Allem Anfang wohnt etwas inne

von Tobias Prüwer

Leipzig, 3. Oktober 2013. Enrico Lübbe hat Wort gehalten und seine Intendanz am Schauspiel Leipzig "vielfältig" eröffnet. "Vielfalt" hatte der vormalige Chemnitzer Schauspieldirektor auf der Spielzeitvorstellung im Juni mehrfach als Motto seines Kurses betont. Mit sechs Premieren gestaltet er seinen Einstand als dreitägiges Festival. Ein Theatermarathon mit drei Produktionen – "Who's there", "Der Lärmkrieg", "Othello" – steht am Anfang.

Vom Zuschauen: Fünf Minuten Ruhm

Lübbe ist um seine Aufgabe am wieder in Schauspiel Leipzig zurück benannten Haus nicht zu beneiden. Er soll zugleich Publikum am Schauspiel halten, das gern ins Centraltheater seines Vorgängers Sebastian Hartmann ging, aber auch andere zurückholen, die jener vergrätzte. Klassiker von antik bis modern im großen Saal, Zeitgenössisches auf der Hinterbühne, Uraufführungen im kleinen Raum und Off-Produktionen in der Nebenspielstätte in Leipzig-Lindenau: Einen "Gemischtwarenladen" strebt Lübbe ausdrücklich nicht an, wie er im Interview mit einem Stadtmagazin erklärte. Er will Vieles anbieten, ohne sich anzubiedern.

who s there 280 rolfarnold u"Who's there" von Monster Truck © Rolf Arnold"Who's there", in der alten Baumwollspinnerei im Westen der Stadt: Bevor man schauen kann, wer denn da ist, heißt es warten. Die Installation des Performancekollektivs Monster Truck ist einzeln zu begehen, irgendwie haut der Ablauf trotz verschiedener Einlasszeiten aber nicht hin. Nach einer guten halben Stunde stehe ich in einem von vier roten Vorhängen begrenzten Quadrat. Diese öffnen sich zu elektronischen Klängen in wechselnden Intervallen und geben den Blick frei – auf mich. Hinter jedem Vorhang ist eine Zuschauertribüne aufgebaut, mal schauen mich Skelette an, mal ältere Menschen, Motorradbehelmte oder mit blonden Perücken verhangene Gesichter. Hineingeworfen in den Blick anderer und zugleich beim Betrachten anderer beobachtet zu sein, löst einen Gefühlsmix zwischen nervöser Peinlichkeit und Belustigung aus. Wirklich mittendrin muss man hier seine fünf Minuten Ruhm erleiden oder genießen. Danach darf ich selbst mit einer Kunsthaarhaube auf dem Kopf den Nachfolgenden beim Schauen zuschauen – mehr Interaktion und Positionswechsel geht nicht.

Und ewig plätschert der Zimmerspringbrunnen

Eine Kontemplation dieser netten Spielerei lässt die tickende Uhr nicht zu. Die nächste Premiere steht an. Dafür muss man von der Nebenspielstätte – durch zwei Postleitzahlenzonen – in die Innenstadt. Dort, auf der Probebühne, will bei "Der Lärmkrieg" die Zeit kaum verrinnen. Anfänglich sieht sich die Auftragsarbeit von Kathrin Röggla interessant an. U-förmig sind die Zuschauerreihen angeordnet, über denen eine Stangenkonstruktion die Reihenhausidylle andeutet.

laermkrieg 280h rolfarnold uAndreas Keller (vorne), Tilo Krügel und Dorothea
Arnold (hinten) in"Der Lärmkrieg" von Kathrin
Röggla © Rolf Arnold
Man befindet sich in einer Bürgerversammlung über den Turbinenlärm am Frankfurter Flughafen. Die einheitlich in schwarzen Trainingsanzügen auftretenden Schauspieler tragen Pro und Contra über das Luftkreuz vor. Einzelne Zuschauer werden direkt aufgefordert, dem Argument zu folgen, oder gefragt, ob man nicht neulich bei dieser Demo gewesen sei.

