählte Der Verdingbub 2011 die Biografie eines "Verdingkindes" – Waisen, die als billige Arbeitskräfte gehandelt wurden. Sabine Boss hat den Erfolgsfilm jetzt aufs Theater gebracht, Andreas Klaeui berichtet.

Jena, 14. Oktober 2017: Hannes Weilers Mythenmix Prometheus im Theaterhaus

Seit er von den Göttern abfiel, ist der Mensch auf sich allein gestellt. Aber wenigstens im Theater muss doch noch Sinn zu finden sein! Mit Prometheus begibt sich Hannes Weiler auf Magical-Mythos-Tour. Mit dabei: Christian Rakow.

Berlin, 14. Oktober 2017: Marlene Monteiro Freitas mit Bacchae – Prelude to a Purge

– für uns schon besprochen von Reinhard Kriechbaum zur Premiere vor einer Woche beim Steirischen Herbst.

München, 13. Oktober 2017: Anta Helena Reckes "Schwarzkopie" von Mittelreich

Finde den Unterschied:Anna-Sophie Mahlers musiktheatrale Uraufführungsinszenierung von Josef Bierbichlers Roman Mittelreich war 2016 zum Theatertreffen eingeladen – nun legen die Münchner Kammerspiele eine weitere Version des Stoffs auf, die identisch ist mit der ersten: nur dass sämtliche Darsteller*innen Schauspieler*innen of colour sind. Anta Helena Reckes aktivistischen Zugriff auf "Mittelreich" sah Sabine Leucht.

Hamburg, 13. Oktober 2017: Convakatary Konak von God's Entertainment

Kampnagel eröffnet seine Spielzeit mit einem Openhaus-Festival auf der Suche nach "Strategien für eine migrantpolitische Gesellschaft". God's Entertainment haben dafür ein Dorf ins Theater gebaut: Convakatary Konak besuchte Falk Schreiber.

Berlin, 12. Oktober 2017: Emocracy von Interrobang

Emocracy heißt die Performance der Gruppe Interrobang – ein Wortspiel aus "emotion" und "democracy". Die Gruppe lässt zwei Performer*innen in Erzähl-Wettstreit treten und das Publikum abstimmen. Aus den Berliner Sophiensaelen berichtet Sophie Diesselhorst.

Wien, 12. Oktober 2017: Ich glaube vom aktionstheater ensemble

Um Religion und ihre Macht über den Körper geht es dem aktionstheater ensemble in Ich glaube. Gestern feierte die Produktion im Werk X seine Wien-Premiere. Petra Nachbaur sah sie bereits im Juni beim Bregenzer Frühling.

Bamberg, 9. Oktober 2017: Kathrin Rögglas Normalverdiener in Bamberg

Eine Kleingruppe Normalverdiener auf einer Urlaubsinsel – wo es um Wellness geht, aber auch darum sich selbst leid zu tun ob typisch spätkapitalistischer Entscheidungsunfähigkeit. Leopold von Verschuer hat das Stück von Kathrin Röggla schon als Hörspiel eingerichtet und nun am E.T.A. Hoffmann-Theater auch inszeniert. Was ist der Abend wert, Christian Muggenthaler?

Mannheim, 8. Oktober 2017: Burkhard C. Kosminski mit Noah Haidles Für immer schön

Lächeln, nie aufgeben. Aufstehen, wenn man zu Boden geschlagen wird. Kosmetikvertreterin Cookie, Heldin von Noah Haidles neuem Stück Für immer schön, beherrscht diese Kunst bis zum Umfallen. Mit "Tatort"-Kommissarin Ulrike Folkerts hat Burkhard C. Kosminski das Werk jetzt am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt. Shirin Sojitrawalla berichtet.

Stuttgart, 8. Oktober 2017: Stephan Kimmig mixt Faust mit Jelinek

Faust: Gelehrtentrip, Jungbrunnenkur, Verführungstragödie. Stephan Kimmig bringt in Stuttgart die Koordinaten des Goethe-Dramas gut durcheinander. Und mixt Jelineks "FaustIn and out" rein, zum Gefallen von Verena Großkreutz.

