System der Voyeure

Essen, 7. April 2013. Die Münchener Autorin Katja Wachter hat gestern Abend den Autorenpreis der Stadt Essen gewonnen. Bei den zum zweiten Mal vom Schauspiel Essen veranstalteten Autorentagen "Stück auf!" erhielt sie die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr Stück "Eine Blume als Gegenwehr". Wachter ist freischaffende Choreographin. Sie konzipiert und realisiert Tanzabende mit ihrer Kompagnie "Selfish Shellfish".

"Eine Blume als Gegenwehr", das in der Spielzeit 2013/2014 am Schauspiel Essen uraufgeführt werden soll, ist Wachters erstes Theaterstück. Sie entwerfe darin mittels sechs Figuren "ein kompliziertes System aus Vernetzungen und Verknüpfungen, in dem jeder gewissermaßen Voyeur im Leben des anderen ist". In der Jury-Begründung heißt es: "Mit viel Charme, formalem Erfindungsreichtum und lakonischem Humor folgt Katja Wachter ihren Figuren auf der Suche nach Nähe und Liebe, Trost und Mitgefühl in einer zunehmend virtueller werdenden Welt."

Der fünfköpfigen Jury gehörten in diesem Jahr der Kulturjournalist und Theaterkritiker Stefan Keim, der Intendant des Maxim Gorki Theaters Berlin und designierte Schauspiel-Intendant des Staatstheaters Stuttgart Armin Petras, die Essener Chefdramaturgin und stellvertretende Schauspielintendantin Vera Ring, der Leiter des Rowohlt Theater Verlages Nils Tabert sowie die Dramatikerin Felicia Zeller an.

Den vom Freundeskreis Theater und Philharmonie Essen e.V. ausgelobten Publikumspreis in Höhe von € 1.000 gewann der Schweizer Autor Lukas Holliger für sein Stück "Monster zertrampeln Hochhäuser", das auch von der Jugend-Jury des Festivals gekürt wurde.

Das letztjährige Siegerstück Verpiss dich gewiss von Hartmut Musewald wurde soeben von Matthias Kaschig in Essen zur Uraufführung gebracht: hier die Nachtkritik.


(Schauspiel Essen / chr)

 
Kommentar schreiben