Muss da nicht ein Buh her?

von Wolfgang Behrens

18. April 2017. Seit einigen Wochen erst ist Oliver Mears im Amt, doch der neue Intendant des Royal Opera House Covent Garden hat schon eine wichtige Botschaft an das Publikum. Im Telegraph und in einigen anderen englischen Medien konnte man sie vernehmen: "Oliver Mears said ticketholders should applaud even if a performance is not to their liking. It is simply a question of manners." [Oliver Mears sagte, Zuschauer sollten auch dann applaudieren, wenn ihnen die Aufführung nicht gefallen hat. Es sei schlicht eine Frage des Benehmens.] Und vor allem sollten die Zuschauer nicht buhen.

Die große Verarsche

von Wolfgang Behrens

14. März 2017. Langsam, da die Macht des Faktischen obsiegt, beruhigen sich die Gemüter wieder – der Streit, der sich um die Neubesetzung der Intendanz an der Berliner Volksbühne entsponnen hat, tritt nun in seine präfinale Phase. Und vielleicht ist das ein guter Moment, um noch einmal eine Gruppe in den Blick zu nehmen, die während dieses epischen Kampfes komplett in Vergessenheit geraten ist. Denn es gibt ja nicht nur diejenigen, die auch fürderhin in der Volksbühne mit Frank Castorf ihrer provinziellen Anarcho-Sentimentalität frönen wollen, und diejenigen, die meinen, dass Castorfs Zeit jetzt einfach mal vorbei sei. Es gibt auch noch die, die glauben, dass Castorfs Zeit eigentlich nie hätte sein dürfen.

"Diese Kolumne ist enorm!"

von Wolfgang Behrens

7. Februar 2017. Als ich noch ein Zuschauer, ein Leser und sogar noch ein Student war, da belustigten sich ein Freund und ich regelmäßig an der Beobachtung, dass auf der Rückseite eines jeden Suhrkamp-Taschenbuches ein paar Sätze von Günter Blöcker abgedruckt waren, die sinngemäß aussagten: "Dieses Buch ist enorm! Ein ganz großes Meisterwerk!" Wir stellten uns feixend Günter Blöcker vor, wie er irgendwo in einer Literaten-Mansarde hockte und en gros solche Phrasen für die Klappentexte produzierte, und zugleich lachten wir über die Lektoren, die solche Sätze aus irgendwelchen Kritiken herausfischten.

Warum nicht im Theater?

von Wolfgang Behrens

13. Dezember 2016. Als ich noch ein Zuschauer war, lauschte ich einmal einer Podiumsdiskussion in der Berliner Akademie der Künste, bei der sich verschiedene Musiker über die Lehrbarkeit ihres Metiers austauschten. Der Komponist Frank Michael Beyer erzählte damals, er habe einmal einen Kompositionsschüler gehabt, der mit leuchtenden Augen zu ihm gekommen sei und verkündet habe: "Herr Beyer, ich möchte ein Stück für Schlagzeug komponieren. Ja, für Schlagzeug! Aber es soll ein besonderes Stück sein, denn es soll gar nicht wie Schlagzeug klingen." Beyer will darauf geantwortet haben: "Na, dann schreiben Sie doch erst einmal ein Stück für Schlagzeug, das so klingt wie Schlagzeug!"

Ob das mal stimmt!

von Wolfgang Behrens

1. November 2016. Als ich noch ein Zuschauer war, erzählte mir einmal ein Pianist, warum er seine Konzertkarriere aufgegeben habe. Ein Freund von ihm habe nämlich ein Konzert aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen müssen, was freilich den für dieses Rezital vorgesehenen Zeitungskritiker nicht beirrte. Zwei Tage später erschien also eine ausführliche Kritik des ausgefallenen Konzerts. Ich muss zugeben, dass mir das durchaus Respekt vor der Fantasie des Kritikers abnötigt – den Pianisten indes, der mir diese Anekdote erzählte, ließ es am Konzertbetrieb verzweifeln.

Und was ist mit mir?!

von Wolfgang Behrens

23. September 2016. Vor einer Woche hat der Berliner Noch-Kulturstaatssekretär Tim Renner in einem Interview mit der taz die eigentliche Kernkompetenz benannt, die zur Berufung eines Nachfolgers von Frank Castorf im Amt des Volksbühnen-Intendanten geführt hat: Der Kandidat musste Christoph Schlingensief persönlich gekannt und mit diesem gearbeitet haben, und zwar möglichst früh. Am besten noch vor Frank Castorf! Wie Tim Renner darauf kam, dass eben dieses Kriterium für Chris Dercon spreche – weil dieser angeblich "bereits vor Frank Castorf mit Christoph Schlingensief inszeniert und ihm eine Plattform geboten" habe – wird allerdings sein Geheimnis bleiben.

Die Regisseurin hat den Zuschauer nicht verstanden

von Wolfgang Behrens

21. Juni 2016. Und dann wollte mir Andrea Breth so richtig wehtun. Gerade noch war eine Dramaturgin eingeschritten und hatte gesagt: "Ich glaube, das ist ein Missverständnis, er hat doch etwas Anderes gemeint." Die Breth aber sendete ein paar Blitze in meine Richtung und giftete: "Nein, kein Missverständnis! Wir haben einander schon ganz gut verstanden." Ich versuchte, mit einem grimmigen Lächeln zu antworten, es kam aber wohl nur ein jämmerliches Grinsen dabei heraus. So ein Mist! Ich hatte doch recht, verdammt nochmal! Aber gefühlt blieb Andrea Breth Siegerin. Irgendwie hatte sie mich klassisch ausgekontert.