Grensgeval 280 ChristopheRaynaudDeLage u"Grensgeval" © Christophe Raynaud De LageAvignon, 19. Juli 2017

Kalt und schön

In Elfriede Jelineks "Die Schutzbefohlenen" geht es um Grenzen, die Europas und die in den Köpfen und Herzen. In Grensgeval (Borderline), das im Mai am Toneelhuis Antwerpen herauskam und nun in Avignon zu sehen ist, reißen Guy Cassiers und Maud le Pladec zumindest die Genregrenzen ein. Mehr von Elisabeth Maier.

Wien, 19. Juli 2017: Jan Fabres Belgian Rules / Belgium Rules beim Festival Impultanz

"Ceci n'est pas un pays", dass hier ist kein Land, postuliert Jan Fabre zu Beginn seines opulenten Bilderreigens Belgian Rules / Belgium Rules beim Festival Impultanz in Wien. Und zeigt böse-ironisch ein heutiges, postkoloniales Belgien voller Zitate und Verweise. Theresa Luise Gindlstrasser berichtet.

Avignon, 16. Juli 2017: Simon Stones Ibsen Huis

Ibsen ist der Sommertheaterautor der Stunde – und es werden ihm allerorten eigene Häuser gebaut. Nach Vegard Vinges "Nationaltheater Reinickendorf" in Berlin hat nun Simon Stone beim Festival d'Avignon sein Ibsen Huis errichtet – als Wohlstandsgefängnis, das, entzündet vom Lebens-Frust seiner Insassen, in Flammen aufgeht. Elisabeth Maier ist begeistert.

Wunsiedel, 15. Juli 2017: Michael Lerchenberg mit Bernhards Theatermacher

Als Thomas Bernhards Theatermacher verabschiedet sich Michael Lerchenberg als Intendant der Luisenburg Festspiele Wunsiedel. Wie sich Bernhards Künstlerkomödie und das Faktum von Lerchenbergs vorzeitiger Vertragsauflösung ineinander verschraubten, hat Andreas Thamm für uns mitverfolgt.

Stuttgart, 12. Juli 2017: Tanja Krones The European House Of Gambling

Sind Glücksspiel und Wettbewerb in egalitären Gesellschaften Mittel zum Ausgleich und zur Integration? So sagen Soziologen. Einer von ihnen hat Tanja Krone zu ihrem Stuttgarter The European House Of Gambling inspiriert. Für uns hat Steffen Becker im "Casino für alle" mitgespielt.

Berlin, 10. Juli 2017: Constanza Macras’ Reflexion über Selbstdarstellung The Pose

Ein Bilderbuch des Selfie-Zeitalters scheint die neue Inszenierung von Constanza Macras zunächst zu sein – sie heißt ja auch The Pose. Doch dann befreien sich Macras' Tänzer*innen vor der Kulisse der Berliner Akademie der Künste aus dem Selbstdarstellungszwang unter Schnappschussdruck und bekommen ihre Schatten zurück – mehr von Janis El-Bira.

Manchester, 9. Juli 2017: Thomas Ostermeier inszeniert D. Eribons Rückkehr nach Reims

Der französische Star-Soziologe Didier Eribon analysiert in Rückkehr nach Reims, warum sein einst kommunistisches Herkunftsmilieu mittlerweile rechts wählt. Thomas Ostermeier bringt das Buch mit Nina Hoss im Rahmen des Manchester International Festival zur Premiere. Und verblüfft unseren Autor. So einen Ostermeier hat Andrew Haydon noch nie gesehen. (In englischer Sprache)

Berlin, 7. Juli 2017: Das Nationaltheater Reinickendorf von Vinge/Müller

"Welcome to the Pleasure Dome" flackert außen in gelber Leuchtschrift. Innen schlagen Vinge Vegard und Ida Müller erst einmal ein Loch als Eingang in die aberwitzig Holzpappen-Konstruktion – Welcome to the Nationaltheater Reinickendorf. Vier Jahre hat es gedauert, bis Vinge/Müller endlich wieder die Theatertüren öffnen, und unter 12 Stunden machen sie es auch in ihrem Gesamtkunstwerk nicht. Mehr von Sophie Diesselhorst.

