Aus dem Museum, im Museum, fürs Museum

von Reinhard Kriechbaum

Salzburg, am 10. August. "Ich möchte der altmodischste Regisseur des 21. Jahrhunderts werden." Den überraschenden Satz hat Alvis Hermanis vorab in einem Zeitungsinterview von sich gegeben. "Gelungen", muss man ihm jetzt, nach der Premiere von Verdis "Il trovatore" bei den Salzburger Festspielen zurufen.

So sieht Salzburg sich richtig gern: Siebenfach überbucht sei "Il trovatore", heißt es. Leute mit "Suche Karte"-Schildchen stehen vor dem Haus und hoffen vergeblich. Anna Netrebko und Placido Domingo sind die Namen, die so ziehen. Der Glamour dieses Premierenabends täuscht – in Wirklichkeit bekommt man heuer für so gut wie jede Festspielveranstaltung auch im letzten Moment noch ganz offiziell Karten. Aber die sechs Aufführungen von "Il trovatore" sind wirklich ausverkauft. Schwarzmarktpreise bis zu tausend Euro werden kolportiert. Unüberschaubar die Menge der Promi-Gaffer bei der Premierenauffahrt.

Wände bekommen Beine

Sage keiner, dass nicht auch in Alvis Hermanis' Opernmuseum viel los sei. Der lettische Theatermann hat sich auf die Riesenbühne des Großen Festspielhauses einen Ausstellungssaal bauen lassen, der sich auflösen kann. Wenn sich das Museumspersonal nach Feierabend hinein träumt in die deftige Troubadour-Geschichte, dann bekommen die Wände Beine. Einen Opernabend lang geht's rund, fahren die Dekorationsteile mit den Gemälde-Schinken hektisch herum. Mehrenteils ohne ernsthaften Crash. Einmal strahlt ein irregeleiteter Spot gerade so, dass man die Kulissenschieber als mächtigen Schlagschatten sieht.

Für ihr Museums-Spiel, das auf eine ziemliche Klamotte mit Händeringen und Rampensingen hinausläuft, ziehen sich die Leute – berufstypisch: lauter graue Mäuse – passende Kleider an. Die Festspiele haben wohl einen Riesenposten an rotem Samt preisgünstig aufgekauft, und so sind sie alle in Rot: die tänzelnden Zigeunermädchen, die Mannen um den Grafen Luna, die Protagonisten. Sind ja nicht viele, man behält schon die Übersicht.

Überhaupt nicht inszenieren?

Die Story selbst belässt der lettische Regisseur, der es rasch zum international gefragten Shooting Star für alles nur Mögliche auf der Schauspiel- und Opernbühne gebracht hat, in ihrer Zeit. Vielleicht will Alvis Hermanis uns sagen: Den "Troubadour" inszeniert man am gescheitesten überhaupt nicht, da lässt man der knalligen Story lieber ihren Lauf: Graf Luna liebt Leonora, die aber liebt Manrico. Der wiederum ist der Bruder des Grafen, aber das weiß nur die Zigeunerin Azuzena, die das eigene Kind irrtümlich ins Feuer geworfen und stattdessen Manrico großgezogen hat. Azuzena hält dicht, so lange, bis Graf Luna aus Eifersucht Manrico erstechen lässt und Leonora sich mit Gift ins Jenseits befördert hat. Im letzten Satz erst schreit sie dem Grafen entgegen, was er da angerichtet hat.

