Liebe KommentatorInnen,

im Zusammenhang mit der aktuellen Spendenkampagne haben Sie uns gefragt: Hallo!, wofür steht nachtkritik.de eigentlich? Was wird auf nachtkritik.de warum rezensiert? Kritik an der Praxis von nachtkritik.de, hieß es weiter, werde von der Redaktion mehr oder weniger beleidigt abgebügelt, das Konzept sei undeutlich, es mangele allgemein an Transparenz.

Wir haben schon häufig auf diese und ähnliche Fragen Antwort gegeben, haben versucht darzulegen, was wir mit dieser Webseite wollen. Häufig ist aber vielleicht nicht oft genug, weshalb ich hier noch einmal einige Grundzüge unserer Arbeit darlegen möchte – wie es auch jüngst Dirk Pilz zum fünften Geburtstag von nachtkritik.de unternommen hatte.

Was bespricht nachtkritik.de und warum?

Jeden Monat etwa 50 Schauspielproduktionen, meistens mehr, werden auf nachtkritik.de besprochen. Jeweils zwei RedakteurInnen von insgesamt zehn planen im Wechsel einen Monat, anschließend wird der Plan von der gesamten Redaktion diskutiert und beschlossen. redaktion estherslevogtRedaktionskonferenz: Konrad von Homeyer (Webchef) und Nikolaus Merck © Esther SlevogtWir müssen auswählen, natürlich, denn alle Premieren können wir weder aus redaktionellen noch aus finanziellen Gründen besprechen. Alles würde auch keiner lesen wollen. Außerdem muss auch online, obwohl anders als in einer Zeitung kein Platzmangel herrscht, die Aufmerksamkeit für den jeweiligen Text organisiert werden, um überhaupt auf etwas aufmerksam machen zu können. Insofern ist jeder Plan selektiv.

Wir versuchen alle wichtigen Produktionen in D, A und CH zu besetzen. Wichtig ist, was die LeserInnen bei uns suchen: also zuerst Thalheimer-Stein-Bondy-Stemann-Castorf-Pollesch-et-al-Produktionen. Außerdem versuchen wir, nach und nach und regelmäßig in jeden Winkel der drei Länder zu schauen.

Wichtige Off-Produktionen oder Musiktheater-Inszenierungen von Schauspiel-Regisseuren interessieren uns genauso wie gelegentliche Ausflüge ins Kinder- und Jugendtheater und zum zeitgenössischen Tanztheater. Aber weder Tanz, noch Musiktheater, noch Kinder- und Jugendtheater können wir flächendeckend in der von uns angestrebten Qualität beschreiben.

Wir würden in diesem Zusammenhang andauernd jammern über unsere mangelnden finanziellen Möglichkeiten, heißt es seitens der nachtkritik-Community. Dazu weiter unten.

Die Berichte über die Produktionen der "big names" fordern unsere LeserInnen von uns. Wir merken dies daran, wie oft solche Texte aufgerufen werden. Nämlich sehr oft. Kritiken aus Baden-Baden, Rendsburg, Moers oder Zittau, aber auch aus Karlsruhe, Oldenburg oder Rostock und Magdeburg werden dagegen weniger häufig gelesen. Wir halten diese Texte dennoch für unverzichtbar, weil sich das Theater in den drei deutschsprachigen Ländern genau genommen hauptsächlich in den Provinzen abspielt. Und wir haben es uns zum Ziel gesetzt

1. das Sprechtheater in seiner Breite sichtbar zu machen,
2. das Gespräch über das Theater anzukurbeln, weil es eine umfassende Kunst ist, die, wenn sie gelingt, aber auch wo sie misslingt, der Zeit einen Ausdruck verleiht,
3. dabei mitzuhelfen, das Theater als Institution und als Kunstform hierzulande (D, A und CH) zu erhalten und in breit angelegten Debatten weiterzuentwickeln.

Das sind drei Gründe, mehr ließen sich nennen.