Berlin, 7. Juli 2017: Monypolo II von Prinzip Gonzo

Prinzip Gonzo sind zurück mit einer frischen Game-Theater-Tüftelei fürs Ballhaus Ost. Monypolo II entführt eine Gruppe Mitspieler in die nahe Zukunft. Ein globales Monopolunternehmen regiert die Märkte und die Politik. Aber die Firmenchefin ist verstorben. Jetzt wird ein neuer Führungskopf gesucht. Kannst Du das Ruder übernehmen? Gabi Hift hat mitgespielt.

Heidelberg, 3. Juli 2017: Bernadette Sonnenbichler zeigt Hesses Steppenwolf

Bernadette Sonnenbichler erklimmt Stück für Stück die Karriereleiter. Derzeit Hausregisseurin in Düsseldorf, wird sie ab nächster Spielzeit am Berliner Ensemble inszenieren. Vorher erarbeitet sie am Theater Heidelberg noch eine Adaption von Hermann Hesses Steppenwolf. Und brachte unseren Kritiker Steffen Becker fast auf dumme Gedanken.

Berlin, 2. Juli 2017: Der Internetchor von cobratheater.cobra im Theater an der Parkaue

Vorbei die Zeit, als das Internet schön und jung war. Nun schauen uns von dort die Fratzen des Hasses an. Das will cobratheater.cobra im Theater an der Parkaue ändern und lädt in einen Lichtenberger Park zu Internetchor. Die Vertreibung der Hass Wurst ein. Mehr von Julika Bickel.

Karlsruhe, 1. Juli 2017: Nowhere out von Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura

Die Verfolgung von Menschen wegen ihrer sexuellen Vorlieben und Identität machen Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura zum Thema. Nowhere out heißt die Produktion, die gestern in Karlsruhe Premiere hatte, just an dem Tag, da das Parlament in Berlin die "Ehe für alle" beschloss. Elisabeth Maier sah die Aufführung. 

Berlin, 1. Juli 2017: Die Mitmachinstallation Limits of Knowing

Immersion heißt der aktuelle Schwerpunkt der Berliner Festspiele, und das spartenübergreifend: Der Berliner Martin Gropius Bau lotet jetzt in Limits of Knowing zwischen Virtual Reality, multisensorischer Installation und Mitmach-Ausstellung die Grenzen zwischen bildender Kunst und Theater aus. Mehr von Elena Philipp.

Leipzig, 1. Juli 2017: Die Retrofuturisten spielen Kästners Konferenz der Tiere im Zoo

Die Konferenz der Tiere von Erich Kästner haben die Retrofuturisten um Roscha A. Säidow in den Leipziger Zoo verlegt. Matthias Schmidt besuchte die Erdmännchen und die Premiere.

München, 30. Juni 2017: Mateja Koležnik zeigt Tartuffe am Residenztheater

In Tartuffe gerät ein Patriarch unter den Einfluss eines Moralapostels und geht auf Abstand zu seiner lotterhaften Familie. Molières Stück gilt als Komödie. Am Residenztheater nimmt die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik den Stoff todernst – und gewinnt die Gunst von Petra Hallmayer.

Bochum, 30. Juni 2017: kainkollektiv erzählt am Schauspielhaus von Hagar

Bevor Abraham mit seiner Frau Sara einen legitimen Nachfolger zeugte, gebar ihm die Sklavin Hagar einen Sohn. Für Juden und Christen eher eine Nebenfigur, verehren Muslime diesen Ismael als Propheten. kainkollektiv untersuchen das religiöse Familienverhältnis. Sascha Westphal berichtet.

