Willkommen an Bord!

von Jenny Sréter

Berlin, 16. Mai 2013. Das Flugzeug ist momentan der schnellste Weg, um an einen anderen Ort zu gelangen. Noch schneller allerdings ist das Theater. Hier kann man sich auf Zeit in Windeseile in andere Welten versetzen lassen. Vielleicht hat der Intendant Kay Wuschek mit seinem Amtsantritt 2005 deshalb ein Flugzeug in das Logo des Theaters an der Parkaue integriert.

Beschäftigt man sich mit der Geschichte des Hauses, ruft das Flugzeug jedoch noch andere Assoziationen wach: Anfang des Jahrhunderts erbaut als Knabenschule, wurde es 1939 als "Joseph-Goebbels-Schule" zum Ort der Erziehung im Dritten Reich. Nur wenig vom Krieg zerstört, beschloss ein Militärkommandant des sowjetischen Besatzungssektors, das Gebäude ins "Haus der Kultur der Sowjetunion, Filiale Kinder" zu verwandeln. So mag manch einer bei dem Flugzeug weniger an Kinderspielzeug als an Flieger aus dem zweiten Weltkrieg denken, die über die Dächer des Theaters hinweg donnerten.

Sicherheitshinweise und Reiserouten

Heute hat das Theater an der Parkaue viele Destinationen für Kinder und Jugendliche im Spielplan. Mit elf bis dreizehn Premieren im Jahr ist es das größte und vor allem das einzige staatliche Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Theaterpädagogische Stewards und Stewardessen kümmern sich um all diejenigen, die zum ersten Mal fliegen oder an Flugangst leiden: Mit Sicherheitshinweisen zum Nachlesen ist man bestens auf den Flug vorbereitet.

Der Großteil der Reisenden sind Schulklassen, die vor allem aus jenen Schulen kommen, mit denen das Theater an der Parkaue kooperiert. Damit diese wissen, wo es lang geht, gehen Fluglotsen des Theaters in die Schulen, um die Lehrer bei der Reiseroute zu beraten. Bei TUKI, TUSCH, den Parkaue-Clubs und der Winterakademie übernehmen Kinder und Jugendliche allen Alters selbst das Steuer und entscheiden mit, wo die Reise hingeht.

Bitte achten Sie auf den Tower!

Während der Festivals wie "Augenblick mal!", das alle zwei Jahre startet, und "Young Europe" wird das Theater an der Parkaue zum Landeplatz für andere nationale und internationale Crews. Um den europäischen Austausch über Reiseerlebnisse und -erfahrungen zu fördern, ist das Theater an der Parkaue seit 2008 Mitglied in der ETC. Dabei ist es vor allem an der regelmäßigen Begegnung - die ETC-Mitglieder treffen sich zwei Mal im Jahr - auf Augenhöhe mit den 47 Theatern aus 25 Ländern interessiert, sagt Friedemann Windhorst, Co-Pilot des Hauses.

Wenn man sich von der Möllendorffstraße im Anflug auf das Theater befindet, sieht man schon von Weitem den charakteristischen kleinen Tower, der das Gebäude schmückt. Koordiniert werden die Flugbewegungen allerdings ein paar Etagen darunter. Falls es am Haus doch mal zu einer Bruchlandung kommen sollte, entschädigt übrigens die Lage: Den brummenden Schädel kann man wunderbar auf einer der vielen Grünflächen und in der Parkaue direkt neben dem Theater auslüften.

 

Der Blog ist ein Kooperationsprojekt von nachtkritik.de und der European Theatre Convention im Rahmen des Young Europe Festivals. Seine Inhalte sind nicht Teil des redaktionellen Kontents von nachtkritik.de: Impressum.

 

 
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