Was hast du aufgegeben, Mutter?

von Matthias Weigel

Berlin, 10. April 2014. Nur die allein daheim wartenden Mütter seien nicht gerade begeistert, hieß es vor vier Jahren, dass die Väter nun mit den Töchtern um die Welt reisten. 2010 hatte das Performance-Kollektiv She She Pop mit Testament seinen bis dato größten Erfolg gefeiert: Ein an Shakespeares "King Lear" angelehnter Abend, an dem die Performer ihren alternden Vätern gegenüber traten. Einladungen zum Berliner Theatertreffen und zu Festivals in der ganzen Welt folgten. Nun also der späte Ausgleich: "Frühlingsopfer", nach Igor Strawinsky, zusammen mit den Müttern, wiederum am Berliner HAU herausgebracht. Auch wenn es kein wirkliches Gegenstück ist.

Mit Strawinskys "Le Sacre du Printemps" zur Kindererziehung

Denn zunächst ist Strawinskys Werk von 1913 natürlich weniger ein inhaltliches Drama als vielmehr ein musikalisch komplexes Ballett, das ein heidnisches Opferritual vertont. Während anhand von "King Lear" mehrschichtige Generationenfragen gestellt wurden, läuft das "Frühlingsopfer" auf eine einzige Frage hinaus: Welche Opfer haben die Mütter im Laufe ihres Lebens gebracht? Dazu kommt, dass die Mütter vor allem in Form von vorproduzierten Videobildern anwesend sind – die Väter müssten bei einer Mütter-Tournee also nicht gezwungenermaßen allein zuhause zurückbleiben.

fruehlingsopfer 0644 560 dorothea tuch uTagesdecken-Schleiertänzerinnen: Johanna Freiburg, Ilia Papatheodorou und Sebastian Bark von She She Pop mit ihren Müttern im Video © Dorothea Tuch

Was rückblickend "Testament" so herzzerreißend machte, war nicht nur die bildhafte Auseinandersetzung mit dem Altwerden der eigenen Eltern, sondern auch, wie sich Väter und Kinder durch die gemeinsame Theaterproduktion offensichtlich neu kennengelernt hatten. Und hier zeigt "Frühlingsopfer" als Folgeabend seinen hochinteressanten Unterschied: "Eine der Mütter kann man dauernd kritisieren, weil sie Kritik sowieso als Lob auffasst." – "Einer von uns zeigt seiner Mutter gegenüber neutrale Indifferenz." – "Eine der Mütter beschwert sich, dass ihr ihre Tochter dauernd aus dem Weg geht." Diese Sätze, die die vier Performer Berit Stumpf, Johanna Freiburg, Sebastian Bark und Ilia Papatheodorou an die riesige Vier-Kanal-Videoprojektion der Mütter richten (Video: Benjamin Krieg), klingen nicht nur weniger liebe- und respektvoll, sie sind vor allem viel direkter und distanzloser als der Umgang mit den Vätern. Wer so miteinander spricht, kennt sich – immer noch – sehr gut.

Für Bewegung und die klare Geste

Nach dieser Einleitung setzt mit Strawinskys Musik die Bewegung ein. Tagesdeckenchoreographien, könnte man sagen: Tagesdecken-Schleiertanz, Tagesdecken-Verkleidungen, Tagesdecken-Posen. She She Pop haben sich laut eigener Inszenierungserklärung "für die Bewegung, für die klare Geste" entschieden, und so sind die beiden Teile der vollständig eingespielten Komposition mit teils ironisch-amateurhaften, teils virtuos-multimedialen Choreographien versehen. Am berührendsten sicher der Moment, in dem die Kinder den auf Video gebannten, frei improvisierten Tanz ihrer Mütter auf der Bühne nachzuahmen versuchen.

Die opferthematischen Gesprächsteile hingegen erfassen das Erwartbare. Eine Mutter hat den Beruf geopfert, die andere ihre Kreativität; eine weitere hat die Mutterschaft nur dank des zweiten Kindes ausgehalten, womit sie dann endlich wieder vollbeschäftigt war. Man muss klar sagen, dass "Frühlingsopfer" lange kein so herausragender Abend wie "Testament" ist. Aber eine Wiederholung unter vertauschten Vorzeichen wäre wohl so oder so nicht möglich gewesen, deshalb auch gut, dass She She Pop es gar nicht erst versuchen.

fruehlingsopfer 8070 560 dorothea tuch uDie Aufopfernden: Johanna Freiburg, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf von She She Pop performen vor der Videowand © Dorothea Tuch

Was der Umgang der Performer mit ihren Müttern bestens zeigt, ist, wie das klassische Rollenmuster der Eltern auf die Beziehungen abfärbte: Während die Väter wie Rückkehrer nach längerer Arbeitsabsenz extrem liebevoll umhegt werden, erwecken die Mütter auch immer noch Auflehnung, ja teilweise Aggression in den Performern. Doch ansonsten bleiben die angedeuteten Konstellationen eher privat und erreichen auch nicht die verblüffende, sogartige Allgemeingültigkeit von "Testament".

