Von Freudenfeldern und verantwortungsvollem Scheitern

9. Juni 2010. Anlässlich der Remdoogo-Installation bei den Herrenhäuser Festspielen in Hannover stellt Till Briegleb in der Süddeutschen Zeitung (9.6.2010) den Berliner Architekten Francis Keré vor. Dieser ist darauf spezialisiert zu erforschen, "wie man in klimatischen Extremzonen die Bautraditionen der Armut technisch verbessern kann". Es könne also "keinen besseren Interpreten für die zunächst bizarr erscheinende Idee" geben, "in der Steppe Burkina Fasos (...) eine Oper zu bauen", wie dies mit dem von Christoph Schlingensief initiierten Festspielhaus-Projekt Remdoogo geplant ist.

In der "schneckenförmigen Gemeinde rund um das Festspielhaus" seien nicht nur "einfache Wohnmodule", sondern auch eine Schule, eine Musik- und Filmakademie, Wohnungen für Gäste, Werkstätten und Sanitäranlagen konzipiert. Am Rande der Siedlung soll es außerdem ein "Feld der Freude", einen Fußballplatz geben. Außerdem sei "das mögliche Scheitern des Festspielhauses" immer schon mitgedacht, berichtet Briegleb. Schlingensiefs ehemaliger Wahlkampfslogan "Scheitern als Chance" meine hier "eine reale Verantwortlichkeit.

Keré bezeichne Schlingensief als den "Visionslieferanten" und lasse "in aller Bescheidenheit durchblicken, dass er, Keré, es ist, der für die praktische Umsetzung von Remdoogo sorgt". Keré verkörpere in diesem Team also "the German efficiency", so Briegleb, während Schlingensief "den schamanischen Teil des Projektes ausagiert".

 

Mehr zu Christoph Schlingensief und seinem Festspielhausprojekt finden Sie im Glossar von nachtkritik.de.

 

 
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