Das funktioniert, doch wenn sich die Handlung zum reinen Bühnengeschehen wandelt, dem Konflikt zwischen Wutbürgern und Profiteuren am Luftfrachtgeschäft, hätte der Text Regisseur Dieter Boyer eine Entscheidung abverlangt. Klar nachvollziehbare Figuren oder eine expressive Performance, die dem Fluss der Sprache deutliche Akzente abgewinnt, könnten vielleicht das Zuschauerinteresse binden. Boyer aber will sich nicht entscheiden. So wird wegen anhaltender Indifferenz auch in Timing und dramaturgischer Struktur die 90-minütige Inszenierung dem im Bühnenvordergrund thronenden Gartenbrunnen sehr ähnlich: Der Text plätschert auch noch im stückbeendenden Amoklauf vor sich hin. Andreas Keller – seit 2002 in Leipzig und klar mit Heimvorteil – muss sich arg zurücknehmen, um mit seiner durchdringenden Stimme und raumgreifenden Körperlichkeit die anderen nicht an die Wand zu spielen.

Drama schwach bei Stimme

Die Varianz der Schauspielerleistungen lässt dann auch den durch beeindruckendes Bühnenbild auftrumpfenden "Othello" (Regie: Christoph Mehler) im großen Saal zum Sprechtheaterhalma zusammenschrumpfen. Im schwarzen, nach hinten geöffneten und durch weiße Leinwand abgeschlossenen Raum dominiert eine unbeleuchtete Wasserfläche. Diese betritt zu Beginn Othello (André Willmund) und wird sie über zwei Drittel der Inszenierung nicht verlassen. Derart als Schattenmann dargestellt – und klug die Blackfacing-Debatte unterlaufend –, sieht man ihn nur als Silhouette, trotzdem (oder gerade deshalb) nimmt man auch seine kleinen Gesten wahr. Monolithisch in der Mitte stehend, dauerpräsent und immer mit Worten – stimmlich leider etwas schwach – eingreifend, wenn es der Text verlangt, wird dieser Othello als der Andere markiert, aber nicht ausgestellt. Vorne und rings um den Bassinrand herum agieren, die Raumtiefe unterstreichend, die übrigen Schauspieler.

othello 560 rolfarnold uChristoph Mehlers "Othello" kommt ohne Blackfacing aus: Pina Bergemann (Desdemona), André Willmund (Othello) und Wasserbecken. © Rolf Arnol

Attraktives Bühnenbild, durchdachter Musikeinsatz zur Überblendung von Szenenwechseln und die starke Reduktion des Shakespeare-Textes zeigen Parallelen zu Enrico Lübbes eigener Inszenierungsweise. Dosenbierorgie, Konfettiwerfen und kurzes Peniszeigen muten als etwas unmotivierte, aber nicht weiter störende Regieeinfälle an. Zur Tragödie wird die Inszenierung – an sich fällt dieser "Othello" keineswegs tragisch aus, weil von der Bühne transportierte Emotionen weitgehend fehlen – durch mangelnde Sprechtheaterfähigkeiten. Lübbes Motto "Vielfalt" taugt leider auch durchaus dazu, das Qualitätsspektrum der Darsteller zu beschreiben. Um auf so großer Bühne einen stark handlungsreduzierten "Othello" zu geben – selbst das Aufdecken der Intrige und Othellos Tod sind rausgestrichen –, bedürfte es eines Personals mit Präsenz.

Meer der Verschwommenheit

Im Schauspiel Leipzig gehen die meisten Darsteller und der Inszenierungsansatz in einem Meer aus Stimmschatten und verschwommener Ausstrahlungskraft unter. Aus dem monumentalen Dunkel tretend gibt André Willmund bei Lichte betrachtet Othello als ein zu groß gewachsenes Kind. Zwar schafft es Mathis Reinhardt als Jago gelegentlich, die Aufmerksamkeit zu bündeln, verlassen aber kann man sich nicht darauf. Wenn Matthias Hummitzsch als Doge mit einigen wenigen Sätzen den Fokus des Interesses auf den hinteren Bühnenrand zieht, verblasst der kaum hörbare Brabantio von Bernd-Michael Baier vollends. Und warum, fragt man sich einigermaßen verzweifelt, hat Regisseur Mehler nicht Hummitzsch als Desdemonas Vater besetzt? Desdemona selbst mag nicht die kraftvollste aller Frauenfiguren Shakespeares sein. Ihr sprachlich, mimisch und gestisch Leben einzuhauchen, misslingt Pina Bergemann allerdings vollends. Manchmal akustisch unverständlich, nimmt man ihrem plattitüdenhaften Repertoire nicht einmal den Würgetod ab. Der Ansatz, die Tragödie auf Handlungskern und knappe Figurenkonstellation einzudampfen, läuft so ins Leere und die Inszenierung gerinnt trotz eineinhalb Stunden Kürze zum undramatisch-statischen Stehtheater.