Leserservice

Wir bieten neben den Nachtkritiken Kritikenrundschauen zu den von uns besprochenen Inszenierungen. Wir folgen dabei dem Kanon, den zuerst der Perlentaucher aufgerichtet hat. Die großen Zeitungen werden zitiert, wenn sie berichten, außerdem möglichst mindestens zwei regionale oder lokale Stimmen und die nationalen Rundfunksender.

redaktion 3 estherslevogtAt Work: Georg Kasch, Sophie Diesselhorst 
©  Esther Slevogt
Wir tun dies, um das Bild der jeweiligen Inszenierungen breiter auszumalen, um die jeweilige Nachtkritik mit anderen Stimmen zu konfrontieren – es gibt in der Kunstkritik keine abschließenden Wahrheiten, sondern nur ein möglichst genaues, möglichst an der Sache orientiertes Gespräch. Wir zitieren dabei vornehmlich die großen, seriösen Zeitungen, weil sie sich eine Fachkritik leisten, die oft, nicht immer und in jedem Fall, kompetent schaut. Das hat nichts mit den Namen der jeweiligen KritikerInnen zu tun, mit Absprachen oder Rücksichtnahmen, sondern mit Produktionsbedingungen: Die großen Zeitungen leisten sich noch Fachleute fürs Theater. Wer einmal systematisch die Regional- und Lokalpresse auf die Qualität ihrer Berichterstattung hin untersucht, wird wissen, wovon hier die Rede ist. Natürlich gibt es dessen ungeachtet Regionen, in denen auch die lokale Presse fachlich hochkompetent und unterhaltsam zudem schreibt.

Als zentrales Theater-Medium im Netz versuchen wir wichtige Entwicklungen, Ereignisse und Personalien in der Meldungen-Spalte kurz darzustellen.

Angesichts der Krise der Theaterfinanzen berichten wir außerdem kontinuierlich über die Entwicklungen auch in den Theaterprovinzen.

Warum gibt es so wenig Porträts, Debattentexte und zusammenfassende Darstellungen von politischen und ästhetischen Entwicklungen rund ums Theater?

Immer wieder hat nachtkritik.de entscheidenende Impulse gegeben für Debatten wie die um die Zukunft der Stadttheater oder die Blackfacing-Debatte.

redaktion4 esther slevogtBei der Redaktionskonferenz: Anne Peter 
© Esther Slevogt
Aber: Alle RedakteurInnen arbeiten außer für nachtkritik.de auch noch für andere Medien. Sie entwickeln Ausstellungen, schreiben Bücher, gehen Halbtagsjobs nach, ein Redakteur arbeitet fest bei einer Zeitung. Die große Mehrzahl lebt, wie bei freien Journalisten üblich, in prekären Verhältnissen.

Die RedakteurInnen bekommen pro Schicht (von 7 Uhr bis 14 Uhr / 14 Uhr bis 18.30 Uhr) etwa so viel Honorar bezahlt, wie sie für eine Theaterkritik in einem gut zahlenden Regionalmedium bekämen.

Die AutorInnen arbeiten alle frei für nachtkritik.de und bekommen für ihre nachts geschriebene Kritik soviel wie für eine Kritik in einem durchschnittlich zahlenden Regionalmedium. Zum Vergleich: Beiträge fürs Radio werden drei- bis viermal so hoch bezahlt.

Aus dieser Beschreibung wird bereits etwas klarer, warum die ganz großen Recherchen oder die profund erarbeiteten Texte über die großen Tendenzen auf nachtkritik.de bisher eher seltener zu lesen waren.

Wir haben uns deshalb for the time being auf unser Kerngeschäft – Nachtkritiken, Meldungen sowie Beiträge zu aktuellen Debatten – beschränkt. Wir machen Ausnahmen, aber diese Ausnahmen werden in absehbarer Zeit nicht zur Regel werden.

Finanzen

nachtkritik.de lebt wesentlich von Werbeeinnahmen, wobei der Versuch, die Werbekundschaft über die Anzeigen schaltenden Theater hinaus zu verbreitern, äußerst aufwendig ist und noch in den Anfängen steckt.
Für die akquirierte Werbung bezahlt nachtkritik.de Provision an die Werbeagentur und Steuern. Dazu kommen Sozialabgaben (wenig, aber immerhin), weil nachtkritik.de eine gemeinnützige GmbH ist (mit kommerziellem Bereich, nämlich den Werbeeinahmen), muss eine relativ aufwendige Steuererklärung erstellt werden. Der Steuerberater kostet Geld.
Der Chefredakteur und die Geschäftsführerin erhalten eine minimale Aufwandsentschädigung. Viele FotografInnen veröffentlichen ihre Bilder auf nachtkritik.de ohne Honorar, die übrigen werden bezahlt. Die Texte werden bezahlt, die Redaktionsdienste ebenso.

redaktion 2 estherslevogt Matthias Weigel, Wolfgang Behrens
© Esther Slevogt
Die Werbeeinnahmen decken zwar bereits fast die Hälfte der Kosten. Dennoch sind wir weiterhin auf fristlose, durchschnittlich verzinste Privatdarlehen angewiesen, auf Spenden der LeserInnen, auf die übliche Selbstausbeutung und auf zusätzliche Geschäftsmodelle, wie zuletzt die Produktion einer begleitenden Webseite zum Heidelberger Stückemarkt. Es ist uns durchaus bewusst, dass solche Auftragsarbeiten riskante Gratwanderungen darstellen zwischen journalistischer Unabhängigkeit (die wir uns vertraglich zusichern lassen) und Werbebeilagen, wie sie etwa in den großen, seriösen Zeitungen auch zu finden sind.