il trovatore3 560 foster uGanz in Samtrot  © Salzburger Festspiele / Forster

Alvis Hermanis führt uns das als Geschichte weniger in Bildern als unter Bildern vor. Die Menschlein agieren unter Renaissance-Schinken. Madonnenbilder dominieren klar. Vom Feuertod ihrer Mutter und davon, wie sie Manrico an Sohnes statt aufgenommen hat, berichtet Azuzena (zu dem Zeitpunkt noch Führerin im Museum) natürlich vor einer Madonna mit Jesusknaben und Engel. Die Madonna lactans (die das Kind säugt), Jesus und der Johannesknabe – all die einschlägige Ikonographie ist optisch mächtig angesammelt. Selbst Leda mit dem Schwan verirrt sich in diese Blütenlese aus der Kunstgeschichte. Ikonographie ist aber ein heikles Thema für einen Theatermann, wenn er sich nicht wirklich drauf versteht. Soll uns erzählt werden, dass Graf Luna – er ist eigentlich Nachtwächter im Museumsbetrieb – ein triebgelenkter Falott ist im erzkatholischen Spanien, und die Zigeuner-Outlaws eigentlich die viel besseren Katholiken wären? Ja vielleicht. Aber das müsste man zeigen und nicht nur wüst mit überdimensionalen Bildern fuhrwerken.

Übelste Verlegenheitsgeste

Auf so etwas wie Personenregie hat Alvis Hermanis sich gar nicht erst eingelassen. Es ist übelstes Herumsteh- und Verlegenheitsgesten-Theater, so als ob man einer Anna Netrebko oder einem Placido Domingo szenisch rein gar nichts zutrauen dürfte oder wollte. Die Netrebko ist musikalisch das Zentrum des Abends. Die Stimme dieser Sängerin hat im unteren Register nicht nur an Volumen, sondern an samtigem Timbre mächtig zugelegt, und die Höhen leuchten immer noch wie eh und je. Ihre Leonora ist die große Tragödin, aber eine in menschlichem Maß. Keine andere Sängerin wollte man in dieser Rolle erleben.

Aber sie ist nun wirklich die einzige Einzigartige in der Sängerrunde, und das mindert dann doch den Opernhype, der um diesen Salzburger "Troubadour" entfacht worden ist. Francesco Meli als Manrico ist ein geradlinger Tenor, ungefährdet in den Höhen, kernig in der Stimmführung, immer bereit, es auch mal mit lauterern Orchesterwogen aufzunehmen. Aber das war's auch schon, das Gestalterische ist seine Sache nicht. Marie-Nicole Lemieux als Azuzena verirrt sich in ihrer ersten balladenhaften Schilderung der Vorgeschichte in einen Ausdruckswillen, der ziemlich auf Kosten der Intonation geht. Dann aber, im vierten Akt, entfaltet sie schöne Lyrismen, und in der ruhigen Gefasstheit überzeugt sie deutlich mehr als im Dramatischen. Riccardo Zanellato als Ferrando ist, wie man so schön sagt, rollendeckend.

Prädikat: Posthum

Ja, der alte Domingo! Als wohlmeinender Berichterstatter flieht man da gerne in die Kategorie: intensive Gestaltung. Man will ja kein Spaßverderber sein und nicht so direkt schreiben, dass für diese Art des Singens in Wirklichkeit nur mehr ein Wort in Frage kommt: posthum.

Im Orchestergraben halten einander Daniele Gatti und die Wiener Philharmoniker in Schach. Das heißt: Der Dirigent hat seinen Verdi stilistisch im kleinen Finger, und das Temperament köchelt. Die Wiener Philharmoniker setzen sehr auf ein warmes Timbre, geben von Natur aus nicht zu viel Lautstärke. Der Bühnenkontakt kann besser werden.

Das Klima ist mithin maximal sängerfreundlich, und davon profitiert als Allererste Anna Netrebko. Ihr hat auch der meiste Beifall des Premierenpublikums gegolten. Für "Troubadour"- und Salzburg-Verhältnisse ist dieser Schlussbeifall bemerkenswert unbestimmt ausgefallen. Von Standing ovations, mit denen man in Salzburg sonst so rasch zur Stelle ist, keine Spur. Als das Regieteam auf die Bühne kam: kaum Bravos, ganz verhaltene Buhrufe, stattdessen merkbares Volksgemurmel.

 

Il trovatore
Oper von Giuseppe Verdi
Musikalische Leitung: Daniele Gatti, Regie und Bühne: Alvis Hermanis, Kostüme: Eva Decker, Dramaturgie: Ronny Dietrich, Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger, Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, Wiener Philharmoniker.
Mit: Anna Netrebko, Marie-Nicole Lemieux, Francesco Meli, Plácido Domingo, Riccardo Zenellato.
Dauer: 3 Stunden 20 Minuten, eine Pause

www.salzburgerfestspiele.at

 

2013 inszenierte Alvis Hermanis die Oper Gawain bei den Salzburger Festspielen.

