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17. April 2011. Seine Figuren haben immer von einer merkwürdig aristokratisch veredelten proletarischen Aura gelebt. Waren rauchzart, um's mal mit der Werbesprache des Westens zu sagen, wo Hilmar Thate, 1931 in Halle geboren, seit 1980 lebte – als er nach wachsenden Schwierigkeiten wegen seiner Unterschrift der Biermann-Petition vom Ostberliner Deutschen Theater mit seiner Frau Angelica Domröse ans Westberliner Schiller Theater gewechselt war. Neben dem Ostlerpaar mit Hollywoodappeal wirkten die Westspieler am Haus dann erst recht wie allermiefigste Provinz. Gelernt hatte Thate das an Helene Weigels Berliner Ensemble, wo er 1972 auch eine seiner berühmtesten Rollen spielte – Richard III. in einer Inszenierung von Manfred Wekwerth: ein charmanter Bösewicht mit melancholischen Zügen, der beim Zuschauer sofort Beschützerinstinkte weckte und so zum Komplizen seiner Mordtaten machte. Das Richard-Echo hallte 1997 noch im Halbweltmogul Rudi Kranzow nach, den Thate in Dieter Wedels Fernseh-Mehrteiler "Der König von St. Pauli" spielte. Heute wird Hilmar Thate, man glaubt es kaum, achtzig Jahre alt. Wir gratulieren.