31. Mai 2011. Als junger Mann hat er einmal Sartre ein Steak gebraten (er war da gerade Assistent des Malers und Bildhauers Max Ernst in Paris). Ob es dem Philosophen gemundet hat, ist nicht überliefert, doch vielleicht hat er Hans Neuenfels bei dieser Gelegenheit ja eine Lektion in Unerschrockenheit erteilt. Wäre dem so, Neuenfels hätte guten Gebrauch davon gemacht: Kein anderer hat sich wohl so regelmäßig den Buhstürmen der Entrüstung gestellt, die seine von Fröschen, Ratten, Bienen, Kentauren, Phalloi und allerlei seltsamem Pflanzenwerk bevölkerten Inszenierungen auslösten (Menschen gab's übrigens auch immer: raubtierartig aufeinander losgehende, liebend sich ineinander verbeißende und anrührend einsame). Sei es eine Frankfurter "Medea" von 1976 (Peter Iden: "tatsächlich ekelhaft"), sei es ein Berliner "Idomeneo" von 2003, dessen abgeschlagene Prophetenköpfe ihn später weltweit auf die Titelseiten bringen sollten. "Da Kunst eine Gefahr darstellt, muss sie damit rechnen, dass sie ihrerseits in Gefahr gerät", sagt Neuenfels. Dieser große Störer wird heute 70 Jahre jung. Wir gratulieren!

 
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