In dieser Spielzeit hat nachtkritik.de zum ersten Mal eine Förderung erhalten. Die Zeit-Stiftung hat es uns durch ihre Zuwendung ermöglicht, verstärkt die Theater in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu besuchen. Ohne dieses Geld wäre diese Schwerpunktberichterstattung nicht möglich gewesen.

Kommentare

Zum Kommentarwesen auf nachtkritik.de haben wir uns schon oft und ausführlich geäußert (hier und hier). Hier nur noch einmal soviel: Immer wieder wundern sich KommentatorInnen, warum und nach welchen Prinzipien wir ihre Posts zensieren.
Die Prinzipien sind grob in den Nutzungsbedingungen für das Kommentarwesen niedergelegt. Andersherum wundern wir uns immer wieder, dass die KommentatorInnen immer noch unbewiesene Behauptungen oder oft einfach üble Nachrede anonym in die Welt setzen wollen.
simone essleSimone Kaempf        © Esther SlevogtVielleicht hilft es zum besseren Verständnis, sich bei einem Kommentar wie "Regisseur xy saß während der Proben zu dieser Produktion dauernd besoffen in der Kantine, und wenn er nicht in der Kantine kippte, schwängerte er die Schauspielerinnen" einfach einmal vorzustellen, dieser Regisseur wäre man selbst, der da von einem anonymen User so angegangen wird.
Es ist nicht die Aufgabe von nachtkritik.de, denken wir, die Theaterszene in Weinkrämpfe zu stürzen. Deshalb werden wir auch weiter davon Abstand nehmen, Kommentare zu veröffentlichen, die auf jegliche Begründung ihrer Aussagen und jeden Beleg für etwaige Behauptungen verzichten.

 


Dieser Brief ist schon sehr lang.
Ich höre hier auf.
Weitere Fragen sind willkommen, ebenso willkommen wie Ihre Spenden.

 

Herzlich

Nikolaus Merck

Liebe KommentatorInnen,

im Zusammenhang mit der aktuellen Spendenkampagne haben Sie uns gefragt: Hallo!, wofür steht nachtkritik.de eigentlich? Was wird auf nachtkritik.de warum rezensiert? Kritik an der Praxis von nachtkritik.de, hieß es weiter, werde von der Redaktion mehr oder weniger beleidigt abgebügelt, das Konzept sei undeutlich, es mangele allgemein an Transparenz.

Wir haben schon häufig auf diese und ähnliche Fragen Antwort gegeben, haben versucht darzulegen, was wir mit dieser Webseite wollen. Häufig ist aber vielleicht nicht oft genug, weshalb ich hier noch einmal einige Grundzüge unserer Arbeit darlegen möchte – wie es auch jüngst Dirk Pilz zum fünften Geburtstag von nachtkritik.de unternommen hatte.

Was bespricht nachtkritik.de und warum?

Jeden Monat etwa 50 Schauspielproduktionen, meistens mehr, werden auf nachtkritik.de besprochen. Jeweils zwei RedakteurInnen von insgesamt zehn planen im Wechsel einen Monat, anschließend wird der Plan von der gesamten Redaktion diskutiert und beschlossen. redaktion estherslevogtRedaktionskonferenz: Konrad von Homeyer (Webchef) und Nikolaus Merck © Esther SlevogtWir müssen auswählen, natürlich, denn alle Premieren können wir weder aus redaktionellen noch aus finanziellen Gründen besprechen. Alles würde auch keiner lesen wollen. Außerdem muss auch online, obwohl anders als in einer Zeitung kein Platzmangel herrscht, die Aufmerksamkeit für den jeweiligen Text organisiert werden, um überhaupt auf etwas aufmerksam machen zu können. Insofern ist jeder Plan selektiv.

