7. Juni 2012. Mitte der 90er Jahre verbrachte ich einen Monat lang meine Nachmittage forschend in einer Wiener Bibliothek und meine Abende schauend im Burgtheater. Wenn ich dem Herrn Oberbibliotheksrat, der meine Bücherbestellungen entgegennahm, von meinen Ausflügen ins Theater erzählte, fuhr der ansonsten eher ruhige Mann jedes Mal ohne Vorwarnung aus der Haut. Er würgte dann meist, begleitet von Verwünschungen, den einen Namen, den des damaligen Burgtheater-Intendanten, hervor: "Peymann!" (Bei ihm, dem Wiener, klang es fast wie "Bähmann!").

Ich habe das immer an Claus Peymann geschätzt (und schätze es bis heute), dass er wie kein anderer Theatermann solche Reaktionen provoziert. Immer bekommt irgendjemand Schnappatmung, wenn der Name Peymann fällt: "Zu links, zu politisch, zu deutsch, zu modern, zu altbacken, zu cholerisch, zu laut, zu epigonal, zu ranschmeißerisch" heißt es dann. Gut, dass wir ihn haben. Wer sonst könnte der Bähmann des deutschen Theaters sein? Wir gratulieren Claus Peymann zum 75. Geburtstag. (wb)

 

 
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