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Wer erwartet denn noch Stücke für die Ewigkeit?

14. Mai 2011. Ehrenwert, aber fast durchwegs verzagt und daher auch nicht sonderlich spannend findet Doris Meierhenrich in der Berliner Zeitung die Auswahl für den diesjährigen Stückemarkt. Dessen (vermutetes) Hauptkriterium bringt sie mit dem Begriff "das neue Vorteilskriterium der Anspruchslosigkeit" für sich auf den Punkt.

"Was ist wahr? Wie ist eine bessere Welt möglich? Erstaunlich wie fast alle acht Stücke dieselben Fragen stellen und mutig aufs Grundsätzliche zielen", schreibt die Kritikerin. "Doch genauso erstaunlich, wie weit sie mehrheitlich in ihren Ausführungen dahinter zurück bleiben. Kammerspielhaft ziehen sie sich auf engen Raum zusammen – in einen U-Bahnwagon, einen Keller, ein Hotelzimmer – doch von inhaltlicher oder stilistischer Verdichtung keine Spur. Eigenheiten, sprachliche Experimentierlust, gedankliche Überraschungen? Fehlanzeige. Als gelte: je grundlegender die Fragen, desto fantasieloser die Stücke. Als bildete allein der auftauchende Satz 'was ist wahr?' schon den Gipfel der Textkunst."

"Wer erwartet denn noch Stücke für die Ewigkeit?" zitiert Meierhenrich aus der Eröffnungsansprache der Jurorin und Theatertreffen-Chefin Iris Laufenberg. "Eigentlich hätte man diese ernst gemeinte Einführung des Kriteriums Kurzlebigkeit in die Bewertungspraxis neuer Dramatik schon als Warnung vor dem Kommenden verstehen müssen." Herausragen allerdings sieht sie Malgorzata Sikorska-Miszczuk und Mario Salazar – Salazar, dessen "glitzernd monströse Geld-oder-Leben-Show" "Alles Gold was glänzt" sie sogar für preiswürdig hält.

(sle)