Ein Stück Kabarett

Dessau, 25. Juli 2014. In diesen Tagen wurde bekannt, dass die Intendanz in Dessau-Roßlau neu ausgeschrieben ist. Der Vertrag des jetzigen Intendanten André Bücker, der sich erfolgreich gegen die Kürzungen gestemmt hatte, wird damit nicht verlängert. Er könnte sich jedoch neu bewerben. Im Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung spricht Bücker über die Situation.

"Ich fand das einfach unanständig. Man kann doch nicht einfach von jetzt auf gleich so viel Geld aus so einem Betrieb ziehen, von dem man weiß, dass er schon strukturelle Probleme hat", beschreibt Bücker im Interview mit Kai Gauselmann in der Mitteldeutschen Zeitung (25.7.2014) seine erste Reaktion auf die im vergangenen Jahr angekündigten Sparmaßnahmen, die dann zu Protesten am Theater führten. "Liebsein ist nicht die Aufgabe als Theater. Es gibt die Ansicht, dass wir unpolitische Amüsierbuden zu sein haben. Das sind wir nicht, wir mischen uns auch ein. Wir haben nicht nur protestiert. Wir haben auf allen Ebenen Gespräche geführt, auch mehrfach mit dem Minister. Es führte aber kein argumentativer Weg rein."

Man wollte Öffentlichkeit herstellen. Das ist ja normal, wenn man bei den Verantwortlichen nicht gehört wird. Dafür habe man kreative Mittel bemüht, wie es zu ihnen gepasst hätte. Auf größtmögliche Provokation habe man es aber nie angelegt. "Wir wollten nur die Diskussion in Gang halten."

Dass in seiner Inszenierung der Beggar's Opera der Kultus-Staatssekretär Jan Hofmann (SPD) als lächerliche Figur "Mr. Hopeman" auftauchte und es die Zeile gab: "Haseloff und Bullerjahn – kleiner Geist und Größenwahn" – da könne man als Betroffener beleidigt sein, wendet der Interviewer ein. Bücker glaubt, dass man das nur als Beleidigung verstehe, "wenn man das Stück nicht gesehen hat. Hopeman ist keine lächerliche Figur. Er ist in dem Stück der Träger der Ideen der Landesregierung – mit ganz viel Originalzitaten von Politikern. Wir haben nicht mit der Keule auf die Politik gedroschen." Und eine Zeile mit dem Vorwurf des Kleingeist sei eine Szene, in der Hopeman seine Argumente sagt. "Das ist poetische Verdichtung und ein Stück Kabarett, das arbeitet mit den Mitteln der Zuspitzung und Persiflage. Sich satirisch kritisieren zu lassen – das gehört zum Tagesgeschäft eines Politikers. Nehmen Sie mal das Derbleckn in Bayern – was sich da Horst Seehofer anhören muss, während er dabeisitzt! Möglicherweise haben unsere Protagonisten nicht soviel Humor und Kritikfähigkeit."

Der Widerstand habe sich jedoch gelohnt."Wir haben etwas erreicht – und wir haben unsere Selbstachtung erhalten." Auf die Frage, was er jetzt mache – um seinen Posten kämpfen, um Gnade betteln? –, sagt Bücker: "Ich bin entspannt. Ich weiß, was ich kann. Die Entscheidung hat nichts mit meiner Eignung zu tun. Wenn man mich nicht mehr will, will man mich eben nicht mehr. Betteln wäre würdelos, das kommt nicht in Frage."

Respekt habe er trotz allem vor Finanzminister Jens Bullerjahn: "In seinem Job kriegt man so oder so nur Prügel, man kann es keinem Recht machen. Das auszuhalten und unbeirrt sein Ding durchzuziehen – Respekt! Er ist der einzige, bei dem ich so etwas wie eine Vision erkennen kann: Schuldenfreiheit."

(sik)

 
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