Wir versuchen alle wichtigen Produktionen in D, A und CH zu besetzen. Wichtig ist, was die LeserInnen bei uns suchen: also zuerst Thalheimer-Stein-Bondy-Stemann-Castorf-Pollesch-et-al-Produktionen. Außerdem versuchen wir, nach und nach und regelmäßig in jeden Winkel der drei Länder zu schauen.

Wichtige Off-Produktionen oder Musiktheater-Inszenierungen von Schauspiel-Regisseuren interessieren uns genauso wie gelegentliche Ausflüge ins Kinder- und Jugendtheater und zum zeitgenössischen Tanztheater. Aber weder Tanz, noch Musiktheater, noch Kinder- und Jugendtheater können wir flächendeckend in der von uns angestrebten Qualität beschreiben.

Wir würden in diesem Zusammenhang andauernd jammern über unsere mangelnden finanziellen Möglichkeiten, heißt es seitens der nachtkritik-Community. Dazu weiter unten.

Die Berichte über die Produktionen der "big names" fordern unsere LeserInnen von uns. Wir merken dies daran, wie oft solche Texte aufgerufen werden. Nämlich sehr oft. Kritiken aus Baden-Baden, Rendsburg, Moers oder Zittau, aber auch aus Karlsruhe, Oldenburg oder Rostock und Magdeburg werden dagegen weniger häufig gelesen. Wir halten diese Texte dennoch für unverzichtbar, weil sich das Theater in den drei deutschsprachigen Ländern genau genommen hauptsächlich in den Provinzen abspielt. Und wir haben es uns zum Ziel gesetzt

1. das Sprechtheater in seiner Breite sichtbar zu machen,
2. das Gespräch über das Theater anzukurbeln, weil es eine umfassende Kunst ist, die, wenn sie gelingt, aber auch wo sie misslingt, der Zeit einen Ausdruck verleiht,
3. dabei mitzuhelfen, das Theater als Institution und als Kunstform hierzulande (D, A und CH) zu erhalten und in breit angelegten Debatten weiterzuentwickeln.

Das sind drei Gründe, mehr ließen sich nennen.

Leserservice

Wir bieten neben den Nachtkritiken Kritikenrundschauen zu den von uns besprochenen Inszenierungen. Wir folgen dabei dem Kanon, den zuerst der Perlentaucher aufgerichtet hat. Die großen Zeitungen werden zitiert, wenn sie berichten, außerdem möglichst mindestens zwei regionale oder lokale Stimmen und die nationalen Rundfunksender.

redaktion 3 estherslevogtAt Work: Georg Kasch, Sophie Diesselhorst 
©  Esther Slevogt
Wir tun dies, um das Bild der jeweiligen Inszenierungen breiter auszumalen, um die jeweilige Nachtkritik mit anderen Stimmen zu konfrontieren – es gibt in der Kunstkritik keine abschließenden Wahrheiten, sondern nur ein möglichst genaues, möglichst an der Sache orientiertes Gespräch. Wir zitieren dabei vornehmlich die großen, seriösen Zeitungen, weil sie sich eine Fachkritik leisten, die oft, nicht immer und in jedem Fall, kompetent schaut. Das hat nichts mit den Namen der jeweiligen KritikerInnen zu tun, mit Absprachen oder Rücksichtnahmen, sondern mit Produktionsbedingungen: Die großen Zeitungen leisten sich noch Fachleute fürs Theater. Wer einmal systematisch die Regional- und Lokalpresse auf die Qualität ihrer Berichterstattung hin untersucht, wird wissen, wovon hier die Rede ist. Natürlich gibt es dessen ungeachtet Regionen, in denen auch die lokale Presse fachlich hochkompetent und unterhaltsam zudem schreibt.

Als zentrales Theater-Medium im Netz versuchen wir wichtige Entwicklungen, Ereignisse und Personalien in der Meldungen-Spalte kurz darzustellen.

Angesichts der Krise der Theaterfinanzen berichten wir außerdem kontinuierlich über die Entwicklungen auch in den Theaterprovinzen.

Warum gibt es so wenig Porträts, Debattentexte und zusammenfassende Darstellungen von politischen und ästhetischen Entwicklungen rund ums Theater?

Immer wieder hat nachtkritik.de entscheidenende Impulse gegeben für Debatten wie die um die Zukunft der Stadttheater oder die Blackfacing-Debatte.

redaktion4 esther slevogtBei der Redaktionskonferenz: Anne Peter 
© Esther Slevogt
Aber: Alle RedakteurInnen arbeiten außer für nachtkritik.de auch noch für andere Medien. Sie entwickeln Ausstellungen, schreiben Bücher, gehen Halbtagsjobs nach, ein Redakteur arbeitet fest bei einer Zeitung. Die große Mehrzahl lebt, wie bei freien Journalisten üblich, in prekären Verhältnissen.