 

Kritikenrundschau

Das Libretto zu Verdis "Trovatore" zeige, "wenn man es zu lesen verstünde, ziemlich aktuelle und dabei überaus ungemütliche Komponenten", so Frieder Reininghaus für Deutschlandradio Kultur (Verschriftlichung der Sendung Fazit, 9.8.2014). Alvis Hermanis weiche "den mittelalterlichen Kontexten aus", indem er – "alles andere als originell" – die Story ins Museum (das KHM in Wien?) transportierte, ohne dass das "zu plausiblen Theaterereignissen" führe. Die Personenführung dieser "einem restaurativen Museumsgeist" huldigenden Produktion wirke "zumindest nachlässig: Die Sänger durften irgendwie Gesten der von den Bildern dargestellten Personen imitieren". Das Bühnenbild werde "mitunter ohne Sinn und Verstand herumrangiert". "Die rot getönte Ästhetik der Bilder setzt der grausamen Handlung und insbesondere dem Arme-Leute-Dasein der Zigeuner die krasse Beschönigung entgegen". Auch das "sündhaft teure Sängerteam" macht den Rezensenten "nicht wunschlos glücklich", am ehesten noch Marie-Nicole Lemieux als Azucena. Netrebkos Stimme sei zwar "technisch gereift; aber noch immer werden einzelne Töne leicht von unten angesteuert, um sich dann erst einzupegeln".

"Was für eine Stimme!", ruft hingegen ein rundum Netrebko-betörter Karl Harb von den Salzburger Nachrichten (10.8.2014) aus. Die Sängerin spiele "ihre neu gewonnene Fülle und die goldene Leuchtkraft des Soprans (...) nach allen Regeln" aus, drehe dramatisch auf, "ohne zu überdrehen" und schaue ihrer Leonora "in atemberaubender, wunderbarer Ausdrucksdichte ganz selbstverständlich in die Seelentiefe" – so habe man das "noch nicht gehört." Größter Respekt auch für Placido Domingo, der "immer noch dank Disziplin und Technik und ungeheuer vitalem Einsatz über erstaunliche Reserven verfügt". Über Hermanis' Inszenierung lohne sich, "genauer nachzudenken", die "in ihrer opulenten Detailgenauigkeit", dem "fantastisch beleuchteten Ambiente" und den "eine herrliche Farbsymphonie ergebenden Kostümen" "mehr als nur eine dekorative Augenweide" sei. Tendenz: "Zunächst zu schön, um wahr zu sein, dann, zum tragisch-menschlichen Ende der eigentlich unerzählbaren Geschichte hin, zu wahr, um so schön zu sein." Fazit: "Der gehypte Höhepunkt der Festspielsaison: Er hat tatsächlich stattgefunden."

Auch laut Helmut Mauró von der Süddeutschen Zeitung (11.8.2014) sang "la Divina", "die aus jeder Oper und jeder Inszenierung ein nahezu heiliges Ereignis macht", auch diesmal "ohne Fehl und Tadel" und "mit geradezu erschütternder Intensität", die "auf einer phänomenalen Technik und einer Naturwunderstimme" basiere. Der "noch immer putzmuntere, sehr bühnenpräsente" Domingo tue sich an diesem Abend hingegen schwer. Er stelle aus, "was er noch zu bieten hat, aber die Auslage hat sich gelichtet, in der oft frei flottierenden Intonation flattert Trauerflor." Hermanis' Übertragung "in eine Gemäldegalerie" verleihe "der arg märchenhaften Handlung ein wenig Glaubwürdigkeit – indem ihr die Wahrheit von vornherein komplett abgesprochen wird". Leonora sei hier Museumswärterin, die sich "in das Bild eines Barden" verliebt. Und doch fehlt Maurò eine "psychologisch ein wenig tiefer schürfende Herangehensweise der Regie, eine zeitentrückte Plausibilisierung des Stoffes anstelle historisch-ästhetischer Übertünchung. Man hätte die hier verhandelte Opernfrage (Wie stark sind familiäre Bande wirklich? Bestimmen Gene oder Sozialisation den Menschen?) durchaus aufarbeiten können."

