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Butter, Schmalz und Schönheit!

Graz, 3. Mai 2013. Wie das Drama Forum in Graz mitteilt, hat Ferdinand Schmalz für sein Stück am beispiel der butter den zum 6. Mal vergebenen Retzhofer Dramapreis gewonnen. Der Autor erhält 4.000 Euro, sein Stück wird in Leipzig uraufgeführt.

Ferdinand Schmalz wurde 1985 in Graz geboren, wuchs auf im steiermärkischen Admont und studierte in Wien Philosophie und Theaterwissenschaft. Er war Komparse am Wiener Burgtheater und Regieassistent am Schauspielhaus Wien sowie dem Schauspielhaus Düsseldorf. Er performt im freien Kollektiv mulde_17, gründete das Festival "Plötzlichkeiten" im Theater im Bahnhof Graz mit und veröffentlichte die Erzählung "auf spur" in der Anthologie zum Menantespreis für erotische Dichtung 2012.

ferdinand schmalz 140 privatFerdinand Schmalz
© privat
Das Stück

"am beispiel der butter" bildet einen Tag im Leben des Talmilch-Molkerei-Angestellten Adi ab. Adi nimmt sich selbst als träge Buttermasse war, will endlich handeln können. Er entwickelt die Theorie, dass kleine Gesten, Brüche im Alltagsgefüge, eine neue Art von Gemeinschaftlichkeit erzeugen können. Wenn er durch die Züge geht und Fahrgästen einen "Schnapper" von seinem Joghurt anbietet oder eine überlebensgroße Butterfaust, ein Butterdenkmal, bauen will, ist das so eine Art der Geste. Als Karina in Adis Leben tritt, scheint es, als könnte sich eine Liebe, eine Komplizenschaft ergeben...

Aus der Begründung der Jury
"Was David Foster Wallace der Hummer ist, ist Ferdinand Schmalz die Butter. Wobei die Abdrücke in der Butter bei ihm zugleich die Abdrücke sind, die eine Gesellschaft in den Menschen hinterlässt – und umgekehrt. Zwischen Molkerei, Kneipe und Hobbykeller treffen seine fünf Figuren aufeinander und kämpfen um ihre jeweilige Vorstellung von dem, was Recht ist (oder ihnen recht ist). Adi und Karina ... wollen gemeinsam dem horror-artig normierten Raum der Dorfgesellschaft etwas entgegensetzen, ... aber ... sie sterben den Buttersäuretod, bleiben als Untote zurück oder erwarten noch Schlimmeres ... Der Text hat eine kluge und abwechslungsreiche Struktur, eine Dynamik, die mitreißt, spielt mit verschiedenen Formen ..., erzählt dabei eine klare Geschichte und spannt zugleich einen gedanklichen, ja, philosophischen Bogen. Mit Chuzpe führt der Autor von Walter Benjamin und Giorgio Agamben ... zu einem ... bösen Erwachen des Protagonisten im derzeit wahrscheinlich österreichischsten Setting: dem Keller. ...."

Die von der künstlerischen Leiterin des Drama Forums, Edit Draxl, berufene Jury bestand aus Jörg Albrecht, Autor; Matthias Fontheim, Intendant Staatstheater Mainz; Esther Holland-Merten, Dramaturgin Schauspiel Chemnitz; Eva-Maria Voigtländer, Dramaturgin

Zum Retzhofer Dramapreis
Der Preis versteht sich als Nachwuchspreis für szenisches Schreiben und ist, so sagen es die Preisauslober, in dieser Art im deutschen Sprachraum einzigartig. Aus über 100 Einsendungen wählte eine Vorjury 13 BewerberInnen aus. RegisseurInnen, SchauspielerInnen und DramaturgInnen unterstützten die Nominierten in der Weiterarbeit an ihrem Wettbewerbsbeitrag. Im Anschluss daran wurden die eingereichten Arbeiten anonymisiert einer Jury vorgelegt, die das Siegerstück ermittelt.

Bisherige Gewinner des Preises waren: Gerhild Steinbuch, Johannes Schrettle (2003), Ewald Palmetshofer (2005), Christian Winkler (2007), Henriette Dushe (2009) und Susanna Mewe (2011).

(www.dramaforum.at / thueringer-allgemeine.de / jnm)