"Das Publikum liebt uns"

26. Juli 2014. Die Süddeutsche Zeitung (26.7.2014) überlässt im Feuilleton dem Konstanzer Intendanten Christoph Nix die Bühne. Er schildert seinen "Aufstieg in die deutsche Theaterprovinz": "In nur fünf Jahren hatten wir das Theater Nordhausen auf den Kopf gestellt", mit Zwölftonmusik, Armin Petras und schwulen Darstellern. Von dort aus ging es nach Kassel.

"Im Aufzug des Wiesbadener Ministeriums drohte mir ein Ministerialbeamter, der zwanzig Jahre lang in Hessen für alle Staatsintendanten zuständig war: 'Ich kann keinen zum Intendanten machen, aber solche wie Sie verhindern.'" Nach drei Jahren sei alles vorbei gewesen. "Kassel hatte uns ausgespuckt."

Mär des Scheiterns

Nix habe sich danach an siebzehn Theatern beworben, "aber der Mythos von Kassel war stärker, nicht der künstlerische Erfolg war geblieben, sondern die Mär, wir wären gescheitert". Gescheitert sei er lediglich "an der Politik der FDP und dem Kassel-Mief. Die Documenta ist ein Potemkinsches Dorf. Sie hat dem reaktionären Alltag nichts genommen."

Nix habe schon überlegt, wieder Jurist zu werden. "Ich habe unterschätzt, wie wichtig Networking am Theater ist, gerade auch hinsichtlich der Findungskommissionen." Doch schließlich sei er Intendant in Konstanz geworden. "Ästhetisch können wir hier machen, was wir wollen. Das Publikum liebt uns. Nur die Reichen nicht, aber die gehen sowieso nicht ins Theater. Wir haben über 100000 Zuschauer. Was kümmert uns da Zürich oder Berlin oder gar der Deutsche Bühnenverein?"

Die selbstbewusste Selbstbeschreibung endet mit dem Ausruf, es gebe bald ein "deutsches Theatertreffen am Bodensee", "und dagegen ist das Berliner Theatertreffen dann tiefe Provinz."

(mw)

 
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