 

Who's there 
von Monster Truck, Koproduktion mit den Sophiensaele Berlin 
von und mit: Manuel Gärst, Sahar Rahimini, Ina Vera, Frank Bossert, Javier Inostroza Horta, Alias Hecke und Leipzigern und Leipzigerinnen.
Dauer: So lange man möchte 

Der Lärmkrieg (UA) 
von Kathrin Röggla, Auftragswerk des Schauspiels Leipzig 
Regie: Dieter Boyer, Bühne & Kostüme: Ralph Zecher, Musik: Bernhard Fleischmann, Dramaturgie: Esther Holland-Merten. 
Mit: Dorothea Arnold, Julia Berke, Yves Hinrichs, Andreas Keller, Tilo Krügel.
Dauer: 1 Stunde, 30 Minuten

Othello
von William Shakespeare, in der Übersetzung von Gabriella Bußacker und Jan Bosse
Regie: Christoph Mehler, Mitarbeit Regie: Christina Zintl, Bühne: Nehle Balkhausen, Kostüme: Janina Brinkmann, Video: Konny Keller, Musik: Oliver Urbanski, Dramaturgie: Matthias Huber. 
Mit: Bernd-Michael Baier, Pina Bergemann, Matthias Hummitzsch, Hartmut Neuber, Felix Axel Preißler, Mathis Reinhardt, Annett Sawallisch, André Willmund. 
Dauer: 1 Stunde, 30 Minuten 

www.schauspiel-leipzig.de


Der neue Intendant Enrico Lübbe begann am Leipziger Schauspiel einst als Regieassistent unter Wolfgang Engel, 1999 inszenierte er dort zum ersten Mal selbst, von 2000 bis 2004 war er fester Hausregisseur. Seit 2008 war Lübbe Schauspieldirektor in Chemnitz und wurde im Juni 2012 zum Nachfolger des umstrittenen Leipziger Intendanten Sebastian Hartmann ernannt – eine Entscheidung der Leipziger Politik, die damit nicht der Mehrheitsempfehlung der Auswahlkommission folgte (hier die Stellungnahme von vier Mitgliedern der Kommission dazu).

Kritikenrundschau

Peter Korfmacher bespricht in der Leipziger Volkszeitung (4.10.2013) "Who's there" und "Der Lärmkrieg". Der "Befürchtung", Lübbe würde "der spalterischen Experimentierwut seines Vorgängers Sebastian Hartmann" mit "bürgerlichem Erbauungstheater" nachfolgen, begegne der neue Intendant zu Beginn mit Performance und einem neuen Stück.
Bei Monster Trucks "Who's there" blicke der Zuschauer auf Zuschauer. "Man könnte das als Chiffre nehmen. Dafür etwa, dass Lübbe sein Publikum erst begutachten muss, bevor klar ist, wohin er das Schauspiel in Leipzig führt. Oder dafür, dass auch Zuschauer Akteure sind, weil Theater der Interaktion bedarf." Das seien alles Binsen, der Erkenntnisgewinn bleibe gering.
Erst am Ende von "Lärmkrieg" machten die Akteure "noch so etwas wie Theater" auf Rögglas "szenischem Trockendock", wo all die Phrasen und Sentenzen eben "aufgeschnappte Phrasen und Sentenzen" blieben. Auch mit "verteilten Rollen" gesprochen, werde "kein Dialog" daraus. Immerhin zeige "Der Lärmkrieg", Lübbe könne sich auf ein "erstklassiges Schauspiel-Ensemble verlassen".

Über "Othello" schreibt Dimo Riess in der Leipziger Volkszeitung (5.10.2013): Es sei ein raffinerter Einfall gewesen, Othello als Silhouette zu präsentieren. André Willmund verkörpere "die Aura eines Denkmals", "fast mythisch überhöht in der Dunkelheit". Das "nuancierte Gestenspiel seiner Silhouette" male ein "überraschend feinsinniges Bild seiner Gefühlswelt". Wenn Othello "nackt und nass aus den Trümmern seiner Welt" krieche, spiele die Hautfarbe "längst keine Rolle mehr". Mathis Reinhardt überzeuge in der Rolle des Jago. Pina Bergemann als Desdemona könne sich akustisch nur schwer verständlich machen, wie andere auch, schreibt Riess, und ihre Verführungskraft bleibe Behauptung. Das liege "nicht zuletzt" an der Sprache der Inszenierung, mit ihrer "Mischung aus literarischerem Duktus und Alltags-Idiom".