Augsburg, 8. Oktober 2017: Neuintendant André Bücker stellt sich mit Peer Gynt vor

Intendant André Bücker muss in einer Interims-Spielstätte starten. In kurzer Zeit wurde eine Gewerbe-Halle ausgebaut. Bückers Version von Ibsens Peer Gynt sieht darin ziemlich gut aus. Mehr von Willibald Spatz.

Hof, 8. Oktober 2017: Dantons Tod nach Georg Büchner und Malte C. Lachmann

Was haben uns Pathos und Schrecken der Französischen Revolution heute zu sagen? Regisseur Malte C. Lachmann hat für seine Auseinandersetzung mit Büchners Dantons Tod Hofer Bürger befragt. Andreas Thamm hörte die Antworten.

Kiel, 8. Oktober 2017: Luther von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel

Mit "Evangelio" hat Feridun Zaimoglu jüngst seinen Luther-Roman vorgelegt. Jetzt folgt ein Theatertext mit Kompagnon Günter Senkel. Annette Pullen hat Luther in Zaimoglus Heimatstadt Kiel inszeniert. Mehr von Kai Bremer.

Ingolstadt, 7. Oktober 2017: Donald Berkenhoff mit Viscontis Der Fall der Götter

Wie ein Land in die Diktatur kippt, hat Luchino Visconti in seinem Film Der Fall der Götter am Fall einer politisch verstrickten Industriellen-Familie gespiegelt. Am Theater Ingolstadt hat Donald Berkenhoff sich den Stoff vorgenommen und sucht mit Kamera und kunstfertigem Ensemble nach Vergleichen zu heute, berichtet Christian Muggenthaler.

Oberhausen, 7. Oktober 2017: Babett Grube zeigt Antigone

Babett Grube ist Hausregisseurin im neuen Leitungsteam des Theaters Oberhausen um Florian Fiedler. Sie stellt sich nun vor mit einer Antigone zum Mitspielen – Andreas Wilink war dabei.

Zittau, 7. Oktober 2017: Arbeitswelt-Stück Der Fleck von Joanna Mazur uraufgeführt

Arbeitswelt gibt es sehr selten auf dem deutschsprachigen Theater. Joanna Mazur aus Polen kennt sie und schreibt über sie. Der Fleck spielt in einer Hotelküche im Irgendwo. Die Uraufführung in Zittau sah Michael Bartsch.   

Graz, 7. Oktober 2017: Bacchae – Prelude to a Purge beim Steirischen Herbst

Das dritte Wochenende des Steirischen Herbstes. Marlene Monteiro Freitas inszeniert eine Sitzung unter dem Titel Bacchae – Prelude to a Purge. Inwiefern Backchen? Wieso Reinigung (purge)?, Reinhard Kriechbaum?

Ulm, 6. Oktober 2017: Andreas von Studnitz inszeniert ein reduziertes Dogville

Dogville von Lars von Trier ist ein im Theater beliebter Stoff: In Ulm hat sich nun Andreas von Studnitz den "Besuch der jungen Dame" vorgenommen und konzentriert inszeniert. Am Ende tritt der Regisseur selbst auf – als Gentleman-Mafioso. Thomas Rothschild genoss politisches Theater ohne Botschaftszwang.

Wien, 6. Oktober 2017: Das bernhard.ensemble mit Taxi.Speiber

Noch ein Film als Theater: das bernhard.ensemble ist bekannt dafür, Hollywood-Stoffe mit Wienerischer Mundart zu verschneiden – diesmal trifft es Martin Scorseses Taxi Driver, der hier zum Taxi.Speiber wird. Eklig? Martin Pesl?

Zürich, 2. Oktober 2017: Castorf mit Die fremde Frau und der Mann unterm Bett

Das Regisseursleben geht weiter. Nach dem Ende seiner Ära an der Volksbühne in Berlin zieht Frank Castorf nun wieder als freier Künstler umher. Und natürlich als Dostojewski-Regisseur, wie gehabt. In Zürich entfesselt er die Fluten mit zwei Erzählungen seines Lieblingsrussen unter dem Titel Die fremde Frau und der Mann unterm Bett. Valeria Heintges ging ans Ufer der Wolga.

