Die performative Parallelwelt von TikTok

von Konstantin Küspert

22. Oktober 2020. Das komische Gefühl verschwindet schnell. Das komische Gefühl auf einem Schulhof zu sein. Als über 30jähriger 14jährige bei eitlem Verhalten zu beobachten. Das hört auf, sobald die Algorithmen trainiert sind, und mir mehr und mehr gut gemachte, überraschende, witzige und vor allem sprühend kreative Kurzvideos gezeigt werden, auf der "fyp", der "for you page" von TikTok.

Netztheater. Positionen | Praxis | Produktionen

Berlin, 21. Oktober 2020. Seit 2013 veranstalten die Heinrich Böll Stiftung und nachtkritik.de gemeinsam die Konferenz "Theater und Netz" in Berlin. In diesem Jahr musste die Zusammenkunft ausfallen. Coronabedingt. Aber Corona brachte nicht nur Einbußen, sondern auch einen Schub für die Themen der Netz-Konferenz.

Piratinnen und Komplizen

von Sophie Diesselhorst und Christian Rakow

Berlin, 21. Oktober 2020. "Es ist immer das Volkstheater, das den Karren aus dem Dreck zieht. Im Laufe der Jahrhunderte hat es viele Formen angenommen, und es gibt nur einen Faktor, den sie gemeinsam haben – eine Rauheit. Salz, Schweiß, Lärm, Geruch: das Theater, das nicht in einem Theater ist, das Theater auf Karren, auf Wagen, auf Böcken, das Publikum steht, trinkt, sitzt an runden Tischen, das Publikum macht mit, antwortet zurück; Theater in Hinterzimmern, in Zimmern im Obergeschoss, in Scheunen (...)."

Theater ohne Theater

von Anne Aschenbrenner und Sebastian Huber

Wien, Herbst 2020. Als die Content-Managerin am 10. März 2020 an ihrem Schreibtisch im vierten Stock des Burgtheaters ihre Sachen packte, um im Home Office den kürzlich zugezogenen Bänderriss zu kurieren und die digitalen Agenden des Theaters remote von der Wohnzimmercouch aus zu dirigieren, ahnte sie nicht, dass sie erst in knapp einem halben Jahr dieses Haus wieder betreten würde. Laptop und Ladekabel umgehängt, verließ sie das Haus, vom Corona-Virus wusste man zu diesem Zeitpunkt, dass es aus China in Italien angekommen war. Pandemien waren noch Stoffe, aus denen Netflix-Filme sind.

Live und auf Verlangen: Für ein Theater @home!

von Christian Römer

Berlin, 21. Oktober 2020. Im Jahr 2014 diskutierten die deutschen Bühnen erstmals über die Live-Übertragung ihrer Produktionen in digitale Räume. Das Theater war auf der Suche nach neuen Orten der Veröffentlichung. Theater im sozialen Brennpunkt, Stadtteilprojekte, Audio-Walks – und Theater im Netz.

Auf zu neuen Publika!

Oktober 2020. Welche Lehren können Theater und Theatermacher*innen im Hinblick auf ihr Publikum aus den Netztheater-Erfahrungen des Frühjahres ziehen? Prof. Dr. Judith Ackermann ist Forschungsprofessorin für Digitale und vernetzte Medien in der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Potsdam. Sophie Diesselhorst und Christiane Hütter haben mit ihr über die Herausforderungen der Online-Theater-Rezeption gesprochen und darüber, welche Social Media zum Theater passen.

Das ist unerträglich!

von Volker Lösch

9. Oktober 2020. Liebe Nachbar*innen, jeden Tag schaue ich beim Verlassen meines Wohnhauses in Charlottenburg auf die Stolpersteine. Und denke dann an die vielen Jüdinnen und Juden, die Tod und Vernichtung erfahren haben, denunziert und verhaftet von ganz normalen Berlinerinnen und Berlinern – vor gar nicht so langer Zeit, hier bei uns, in Charlottenburg. Mich macht das immer wieder fassungslos und traurig, aber in erster Linie macht es mich wütend. Und meine Wut wird umso größer, wenn ich als Bewohner dieses Kiezes feststelle, dass in meiner unmittelbaren Nachbarschaft derselbe Geist herrscht, der so eine Barbarei wieder möglich machen würde.

Feen wachklatschen und Ängste durchstehen

9. Oktober 2020. Eigentlich beginnt das Problem schon beim Begriff: "Kinder– und Jugendtheater". Was soll das sein? Ein Theater, das Themen behandelt, die nur Kinder und Jugendliche bewegen? Geschichten von Mut, Freundschaft, Zusammenhalt und einer tapferen Heldin, die über das Böse siegt. Niedlich inszeniert und zum Mitsingen? Natürlich nicht. Theater für junges Publikum ist so komplex und herausfordernd wie Theater für Erwachsene. Ob es eine eigene Sparte für Kinder und Jugendliche überhaupt braucht, besprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp im Theaterpodcast #29 mit der Regisseurin Mina Salehpour und dem Kulturjournalisten Patrick Wildermann. 

Aus drei mach eins

von Thomas Rothschild

30. September 2020. Bis vor kurzem konnte man im Stuttgarter Raum – in der Stuttgarter Zeitung, den Stuttgarter Nachrichten und der Esslinger Zeitung – jeweils drei kompetente Rezensionen von Stuttgarter Premieren lesen. Das hat sich geändert. "Der Besuch der alten Dame", der am 26. September Premiere hatte, wurde von einer Kollegin besucht, deren Kritik in allen drei genannten Zeitungen, die eine lange und ehrenwerte Geschichte haben, veröffentlicht wurde. Das ist das Ende der journalistischen Vielfalt, des kulturellen Diskurses, der Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Meinungen. Das kann einem Theater nicht egal sein.

Schöner Schein, der eine Welt bedeutet

11. September 2020. Ein Blick – und die erste Botschaft ist überbracht: Kostüme orientieren in Sekundenschnelle über den gedanklichen Ort, an dem eine Inszenierung angesidelt ist. Kleider machen Leute und erst recht machen sie Figuren: ein Faust in schwarzer Bomberjacke und mit Granny-Brille erzählt etwas anderes als ein Faust in Lederhose und schwarzem Mantel. Wenn sie über die Wirkung einer Inszenierung so deutlich mitentscheiden – warum sind die Namen derer, die das Kostümbild gestaltet haben, nicht so bekannt wie die der Regisseur*innen? Im Theaterpodcast #28 zur Frage, warum das so ist und was ein gelungenes Kostüm im Theater bedeutet. Und wie wirken sich die Corona-Regeln auf die Arbeit der Kostümbildner*innen aus?