Er erfand in Deutschland das multikulturelle Theater, lange bevor Shermin Langhoff in Berlin ein postmigrantisches Theater etablierte oder Johan Simons die Münchner Kammerspiele internationalisierte: 1980 gründete Roberto Ciulli das Theater an der Ruhr in Mülheim, zusammen mit dem Dramaturgen Helmut Schäfer. Ein sehenswertes, auratisches Gespann, hier der albinohaft draculaartige Schäfer, der den Texten den Saft aussaugte, dort Ciulli, der schicke Italiener in Businessanzügen sowie seine schöne, viel zu früh verstorbene Freundin Gordana Kosanović, nach der der Preis benannt ist, den das Theater vergibt.

robertociulli 280 fotografandreaskoehring uRoberto Ciulli © Andreas KöhringEin Theater, das eine Ahnung vermittelte von einer anderen Gesellschaft, auch einem anderen Theater, das weit und hell wirkte im Gegensatz zur bürgerlichen, christlichen, weißen Enge ringsum. Ein Theater auch, das bewusst Vorurteile abbauen wollte: "Die Deutschen müssen endlich anerkennen, dass sie längst in einer unumkehrbar multikulturellen Gesellschaft leben", sagte er einmal. "Und welchen Gewinn das bedeutet." Immer betonte er die soziale Funktion von Theater, etwa hier im Video-Porträt.

Schon zuvor wurde der gebürtige Mailänder zum wichtigen Regisseur in Deutschland zwischen Göttingen, Köln, Berlin und Düsseldorf, aber das Mülheimer Unternehmen mit seinen zahllosen Verbindungen und Kooperationen – mit dem Roma-Theater Pralipe, mit dem Staatstheater in Ankara – ist doch sein größtes Werk, sein Vermächtnis. Dort macht er auch heute noch mitreißendes Theater, zuletzt mit Verbrechen, Immer noch Sturm und Woyzeck. Wir gratulieren Robert Ciulli herzlich zum 80. Geburtstag!

(geka / sle)

 
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