Berlin, 29. Juni 2017: Fassbinder, Faust and the Animists am Berliner HAU

In Rainer Werner Fassbinders Film "Warnung vor einer heiligen Nutte" von 1971 wartet eine Filmcrew auf Regisseur und Hauptdarsteller und lässt die Neurosen blühen. In Michel Laubs Fassbinder, Faust and the Animists spielen die Schauspieler am Hebbel am Ufer den Film nach, und zwar sowohl als Film wie live auf der Bühne. Eine höchst referentielles Spiel mit den Ebenen. Mit dabei: Sophie Diesselhorst

München, 28. Juni 2017: Die Aktion Scholl 2017 vom Zentrum für politische Schönheit

Seit Anfang der Woche geht das Zentrum für politische Schönheit um in München – im Auftrag der Kammerspiele suchen die Berliner Aktionskünstler "Hans und Sophie Scholl 2017" und haben dafür eine Kampagne der bayerischen Landesregierung gefaket, was für Empörung sorgt – unter anderem bei der Münchner Presse. Mehr von Philipp Bovermann.

Köln, 26. Juni 2017: Germany Year 2071, ein Film des Nature Theater of Oklahoma

Es wird viel Angst gehabt dieser Tage – aber wovor haben wir denn wirklich, alle, Angst? Fragte das Nature Theater of Oklahoma sich und trommelte in Berlin und Köln eine Menge Laiendarsteller zusammen um einen Sci-Fi-Film zu drehen. Beim Impulse Festival feierte Germany Year 2071 Premiere – Dorothea Marcus (die auch mitspielt) hat ihn gesehen.

München, 25. Juni 2017: Tiefer Schweb von Christoph Marthaler in den Kammerspielen

Unglaubliche 15 Jahre hat Christoph Marthaler nicht in München gearbeitet. Nun ist er wieder da, an den Kammerspielen, mit dem so tiefen wie schwebenden Marthaler-Abend Tiefer Schweb, der uns an den tiefsten Punkt des Bodensees entführt. Und siehe, die Herzen öffnen sich, jedenfalls das unseres Berichterstatters Christian Rakow.

Coburg, 25. Juni 2017: Thorsten Schilling inszeniert Wallenstein

Vom Schnürboden tropft es beständig in Thorsten Schillings Inszenierung des Wallenstein. Und auch sonst gelingt der Abend um Staatsräson und Kriegsschuld detailliert wirkungsvoll, findet Christian Muggenthaler.

Essen, 25. Juni 2017: Das Leben des Galilei, inszeniert von Konstanze Lauterbach

Eine verständliche Geschichte, mit vielfältigen, lebendigen Mitteln erzählt – wird so ein Ereignis aus Brechts Gelehrtenstück Das Leben des Galilei? Gerhard Preußer hat Konstanze Lauterbachs Essener Inszenierung gesehen.

Berlin, 24. Juni 2017: Lange Nacht der Autor*innen am Deutschen Theater

Gestern feierten die Gewinnerinnen der Autorentheatertage die Uraufführungen ihrer Stücke. Afsane Ehsandar, Yade Yasemin Önder und Sivan Ben Yishai sorgten für einen starken Jahrgang. Aus dem Deutschen Theater berichtet Gabi Hift. Das ganze Programm des Festivals mit vielen Nachtkritiken finden Sie hier.

München, 23. Juni 2017: Ersan Mondtag mit Das Erbe an den Münchner Kammerspielen

Beate Zschäpe ist schwanger. Im Weltraum. Ersan Mondtag ist bekannt für eigenwillige, hochartifizielle Inszenierungen. Ausgehend vom NSU-Komplex stößt er nun mit Das Erbe in die unendlichen Weiten des kulturellen Erbes vor. Aus den Münchner Kammerspielen berichtet Willibald Spatz.

Mannheim, 23. Juni 2017: Second Exile von Oliver Frljić bei den Schillertagen

Anfang der 1990er floh Oliver Frljić von Bosnien-Herzegowina nach Kroatien. Letztes Jahr wurde er dort aus seinem Amt als Intendant des Nationaltheaters gedrängt, und ging ins deutsche Exil. In Second Exile verarbeitet er bei den Mannheimer Schillertagen seine eigene Geschichte. Michael Laages berichtet.