"Frühlingsopfer" zieht als logische Fortsetzung des She-She-Pop-Familienalbums seine Kraft somit vor allem aus dem Zusammenhang, in dem die Produktion entstand: Diese Mütter als damals für die Erziehung Hauptverantwortliche haben ihr größtes Opfer vielleicht darin gebracht, dass ihre Kinderbeziehung immer viel pragmatischer ist und sein wird, als das großvaterhafte Miteinander der Kinder mit den Vätern. So können wir nur hoffen, dass eines Tages She She Pops Kinder mit ihren Eltern auf der Bühne stehen. Dann werden wir sehen, was sich inzwischen verändert hat.


Frühlingsopfer (UA)
von und mit She She Pop und ihren Müttern
Konzept: She She Pop, Video: Benjamin Krieg, Bühne: Sandra Fox, Kostüm: Lea Søvsø.
Von und mit: Cornelia und Sebastian Bark, Heike und Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Irene und Ilia Papatheodorou, Heidi und Berit Stumpf, Nina Tecklenburg.
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

www.hebbel-am-ufer.de

 

Kritikenrundschau

Für Sandra Luzina, Tanzkritikerin beim Berliner Tagesspiegel (12.4.2014), hat der Abend "etwas von Gruppentherapie": "wie sooft bei She She Pop". Dass die Weiblichkeitsbilder hier "vorrangig unter dem Aspekt der Opferrolle untersucht werden", erinnert sie fatal an die Anfänge des Feminismus. Immerhin zwei der Mütter folgten der Lesart und erklären, "dass sie ihren Beruf und ihre Kreativität zum Opfer gebracht haben". Und die drei Töchter stellten gleich klar, "dass sie zu der Generation von Frauen gehören , die nicht mehr bereit ist, Opfer zu bringen. Sehr weit führt dieser eingeschlagene Pfad nicht."

Für Elisabeth Nehring vom Deutschlandfunk (11.4.2014) ist "Frühlinsopfer" ein lakonisches Ritual, "das mit dem Element des Weihevollen gekonnt spielt und außerdem ein humorvoller, berührender und kluger Abend, der eine alte Theaterregel bestätigt: Dass die persönlichsten und verletzlichsten menschlichen Verhältnisse – wozu die Beziehung zur Mutter ganz sicher auch gehört – am besten in hochstilisierter Form verhandelt werden."

Von einem "großen Abend" spricht Christine Wahl auf Spiegel-online (11.4.2014). Nach Testament vor vier Jahren schaffe She She Pop tatsächlich ein kleines "Neuauflagenwunder" und finde "erneut eine ganz eigene, bestechende Form für ihre Familienaufstellung". Die Mütter seien nicht live, sondern lediglich als überlebensgroße Videoprojektionen anwesend, mit denen die erwachsenen Kinder im Laufe des Abends variantenreich in Kontakt treten würden. "Dieses Setting ist nicht nur ein sprechendes Bild für die selbst in ihrer Abwesenheit übermächtig präsenten Mütter, sondern bietet natürlich auch jede Menge symbolträchtiges Spielmaterial: Dank technischer Finessen können die Live-Performerinnen und ihre Video-Mütter einander überblenden, ineinander verschwinden, sich wieder auseinander dividieren und erneut distanzloser ineinander geraten, als ihnen möglicherweise lieb ist."

Mit dem "theaterfeindlichen Gefühl", der "Abspulung eines durchchoreografierten Fertigprodukts beizuwohnen" hatte Ulrich Seidler von der Berliner Zeitung (12.4.2014) zu kämpfen. Denn die "vermutlich aus reisepraktischen Erwägungen geborene, dann symbolisch aufgeladene Grundidee der Inszenierung" treibt einen Keil zwischen ihn und den Abend: Weil es bei der Vorgänger-Produktion "Testament" seiner Einschätzung zufolge "sicher nicht immer zumutbar war, die vielen 'Testament'-Tourneetermine mit den Vätern im Gepäck zu bestreiten, kommen die Mütter nämlich gar nicht selbst vor, sondern erscheinen lediglich als vorproduzierte Videozuspielungen auf einer viergeteilten Leinwand."

Die Auseinandersetzung mit den Müttern ist aus Sicht von Katrin Bettina Müller von der taz (12.4.2014) weniger privat geworden als das Väter-Stück "Testament" und wirkt auf sie auch "in der Reflexion der Beziehungen ausgereifter". Zunächst aber sei die Performance "ein gelungenes Spiel mit Bildern und Spiegelungen, mit Identifikationen und Zurückweisungen, mit Besetzungen, Projektionen und Distanzierungen".

"Der misslungene Versuch, mithilfe von Strawinsky dem Familienaufstellungstheater einen großen Resonanzraum zu verschaffen, verweist auf die Grenzen dieses familiären Generationenprojekts", so Peter Laudenbach in der Süddeutschen Zeitung (14.4.2014). Dennoch überzeuge der Abend: "Die Theaterprobe wird gezielt zur Fortsetzung der lebenslänglichen Mutter-Kind-Auseinandersetzungen mit anderen Mitteln. Das lebt davon, dass die drei Töchter und der eine Sohn mit ihren Müttern so neugierig wie vorsichtig umgehen – und sie viel zu ernst nehmen, um Differenzen zu kaschieren."