Leipzig, 2. Oktober 2017: Gewonnene Illusionen von copy&waste

eipzig gilt unter vielen jungen Menschen neben Berlin als coolste Stadt Deutschlands. In Gewonnene Illusionen untersucht die Gruppe copy&waste um Autor Jörg Albrecht den Hype aufwendig und verspielt. Matthias Schmidt berichtet.

München, 1. Oktober 2017: Anne Lenk adaptiert Das Schlangenei von Ingmar Bergmann

Ingmar Bergmans Film Das Schlangenei spielt vor dem Hitler-Putsch 1923. Mit ihrer Adaption bringt Anne Lenk die Stimmung der Weimarer Republik auf die Bühne des Residenztheaters – und zeigt Parallelen zur Gegenwart. Mehr von Philipp Bovermann.

Berlin, 1. Oktober 2017: Volksbühnenstart mit Mohammad Al Attas Iphigenie

Jetzt hat auch das Schauspielprogramm der Volksbühne Berlin begonnen. Wie schon zuvor das Tanzprogramm wieder im Hangar 5 auf dem alten Flughafen in Tempelhof. Mohammad Al Attars Version von Euripides' Iphigenie besetzt Regisseur Omar Abusaada mit neun syrischen Laiendarstellerinnen. Christian Rakow berichtet.

Graz, 1. Oktober 2017: Vereinte Nationen von Clemens J. Setz

In Clemens J. Setz' Theaterstück Vereinte Nationen erlebt elterliche Züchtigung ihre Renaissance. Statt Ohrfeige gibts Fake-News und Scripted-Reality für die eigene Tochter, jetzt hat Mathias Schönsee das zu den Mülheimer Theatertagen eingeladene Stück inszeniert. Gequält fühlte sich auch Theresa Luise Gindlstrasser.

Heidelberg, 30. September 2017: Victor Bodo mit Der gute Mensch von Sezuan

Brauchen wir nun einen anderen Menschen oder eine andere Welt? Victor Bodo greift sich die offene Frage aus Brechts Der gute Mensch von Sezuan und lässt sie in einem ideen- und bilderreichen Abend durchspielen, sagt Harald Raab.

Frankfurt am Main, 30. September 2017: Das hässliche Universum von Laura Naumann

Apokalypsen sind der letzte Schrei auf den Bühnen. Am Schauspiel Frankfurt besorgt Julia Hölscher die Uraufführung der gewitzen Dystopie Das hässliche Universum von Laura Naumann. Shirin Sojitrawalla hat's überlebt.

Magdeburg, 30. September 2017: Cornelia Crombholz mit Die Trilogie der Verdammten

Cornelia Crombholz wagt etwas Ungeheuerliches: Sie versucht Die Trilogie der Verdammten um Antigone und Ödipus – unpsychologisch und ohne aktuelle Bezüge – als echte Tragödie zu zeigen. Alles läuft gut. Dann tritt der Chor auf. Gabi Hift berichtet.

Luzern, 30. September 2017: Die schwarze Spinne von Jeremias Gotthelf

Der Teufel fordert seinen Lohn in Jeremias Gotthelfs Erzählung Die schwarze Spinne, die Barbara-David Brüesch am Luzerner Theater nun zum Grusical verwandelt. Mit Video-Spinnenbeinen-Bildern. Mehr von Andreas Klaeui.

Graz, 30. September 2017: Claudia Bauers mit Faust :: Mein Brustkorb : Mein Helm

Enthemmt-kreative Textflut eines Sprachlüstlings trifft auf seine Bezwingerin – Zum Saisonauftakt gräbt Claudia Bauer ein Stück von Werner Schwab aus: Faust :: Mein Brustkorb : Mein Helm. Zur Begeisterung von Reinhard Kriechbaum.

Frankfurt, 29. September 2017: Jan Bosse überzeugt mit Shakespeares Richard III.

Shakespeares Richard III. ist missgebildet, mit einem monströsen Buckel geschlagen und – gelinde gesagt – stets schlecht gelaunt. Nicht so in Jan Bosses Inszenierung am Schauspiel Frankfurt, wo Wolfram Koch in der Titelrolle fidel über die Bühne turnt. Esther Boldt über einen beglückenden Abend.

