Mission Austausch

von Hannah Eßler

Berlin, 13. Mai 2013. ETC hat, groß geschrieben, nichts mit dem lateinischen "Et cetera" zu tun. Nachdem ich die drei Buchstaben durch Google gejagt und die Seiten der "European Travel Commission", dem "Entertainment Technology Center" und eines ominösen Bollywoodzubehörversands umschifft habe, strande ich endlich dort, wo ich eigentlich hinwollte: auf der Homepage der European Theatre Convention. Auch das erklärt sich nicht von selbst. Convention heißt so viel wie Zusammenkunft, kann aber auch als Abkommen oder Tagung übersetzt werden. "Theatre" gleich Theater, klar. Was alles zu Theater zählt ist wiederum Ansichtssache. "Europäische Theaterzusammenkunft" wäre also eine Übersetzungsmöglichkeit.

Bürokratische Hürden und Sprachgrenzen

So weit, so schwammig. Nach stundenlanger Lektüre der ETC-Seite schwirrt mir der Kopf vor lauter Multi-, Inter-, Co- und Trans-Worten. Da hilft nur Besuch im Büro der ETC im Berliner Deutschen Theater, um Licht in den Fremdwörterdschungel zu bringen. Die ETC ist eine kleine, Ende der 80er Jahre gegründete Organisation mit aktuell vier Mitarbeitern. Ihr Ziel heißt Austausch  – über Landes- und Sprachgrenzen hinweg, zwischen Alt und Jung, zwischen Stadttheatern, Freier Szene und Laien.

Momentan vereint sie um die 40 Stadt- und Staatstheater aus 25 Ländern. Deren Vertreter treffen sich zwei Mal jährlich, planen gemeinsam Projekte und nehmen an Workshops teil. Finanziert werden die Projekte dann zur Hälfte von den Theatern selbst, die andere Hälfte übernimmt die Europäische Kommission. Die Mitarbeiter der ETC organisieren die Treffen, sind an der Zielsetzung der Projekte beteiligt und begleiten sie. Außerdem meistern sie bürokratische Hürden, damit Fördergelder fließen können.

Leistungsschau der Jugendprojekte

Weltweit gibt es zahlreiche ähnliche Organisationen, die sich vor allem durch ihren Fokus unterscheiden. Ein Beispiel (mit ähnlich obskurem Namen) ist die wesentlich größere ASSITEJ (International Association of Theatre for Childeren and Young People), die sich auf die Förderung des Kinder- und Jugendtheaters konzentriert.

Konkret setzt die ETC ihre abstrakt formulierten Ziele in künstlerischen Projekten um. Bei dem 2005 gestarteten "Trames" arbeiten Regisseure und Übersetzer aus verschiedenen Ländern mit den Autoren an der Übersetzung ihrer Theaterstücke in die jeweiligen Sprachen. Ein anderes Aushängeschild ist das Young Europe Project, das 2011 in die zweite Runde gegangen ist: Acht Theater aus sechs europäischen Ländern entwickelten hier zusammen mit Jugendlichen fünf verschiedene Stücke, aus denen wiederum sechs Produktionen entstanden. Durch Übertitel werden die Stücke für ein breiteres Publikum zugänglich gemacht, ohne dass die Originalversion des Textes verloren geht.

Vom 13. bis 16. Mai öffnet das Theater an der Parkaue nun seine Pforten für die Leistungsschau, die zugleich ein Nachtreffen aller Beteiligten ist. Hier kommt der bunte Haufen, der bislang vor allem übers Internet kommunizierte, das erste und letzte Mal zusammen. Gemeinsam sichten sie die entstandenen Stücke, nehmen an Workshops und Diskussionen teil und werden sich hoffentlich eifrig austauschen. Interessierte Gäste sind stets willkommen!

 

Der Blog ist ein Kooperationsprojekt von nachtkritik.de und der European Theatre Convention im Rahmen des Young Europe Festivals. Seine Inhalte sind nicht Teil des redaktionellen Kontents von nachtkritik.de: Impressum.

 
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