10. August 2012. Seine berühmteste Rolle war der Motzki. Da saß er 1993 ein paar Wochen lang im deutschen Fernsehen rum und meckerte als zu kurz gekommener Ex-Fahrlehrer West über die Ostler. Das Holtz-Antlitz war kein schlechtes Gesicht für den West-Ost-Frust. In "Good bye Lenin", dem Film zur Vereinigung, maulte er dann östlich über die Westler. Dabei ist Jürgen Holtz, der 1948 aus den Berliner West-Zonen nach Weimar emigrierte, alles andere als ein harmlos-nerviger Nörgler. Holtz ist immer dabei gewesen, wenn die Kacke am Dampfen war.

Sein Hamlet 1964 in Greifswald rief die Stalinisten auf den Plan und brachte ihn nach Berlin, beim frechen "Faust" von Adolf Dresden 1968 reimte er Satirisches, bei Einar Schleefs und B.K.Tragelehns "Fräulein Julie" mischte er 1974 gemeinsam mit Jutta Hofmann das BE auf, bis die Behörden die Absetzung dekretierten. Später wechselte Holtz von Ost zurück nach West. Nach Frankfurt. Als Räsonneur in "Katarakt", einem Solo-Abend von Rainald Goetz, war der Glatzkopp schlicht genial, die Kritiker kürten ihn dafür zum Schauspieler des Jahres und steckten ihm den Eysoldt-Ring an den Finger. Seitdem wird alles gut oder wenigstens weniger schlimm, wenn Jürgen Holtz auf der Bühne erscheint, wie zuletzt immer mal wieder im Berliner Ensemble, wo er für Robert Wilson sogar einen stimmlos-stimmgewaltigen Peachum in der "Dreigroschenoper" gibt. Heute wird der große Schauspieler Jürgen Holtz 80 Jahre alt. Wir gratulieren. (jnm)

 
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