Die RedakteurInnen bekommen pro Schicht (von 7 Uhr bis 14 Uhr / 14 Uhr bis 18.30 Uhr) etwa so viel Honorar bezahlt, wie sie für eine Theaterkritik in einem gut zahlenden Regionalmedium bekämen.

Die AutorInnen arbeiten alle frei für nachtkritik.de und bekommen für ihre nachts geschriebene Kritik soviel wie für eine Kritik in einem durchschnittlich zahlenden Regionalmedium. Zum Vergleich: Beiträge fürs Radio werden drei- bis viermal so hoch bezahlt.

Aus dieser Beschreibung wird bereits etwas klarer, warum die ganz großen Recherchen oder die profund erarbeiteten Texte über die großen Tendenzen auf nachtkritik.de bisher eher seltener zu lesen waren.

Wir haben uns deshalb for the time being auf unser Kerngeschäft – Nachtkritiken, Meldungen sowie Beiträge zu aktuellen Debatten – beschränkt. Wir machen Ausnahmen, aber diese Ausnahmen werden in absehbarer Zeit nicht zur Regel werden.

Finanzen

nachtkritik.de lebt wesentlich von Werbeeinnahmen, wobei der Versuch, die Werbekundschaft über die Anzeigen schaltenden Theater hinaus zu verbreitern, äußerst aufwendig ist und noch in den Anfängen steckt.
Für die akquirierte Werbung bezahlt nachtkritik.de Provision an die Werbeagentur und Steuern. Dazu kommen Sozialabgaben (wenig, aber immerhin), weil nachtkritik.de eine gemeinnützige GmbH ist (mit kommerziellem Bereich, nämlich den Werbeeinahmen), muss eine relativ aufwendige Steuererklärung erstellt werden. Der Steuerberater kostet Geld.
Der Chefredakteur und die Geschäftsführerin erhalten eine minimale Aufwandsentschädigung. Viele FotografInnen veröffentlichen ihre Bilder auf nachtkritik.de ohne Honorar, die übrigen werden bezahlt. Die Texte werden bezahlt, die Redaktionsdienste ebenso.

redaktion 2 estherslevogt Matthias Weigel, Wolfgang Behrens
© Esther Slevogt
Die Werbeeinnahmen decken zwar bereits fast die Hälfte der Kosten. Dennoch sind wir weiterhin auf fristlose, durchschnittlich verzinste Privatdarlehen angewiesen, auf Spenden der LeserInnen, auf die übliche Selbstausbeutung und auf zusätzliche Geschäftsmodelle, wie zuletzt die Produktion einer begleitenden Webseite zum Heidelberger Stückemarkt. Es ist uns durchaus bewusst, dass solche Auftragsarbeiten riskante Gratwanderungen darstellen zwischen journalistischer Unabhängigkeit (die wir uns vertraglich zusichern lassen) und Werbebeilagen, wie sie etwa in den großen, seriösen Zeitungen auch zu finden sind.

In dieser Spielzeit hat nachtkritik.de zum ersten Mal eine Förderung erhalten. Die Zeit-Stiftung hat es uns durch ihre Zuwendung ermöglicht, verstärkt die Theater in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu besuchen. Ohne dieses Geld wäre diese Schwerpunktberichterstattung nicht möglich gewesen.

Kommentare

Zum Kommentarwesen auf nachtkritik.de haben wir uns schon oft und ausführlich geäußert (hier und hier). Hier nur noch einmal soviel: Immer wieder wundern sich KommentatorInnen, warum und nach welchen Prinzipien wir ihre Posts zensieren.
Die Prinzipien sind grob in den Nutzungsbedingungen für das Kommentarwesen niedergelegt. Andersherum wundern wir uns immer wieder, dass die KommentatorInnen immer noch unbewiesene Behauptungen oder oft einfach üble Nachrede anonym in die Welt setzen wollen.
simone essleSimone Kaempf        © Esther SlevogtVielleicht hilft es zum besseren Verständnis, sich bei einem Kommentar wie "Regisseur xy saß während der Proben zu dieser Produktion dauernd besoffen in der Kantine, und wenn er nicht in der Kantine kippte, schwängerte er die Schauspielerinnen" einfach einmal vorzustellen, dieser Regisseur wäre man selbst, der da von einem anonymen User so angegangen wird.
Es ist nicht die Aufgabe von nachtkritik.de, denken wir, die Theaterszene in Weinkrämpfe zu stürzen. Deshalb werden wir auch weiter davon Abstand nehmen, Kommentare zu veröffentlichen, die auf jegliche Begründung ihrer Aussagen und jeden Beleg für etwaige Behauptungen verzichten.