Mannheim, 21. Juni 2017: Eröffnung der Schillertage mit dem Demetrius-Fragment

Schiller zu den Schillertagen in Mannheim! Tobias Rausch und Aljoscha Begrich haben sich das Demetrius-Fragment vorgenommen und Schillers Figuren in bunten Gewändern aus der Revolutionsgeschichte auf ein Schachbrett gestellt. Recherchetheatermacher, die sie sind, haben sie Schillers Worten außerdem dokumentarisches Material beigegeben. Zur Überforderung von Harald Raab.

Mainz, 18. Juni 2017: Jan-Christoph Gockel inszeniert Meister und Margarita

Jan-Christoph Gockel bearbeitet am Staatstheater Mainz einen großen Roman des 20. Jahrhunderts: Michail Bulgakows Meister und Margarita. Bulgakow bediente sich eifrig bei Goethes Faust für seine Satire über die frühe Sowjetunion. In Mainz tobt nun ein teuflisches Ensemble über die Bühne. Alexander Jürgs ist beeindruckt.

Wiesbaden, 18. Juni 2017: Es begab sich aber zu der Zeit von Thomas Jonigk

Ein Blinder wird geheilt, Jesus in eine Zwangsjacke gesteckt. Mit der Uraufführung seines neuen Stücks Es begab sich aber zu der Zeit sucht Thomas Jonigk am Staatstheater nach göttlichen Antworten auf allzu menschliche Fragen. Shirin Sojitrawalla berichtet.

Mannheim, 17. Juni 2017: Signa mit Das Heuvolk bei den Schillertagen

Signa mal wieder ganz bei sich: "Da liegt eine Frau mit entblößtem Unterkörper...". Warum nur? Zum Zwecke der Anbetung eines Sekten-Gurus. Das Heuvolk nennt sich die Arche-Noah-Fantasie der dänisch-österreichischen Intallationstheater-Pioniere bei den Schillertagen in Mannheim. Was das frivole Treiben soll? Alexander Kohlmann klärt auf.

Dresden, 17. Juni 2017: Rimini Protokoll fragt mit Nachlass nach den letzten Dingen

Im neuesten Projekt der Gruppe drüfen dürfen Besucher durch acht Zimmer spazieren und in Hinterlassenschaften von Toten kramen. Worin man da wühlt, weiß Tobias Prüwer.

Zürich, 17. Juni 2017: Volker Hesse öffnet die Akte Zwingli im Großmünster Zürich

Deutschland feiert Luther. Und die Schweiz zieht nach mit ihrem Reformator Huldrych Zwingli. Regisseur Volker Hesse inszeniert sein Wirken in Akte Zwingli mit achtzig Darstellern im Großmünster Zürich. Mehr über das Event von Valeria Heintges.

Essen, 16. Juni 2017: Magz Barrawasser erzählt vom Punk Gebet in Pussy Riots

Mit einem Punk-Gebet erreichte die Gruppe Pussy Riot weltweite Berühmtheit. Ihr Gerichtsprozess und die anschließende Lagerhaft schädigte das Ansehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Am Schauspiel Essen bringt Magz Barrawasser die Geschichte der drei Frauen auf die Bühne. Friederike Felbeck berichtet.

Wien, 15. Juni 2017: Lady Eats Apple bei den Wiener Festwochen

Die inklusive Sündenfall-Performance Lady Eats Apple vom australischen Back to Back Theatre um Bruce Gladwin läuft jetzt bei den Wiener Festwochen. Zuvor war das Gastspiel beim Festival "Theater der Welt" in Hamburg zu sehen. Einen besonderen Abend in intensiver ästhetischer Reduktion erlebte Nachtkritikerin Katrin Ullmann dort.

Hannover, 14. Juni 2017: Mare Nostrum bei den Theaterformen

Die mexikanische Regisseurin Laura Uribe gastiert beim Festival Theaterformen in Hannover mit ihrer Produktion Mare Nostrum – benannt nach der Marine-Mission, die Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten sollte. Es ist ein wütender Abend über Flucht und Gewalt. Jan Fischer berichtet.