Wa... Wa... Watte

von Jenny Sréter

Berlin, 18. Mai 2013. Es ist Mai, es ist Festivalsaison. Auch im Osten Berlins: In der vergangenen Woche waren am Theater an der Parkaue die Inszenierungen jener Stücke zu sehen, die beim ETC-Projekt "Young Europe" entstanden sind, und ihre Macher aus ganz Europa anzutreffen.

Die (ungenutzten) Chancen von Jugendpartizipation...

Acht Theater, sieben Länder, sechs Inszenierungen, fünf Stücke, vier Tage, drei Bühnen, zwei Workshops, eine Bootsfahrt. Nun wird das Zelt im Hof des Theaters an der Parkaue wieder abgebaut, das zur Verpflegung und als Ort des Austausches vor und nach den Vorstellungen diente. Alle Beteiligten kehren in ihre Heimatländer und in den Alltag des Theaterbetriebs zurück. Das Motto des Programms war: Stücke von Jugendlichen für Jugendliche. So wurde viel über das "Young" von Young Europe diskutiert, aber anscheinend zu wenig mit ihm, wie die Jugendlichen bei der Abschlussdiskussion äußerten.

Sie hätten sich noch mehr Austausch und auch Partizipation an den Stücken und Inszenierungen gewünscht. Für sie – und da sind sie nicht allein – wurde eigentlich nur bei 15.15 der Anteil der Jugendlichen an der Stückentwicklung wirklich klar. Wenn es noch einen Autor oder Regisseur gab, der selbst eine andere Vorstellung davon hatte, was bei dem Stück herauskommen solle, gestaltete sich die Stückentwicklung zusammen mit den Jugendlichen nicht einfach. So gab beispielsweise der Regisseur Grégoire Callies von Fragen, Fragen - La vache et le commissaire im Publikumsgespräch zu, dass die Schüler, die sie zu Europa befragt haben, keine Antworten gegeben haben, mit denen sie ein Stück über Europa hätten machen können. Deswegen mussten sie auf anderes Material zurückgriefen, einen Text von Alexis de Tocqueville aus dem 19. Jahrhundert zum Beispiel. Die Frage der Jugendlichen dazu: Warum dann eine Stück über Europa machen, außer um zu belehren?

... und von Mehrsprachigkeit

Andererseits hat Young Europe gezeigt, in welchen Formen Multiligualismus im Theater mögliche ist. Nicht nur auf dem Festival selbst, mit Publikumsgesprächen in drei Sprachen. Sondern auch in Inszenierungen wie Eg - Ik, Ich, I, einer Koproduktion der Theater DET Norske Teatret aus Oslo und De Toneeimakerij aus Amsterdam, die demonstrierte, das Mehrsprachigkeit auf der Bühne nicht gehetztes Mitlesen der Übertitel irgendwo am Bühnenrand bedeuten muss. Wenn der verletzte Narziss nur noch ein gequältes „Wa.., Wa...“ herauskriegt und ihm dann Watte statt Wasser gereicht wird, werden die Verständnisprobleme zwischen dem norwegischen und dem holländischen Schauspieler auf der Bühne thematisiert – hier ist der Zuschauer offenbar nicht der einzige, der nicht alles mitkriegt. Andererseits ist es erstaunlich, wie viel man im Theater verstehen kann, auch wenn man die Sprache nicht spricht!

Für mich steht Young Europe am Anfang einer neue Auseinandersetzung mit Kinder- und Jugendtheater, dem ich seit meiner eigenen Kindheit nicht mehr viel Aufmerksamkeit geschenkt habe. Die Fragen, was hier wie und auch von wem erzählt wird, werden mich in Zukunft begleiten.

So gibt es am Theaters an der Parkaue derzeit Mitarbeiter, die sich mit den fast ausschließlich heteronormativen Erzählungen im Kinder- und Jugendtheater auseinandersetzen und sich mit der Frage beschäftigen, wie hier die Tragweite und Komplexität der Kinder- und Jugendliteratur gesteigert werden kann, damit Genderfragen nicht reine Fallbeispiele und Randdiskurse bleiben.

 

Der Blog ist ein Kooperationsprojekt von nachtkritik.de und der European Theatre Convention im Rahmen des Young Europe Festivals. Seine Inhalte sind nicht Teil des redaktionellen Kontents von nachtkritik.de: Impressum.

 
Kommentar schreiben