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Ich bin ein Neokonservativer

Stuttgart, 17. September 2014. Armin Petras freut sich im Interview mit Roland Müller von der Stuttgarter Zeitung (17.9.2014) über die positive Resonanz der Fachpresse auf seine erste Spielzeit als Stuttgarter Schauspieldirektor und verrät, weshalb er in letzter Zeit öfter mal vor den Vorhang tritt, wenn seinen Regisseuren wieder mal ein Buh-Orkane um die Ohren fegt: "Immer wenn ich rauskomme, wird es eine sehr erfolgreiche Produktion."

Dann beantwortet der Großmeister der Romanadaptionen, warum er Romanadaptionen so schätzt: "Diese Frage wird mir seit fünfzehn Jahren immer wieder gestellt. Aber okay, schauen wir beispielsweise mal auf die Bildende Kunst: Da gibt's keine Tafelmalerei mehr mit Königen und Landschaften, da gibt's heute Videokunst, darstellende Installationen und Menschen, die sich wie Marina Abramovic an die Wand nageln lassen. Dort gibt's also unablässig neue Formen der Präsentation. Weshalb, das frage ich Sie nun, soll sich ausgerechnet das Theater neuen Formen und Stoffen verschließen?"

Vorbild Münchner Kammerspiele

Eine Faustformel für den Theatergrundkurs hat er auch: "Ich finde, dass für eine Inszenierung nur drei Dinge vorhanden sein müssen: ein Publikum, eine Bühne und einige Schauspieler, der Rest ist offen – wobei ich mit meinem Plädoyer für Darsteller ja schon zu den Neokonservativen im aktuellen Diskurs gehöre."

Mit Blick auf die kommende Spielzeit verrät Petras, dass er seine Adaption von Wilhelm Raabes Roman "Pfisters Mühle" als einzige seiner neuen Inszenierungen in Stuttgart herausbringen wird, während er für diverse Koproduktionen unterwegs ist: im rumänischen Sibiu, in Bremen, in Berlin und in München. Dabei fällt gleich mal ein mächtiges Lob für die Münchner Kammerspiele ab: "Der Geist, der dort herrscht, die Strukturen, die dort existieren, die Nachhaltigkeit, die dort produziert wird: toll. Dieses Haus kann, so gesehen, ein Vorbild sein – und wir sind nah an ihm dran."

(chr)