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Kommentare

Kommentare  
#1 Frühlingsopfer, Berlin: West-ProvinzialitätIM Lustig 2014-04-11 12:25
Wann, ja wann, ja wann endlich ist es so weit, wann endlich wird die Heilige Familie kein Gegenstand mehr sein? Und übrigens bekommen Ostedeutsche Mütter keine Kinderrente. Die siend gewöhnlich zur Arbeit gegangen und sassen nicht 3 Jahre zu Hause rum, damit sie irgendwann von der Frau Nahles noch ne Belohnung dafür kriegen. Im gegenteil, unsere Mütter finanzieren eure Mütter jetzt noch im Alter mit, füttern sie quasi durch. Und jetzt gehen die Mütter von SheShePop nicht mal auf die Bühne? das ist Arbeitsverweigerung!
Ich will mal Theater mit ostedeutschen Familienschicksalen auf der Bühne sehen, und zwar nicht immer im Stasi-Neonazi-Schema!
Echt, der Westen kotzt mich sowas von an in seiner Provinzialität!
#2 Frühlingsopfer, Berlin: Retter der ostdeutschen Mütter? 2014-04-11 16:05
Jetzt weiß ich es endlich, wer hinter IM Lustig steckt! der Retter der ostdeutschen Mütter, die alle die seinen (unsere! Mütter) sind! Noch nie davon gehört, dass die Sieger (alle) in der Geschichte immer zuerst die Geschichte der Verlierer abschaffen? Taschentuchbox bereitstellen, Heiner Müller lesen, Mutti zum Muttertag gratulieren, is ja bald-
#3 Frühlingsopfer, Berlin: eine soziale FrageInga 2014-04-11 16:46
@ IM Lustig: "Den Westen" gibt es nicht. Und meines Erachtens kommen auch gar nicht alle Mütter bzw. Mitglieder von She She Pop aus dem Westen. Was mich hier eher stört, ist, dass es hier offenbar darum gehen soll, dass die Mütter "Opfer gebracht" haben. Wer sich frei für ein Kind entscheidet, wird sich klar gemacht haben, dass sie/er dann auch dafür verantwortlich ist. Auch, was das Geldverdienen angeht. Der Begriff "Opfer" passt da also nicht. Was hier also eher ins Auge springt, ist vielmehr die Frage des Sozialen. So manch eine Mutter - im Westen wie im Osten - hat gar keine Wahl und MUSS arbeiten gehen. Den Beruf aufgeben, das kommt wohl nur für die klassisch-traditionelle, bürgerliche Hausfrauenehe in Betracht. Ohne das abzuwerten, aber so sieht's aus.
#4 Frühlingsopfer, Berlin: MuttertagIM Lustig 2014-04-11 17:04
Zum muttertag wird nicht gratuliert, weil den hat der hitler eingefuehrt. Zumindest ist das im osten pc.
#5 Frühlingsopfer, Berlin: gar nicht erst zu redenStefan 2014-04-11 17:55
Ist ja richtig lustig (IM-lustig sozusagen), dass das plötzlich wieder so eine Ost-West-Debatte wird. Hatte gestern aber tatsächlich ein ähnliches Gefühl. Wie würde der Abend aussehen, wenn das mit rein DDR-sozialisierten Familiengeschichten erzählt würde? Das könnte man übrigens auch ganz ohne Stasi/Nazi-Brille machen. Nur kommen die Schwestern und der eine Bruder von She She Pop eben aus den alten Bundesländern. Dementsprechend sieht das dann auch aus. Sicher könnte man auch für die neuen Bundesländer so eine Art Opferschublade aufziehen. Nur sehe der Inhalt vermutlich ganz anders aus. Ein Problem habe ich überhaupt mit dem Begriff Opfer. Warum so archaisch? Damit es zu Strawinsky passt? Warum im Zusammenhang mit Müttern? Väter müssen demnach also keine Opfer bringen, und Frauen sind auf das Opfern abonniert? So sieht man das im Westen. Was nicht heißen soll, dass es das so nicht auch im Osten gab. In gutbürgerlichen Familien gab es das sicher auch genauso. So enttäuschend wie der Abend letztendlich war, so dünne ist auch die Kritik von Matthias Weigel. Wundere mich überhaupt, dass man einen jungen Mann zu so einem Abend schickt. Die Dimensionen, die so ein Mütter-Töchter/Söhne-Abend haben könnte, sind nur in Ansätzen angedeutet. 80 Minuten sind wohl auch nicht wirklich ausreichend. Die Geschichte der Mütter scheint interessant, rein aus den angerissenen Biografien heraus. Aber weder das, noch die vielen Fragen, Feststellungen und Thesen die der Abend aufwirft werden an irgendeiner Stelle mal diskutiert. Das was man den Vätern zugesteht, und da ist man sicher nicht nur fürsorglich mit den älteren Herren umgegangen, das traut man anscheinend den Müttern nicht zu. Man hat den Vätern auch wesentlich mehr Raum gegeben und sie waren dadurch sicher auch präsenter, als es die Mütter in übergroßen Videoprojektionen (die in der Kritik nicht mal annähernd gedeutet werden, Thema Überbelendungen) nun sind. Der Abend macht die Frauen hinter den Müttern klein, und das ist das Schlimme daran. Distanz und Nähe zu seiner Mutter zu empfinden, scheint tatsächlich ein großes Frauenproblem zu sein. Aber auch hier erfährt man nicht viel. Die Mütter bleiben Projektionen. Nur für was? Eine Analyse bleibt aus, vom Feminismus will ich gar nicht erst sprechen. Sträflich vernachlässigt das Thema. Ich hatte dann irgendwann das Gefühl, der Abend könnte auch wunderbar ohne Worte funktionieren. Nur dafür bräuchte er dann wirklich professionelle Tänzer und eine entsprechende Choreografie. Bitte bleibt bei eurer Kernkompetenz, dem diskursiven Theater.
#6 Frühlingsopfer, Berlin: in Achtung voreinander? 2014-04-11 19:41
@ eben, der hat auch gedacht/empfunden: alle mütter in mein reich sind mir - die kriegen das schon hin, die mütter, und zwar die realen wie die potentiellen gleichermaßen, wenn sie als frauen in gleicher achtung voreinander so menschlich denken können. dann können sie auch entsprechend handeln. und die ritter können sich dann auch getrost um ihre eigenrettung kümmern... ohne angst haben zu müssen, dass keine(r) sie liebhat, wenn sie nich gerade armiert sind...
#7 Frühlingsopfer, Berlin: Kolosseum der KunstThomas Ransmeier 2014-04-11 21:38
Man muss lernen, den modernen Menschen als das zu lieben, was er heute ist: ein mit seinesgleichen im dauernden Wettstreit stehendes Wesen. Ost, West, Nord oder Süd - es gibt keine Gräben. Was uns eint, ist der Wunsch nach Durchsetzung und das Streben nach Erfolg. Das Theater könnte soviel mehr sein als nur ein Spiegel der Gesellschaft: es kann ein Ort werden, an dem der kulturelle Wettkampf des Menschen in allen Facetten ausgetragen wird. Peymann hat zuletzt mit der Einladung Sarrazins ans BE einen fantastischen Vorstoß in diese Richtung unternommen - und er wurde dafür niedergeschrien. Alle Visionäre müssen sich beweisen am anfänglichen Scheitern. Doch nicht für lange: alle Zeichen stehen auf Sturm: Das Theater als Kolosseum der Kunst.

