Helden der Internetcommunities

3. Oktober 2013. Er sei vom Wiener Burgtheater nach Berlin gekommen, weil er damals dachte, "wir müssen alle nach Berlin gehen, um die neu entstandenen Macht-Fantasien des wiedervereinigten Deutschlands zu kontrollieren – der Traum von einer Rückkehr der zwanziger Jahre! Berlin als Schnittpunkt von Kunst und Politik!", sagt BE-Intendant Claus Peymann im Interview mit der Berliner Morgenpost.

Doch der Traum von der großen, zentralen Rolle, die das Theater in dieser Stadt spielen müsste, sei, so Peymann weiter, schnell ausgeträumt gewesen. "Vielleicht ist es auch einfach so, dass das Theater diese Rolle des Aufklärers heute überhaupt nicht mehr spielt."

Die wirklichen 'Aufklärer' unserer Zeit sind für Peymann inzwischen "die Revoluzzer in den Internetcommunities; zum Beispiel der weltweit gejagte Snowden. Diese Leute sind die Robin Hoods unserer Zeit. Die Helden und Protagonisten der Stücke Büchners, Brechts oder Heiner Müllers scheinen nicht mehr zeitgemäß. Das Theater hat sich längst in eine Nische verkrochen. Die Verbrechen unserer Zeit, die kriegerischen Brandherde in Afrika, in Asien, im Vorderen Orient, das Gefälle zwischen Arm und Reich, die Korruption der Politiker – auch in Europa: Wir wissen es und sind ratloser denn je. Offenbar auch die Autoren. Es fehlt Mut und Leidenschaft."

(sle)

 

Im Mai hat ein Gespräch zwischen Claus Peymann und Netzpolitikerin Marina Weisband die Konferenz "Theater & Netz" von nachkritik.de und der Heinrich Böll Stiftung eröffnet. Claus Peymann hatte zur Vorbereitung des Gesprächs die Netz-Konferenz "re:publica" besucht. Hier der Videomitschnitt des Gesprächs.

 

 
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