Auf der Website von Deutschlandradio (4.10.2013, 23:05 Uhr) schreibt Michael Laages, das Sich-Anschauen-lassen, inszeniert von "Monster Truck" beweise die "grundsätzliche Geistlosigkeit", die in "aktuellen Freie-Szene-Produktionen grassiert", dass "staatliche Gremien für derlei Schmarren noch immer Gelder locker machen", habe "fast das Zeug zum Skandal". Argumente gibt Laages aber keine. Christoph Mehler habe die Chance mit "Othello" vertan. Der "starken Idee", Othello fast abendfüllend so zu beleuchten, dass er immer nur als dunkler Schatten präsent war, opfere Mehler "durchaus konsequent" den Rest des Stückes: kaum mehr als der halbe "Othello". Kathrin Rögglas "Der Lärm-Krieg" sei fahriges Gewurschtel um Frankfurter Wutbürger, das auch in Dieter Boyers Inszenierung keine Kraft gewönne.

Hartmut Krug schreibt auf der Website des Deutschlandfunks (5.10.2013) über "Who's there": Was hier mit plattem Pomp erklärt werde, sei eine Grundsituation des Theaters: "Theater entsteht und wandelt sich in der Interaktion der Blicke". Eine "schmale Binsenweisheit", für die Monster Truck eine "aufwendige und teure Bühneninstallation" benötige, ein "unerheblicher und ärgerlicher Auftakt". In "Der Lärmkrieg" redeten "fünf Personen in Trainingsanzügen" miteinander und "auf das Publikum ein". Dieter Boyers Inszenierung schaffe es weder die Texte noch das Geschehen zu versinnlichen. Christoph Mehler reduziere die Figren seines "Othello" auf einen Ausdruck: Othello eine "Leerstelle". Die radikal "verschlankte" Inszenierung beziehe ihre Kraft aus Nehle Balkhausens Bühnenbild, in dem die "musikuntermalten Schauspieler" mit dessen schlechter Akustik zu kämpfen hätten. Mathis Reinhardt trumpfe schauspielerisch als Jago auf, derweil Ophelia "recht grob vor allem als kumpelig selbstbewusst gezeigt" werde. Insgesamt wenig überzeugend.

Dirk Pilz schreibt in der Berliner Zeitung (7.10.2013) über "Who's there" von Monster Truck: "Eine Performance-Petitesse, die ihre Idee ziemlich unverfroren von David Lynchs 'Twin Peaks' geklaut hat. Trotzdem hübsch." Dieter Boyers Röggla-Uraufführung "Der Lärmkrieg" sei "eine Inszenierung, die mit freier Figurenwirtschaft der neoliberalen Wirtschaftsfreiheit die Maske herunter reißen will, aber bestenfalls pseudoproblematische Realitätsverdopplung produziert". "Aber nun, auch das muss es in unserer herrlich bunten Theaterwelt geben." Schließlich "Othello": "Christoph Mehler hat die Shakespeare-Vorlage einer kecken Schlankheitskur unterworfen – die Inszenierung rauscht binnen 90 Minuten wie ein Eifersuchtsschmöker durch." Der gesamte Abend wolle den Beweis erbringen, "dass dies Jagos Stück, aber Othellos Tragödie ist". "Es ist, erzählt uns dieser Abend, den Mechaniken des Misstrauens kein Entkommen, wenn Menschen zu Mechanikern ihrer Leidenschaft werden. Vielleicht ist das so. Gewiss ist nur, dass solches Theater gerade in Leipzig zu gefallen weiß."

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (7.10.2013) schreibt Irene Bazinger insgesamt von einer "fulminanten Eröffnung", ist aber im einzelnen nicht durchweg überzeugt. Zum Beispiel die Uraufführung von Kathrin Rögglas "Der Lärmkrieg". "Das Auftragswerk des Schauspiels Leipzig gilt dem Flugverkehr und seinen negativen Konsequenzen, ist aber eher gut gemeint als gut geschrieben und wurde auch in der Inszenierung von Dieter Boyer nicht besser." Nicht von der Stelle bewegen hätte sich auch Christoph Mehlers "Othello" dürfen, "ein weißgewaschener 'Othello', der vor politischer Korrektheit vergaß, was er eigentlich sagen wollte."

