Das Gewissen schlägt mit Gummiflügeln

von Lena Schneider 

Jena, 13. Dezember 2007. Ein altes Lied. Die dramatischsten Geschichten schreibt oft die Geschichte selbst. Diese etwa: Im Dezember 1996, kurz vor Weihnachten, versank vor der sizilianischen Südküste ein Schiff. 283 illegale Flüchtlinge ertranken, nur sieben erreichten Griechenland. Reste von Kleidung und Körpern gingen später sizilianischen Fischern in die Netze, die alles aber zurück ins Wasser warfen.

Die Sinnlichkeit der Sinnlosigkeit

von Hartmut Krug

Jena, 1. November 2007. Der Himmel ist offen und leer über den grauweißen Grobputzwänden einer Zelle, deren sandiger Boden mit Herbstblättern übersät ist. Die Figuren und Schraffuren der Filmbilder, die auf die Rückwand geworfen werden, wirken grau und düster dumpf. Die Szene der Uraufführung von Katharina Schmitts "Knock Out" am Theaterhaus Jena (Bühne: Marsha Ginsberg, Video: Heiko Kalmbach) verstrahlt die gleiche trostlose Hoffnungslosigkeit wie die auf Vorlagen von Polizei- und Medienfotos beruhenden fünfzehn Bilder von Gerhard Richters Zyklus "18. Oktober 1977".

Götter im Netz

von Ralph Gambihler

Jena, 11. Oktober 2007. Dass am Theaterhaus Jena die "schöne neue Welt" (Spielzeitmotto) mit dramaturgisch verwertbaren Rissen dargestellt würde, war absehbar – schon weil sie im Singular kaum existieren kann. Jetzt weiß man mehr. Die Uraufführung von "Second Life" macht den Riss zur vorherrschenden Denkrichtung. Denn irgendwie wird alles rissig in diesem Drama unter Frommen: die Wirklichkeit, die Fiktion, der Glaube, die Wissenschaft, das Theater sowieso. Beinahe will einem das ewige Schicksal der Damenstrumpfhose in den Sinn kommen: erst die Laufmasche, dann die Auflösung.

Hallo Mami!

von Ralph Gambihler

Jena, 5. Juli 2007.  In Jena sieht die Freilicht-Saison ungefähr so aus: Mit Bier und Pommes sitzt man in einer überraschend ausladenden "Kulturarena", die sich das Theaterhaus seit nunmehr zwölf Jahren – budgetverträglich – von einem eigentlich in Kassel ansässigen Konzertveranstalter vor die Tür setzen lässt. Darin wird allabendlich spektakelt. Außer Sprechtheater gibt es Musik, Film und manches Angebot für Kinder. Das Ganze dauert sieben Wochen und soll 70.000 Besucher anlocken. Die Kontakte zum Wetterdienst werden sich in diesem Jahr wohl festigen.