Kampf um die Arbeitslosenversicherung 

1. Juli 2014. Der befürchtete Streik beim 68. Festival d'Avignon, das am Freitag beginnt, wird zumindest bei der Eröffnung ausbleiben. Auf der Generalversammlung am Montagabend votierten die beim Festival beschäftigten Mitarbeiter zu 80 Prozent gegen einen Streik am Eröffnungstag, an dem unter anderem Giorgio Berberio Corsettis Inszenierung von Kleists "Prinz Friedrich von Homburg" Premiere haben wird im Ehrenhof des Papstpalastes. Die Mitarbeiter behielten sich jedoch ausdrücklich weitere Protestaktionen vor, das berichtet das Online-Portal von Ouest-France. Es wird damit höchstwahrscheinlich bei weiteren Aufführungen und Gastspielen zu teilweisen oder kompletten Streiks kommen.

Der Protest der "Intermittents du spectacle", freiberufliche Schauspieler, Tänzer, Bühnentechniker, Cutter und so weiter, richtet sich gegen die am 22. März zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverband Medef ausgehandelte Reform der Arbeitslosenversicherung, die vielen drastische Einschnitte bringen wird und am 1. Juli in Kraft treten soll. Gestern hatten noch einmal zehntausend Menschen vor dem französischen Kulturministerium in Paris gegen die Reform demonstriert. Bisher erhielten die freiberuflichen Künstler bereits nach knapp vier Monaten Vollzeitarbeit den Anspruch auf acht-monatiges Arbeitslosengeld. Vielen Festivals profitierten davon, in dem sie nur Kurzzeitverträge vergaben, die Künstler wiederum konnten die Zeit zwischen den Projekten überbrücken.

Die Reform wurde angegangen, weil der französischen Sozialkasse Milliardenbeträge fehlen. Als nun viele Festivals wegen der Proteste auszufallen drohten, verkündetet der Premierminister Manuel Valls im Juni zwar, dass der Staat bis Jahresende eventuelle Ausfälle ersetzen würde, berief eine Kommission, um ein gerechteres System zu schaffen, und versprach, bis 2017 keine weiteren Einschnitte bei den darstellenden Künsten vorzunehmen. Die "Intermittents" überzeugte das nicht. Sie vermuten, dass Valls vor allem die Festivalsaison retten wolle, egal, was danach komme, berichtete die Welt (20.6.2014).

In Montpellier waren die Eröffnung und die Folgeveranstaltungen ausgefallen. Auch das Montpellierer Theaterfestival "Le Printemps des Comédiens" wurde bestreikt, Intendant und Regisseur Rodrigo Garcia kritisierte erst die Aktionen und sagte dann seine eigenen Aufführungen aus Solidarität ab, erntete aber im streikfreudigen Frankreich für sein Verhalten viel Kritik. Zuletzt fand im Sommer 2003 eine große Streikwelle der Intermittents statt, die neben Avignon fünfzig weitere französische Festivals betraf, die teils komplett ausfielen.

(ouest-france.fr / rtl.fr / welt.de / sik)

 

 
Kommentar schreiben