Anna Netrebko sei bei Hermanis einer jener "guten Geister, die zu Tausenden in den Museen der Welt Wache halten für all die Rembrandts, Botticellis und Raffaels", schreibt Christian Wildhagen in der Frankfurter Allgemeinen (11.8.2014). "Wenn nur einer von ihnen erzählen könnte: von den Phantasien, die das tägliche Betrachten der immer gleichen Szenen entzündet; von den Geschichten, die passieren, wenn gerade niemand hinschaut (...): Opernstoffe gäbe das genug." Hermanis' "Ausstellungskonzept" sei zwar "nicht das neueste", aber sein "'Best of Art'-Museum ist preisverdächtig". Wenn er es im vierten Teil schließlich räumen lasse, seien "die Figuren gefangen zwischen Phantasie und Realität, vor den leeren Wänden gibt es kein Zurück in den Bildertraum." Parallel dazu verliere die Personenregie leider "an Präzision, die Sänger verfallen, je mehr sie musikalisch aufdrehen, in klischeehaftes Rampensingen". Während es beim "Jahrhunderttenor" Domingo "knarzt", blühe Netrebkos Sopran "in allen Registern". "Das eigentliche Ereignis dieser Aufführung" seien die Ensembles und Concertati.

Hermanis inszeniere "die Wachträume jener Existenzen, die (...) dafür sorgen, dass Gemälde unbeschädigt wie unberührt bleiben", beschreibt es auch Ljubiša Tošić im Standard (11.8.2014). Doch "schöne Bilder hin, Hermanis' reizvolle Ausgangsidee her: Es schrumpft die Inszenierung letztlich zum obligaten Konzert in Kostümen, bei dem vor allem Gemälde - in einer Art Ballett der Wände - für Bewegung sorgen." Eine Schlusspointe fehle, es gebe "keine sinnvolle Rückkehr zur Museumsrealität". So dekonstruiere Hermanis, der "ein paar szenische Verlegenheitslösungen zu viel" kredenze, sein eigenes Konzept, "erweckt dabei aber nicht den Eindruck bewussten Gestaltens" – vielmehr rieche es "nach einer Regiesackgasse, aus der er nicht mehr herausgefunden hat". Andererseits: "Wenn Anna Netrebko in dieser Form singt", werde das alles "irgendwie unerheblich". Bei ihr seien "Spuren einer bewussten Figurengestaltung durchaus erkennbar" und verschmölzen "makellose Technik, Klangpracht und Gestaltungssensibilität zu einer Performance, die jeden Regieansatz zur Petitesse, zum akzeptablen Rahmen werden lässt" – "Besseres ist kaum vorstellbar".

Netrebko-Schwärmen auch in der Presse (11.8.2014) bei Wilhelm Sinkovicz: "Noch jeder kleinste Seufzer ist mit Energie, mit Ausdruck aufgeladen. Und er wird unmittelbar in szenische Aktion umgesetzt, sei es ein kaum merklicher Augenaufschlag oder die große Geste." Anders als Domingo: "Schade, dass sich ein solcher Künstler im Ausklang seiner Karriere etwas zumutet, das völlig jenseits seiner Möglichkeiten liegt." Verdis Partitur serviere man "als große, reichhaltig differenzierte Theatermusik. (...) Nicht die leiseste Anmutung von Leierkasten-Italianità!" Bewegung komme jenseits der Kostümwechsel allerdings "nur ins Spiel, wenn die Gemälde wie ein gigantisches Kunstballett über die Bühne fahren". "Sobald sich die Menschen auf der Szene in die kunsthistorischen Figuren verwandeln, spielen sie (...) den 'Troubadour' wie vor 100 Jahren, stehen an der Rampe und singen händeringend". Immerhin: "Es kommt in der Oper immer nur darauf an, wer die Hände ringt. (...) Wohlklang und melodramatische Kunst lässt man sich im sinnlosesten Umfeld gefallen."

