Der Hase im Pfeffer

21. Juni 2012. In der Leipziger Volkszeitung billanzieren Evelyn ter Vehn und Peter Korfmacher auf der Basis einiger Gespräche mit den unterschiedlichsten Akteuren des umstrittenen Findungsverfahrens die Wahl Enrico Lübbes zum neuen Intendanten des Leipziger Theaters.

Auch Lübbe selbst wird zu seinen Plänen befragt. Er wolle, wie er der Leipziger Volkszeitung sagte, ein breiteres Angebot für Leipzig die Bühne bringen, "mehr Regiefarben", zitiert die LVZ den designierten Intendanten. "Den Ansatz Hartmanns, mehr für junge Leute und studentisches Publikum zu bieten, den finde ich gut, der soll bleiben", sagte Lübbe am Mittwochabend. Unter dem Dach des Schauspiels solle es auch mindestens eine kleine Spielstätte geben. 

"Lübbe nennt einen neuen Spielort 'Diskothek' als Perspektive, und auch in Sachen Finanzierung sei er da mit der Stadt im Gespräch. "Alles unter einem Dach, das ist im Interesse der Stadt", zitiert die LVZ Enrico Lübbe. Zur Kritik, die an seiner Wahl u.a. von Leipziger Dramaturgiestudenten geäußert worde sei, sagte Lübbe gestern laut LVZ: "Kritik muss man in so einer Position einstecken können." Er habe aber aus Leipzig bereits viele positive Reaktionen bekommen, "von Menschen, die mir wichtig sind, und mit denen ich zusammenarbeite." Auf die Frage, ob mit ihm denn auch das Centraltheater möglicherweise wieder in Schauspiel Leipzig umbenannt werde, so die LVZ weiter, habe Lübbe sich bedeckt gehalten: "Das ist noch zu früh, darüber möchte ich mich erst in einem Jahr äußern, wenn das erste Programm steht."

Dann geht das Blatt noch mal auf die Irritationen um das Auswahlverfahren ein: "Hier, beim Procedere, liegt der Hase im Pfeffer. Die Stadt nämlich hatte für die Regelung der Hartmann-Nachfolge eine 13-köpfige Auswahlkommission eingesetzt, in der neben Kritikern, Intendanten, Hochschullehrern auch Vertreter des Stadtrats sowie der Stadtspitze saßen. Deren Arbeit fasste die Stadt in einer offiziellen Stellungnahme so zusammen: Sie habe 'aus 42 Bewerbern per Mehrheitsentscheidung festgelegt, welche zehn Bewerber zum Gespräch geladen werden. Aus der ersten Bewerberrunde wurden vier Kandidaten in die engere Wahl genommen.'"

Doch im Grunde habe es nicht eine Auswahlkommission gegeben, so die LVZ, "es gab derer zwei. Jung am Dienstag am Telefon: 'Ich danke den externen Mitgliedern der Auswahlkommission ausdrücklich für ihre Mitarbeit, die uns wichtige Anregungen und Entscheidungshilfen gegeben hat. Aber ich bitte um Verständnis dafür, dass wir zu einem anderen Ergebnis gekommen sind. Wir, die Vertreter der Stadt und des Stadtrats in der Kommission, sind selbstbewusst genug, zu glauben, dass wir die Stadt und ihre Bedürfnisse besser kennen. Und nach unserem Dafürhalten ist Enrico Lübbe genau der richtige Mann für die in Leipzig anstehenden Aufgaben.'" Die LVZ dazu: "Gegen diese Sicht der Dinge ist zunächst einmal nichts einzuwenden. Eine Auswahlkommission hat ein Vorschlagsrecht, ihrem Vorschlag kann man folgen, muss man aber nicht. Wie ja auch der Stadtrat dem Vorschlag des Oberbürgermeisters nicht folgen muss. Das Grundproblem liegt eher in der Kommunikation des Ergebnisses."

(sle)

 
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