Man weiß, dass man gemeint ist

7. Dezember 2012. Morgen hat in Bochum das neue Stück von Lutz Hübner Premiere. Was Stefan Keim in der Welt zum Anlass nimmt, den unermüdlichen Dramatiker zu porträtieren.

Der Autor Lutz Hübner greift immer Themen auf, die nah dran am Alltag sind, schreibt Stefan Keim. Diesmal haben Hübner und Sarah Nemitz in Baugruppenwesen recherchiert, also dort, wo sich unbekannte Menschen zusammenkommen, um sich ein Haus zu bauen, das ihre Bedürfnisse und Sehnsüchte erfüllt. "Man verändert nicht mehr die Welt, sondern seinen Kiez", ist eine der Erkenntnisse.

"Richtfest" habe wie Hübners andere Stücke einen Nutzwert für den Zuschauer. "Es geht um heutige Fragen, auf unterhaltende und oft satirische Weise". "Vielleicht ist es so", denkt Hübner über den Erfolg seiner Stücke nach, "dass bei den Themen, die mich beschäftigen, die Schnittmenge zum Publikum relativ groß ist. Wenn ich wie bei 'Frau Müller' über hysterische Eltern schreibe, mag das ein Grund für hysterische Eltern sein, mal ins Theater zu gehen. Und davon gibt's ja viele." Lange galten seine Stücke als gut gebautes Unterhaltungstheater über Fragen der Zeit, aber nichts mit ästhetischem Mehrwert. Das habe sich geändert seit Hübner in den vergangenen Jahren zum Berliner Theatertreffen und den Mülheimer Stücke-Tagen eingeladen wurde. Bochums Intendant Anselm Weber, der auch die neue Uraufführung inszeniert, vergleicht Hübner sogar mit großen Vorbildern: "Die Leute unten erkennen sich in dem, was oben stattfindet, wieder. Und das war bei Botho Strauß so und übrigens auch bei Molière. Die Leute wussten, wer gemeint ist."

 

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