Klangvolle Namen

18. Mai 2011: Silvia Stammen schaut in der Neuen Zürcher Zeitung (18.5.2011) noch einmal auf die 35-jährige Zeit, in der Dieter Dorn in München Theater gemacht habe, zuletzt als Intendant am Bayerischen Staatsschauspiel: "Geprägt hat er es vor allem in den 1980er und 1990er Jahren mit seiner 'gemischten Raubtiergruppe', dem berühmten, großartig miteinander reagierenden All-Star-Ensemble".

Ein solches habe es im deutschsprachigen Raum seither wohl nicht mehr gegeben. Sein Blick auf das Theater sei selten geworden, "der dezidiert und konzentriert vom Text ausgeht und dabei gleichzeitig eine geradezu kindliche Lust am spielerischen Schabernack entwickelt". Hier "durfte, konnte man eine Zeitlang durchaus glauben, so und nicht anders müsse Theater sein – bis sich die Zweifel nicht mehr beschwichtigen ließen, dass auch das noch so konsequente Beharren auf selbstgesetzten Regeln, sofern diese nicht immer wieder neu relativiert und in Frage gestellt werden, nicht unbegrenzt Energien freisetzen kann". Zu sehr habe sich "der Dorn-Klub nach dem nicht ganz freiwilligen Abschied von den Kammerspielen im Residenztheater gegen einen anrüchigen, als degenerative Verfallserscheinung disqualifizierten Zeitgeist" verschanzt.

Ab Herbst übernimmt Martin Kusej das Bayerische Staatschauspiel. An die 50 feste Schauspielengagements habe er ausgehandelt, das zweitgrößte Ensemble im deutschsprachigen Raum nach dem Burgtheater solle es werden, "mit klangvollen Namen wie Birgit Minichmayr, Bibiana Beglau, Eva Mattes, Tobias Moretti, Nicholas Ofczarek oder Markus Hering". Von der alten Garde werde nur noch ein Fünftel mit von der Partie sein, "darunter immerhin Cornelia Froboess, Juliane Köhler, Sibylle Canonica und Arnulf Schuhmacher". Als Regisseur wolle er sich am eigenen Haus eher zurückhalten. Der Begriff "Vertrauen" stehe im Zentrum seiner ersten Saison, die er am 6. Oktober 2011 mit einer eigenen Inszenierung von Arthur Schnitzlers "Das weite Land" eröffnen wird. (dip)

 
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