 


Dieser Brief ist schon sehr lang.
Ich höre hier auf.
Weitere Fragen sind willkommen, ebenso willkommen wie Ihre Spenden.

 

Herzlich

Nikolaus Merck

Kommentare

Kommentare  
#1 Brief nachtkritik.de: Schalt- und Schnittstelle in der KriseArkadij Zarthäuser 2012-06-12 14:55
Vielen Dank für diesen Brief !

Was meine "Fragen" betrifft, so interessiert mich daran vor allem noch mal der Passus darüber, daß die Werbeeinnahmen nicht ganz die Hälfte des Erforderlichen ausmachen, will aber für meine Person nicht so verstanden werden, daß ich hier in etwa klage, nachtkritik de. probiere sich im Jammern. Ich habe meiner Befürchtung Ausdruck verliehen, daß die Diskrepanz von 3000 zu 25000 Euro, nach 24 Tagen, auch abschreckend wirken könnte; wenn es jetzt "nur" noch die Diskrepanz von 3000 zu 12500 Euro ist bzw. weitere "Miteinberechnungen" das Verhältnis noch günstiger gestalten sollten, dann ist das natürlich schon etwas hoffnungs-
froher. Ich hoffe, der "Nordschwerpunkt" kann auch für die kommende Spielzeit erhalten bleiben, ebenso wie die mich jedenfalls sehr interessierende Berichterstattung zur sogenannten Provinz. Gerade auch im Bereich der diversen Schließungsdrohungen hat sich nachtkritik de. als eine Schalt- und Schnittstelle , insbesondere neben den sachlichen Informationsständen (Krisometer) durch das Aufmerksammachen auf Petitionen, nachhaltig bewährt: die große Streuung im ganzen Theaterland und darüberhinaus zu solchen Petitionen (zB. in Halle) zeugt, denke ich, gerade auch davon, auch wenn Petitionen mitunter geradezu schimpflich einkassiert werden (siehe wiederum Halle !!) !
Wenn nur jeder Petitant 5 Euro für diese Seite hätte, die seiner und verwandten Petitionen so sehr nützt, wir könnten uns auf in die neue Spielzeit machen !.
#2 Brief nachtkritik.de: merkwürdigStefan 2012-06-12 17:56
Es ist schon merkwürdig, dass es überhaupt eines so langen Briefs bedarf, um die Hintergründe von Nachtkritik zum wiederholten Male darzulegen. Danke, dass sich Nikolaus Merck noch einmal die Mühe gemacht hat. Hoffentlich kommt das nicht zu spät und die Leserschaft befindet sich zumindest geistig schon in den Theaterferien. Also stülpt alle schnell mal, bevor ihr euch anderen Sachen widmet, die man im Sommer so treibt, die Urlaubskasse um und werft ein paar Münzen in den Nachtkritik-Klingelbeutel, sonst muss Nikolaus Merck bald wirklich die letzte Messe lesen. Dafür geht man dann eben einfach einmal weniger zum Italiener oder nimmt die billigere Hausmarke anstatt des Spitzenweins aus der Toskana. Also frei nach Hansi Biebl „das Herz (und Geist) und nicht den Magen füllen.“

Etwas ist mir aber aufgefallen. Warum werden z.B. das Theatertreffen oder die Autorentheatertage im DT nicht dazu genutzt auf Nachtkritik aufmerksam zu machen? Die Redakteure sind ja zahlenmäßig immer stark vertreten, aber die Marke „Nachtkritik“ ist einfach nicht präsent, oder ist das noch eine Frage der Ehre. In der Wirtschaft wird doch auch keine Minute ausgelassen, auf das eigene Produkt aufmerksam zu machen. Wie wäre nur dieser Zwiespalt in der Kunst zu füllen? Wahrscheinlich müssen wir nun doch endlich die Nachtkritik-T-Shirts kaufen und die Hausmarke Nachtkritik-Weinedition trinken.

Für alle Nachtkritik-Jünger noch eine kleine Kantate mit dem Text von Christian Friedrich Hunold.

„Ich bin in mir vergnügt
Von der Vergnügsamkeit“

Ich bin in mir vergnügt,
Ein andrer mache Grillen,
Er wird doch nicht damit
Den Sack noch Magen füllen.