Über ebendiesen "Othello" von Christoph Mehler schreibt Helmut Schödel in der Süddeutschen Zeitung (7.10.2013): "Dieser Abend sollte durch Christoph Mehlers Regiekonzept und Mathis Reinhardts schauspielerische Leistung 'Jago' heißen." Schweinereien sind sexy heutzutage, erkläre uns Mathis Reinhardt, und wer noch lachen will, muss für Jago sein. "Er ist der Regisseur von Othellos Eifersucht auf Desdemona, aber wenn dieses gemeine, glucksende Kopfstimmengekicher aus ihm dringt, weiß man, dass auch er inszeniert wird: vom Teufel möglicherweise." Das sei "Regietheater total mit einem großartigen Hauptdarsteller, der den gesamten Abend trägt". Die Röggla-Uraufführung von Dieter Boyer bezeichnet Schödel als "politisches Theater, das über die Botschaft einer anständigen TV-Dokumentation nicht hinauskommt".

Im MDR ärgert sich Stefan Petraschewsky über den "Lärmkrieg" von Röggla / Boyer: "Indem ich die alle in die gleichen Trainingsanzüge stecke und sie wenig miteinander schauspielen lasse, wie es der Regisseur Dieter Boyer hier tut, mache ich die Schauspieler zu Textaufsagemaschinen. Und wenn die dann stottern und nicht souverän sind, dann geht die Sache nach hinten los – mal ganz abgesehen davon, daß Leipzig selber einen Flughafen hat, ein umstrittenens Drehkreuz auch für Afghanistan – da verstehe ich nicht, warum ein Auftragswerk für Leipzig in Frankfurt spielt. Unterm Strich ein überflüssiges, schlecht inszeniertes Stück." Christoph Mehlers "Othello" hingegen findet Petraschewsky einen "konsequent erzählten, sehenswerten Abend."

Reinhard Wengierek schreibt auf Welt Online (7.10.2013) zu Kathrin Rögglas "Der Lärmkrieg" und Monster Trucks "Who's there": eine "journalistische, mitnichten dramatische Fingerübung" über Wutbürger unter Einflugschneisen. Sowie die "unüberbietbar einfältige Performance des Gießener Kollektivs"; statt Monster machten sich "Scharlatane" lächerlich. Zu "Othello", "Des Meeres und der Liebe Welllen" sowie zu "Emilia Galotti" resümierend und zusammenraffend: Dreimal die "Himmelsmacht Liebe, zerbrochen von den Verhältnissen, den Mitmenschen". Dreimal "Psycho- und Politthriller in einem", dreimal "rabenschwarze Bühne", meist "statisch agierenden Spieler" unter "gleißenden Lichtkegeln in der Black-Box" mit "stark gestrafftem Text". Dreimal überwiegend "Rumsteh-Rede-Antwort-Theater", das "Defizite an schauspielerischer und sprachlicher Intensität" auch noch ausstelle. Dreimal comichaft reduziert aufs Nachbuchstabieren des Plots. Alles "allgemeinverständlich, aber wirkungsschwach".

Torben Ibs schreibt in der tageszeitung (8.10.2013): Der Start mit Monster Truck sei "erfrischend", der "perfekte Einstieg". Sei man nun Zuschauer? Spieler? "Die Rollen vertauschen und mischen sich, zumal die Berliner detailreichen Surrealismus im Gepäck haben." Das Auftragswerk "Der Lärmkrieg" sei "rollenbasiertes Diskurstheater". Sind die "Proteste von Villen- und Eigenheimbesitzern nur egoistische Strategien" oder handele es sich um "gesellschaftlich relevante Reformbewegungen"? Nach Hälfte der 80 Minuten sei dazu alles gesagt. "Das Private, das Politische, alles wird zu einem Brei."Christoph Mehler degradiere die Figuren von "Othello" zu "platten Abziehbildern". Lediglich Othello (André Willmund) und Jago (Mathis Reinhard) dürften als "Charaktere agieren". Immerhin sei das Setting "visuell" überzeugend.

 

 
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