Berlin, 29. September 2017: Neue Intendanz am RambaZamba besticht mit Die Räuber 

Jacob Höhne eröffnet seine Intendanz am integrativen Theater RambaZamba mit Ensemble-Power und glanzvollen Gästen. Die Räuber als komplett neues Schiller-Erlebnis sah Frauke Adrians.

München, 29. September 2017: David Marton mit dem Beat-Roman On the Road

Jack Kerouacs On the Road erzählt von der Abenteuerlust einer verträumten Generation. David Marton zielt in seiner Inszenierung auf die ernüchternde Rückkehr in die Realität. Aus den Münchner Kammerspielen berichtet Tim Slagman.

Berlin, 28. September 2017: Dušan David Pařízek mit Kafkas Amerika am DT

Dušan David Pařízek inszeniert Frank Kafkas Amerika am Deutschen Theater Berlin. Kafka wird derzeit gern und viel gespielt. In Mode sind insbesondere schräge, slapstick-artige Inszenierungen des Autors. Pařízek aber hatte andere Pläne. Anne Peter berichtet.

Mannheim, 28. September 2017: Anja Hillings Wie kann ich dich finden...

Wie kann ich dich finden, zu mir ziehen und überreden zu bleiben? Der Titel des neuen Stücks von Anja Hilling ist Programm. Friederike Heller geht in ihrer Uraufführung Liebe, Sex und Leidenschaft auf den Grund. Steffen Becker öffnet uns sein Herz.

 

Berlin, 25. September 2017: Sibylle Bergs Nach uns das All am Gorki Theater Berlin

Apokalypse now? Nichts wie auf zum Mars – aber nur im zeugungsfähigen Team mit Mann. Sibylle Bergs Aussteigerinnen haben's nicht leicht bei ihrer intergalaktischen Obdachsuche. Als knackige Komödie inszenieren Regisseur Sebastian Nübling und Choreographin Tabea Martin auch Nach uns das All, den dritten Teil der Berg'schen Anti-Heldinnen-Saga am Berliner Maxim Gorki Theater. Michael Wolf war dabei.

Berlin, 25. September 2017: Thomas Ostermeier adaptiert Rückkehr nach Reims

Mit Rückkehr nach Reims adaptiert Thomas Ostermeier die Selbstbefragung des Soziologen Didier Eribon – eine Reflexion über den Bildungsweg vom Arbeiterkind zum Intellektuellen und die Wählerschaft des Front National. Gestern feierte Ostermeiers Inszenierung ihre Berlin-Premiere. Andrew Haydon war für uns bei der Uraufführung in Manchester. (Review in English.)

Berlin, 24. September 2017: Michael Thalheimer zeigt Der kaukasische Kreidekreis

Das Kind gehört der Frau, die sich kümmert. Nicht unbedingt der Mutter. Die Produktionsmittel gehören den Arbeitern. Nicht den Besitzern der Produktionsmittel. Und der Kommunismus ist leicht zu verstehen, aber schwer zu machen. Was Michael Thalheimer aus Bertolt Brechts sozialistischem Klassiker Der kaukasische Kreidekreis am Berliner Ensemble gemacht hat, berichtet Esther Slevogt.

Dresden, 24. September 2017: Volker Lösch inszeniert Der Weg ins Leben

Volker Lösch ist zurück in Dresden. In Der Weg ins Leben blickt er in gewohnter Manier mit Zeitzeugen und einem Chor aus Jugendlichen auf kommunistische Versuche zurück, den Neuen Menschen zu erziehen. Michael Bartsch über einen brutalen Abend.

Linz, 24. September 2017: Frühlings Erwachen von Evgeny Titov

Die Sexualmoral, die Frank Wedekind in Frühlings Erwachen anprangert, hat nicht viel mit unserer heutigen zu tun. Die Sprachlosigkeit gibt's aber immer noch. Auf sie konzentriert Evgeny Titov sich in seiner Linzer Inszenierung, zu der Reinhard Kriechbaum mehr schreibt.

München, 24. September 2017: Kinder der Sonne von David Bösch am Residenztheater

Muss man Maxim Gorkis Kinder der Sonne immer gesellschaftskritisch deuten? Oder funktioniert's auch als Komödie? Mit klappenden Türen und verstärktem Unterhaltungswert? Am Residenztheater probiert David Bösch das aus, Shirin Sojitrawalla berichtet.