Bin ich nicht reich und groß,
Nur klein von Herrlichkeit,
Macht doch Zufriedensein
In mir erwünschte Zeit.

Ich rühme nichts von mir:
Ein Narr rührt seine Schellen;
Ich bleibe still vor mich:
Verzagte Hunde bellen.

Ich warte meines Tuns
Und lass auf Rosen gehn,
Die müßig und darbei
In großem Glücke stehn.

Was meine Wollust ist,
Ist, meine Lust zu zwingen;
Ich fürchte keine Not,
Frag nichts nach eitlen Dingen.

Der gehet nach dem Fall
In Eden wieder ein
Und kann in allem Glück
Auch irdisch selig sein.

Ruhig und in sich zufrieden
Ist der größte Schatz der Welt.
Nichts genießet, der genießet,
Was der Erden Kreis umschließet,
Der ein armes Herz behält.
#3 Brief nachtkritik.de: weibliche Ironie?Arkadij Zarthäuser 2012-06-12 22:45
@ Stefan

Ja, das könnte im übrigen auch in dem einen oder anderen Monats-
plan bzw. in der einen oder anderen Monatsschrift der diversen Theater Erwähnung finden, daß es diese Seite gibt und was sie so braucht (bezogen auf das große Gebiet und die vielen Theater -noch- nicht allzuviel), zB. Rendsburg, Kiel und Lübeck profitieren
meineserachtens schon vom Nordschwerpunkt: dort könnte man sich ein wenig revanchieren, finde ich. In Lübeck erscheinen Nachtkritiken ja auch regelmäßig in den diversen Pressespiegel-Aushängen, auch gibt es in Lübeck, ich war erst kürzlich da, in der Auslage immernoch jene Postkarten "Sie schlafen.Wir schreiben.", möglicherweise nehmen einige Nachtkritik-User diesen Slogan nur allzuwörtlich (ob man den Hinweis auf die "prekäre" Finanzierung schon auf so eine Karte packen sollte ??).
Als ich das neue Foto sah, mußte ich aber schon ein wenig schmunzeln: Steckt da weibliche Ironie dahinter ? Jedenfalls steht auf dem Hemd der männlichen Person klein "nachtkritik de.", währenddessen auf den Hemden der weiblichen Personen "gemein & nützlich" prangt, wird aber sicher nicht gemein gemeint gewesen sein: sondern nützlich..
#4 Brief nachtkritik.de: Dankeolympe 2012-06-18 15:20
liebe nachtkritik, lieber nikolaus merck,

danke für den brief. ich finde ihn gut, weil er eine art bestandsaufnahme und ausblick ist. das hat was von einem sachbericht, am ende eines jahres. das sollte man sich nicht sparen. das geplänkel über die nk-richtung am rande von threads zu den jeweiligen kritiken geben das nicht her, weil sie eben nicht von dem entsprechenden gegenstand weg kommen. so einem dialogischen medium, wie nk steht das gut, auch wenn ich schon verstehe, dass das zeitlich nicht ständig drin ist. aber so einmal im jahr auf idee und wirklichkeit zu schauen ist gut und macht klar, dass nk auch weiterhin transparent und innovativ bleibt. danke, also für die mühe und auf die gelegentlichen ausflüge in das kinder-und jugendtheater (nicht nur aus berlin?) freue ich mich besonderns. danke!
#5 Spenden für nachtkritik.de: Impuls zur Blackfacing-Debatte nicht von nachtkritik.dekolja 2012-06-28 16:42
Mit Verlaub, Herr Merck, folgender Aussage ist nicht korrekt: "Immer wieder hat nachtkritik.de entscheidenende Impulse gegeben für Debatten wie (...) die Blackfacing-Debatte." Der entscheidende Impuls für diese Debatte kam nicht von nachtkritik.de sondern von den Menschen, die auf die perpetuierende Verwendung rassistischer Konventionen in deutschsprachigen Theatern hingewiesen und interveniert haben. Sie (nachtkritik.de) haben diese Debatte aufgegriffen und ihr ein (weiteres) Forum geboten. Dafür nochmals Herzlichen Dank.
#6 Spenden für nachtkritik: im DunkelnB. Schissen 2012-06-30 16:28
Ich hoffe, die Leser spenden endlich recht kräftig - ich kann diesen hervorspringenden Pop-up nicht mehr ertragen. Leider bin ich davon ausgeklammert, da ich in prekären Verhältnissen lebe.
Immerhin gibt es jetzt ein hinreißendes Foto von einer Redaktionssitzung. Behelfsmäßig eingerahmt sitzt man im Dunkeln - das sieht wirklich nach Nachtkritik aus. Das Bild könnte man zum Verkauf anbieten, vielleicht würde es sich der eine oder andere übers Bett hängen.
Entzückend.
#7 Spenden für nachtkritik: Neo-Rauch-ManierLandvermesser Nordstadt 2012-06-30 17:42
@ 6

