24. Juli 2012. Er ist einer, der stets an die Kunst des Möglichen glaubte, und damit oft den Argwohn jener weckte, die das Unmögliche wollten: die DDR reformieren zum Beispiel – Friedo Solter, Regisseur und Schauspieler des Jahrgangs 1932, dessen Name untrennbar verbunden mit dem Berliner Deutschen Theater ist. An die Spitze dieses Theaters, wo er seit 1959 erst Schauspieler und dann Regisseur gewesen ist, hatte ihn 1984 ein Debakel geführt, das fast sogar einen DDR-Kulturminister um sein Amt gebracht hätte: Solters eigene, kurz vor der Premiere gescheiterte Inszenierung Faust II nämlich, mit der das Theater nach langer Sanierung 1983 eigentlich staatstragend hätte wieder eröffnet werden sollen.

friedosolter uFriedo Solter Geschickt empfahl sich damals Dieter Mann bei der Politik für die Intendanz und machte Solter zu seinem Oberspielleiter. Statt des damals von vielen favorisierten Alexander Lang, mit seinem ästhetisch wie politisch prononcierten Theater. Auch Friedo Solter hat politisch mutige Inszenierungen gemacht, wie Volker Brauns "Transit Europa", das 1988 unterschwellig die Fluchtwelle kurz vor dem Zusammenbruch der DDR mit der Fluchtwelle aus Nazideutschland zusammendachte. Immer wieder hat Solter auch Klassikerinszenierungen von Rang geschaffen. "Nathan der Weise" zum Beispiel, wo er bereits 1966 selbst Lessings berühmte Humanität als realisierbar nur in den engen Grenzen des Möglichen vorgeführt hat. Die Reprise dieser Inszenierung stand am Abend des 9. November 1989 auf dem Spielplan des Deutschen Theaters: als das Unmögliche geschah und die Berliner Mauer fiel. Solter sah sich in der Nachfolge der ihn prägenden Regisseure Wolfgang Langhoff und Wolfgang Heinz, für die nach ihrer Emigration die DDR nicht nur künstlerische Heimat geworden war. Heute wird Friedo Solter achtzig Jahre alt. Wir gratulieren! (sle)

 

 

 
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