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5. April 2014. In der Welt (3.4.2014) schreibt Matthias Heine einen langen, langen Artikel über den (nur?) von ihm identifizierten Boom antiker Stücke auf den deutschsprachigen Bühnen.

Er kommt darin auf viele verschiedene Aspekte zu sprechen. Wer zum Beispiel bei der Uraufführung der Medea von Euripides 431 v. Chr. in Athen im Theater saß. Und wer das Vorbild abgab für die exotische Frau und Zauberin.

Der Reiz

Die Verknüpfung von Privatem und Politischem, die den attischen Theaterguckern völlig vertraut war, macht auch heute noch den "Reiz" des antiken griechischen Theaters aus, glaubt Matthias Heine mit John von Düffel, dem deutschen Roman-und-Dramen-Bearbeitungskönig, der für's Deutsche Theater etwa die Familiengeschichte der Labdakiden in Ödipus Stadt zusammenmontiert hat. Heine zitiert Düffel:"Das Persönliche und die Machtfrage sind in diesen Stücken enger verbunden. Auch deshalb gibt es gerade wieder eine starke Bewegung zu antiken Stoffen und ihren Ableitungen."

Seit wann

Weiters erzählt der Welt-Theaterkritiker, wer in Preußen anfing mit den antiken Stücken (König Friedrich Wilhelm von Preußen regte 1841 die Aufführung der "Antigone" im Potsdamer Neuen Palais an), welche Funktion die Griecherei im 19. Jahrhundert hatte, und warum es heute einen Boom gibt. Das etwa begründet bei Heine die Hamburger Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier, die ihr Haus selbst mit einer Antiken-Kompilation eröffnete, so: "Die Wellen, in denen die antiken Stücke hochgeholt werden, haben natürlich damit zu tun, inwieweit die Themen, die da verhandelt werden, sich auf unsere Gesellschaft beziehen lassen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die 'Orestie' oder 'Medea' oft als Stücke über Eroberungskriege gelesen. Das sollte dann auch als Kritik an den USA verstanden werden."

Wieso

"Gerade weil sie aus unendlicher Ferne kommen, sind die uralten Tragödien so gut als Projektionsfläche für aktuelle Konflikte und Hoffnungen geeignet", schreibt Heine. Wie diese Dialektik funktioniert, erklärt er leider nicht. Dafür aber weist er auf die Attraktivität der starken Frauenfiguren in den antiken Stücken für heutige TheaermacherInnen hin, starke Frauen, die man bei Goethe etwa nur schwerlich fände. Und am Ende seines Artikels, der noch vieles mehr aufgreift, als hier zitiert, nennt er sogar seine Quellen samt Ladenpreisen.

Literatur

Martin Hose: "Euripides", C.H.Beck, 256 Seiten, 24,90 Euro.
Hubert Ortkemper: "Medea in Athen", Insel Taschenbuch, 341 Seiten, 10 Euro.
Bernd Seidensticker: "Das antike Theater", Beck Wissen, 127 Seiten, 8,95 Euro.

(jnm)

 
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