thomasransmeier.wordpress.com/2014/04/11/alle-zeichen-stehen-auf-sturm/
#8 Frühlingsopfer, Berlin: bis in die Biologie hinein? 2014-04-11 21:59
@Stefan – na, ob das lustig ist mit dem O/W-Problem weiß ich nicht, aber es kann garantiert noch einmal sehr aufregend werden, wenn es endlich durchsickert in die deutschen Hirne, dass eins virulent ist. Ganz ohne Mauer. Weil eben Gedächtnis da ist. Fest steht für mich auch, dass SheShe… es so wie sie arbeiten und wie sie zusammengesetzt sind, nicht darstellen werden können.
Ich weiß echt nicht, ob Frauen generell ein Nähe/Distanz-Problem mit Müttern haben. Sie könnten ein Autoritätsproblem mit starken Müttern haben z.B. Das wäre eher möglich… Da Frauen ebenso wie alle Menschen Mütter haben und – gleich ob sie Mütter sind oder nicht – Frauen nun einmal Frauen sind, erfahren sie über sich als Menschen bis in die Biologie hinein von Kindheit an bis in die Adoleszenz hinein nun einmal am meisten von Frauen und am meisten von denen, die ihnen am intimsten nahestehen, das sind also in den allermeisten Fällen die Mütter. Da ist es also banal und normal, wenn Frauen von Müttern reden oder sie zum Gegenstand der Betrachtung machen. Theater sollte vielleicht nicht banal sein…
Es ist nach meiner Erfahrung durchaus weiter verbreitet, dass Männer ein Nähe/Distanz-Problem mit Müttern haben, weil sie eigentlich über sich als Männer bis in die Biologie hinein natürlich am meisten von Männern lernen müssten und in den traditionell-sozialen Familienstrukturen aber die Mütter die intimste Nähe ebenfalls zu den Söhnen haben und Väter diese Nähe oft erst dann finden oder sich getrauen herzustellen, wenn der Zeitpunkt der Adoleszenz bei den Kindern nahe oder bereits überschritten ist. Das muss entwicklungspsychologisch nicht einmal falsch sein oder zu neurotischen Verwerfungen führen! Es stattet die Männer mit einer Frauen-Aufgabe aus, die sie lösen müssen, nehme ich an und fände man bestimmt heraus studierte man dazu, das stellte ich mir ziemlich langweilig vor-
Das heißt summa: das Nähe/Distanz-Problempotential Mütter/Söhne ist wahrscheinlich soziologisch betrachtet größer ist als das Problempotential Mütter/Töchter. Oder es ist in den sozialen Bedeutungs-Ebenen eher verschoben, das sprengt aber hier natürlich den Rahmen, ist ja klar – trotzdem wär es gut, wenn auf Theater bezogen, hier allgemein in Regie besser und tiefgründiger, genauer gedacht würde, das hätte ein genaueres Agieren im Schauspiel und ein nicht dem Geschlecht, sondern dem Menschen als solchem gerecht werdendes Theater zur Folge… Guten Abend.
#9 Frühlingsopfer, Berlin: so schaut sie herausInga 2014-04-11 22:56
@ Thomas Ransmeier: Wie bitte? "Was uns eint, ist der Wunsch nach Durchsetzung und das Streben nach Erfolg." Wie kommen Sie darauf? Wie passt das zum Thema "Frühlingsopfer"? Und Kolosseum heisst für Sie dann also gleich "Brot und Spiele" (für die Begüterten)? Was ist das für ein Menschenbild? So, wie Sie in die Welt hineinschauen, so schaut sie heraus. Passt bzw. wie passt das z.B. zu Rio Reiser? Zitat:

"Wir haben einen Feind.
Er nimmt uns den Tag,
er lebt von unserer Arbeit,
und er lebt von unserer Kraft.
Er hat zwei Augen,
und er will nicht sehen.
Und er hat zwei Ohren
und will nicht verstehen.

Er ist über zehntausend Jahre alt
und hat viele Namen.
Er ist über zehntausend Jahre alt
und hat viele Namen.

Ich weiß, wir werden kämpfen,
ich weiß, wir werden siegen,
ich weiß, wir werden leben,
und wir werden uns lieben.
Der Planet Erde
wird uns allen gehören,
und jeder wird haben, was er braucht.

Es wird keine zehntausend Jahre mehr dauern,
denn die Zeit ist reif.
Und es wird keine zehntausend Jahre mehr dauern,
denn die Zeit ist reif."

Müssen wir einander im Kapitalismus wirklich zwangsweise als Feinde betrachten? Rio Reiser ging es letztlich doch auch um die Liebe zwischen den Menschen. Halleluja.
#10 Frühlingsopfer, Berlin: BitteIM Lustig 2014-04-11 23:02
@7:: Alter Rabauke! Ab zurueck in die Krabbelkiste!
#11 Frühlingsopfer, Berlin: der erstekirillov 2014-04-11 23:16
ich bin auf den link von herrn ransmeier gegangen, unter dem text stand: "sei der erste, dem dies gefällt".
#12 Frühlingsopfer, Berlin: weniger VerkrampftheutIM Lustig 2014-04-12 01:04
@2: Ja! Korrekt! Denn ich denke die Emanzipation der Frauen und Maenner heute kann von den gesellschaftlichen Bedingungen und Moeglichkeiten der DDR etwas, sicher nicht alles, aber etwas mitnehmen fuer eine gemeinsame Zukunft, und wenns bloss etwas weniger Verkrampftheut ist im Umgang miteinander!
@3: Doch, "den Westen" gibt es. Du brauchst nur das neue Gestz ueber die Muetterrente anzuschauen. Genau die Muetter sollen es kriegen, die Kinder vor 1992 bekommen haben und nicht gearbeitet haben! Das veranschauliche dir mal auf geographisch und teile mir dann mit, wo die schraffierten Flaechen fuer die Profiteure sind? Ganz ehrlich Inga, ich bin so muede von dieser strukturellen Ausgrenzung, ja ich moechte schon fast von struktureller Diskriminierung sprechen.
#13 Frühlingsopfer, Berlin: Kinderbetreuung in der DDRInga 2014-04-12 01:23
@ IM Lustig: Warum duzen Sie mich? Stasi oder was. Oder gar Alternative für Deutschland? Ich hoffe nicht. Ich verstehe Ihre Argumente, aber vielleicht sollten auch Sie versuchen, von der Sache her und nicht über konstruierte Feindbilder zu denken. Ich veranschauliche mir das nämlich auch strukturell. In der DDR gab es ein gegenüber der BRD bestens ausgebautes Kinderbetreuungssystem (wenn auch damals oft teilweise eher pflegerisch als pädagogisch orientiert), und das auch für Krippenkinder, also unter Dreijährige. Das ermöglichte es, dass fast alle Frauen relativ schnell wieder arbeiten gingen, ohne lange Kinderbetreuungsauszeiten.
#14 Frühlingsopfer, Berlin: zuhörenIM Lustig 2014-04-12 01:43
@inga: sag ich ja. Hoer einfach zu und fall nicht gleich aus allen wolken! Juten nacht, wuenscht stasi oberst lustig!
#15 Frühlingsopfer, Berlin: schwächt alle? 2014-04-12 14:03
13 - ja, Inga, ganz IKEA Stasi -ach was, ganz Schweden, die duzen auch immer alle. - Ich mag das Rumgeduze aber auch nicht außerhalb von Arbeits-Du
12 - 1. man konnte in der DDR auch diskiminiert werden, wenn man vor 1992 Kinder hatte und nicht arbeiten gegangen ist.
2. beim heutigen Zustand der weltweiten Wirtschaftsverhältnisse und der digitalisierten Technik kann Arbeit nicht mehr über Angestelltenverhältnisse definiert werden, das schwächt ALLE rückwirkend greifenden Gesetze, egal wie sie aussehen im Detail-
#16 Frühlingsopfer, Berlin: neokonservativer BacklashInga 2014-04-12 19:42
