Unüberbrückbar

Berlin, den 30. Januar 2008. Nur zehn Tage nach der ersten Premiere unter der neuen künstlerischen Leitung von Anna Langhoff (wir haben berichtet) trennt sich die Berliner Tribüne nun wieder von der Dramatikerin und Regisseurin – wegen unüberbrückbarer persönlicher und künstlerischer Differenzen, wie das Theater gestern lapidar mitgeteilt hat.

 

Das mit jährlich € 600 000 subventionierte Privattheater am Charlottenburger Ernst-Reuter-Platz dümpelt seit Jahren vor sich hin. Ein Neuanfang in der Spielzeit 2006/2007 scheiterte künstlerisch und endete mit dem tragischen Tod des Spielleiters Helmut Palitsch im August 2007.

Mit Anna Langhoff und Alexej Schipenko hatte das Theater keine ihm gänzlich Unbekannten beauftragt. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Duo an der Tribüne August Strindbergs "Fräulein Julie" inszeniert. Im Übrigen versteht sich wohl von selbst, dass sich für ein derart abgewirtschaftetes Haus neue Zuschauerschichten nicht in zehn Tagen erschliessen lassen. Der abrupte Rauswurf wirft also Fragen auf.

"Wir konnten die Finanzpolitik des Hauses so nicht mehr akzeptieren", benennt Anna Langhoff im Gespräch mit nachtkritik.de die Hintergründe ihrer Auseinandersetzungen mit der Geschäftsleitung der Tribüne. Der Gesamtzustand des Hauses sei katastrophal, der Spielbetrieb teilweise gefährlich. Dringende Wartungs- und Reparaturarbeiten würden nicht in Auftrag gegeben. Der neue Technischer Leiter habe sich deshalb bislang geweigert, den Vertrag zu unterzeichnen. 

Ein aus Langhoffs Sicht angesichts des Gesamtzustandes und der Unterbezahlung des technischen und künstlerischen Personals unverantwortlich hoher Betrag fliesse in das Gehalt der beiden Geschäftsführer Corinna und Thomas Trempnau. Auch habe sich die Geschäftsleitung zu stark in ihre Spielplangestaltung eingemischt. Sie selbst habe für das Haus Sponsoren wie die Wall AG gewinnen können. Schauspieler wie David Bennent und Dörte Lissewski waren bereit, am Haus zu spielen und auf ihre Gagen zu verzichten

Für Tribüne-Geschäftsführer Thomas Trempnau waren das meist wenig greifbare Versprechen, wie er gegenüber nachtkritik.de betonte. Allerdings räumt er ein Engagement der Wall AG ein, die die nächste Produktion des Theaters, Christoph Klimkes Euthanasie-Stück "Tiergartenstrasse 4" unterstütze. Insgesamt habe sich die Kommunikation mit Langhoff schwierig gestaltet, gebe es beispielsweise bis heute keinen Spielplan für April. Die Vorwürfe überhöhter Gehaltszahlungen für die Geschäftsführung weist er zurück.

(sle)

 
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