Wien, 24. September 2017: Felix Hafners Höllenangst am Volkstheater

Felix Hafner ist so etwas wie der Jungstar des bürgerlichen Wiener Theaterpublikums. Zum dritten Mal inszeniert er am Volkstheater. Diesmal die nachrevolutionäre Höllenangst von Johann Nestroy. Theresa Luise Gindlstrasser wirft einen kritischen Blick auf die Premiere.

Schwerin, 23. September 2017: Martin Nimz mit Vor dem Fest von Saša Stanišić

Ein kleines Nest in der Uckermark, eine Nacht, ein Fest, das die Ungeheuer (der Geschichte) wieder ausspuckt: darum kreist der preisgekrönte Roman Vor dem Fest von Saša Stanišić. Martin Nimz hat ihn (quasi am Originalschauplatz) auf die Bühne des Mecklenburgischen Staatstheaters gebracht. Und Frank Schlösser berauscht.

Köln, 23. September 2017: Stefan Bachmann präsentiert Ibsens Peer Gynt

Wer glaubt, dass man mit Selbstfindungstrips zu höherer Klarheit gelangt, sollte Peer Gynt lesen. Kein Kern nirgends; nur Turbulenzen. Stefan Bachmann führt Ibsens Stück mit einem reinen Männer-Cast am Schauspiel Köln als herrlich grotesken Mummenschanz auf. Mehr von Tilman Strasser.

Bochum, 23. September 2017: Johan Simons mit de Lillos Cosmopolis

Wie im Turbokapitalismus ein Mensch das globale Finanzsystem ins Wanken bringt, erzählt Don DeLillo in Cosmopolis. Für seine Abschiedsinszenierung als Ruhrtriennale-Intendant hat Johan Simons die Story auf einen Spielplatz verlegt. Sascha Westphal berichtet.

Dresden, 23. September 2017: Daniela Löffner mit Schnitzlers Professor Bernhardi

Karrierespielchen, denen jedes Mittel recht ist, auch Antisemitismus, beschreibt Arthur Schnitzlers Professor Bernhardi. Am Staatsschauspiel hat Daniela Löffner das Drama aus der Männerwelt der Ärzte inszeniert. Hartmut Krug war dort.

Oberhausen, 23. September 2017: Schimmelmanns – Verfall einer Gesellschaft

Mit einer Uraufführung startet Florian Fiedler in seine Intendanz am Theater Oberhausen und inszeniert Mario Salazars "Nazi-Horror-Boulevard-Komödie" Schimmelmanns – Verfall einer Gesellschaft. Wie war's, Friederike Felbeck?

Berlin, 22. September 2017: Antú Romero Nunes eröffnet die BE-Saison mit Caligula

Caligula, der Willkür-Herrscher, in dem sich alles auffinden lässt, was den Menschen böse macht: Albert Camus hat ihm mit seinem ersten Stück ein Denkmal gesetzt und es "Tragödie der Erkenntnis" genannt. Zu welchen Erkenntnissen Antú Romero Nunes in seiner Eröffnungsinszenierung von Oliver Reeses Berliner Ensemble mit Constanze Becker in der Titelrolle anstiftet, sagt Dirk Pilz.

Berlin, 21. September 2017: Christopher Rüping inszeniert am DT It Can't Happen Here

Wohin man auch klickt, welche Zeitung man aufschlägt – überall springt einem Donald Trump entgegen. Auch im Theater ist man längst nicht mehr vor ihm sicher. Mit Popstar-Appeal brettert Felix Goeser in Christopher Rüpings Sinclair-Lewis-Romanadaption It Can't Happen Here am DT Berlin, vier Tage vor der Bundestagswahl, seine Populisten-Version hin. Wie das verfing, sagt Simone Kaempf.

Berlin, 20. September 2017: Herbert Fritschs Schaubühnen-Debüt Zeppelin

Das soziale Elend, in dem Ödön von Horváth seine Figuren stets so zuverlässig untergehen lässt, und die schrill-bunte Welt von Herbert Fritsch: passt denn das zusammen? In der Schaubühne hat der Meister der Slapstick-Metaphysik mit Zeppelin eine Synthese gewagt. Sophie Diesselhorst berichtet.