Tschuldigung, aber ich hab jetzt echt nochmal eine wütend-zwingende Frage. Warum bloß, warum wird jetzt gerade bei She She Pop eigentlich die klassische Rollenaufteilung reproduziert? "Testament" handelte von den Vätern (Geldverdiener, materieller Versorger und Erbverteiler) und "Frühlingsopfer" von den Müttern (emotionale Versorgerin, Hausfrau und oft ohne Berufstätigkeit). Man könnte jetzt einwenden, es sei eine Generationenfrage, aber haben nicht schon die (West-)68er propagiert, dass beide Elternteile beides können? Auch in den damaligen Kinderläden arbeiteten übrigens genauso Männer wie Frauen. Befinden wir uns also im totalen, neokonservativen Backlash?
#17 Frühlingsopfer, Berlin: Neokonservativer BacklashIM Lustig 2014-04-13 00:09
@16: die sheshepop-performance und artverwandte performances sind der neokonservative backlash! Das ist das problem! Solange die theater im privaten fischen, wird das die verkrampftheit eher befoerdern, als entspannen, das ist meine angstvolle prognose, die ich wage.
@15: das ist nicht das thema. Ich spreche von einem gesetz das ostdeutsche muetter bestraft, unabsichtlich, weil von frau nahles gar nicht auf dem schirm!
#18 Frühlingsopfer, Berlin: alles ist politischMister gaga 2014-04-13 04:15
Wieso soll die Recherche im Privaten konservativ sein. Kann ich nicht verstehen. Alles ist politisch. Empfehle Andy Warhols Blow Up - eine Auseinandersetzung mit dem Vietnamkrieg im Bett, zwischen Mann und Frau. Nackt, sehr privat!
#19 Frühlingsopfer, Berlin: Kleinbürgerlicher ProvinzmiefIM Lustig 2014-04-13 12:05
@18: bei aw gehts um vietnam und krieg, klar. Und bei sheshepop, um was gehts da? Geht das ueber irgendwas hinaus, was nicht irgendwie kleinbuergerlichen westdeutschen provinzmief zum schnief bringt. Die berliner theater sind doch voller kleinbuerger, die kunst mit selbstverwirklichung verwechseln. Oh gott, jetzt ist meine gute laune schon wieder weg!
#20 Frühlingsopfer, Berlin: Vom Privaten ins PolitischeMister gaga 2014-04-13 13:56
Der Witz an dem Film ist, dass man vom sehr Privaten ins Politische kommt. Ich glaube nicht, dass per se die Auswahl eines politischen Themas unweigerlich mehr Sinn herbei führt als zum Beispiel das Gespräch über die Beziehung zur Mutter, wie es She She Pop getan haben.
#21 Frühlingsopfer, Berlin: Das Politische bei She She Pop?IM Lustig 2014-04-13 14:44
@20: na was ist denn nun das von IHNEN so beherzt qualifizierte "politische" bei ssp? Ich seh nicht, was SIE meinen, entschuldigung.
#22 Frühlingsopfer, Berlin: Wo das Politische landet? 2014-04-13 15:30
@19 u 21 - na, das Politische bei ssp ist offenbar bei Ihnen gelandet - das is doch gut!, Sie werden ja langsam weniger witzisch und dafür klarer, ich mag Ihre posts, wenn Sie schlecht gelaunt posten, irgendwie mehr...
#23 Frühlingsopfer, Berlin: Reichlich eindrucksvollSascha Krieger 2014-04-16 20:37
Es ist, wie so oft bei She She Pop, ein sehr persönlicher Abend geworden, der jedoch die Grenzen des Individuellen immer wieder überschreitet. Im visuellen, musikalischen und rhythmischen Spiel aus Nähe und Distanz, Abwesenheit und Präsenz, Einheit und Verschiedenheit, Kontrolle und Toleranz eröffnen sich vielfältige Assoziationen, die in ihrer Universalität nie beliebig wirken und trotz ihrer Allgemeingültigkeit die Einzigartigkeit jeder Mutter-Kind-Beziehung betonen. Es ist ein typischer She-She-Pop-Abend, wie es ein sehr ungewöhnlicher geworden ist: Denn er zieht seine Stärke nicht aus der Sprache, sondern aus der Körperlichkeit und ihrer kommunikativen Kraft, aus der bildlichen Vergegenwärtigung dessen, was nicht ohne Klischee, Pathos und Peinlichkeit gesagt werden könnte, aus der Unmittelbarkeit der nicht rhetorisch vermittelten Ansprache. Und es ist ein Abend, der sehr anders ist als Testament – nicht, damit er sich spürbar von der früheren Arbeit abgrenzt, sondern weil die Beziehung zum Vater und jene zur Mutter trotz aller Rollenaufweichungen und -verschiebungen zumindest in der Generation der She-She-Pop-Mitglieder fundamentale Unterschiede aufweisen. Ein reichlich eindrucksvoller Theaterabend ist es allemal geworden.