Sofort-Bild ruft Sofort-Spende !
Vielleicht sollte sich ein (noch ! unbekannter) Maler der Leipziger Schule des Sujets annehmen und in Neo-Rauch-Manier mit Versatzstücken aus Hartmann-Inszenierungen garnieren: möglicherweise tatsächlich verkäuflich !.
#8 Spenden für nachtkritik: charmantJoseph Nicéphore Nièpce 2012-07-05 00:23
Um es mal gesagt zu haben: Die Idee mit der im Kreis herumgereichten Kamera ist sehr charmant.
#9 Spenden für nachtkritik: jaBild 2012-07-05 02:13
Ja die Bilder werden immer schöööner
#10 Spenden für nachtkritik: cheesyNingelratz 2012-07-05 03:27
Wobei es schon ein wenig cheesy von Herrn Kasch ist, sich in der Farbe des Kachelofens zu kleiden. Aber sei's drum.
#11 Spenden für nachtkritik: arm aber sexyolympe 2012-07-05 03:28
jetzt muss nur noch mal einer frau slevogt fotografieren. echt schöne idee! arm aber sexy bekommt da ein gesicht;-). weitermachen! ich kratze auch noch ne paar groschen mehr zusammen.
#12 Spenden für nachtkritik: versteigernLandvermesser Nordstadt 2012-07-07 01:08
@ 8-11

Ja, und (fast) alles ORIGINALE: EINFACHBILDER.
Will nk demnächst tatsächlich die Bilder versteigern/verkaufen ??
#13 Spenden für nachtkritik: Fair-Trade-Avantgarde!gretel w. 2012-07-14 04:57
Ich fände es gut, wenn Sie einen Flattrate button installieren, mit denen man eventuell Kritiken, die einem gefallen auch einzeln honorieren könnte: flattr.com/

Ich habe seit der ersten Spendenkampagne einen Dauerauftrag installiert- und als Spender ist man ja ein Hund. Man will eigentlich dauernd gelobt werden und sich gut fühlen. Jetzt lese ich ständig, wie wenig da insgesamt bezahlt wurde. Offenbar haben tausende Nutzer der Seite, die sehr viel mehr Geld haben als ich, keinen einzigen Cent springen lassen. Und da beginnt es in meinem von der Grundveranlagung her wenig edlen Innern zu rumoren. "Die G'stopften zahlen nix," schimpft es an meinem inneren Stammtisch, "aber du hast ja mal wieder was Besseres sein wolln. Und wo wird man es dir lohnen? Im Himmel vielleicht? Wo die Wahrscheinlichkeit schon sehr groß ist, dass es den gar nicht gibt?" Wenn schon nicht alle zahlen müssen (was mir persönlich das Liebste wäre), dann könnte ich mich bei so einem Button wenigstens jedes Mal wieder als guter Mensch fühlen und so meine niedrigen Bedürfnisse nach Lob befriedigen. Deshalb halte ich diese Buttons für eine gute Idee!

(Liebe gretel, 1000 Dank für Ihre Unterstützung, die uns freut und sehr hilft. Das Bedürfnis nach Lob ist auch kein niederes sondern ein ganz normale und Leser wie Sie sind gar nicht genug zu loben: weil sie eine Art FAIR-TRADE-AVANTGARDE im Netz sind. Aus freiem Willen, nicht aus Paywall-Zwang. Dank auch für die flattr-Anregung. Herzliche Grüsse aus der Redaktion, Esther Slevogt)
#14 Spenden für nachtkritik.de: LeserkritikenStefan 2012-08-09 20:17
Hallo liebe Redaktion,
wo ist das Forum für Leserkritiken hin? Macht es Urlaub oder ist es abgeschafft worden?

(Lieber Stefan, das Leserforum ist nicht stillschweigend abgeschafft worden. Es ist im Moment aus technischen Gründen nicht nutzbar. Wir arbeiten an einer Lösung. Herzliche Grüße aus der Redaktion, Sophie Diesselhorst)

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