Mütter, Nannys, Babynahrung

von Lara-Sophie Milagro

4. Dezember 2018. Meine zweijährige Tochter ist frech, klug und natürlich das schönste Kind der Welt: blonder Afro, veilchenblaue Augen und ewig lange Wimpern. Wie es sich für ein Schauspieler-Kind gehört, zeichnen sich zudem bereits performativ-theatrale Vorlieben ab. Auf dem Wickeltisch wird mit Luft-Mikro gesungen, vor dem Spiegel verschiedene Arten des Weinens auf ihre Wirkung hin überprüft, sie dreht mit unseren Handys Selfie-Videos und neulich haben wir ganz unzweifelhaft ein Heiner Müller-Zitat aus ihren ansonsten noch unzusammenhängenden Sätzen heraushören können ("Optimismus ist nur ein Mangel an Information"). Seitdem steht fest: Das Kind muss auf eine Bühne und vor die Kamera, natürlich unter den wachsamen Augen ihrer stolzen Mutter.

Nicht ohne mein Integrationsstipendium

von Lara-Sophie Milagro

16. Oktober 2018. Ich komme nach einem langen Sommer im Ausland zurück in das Land, von dem ich eigentlich immer dachte, es sei meine Heimat, und habe das Gefühl im falschen Theaterstück gelandet zu sein. In einer vorgezogenen Fastnachtsposse. Protagonisten sind ein als Demokrat verkleideter Neonazi, der sich von Hitlerreden inspirieren lässt, und sein Lakai, der den Tierkundler gibt und gegen die sogenannte Integration hetzt ("Einen Fuchs kann man nicht in den Hühnerstall integrieren", Martin Kohlmann, Pro Chemnitz). Ein Narr hat sich derweil als Innenminister verkleidet und schachert fröhlich mit Ministerialposten. Das Kabinett als Karnevalsverein. Alaaf, Herr Maaßen!