Hamburg, 18. September 2017: Die Nacht von St. Valentin im Schauspielhaus Hamburg

Ein Krimi im Theater, zur besten "Tatort"-Zeit: In Anlehnung an den Fall Oscar Pistorius hat Mpumelelo Paul Grootboom Die Nacht von St. Valentin geschrieben. Uraufgeführt hat er seinen Text jetzt selbst, am Schauspielhaus Hamburg. Sportstar tötet Model-Freundin – oder? Katrin Ullmann war dabei.

Leipzig, 17. September 2017: Enrico Lübbe inszeniert Kasimir und Karoline

Ödön von Horváths berühmtes Oktoberfest-Krisenstück Kasimir und Karoline an einem Transitort? Bei Enrico Lübbe stehen die Figuren im Schauspiel Leipzig tatsächlich in einer tristen Bahnhofswartehalle: Draußen rauschen die Züge vorbei, drinnen klingen mit Chor und Glasharfe Volkslied-Fragmente an. Sehr zum Gefallen von Tobias Prüwer.

Hamburg, 17. September 2017: Christiane Jatahy mit Einsamkeit der Baumwollfelder

Im Thalia Theater in der Gaußstraße hat Christiane Jatahy Bernard-Marie Koltès' In der Einsamkeit der Baumwollfelder inszeniert – und schafft mit einer Spielanordnung mit Unbekannten spannende Unklarheiten, findet Falk Schreiber.

Braunschweig, 17. September 2017: D. Schlingmann mit Haus der gebrochenen Herzen

Oft wird Bernard Shaws Endzeit-Konversationsstück Haus der gebrochenen Herzen von 1919 nicht gespielt. Nun hat Dagmar Schlingmann damit ihre Intendanz in Braunschweig eröffnet. Eine mutige Wahl, findet Michael Laages.

Saarbrücken, 17. September 2017: Der Nathan von Bettina Bruinier und Horst Busch

Am Saarländischen Staatstheater hat Bodo Busse Dagmar Schlingmann als Intendant abgelöst; das neue Schauspieldirektorium Bettina Bruinier und Horst Busch stellte sich nun mit der Lessing-Bearbeitung Nathan oder Das Märchen von der Gleichheit vor. Reingart Sauppe sah Gold.

Hamburg, 16. September 2017: Karin Beier serviert Tartare Noir

Was tun, wenn kein Fleisch mehr zu bekommen ist? Dann zerlegt der Metzger eben die Hausmeister. Das ist die Grundidee der Groteske Tartare Noir, die Karin Beier am Deutschen Schauspielhaus Hamburg nach Motiven von Thomas Peckett Prest ersonnen hat. Die Welt, ein Schlachthaus? Ganz so einfach ist das nicht, sagt Falk Schreiber.

Düsseldorf, 16. September 2017: Ellbogen von Fatma Aydemir uraufgeführt

Aktualitätsgesättigt erzählt Fatma Aydemir in ihrem Roman Ellbogen von Hazal und ihrem langen Weg der Selbstfindung. Jetzt hat Jan Gehler in Düsseldorf die Uraufführung inszeniert. Mit dabei: Gerhard Preußer.

Basel, 16. September 2017: Ulrich Rasche inszeniert Woyzeck

Und wieder heißt es Mensch gegen Maschine bei Ulrich Rasche, in seiner Woyzeck-Show am Basler Schauspielhaus. Claude Bühler hat Einwände.

Bielefeld, 16. September 2017: Das Knurren der Milchstraße von Bonn Park

Bonn Park hatte mit seinem Stück Das Knurren der Milchstraße beim Berliner Theatertreffen 2017 den Stückemarkt-Werkauftrag gewonnen. In seiner Urauffführungs-Inszenierung in Bielefeld ist auch das Publikum beteiligt. Kai Bremer machte tapfer mit.

St. Pölten, 16. September 2017: Alia Luque inszeniert Dantons Tod

Die Revolution hängt im Bühnenhintergrund – als Delacroix-Gemälde aus dem Jahr 1830. In Alia Luques Bildersturm-Inszenierung von Georg Büchners Dantons Tod dürfen sie es am Ende zertrümmern. Mehr von Martin Pesl.