Machtkampf mit ungewissem Ausgang

14. Juni 2012.  Alexander Pereira, der neue Chef der Salzburger Festspiele, hat in einem Interview am gestrigen Mittwoch seinen Rücktritt angedroht.

 

In ihrer heutigen Ausgabe erläutern die Salzburger Nachrichten die Drohgebärde Pereiras als Teil eines Machtkampfes des neuen Festspielchefs mit dem Kuratorium. Pereira habe das Festival um zehn Tage verlängert. Die Salzburger Festspiele würden also jetzt mehr als sechs Wochen dauern. Dementsprechend sei das Kartenkontingent von 220.000 auf 260.000 erhöht worden, das Budget von 52 Mio. Euro im Jahr 2011 auf 57 Mio. Euro 2012 gestiegen.

 

Zu Pfingsten, so das Blatt weiter, seien die Umsätze Angaben Pereiras zufolge bereits von 550.000 Euro auf 1.100.000 Euro angewachsen. Ebenso gewachsen sei die Zahl der Sponsoren und ihrer Beiträge. Dafür solle es, so Pereiras Vorstellung, in Zukunft ausschließlich Neuproduktionen von Opern und keine Wiederaufnahmen mehr geben. Für die Salzburger Festspielsaison 2013 habe Pereira, noch Intendant der Zürcher Oper, 64 Mio. Euro budgetiert und eine jährliche "Umwegrentabilität" von rund 40 Millionen Euro angekündigt. Das Kuratorium will laut Salzburger Nachrichten trotzdem maximal 60 Mio. Euro genehmigen und verlangt "kontrolliertes Wachstum mit Augenmaß" .

Der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden reagierte einem anderen Bericht zufolge mit Empörung auf den "Erpressungsversuch" des neuen Festspielintendanten. "Diese Drohung, einfach alles hinzuschmeißen, weil es nicht genau nach seinem Willen geht, ist für mich absolut inakzeptabel. Auf diese Weise verstärkt Pereira nur meine Entschlossenheit, eine budgetäre Grenze zu setzen, die selbstverständlich auch einzuhalten ist." Verhandlungsspielraum gebe es für ihn absolut keinen mehr.

Auch Kuratoriumsmitglied Wilfried Haslauer wird mit der Bemerkung zitiert, das Kuratorium der Salzburger Festspiele werde sich nicht unter Druck setzen lassen. Pereira habe die Intendanz auf Basis klarer gesetzlicher Strukturen übernommen. "Und das Kuratorium wird seine ebenso gesetzlichen Aufgaben wahrnehmen und die Arbeit der Intendanz kontrollieren. Auf der Basis 'friss, Vogel, oder stirb' wird man mit uns nicht reden können."

(Salzburger Nachrichten / sle)

 

 
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