Komplette Kritik: stagescreen.wordpress.com/2014/04/16/bild-und-prasenz/
#24 Frühlingsopfer, Berlin: Was Video alles kannInga 2014-04-16 21:30
Tja. Was man mit Video so alles anstellen kann, wenn es nicht nur um das Thema "Livestreaming" geht.
#25 Frühlingsopfer, Berlin: das staubtkerl, westdt., 50+ 2014-04-18 17:45
(...) ist dieser abend regressiv und möchte man mit diesen leuten (den performerInnen) alt werden, wie mit einem zeitungscomic, der jeden tag eine neue episode liefert? sagt er etwas neues über die beziehung zu unseren müttern aus und was mache ich mit dem begriff des 'opfers' , wenn er lediglich altbacken wie eine vergessene flasche verpoorten im regal des vergangenen? westdeutschen bürgertums herumsteht? das begriffspaar opfer und selbstverwirklichung, oder eben opfer als selbstverwirklichung bzw. umgekehrt, könnte das diskursmächtig werden, ist es das hier geworden? ich kam mir wie in einer zeitreise in einen westdt. partykeller vor, wo zufällig strawinskys frühlingsopfer auf dem plattenteller liegt und die töchter dazu tapfer komisch herumhopsen, immer nur davon unterbrochen, das die mutter einen neuen teller mit schnittchen vor die tür stellt. und dann, nach diversen fiesen zeitgemässen alkoholischen getränken, die hand eines jungen (eines mädchen) unter die bluse, in den hosenanzug wandert? eine neue elterngeneration im werden, ohne das die alte an wirkungsmächtigkeit verloren hätte und westdt. hört nimmer auf? wenn man die she she poper einzeln in einer kneipe träfe, oder ihre mütter, wäre ein solcher abend vermutlicher unterhaltsamer, biografisch interessanter und nach vorne weisend. was war dieser theaterabend? eine umkehr von 'machtverhältnissen?', weil jetzt die töchter regie führen und versuchen die herrschaft über den diskurs von mutter und tochter zu übernehmen? auch wenn sie in den 'klamotten ihrer kindheit'?, schrecklichen hosen und herumgehopse sich scheinbar klein und selbst zum opfer stilisiert vermarkten, doch herrinnen des geschehens sind, weil sie die theatermittel haben und damit bestimmen, was auf den tisch kommt. "solange ich die videokamera bediene, entscheide ich, was von dem familientisch nach aussen kommuniziert wird (solange du die beine unter meinen tisch streckst …). denn sie stellen die fragen, wählen aus, ordnen sich den grossen videobildern unter etc. bleiben also im diskurs oben. aber ausser dieser pubertären verklärung von sozialen rachephantasien, gibt es einen mehrwert? gab es im selber nachdenken des gross werdens, sich von zu hause abkoppeln, eigene kinder gross ziehen einen gedanken, der sich in eine neue soziale körperlichkeit verselbstständigt hat und uns 2014 etwas mitteilt, was mit uns heute zu tun hat? nicht? ist das die botschaft des abends, in unhinterfragten begrifflichkeiten herumzuhopsen? puh, das staubt derart, das man gruppenarbeiten, die diffusion von schwarmintelligenz zu schwammintelligenz immer mehr fürchtet und sich wünscht, regisseure und dramaturgen würden den partykeller abschliessen, recherchiertes souverän ordnen und ästhetisch in eine abendhöhe bringen, die das denken nicht verkleistert, egal zu welchen schlüssen sie kommen. es bleibt zu wünschen, das die kinder der she she poper, wenn es soweit ist, einfach nicht auf der bühne erscheinen. manchmal ist diskretion weiser als jeder abendspielplan es sein kann.
#26 Frühlingsopfer, Berlin: Differenz zuhüpfen. 2014-04-20 21:00
@ 25: Ihr Begriffs-Angebot über dieses wahrgenommene Theater als einer Art "Diffusion von Schwarmintelligenz zu Schwarmintelligenz" gefällt mir sehr, auch wenn ich noch nicht genau weiß, warum, das Wort-Bild setzt sich so fest, dass es einen – mich jedenfalls – zwingt, darüber nachzudenken.
Einen anderen Begriff hingegen, den Sie in Ihrer Kritik an dem Abend benutzen, finde ich – nicht nur hier – unpassend. Er wird sehr häufig benutzt und es stört mich, dass er versucht komplexe sozial-psychologische Zusammenhänge mit einem zum Klischee versteinerten Wort bis zur Unkenntlichkeit zu komprimieren. Das ist der Begriff der "Selbstverwirklichung". Ich bezweifle, dass es Selbstverwirklichung überhaupt gibt und geben kann. Und zwar, weil das Selbst eigentlich immer schon in sich selbst verwirklicht ist. Es wird lediglich nicht immer vom Selbst und/oder einem anderen Selbst, einem Anderen also, auch so wahrgenommen.
Die Spanne zwischen Nicht-Erkennen von Selbst und Erkennen von Selbst, die sich besonders in den sensiblen Entwicklungsphasen des Menschen (humanontogenetisch definiert vornehmlich Übergangsphasen von einem ins nächste Reifestadium, die mit einem Gefühl des Souveränitätsverlustes einhergehen) ist jene, die ich, auf Theater bezogen, gern als "tragische Differenz" bezeichnen würde. Ohne die Darstellung der tragischen Differenz kommt Theater nicht aus. Es kann sie nicht darstellen, wenn sie sie entweder nicht erkennt oder zwar erkennt, aber als wesentlich ignoriert. Auch vermute ich, dass der Mensch ohne irgendeine Form von Theater, also entfremdeter Darstellung seiner Selbst zwecks Lustgewinn aus Selbst-Erkenntnis, eben nicht auskommt. Wofür die Historie des Theaters empirische Belege liefert, die nicht ignoriert werden können.
Ich vermute weiter, dass der Mensch ohne irgendeine Form von Theater nicht wirklich auskommt, weil die Möglichkeit der theatralischen Selbst-Entfremdung ihm hilft, sein Selbst zu erkennen und ihm dadurch die Möglichkeit eröffnet, bzw. die Möglichkeiten erweitert, sein Selbst aus der Tragik zu befreien und dadurch seine Souveränität, sein in sensiblen Übergangsphasen seiner Entwicklung von der Geburt bis zum Tod geschwächtes oder eingebüßtes Selbst-Bewusstsein nämlich, wiederzuerlangen.
So in etwa aus humanontogenetischer Sicht…
Ein Problem des Diskurstheaters im Moment, für das Ihnen hier sheshepop mit dieser Inszenierung als Beispiel dient, scheint mir zu sein, dass das Diskurstheater die tragische Differenz zuquatschtgamedhüpft usw., weil es die Differenz eigentlich fürchtet. Es wird also eher aus therapeutischem als mit künstlerischem Impetus angestrengt.
Und dies ist nicht nur einen Diskurs über Theater und Kunst überhaupt wert, weil dem Diskurs immer schon das Ausschwärmen des Denkens immanent ist, sondern diese Problematik wäre in einer Diskussion besser aufgehoben, die dem Für und Wider einen Rahmen setzt. Die Diskussion müsste geführt werden m.E. zu der Aussage: Kunst ist immer AUCH Therapie. Aber Kunst ALS Therapie ist, so vermute ich, im philosophischen, also ästhetischen Sinne, keine Kunst.
Insofern scheint mir Ihre Aussage, Sie hätten das Theater an dem Abend als „regressiv“ wahrgenommen sehr gut nachvollziehbar und auf sehr genau funktionierenden Instinkten für Theater basierend. Allerdings spüre ich auch irgendwie eine große Wut darüber in Ihrem Kommentar und die kann – und will – ich natürlich nicht klären, die gehört Ihnen ja. Für Ihre anregenden mitgeteilten Gedanken aber vielen Dank, sie haben mir geholfen meine Gedanken zu Theater etwas besser zu ordnen – MsfG.
#27 Frühlingsopfer, Berlin: alte Fußstapfenhedda g 2014-04-21 14:35
Was mir am HAU wirklich fehlt, ist eine Neuorientierung, zumindest eine dezente Umorientierung. Ich sehe kaum mehr als ein Hineintreten "IN-DIE-FUSSSTAPFEN-DES ALTEN-HAUDEGEN-. Klar, verändern sich die präsenten Gruppen weiter mit - klar - anderen Themen.

