Zutiefst diskriminierendes Mittel?

13. Febuar 2012. Gestern abend hat ein "Aktionsbündnis gegen Blackfacing auf deutschen Bühnen" (mehr hier) eine Vorstellung von Michael Thalheimers Dea-Loher-Inszenierung Unschuld gestört. Nach dem ersten Auftritt des Schauspielers Andreas Döhler, dessen Gesicht für die Inszenierung schwarz gefärbt wurde, verließ ein gutes Dutzend Zuschauer aus dem Parkett demonstrativ den Saal.

Das berichtet aus eigener Anschauung nachtkritik-Redakteur Christian Rakow. In der Szene, die die geplante Aktion ausgelöst hat, geht es um zwei in Europa gestrandete afrikanische Migranten.

Nach der Aufführung verteilten die Aktivisten Handzettel im Foyer. Man wolle ein Zeichen setzen, heißt es da unter anderem, dass "das hier verwendete Mittel des Blackface" eine rassistische und diskriminierende Darstellung Schwarzer durch schwarz geschminkte weiße Schauspieler sei, die eine kolonialistische Vergangenheit habe. "Wir selbst – Schauspieler_innen, Regieführende, Dramaturg_innen und andere Theater- und Kulturschafende (weiße UND Schwarze) sprechen uns eindeutig gegen die Verwendung von Blackface aus! Denn es ist KEIN simples Theatermittel zum Zweck der Verfremdung – sondern wiederholt rassistische Bilder und Klischees und lässt sie wieder wirksam werden."

Die Theatermittel kenntlich machen

Die Flugblatt-Aktion fand mit Genehmigung des Deutschen Theaters statt, wo Chefdramaturgin Sonja Anders in der Bar auch mit den Aktivisten diskutierte. Das Gespräch müsse ja geführt werden, sagte DT-Intendant Ulrich Khuon zu nachtkritik.de. Doch teilt er die Kritik am Einsatz des Theatermittels nicht. Theater denke immer über Zuschreibungen nach, so Khuon, und müsse die dazu verwendeten Mittel auf der Bühne kenntlich machen. Deshalb sei das Stilmittel, das Michael Thalheimer in seiner Inszenierung verwende, mit dem "Blackfacing" der amerikanischen Minstrelshows gar nicht vergleichbar. Auch könne man fragen, warum ausgerechnet afrikanische Migranten von Schauspielern mit schwarzer Hautfarbe gespielt werden sollten. Würde dies nicht viel eher Klischees manifestieren?

Der US-Dramatiker Bruce Norris hatte vor kurzem dem Deutschen Theater die Rechte für eine Aufführung seines Stücks "Clybourne Park" entzogen, da das Theater von zwei Rollen im Stück für schwarze Schauspieler nur eine Rolle dieser Vorgabe entsprechend besetzt hatte. Der bereits für das Norris-Stück engagierte Schauspieler Ernest Allan Hausmann spielt nun in Rafael Sanchez' Ersatz-Inszenierung Die Kommune eine Rolle mit ursprünglich weißer Zuschreibung.

(chr / sle)

Mehr zum Thema: die Internetseite der Aktionisten Bühnenwatch.

 
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