Whitefacing ist kein Gegenmittel

23. März 2012. 70 Zuschauer sind am Mittwochabend im Deutschen Theater Berlin zum Publikumsgespräch geblieben nach der Vorstellung von Unschuld, in der erstmals darauf verzichtet wurde, die Gesichter schwarz zu malen. Dass sich Andreas Döhler stattdessen weiß anpinselte, heizte die Debatte hinterher nochmal an, wie Joanna Itzek heute in der taz Berlin berichtet. 

"Ihr hättet doch einfach komplett auf die Bemalung verzichten können", lautete ein Zuruf von einer jungen Frau, berichtet Itzek. "Neben den Schauspielern und dem Dramaturgen des Stücks, John von Düffel, sitzen der Intendant Ulrich Khuon und die Chefdramaturgin Sonja Anders. Sie nehmen die Kritik am Blackfacing an: 'Wir dachten, dass wir die Minstrel-Tradition kritisch umdrehen können', sagt Intendant Khuon. Chefdramaturgin Anders ergänzt: 'Die weiße Mehrheit sollte provoziert werden. Doch das wurde mit dem falschen Mittel umgesetzt, das glaube ich mittlerweile auch.'"

Schauspieler Döhler zeigte sich zwar von der Auseinandersetzung mit den Theateraktivisten sichtlich berührt. "Doch er verteidigt im Namen der Kunstfreiheit generell die Gesichtsbemalung. Kurz vor der Vorstellung hätten er und sein Kollege Peter Moltzen spontan beschlossen, in den weißen Farbtopf zu greifen. 'Die Maske wird meiner Figur von der Gesellschaft aufgedrückt, in der sie lebt. Darum geht es doch! Und diese Maske verwischt im Laufe des Stücks'", wird er zitiert. Eine junge Aktivistin konterte: "Ihr könnt euch nicht ewig hinter künstlerischer Freiheit verstecken. Denn ich werde auf der Straße  immer noch gefragt, ob meine Haut abfärbt!"

Ob es mit dem Whiteface in "Unschuld" weitergehe, blieb am Ende des Abends offen. "Wir werden vorerst zu keiner abschließenden Entscheidung kommen", so Dramaturg Düffel. Das DT und Bühnenwatch wollen die Gespräche fortführen. Die nächste "Unschuld"-Aufführung steht Ende April auf dem Spielplan.

(sik)

 
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