Aber das komplette Aussparen von politischen, theaterkritischen und inspirierten Köpfen - Autor_innen wie Regisseur_innen - aus der Berliner Offszene - gibt mir sehr zu denken.
#28 Frühlingsopfer, Berlin: schöner Begriffkerl, westdt., 50+ 2014-04-21 16:06
@ 26 guten tag, ich bedanke mich für den begriff der "tragischen differenz".
schönes rest osterwochenende
#29 Frühlingsopfer, She She Pop: Opfer für's KindK.K. 2015-03-21 22:16
Zur Wiederaufnahme im Frühjahr 2015 am HAU 1:

Auf einer überdimensionalen Videoleinwand werden Interviews mit den Müttern der vier real anwesenden Akteure (drei Frauen und ein Mann) eingespielt. In einer Art Familienaufstellung vergegenwärtigen sich die Mütter ihre Erinnerungen an die ersten Jahre mit ihren Kindern. Vieles ist sehr privat. Während die eine klagt, dass ihre Tochter nie auf ihrem Schoß sitzen wollte, erinnert sich die andere, dass sie ihre Wut nur schwer unterdrücken konnte, da ihre Tochter dauernd ihre Nähe suchte, auch wenn sie gerade arbeiten wollte.

“Arbeit” ist ein zentrales Stichwort dieses Abends: zwei der vier Mütter sagen ganz ausdrücklich, dass sie die Geburt ihrer Kinder als großes Opfer empfanden. Sie mussten ihre Karrieren aufgeben, fühlten sich ans Haus gefesselt und unterfordert. Das Thema, wie sich Familie und Beruf besser vereinbaren können, bestimmt die politische und soziologische Debatte seit langem, die aktuelle Familienministerin hat es sich auf die Fahnen geschrieben.

Auch wenn Frühlingsopfer dieser Diskussion wenig Neues hinzufügt und die Tanzperformance im letzten Drittel zu den Klängen von Igor Strawinskys Sacre du Printemps nicht nur die Kritikerin des Tagesspiegels an einen “Tanz-dich-frei-Workshop” erinnerte: Der unprätentiöse, frische Stil des Abends macht neugierig auf die Vorgänger-Inszenierung "Testament", wo She She Pop gemeinsam mit den Vätern auf der Bühne stand und die nach Ansicht der meisten Feuilletons gelungener war.

e-politik.de/kulturblog/archives/24536-familienaufstellung-nach-strawinsky-auf-grossleinwand-fruehlingsopfer-von-she-she-pop-am-hau.html

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