Ein "hypertrophes Kunstgeschichte-Kolloquium" hat Stefan Musil von der Welt (11.8.2014) gesehen. "Die Netrebko ist tatsächlich jeden Cent wert", konstatiert auch dieser Kritiker. Alles in dieser anspruchsvollen Partie gelinge ihr "beeindruckend, ergreifend, staunenswert" und "mit einer unangestrengten Selbstverständlichkeit". "Neben dieser stimmlichen Beglückung gelingt der Netrebko auch die Erfüllung ihrer Gesangspartie mit Leben", was "an diesem Abend ebenfalls ein Kunststück" sei – versuche Hermanis mit seiner "Museumsverpackung" doch "zu retten, was nicht zu retten ist". Die Bühnenarbeiter hätten "alle Hände voll zu tun" haben, "die Sänger dagegen nicht", sondern dürfen "in hohler Opernkonvention meist an der Rampe stehen", der Regisseur "lässt sie nach Belieben ihre Arme weiten, ihre Hände ringen und falten". Seine Museumsidee bleibe in dieser großen "Anna-Netrebko-Show" "nicht mehr als eine Mogelpackung für eine ernüchternde Kapitulation vor Stück und Opernkonvention".

Von "Ausstattungstheater plus Rampensingen vom Feinsten" schreibt Peter Hagmann in der Neuen Zürcher Zeitung (12.8.2014). Der inszenatorische und musikalische "Fleckerlteppich" dieses Abends bieten aus seiner Sicht keine Spur von Interpretation. Stattdessen seien das Öffentliche und das Künstlerische insofern fatal aneinander aneinandergeraten, "als Stars eben noch kein Ensemble ausmachen". Interpretation ereignete sich aus seiner Sicht hingegen im Orchestergraben, "wo die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Daniele Gatti fast durchwegs leise spielten" und zwar auf höchstem Niveau.

"Riesiges Haus, höhere Kartenpreise, teurere Roben, wertvollerer Schmuck, mehr Hype", gibt auf Welt-online (12.8.2014) Stefan Musil zu Protokoll. Erfreulich für ihn dabei: "Die Netrebko ist tatsächlich jeden Cent wert. Grandios hat sie sich inzwischen die Leonora einverleibt. Diesmal gelingt ihr in dieser so anspruchsvollen Partie alles." Ansonsten hätten die Bühnenarbeiter alle Hände voll zu tun, das Bühnenbild zu bewegen. "Die Sänger dagegen nicht. Bei Hermanis dürfen sie in hohler Opernkonvention meist an der Rampe stehen, er lässt sie nach Belieben ihre Arme weiten, ihre Hände ringen und falten."

Bis heute seien die Salzburger Festspiele "das teuerste Festival der Welt", weiß Frederik Hanssen vom Berliner Tagesspiegel (14.8.2014) in seinem Festivalbericht. Als sein eigener Bühnenbildner finde Hermanis mit dem Museum-Setting "einen genialen Kniff, um dem versammelten Geldadel eine ultrakonventionelle Kostümorgie bieten zu können". Sobald sich das Museums- in Renaissance-Personal verwandelt hat, dürfe "Opas Oper gespielt werden, mit rudernden Armen und gezückten Schwertern". Hinsichtlich der selbstgestellten Aufgabe, in Klassiker-Inszenierungen historische Kontexte im Einzelfall zu rehabilitieren, bleibe Hermanis "noch einiges an Gedankenarbeit zu leisten". Immerhin aber sei der "Trovatore" "ein Fest der Stimmen. Eine pure Freude, mitzuerleben, wie sich Anna Netrebkos Stimme derzeit entwickelt". Auch für Domingo findet Hanssen freundliche Worte: Es sei "immer faszinierend", ihn live zu erleben, "seine Bühnenpräsenz, die Selbstverständlichkeit, mit der er nun Baritonrollen singt, ohne sich klanglich zu verstellen".

 
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