Immerwährend beieinander

von Michael Laages

Kassel, 23. Januar 2020. Eigentlich sollten wir uns ja schweigend und demütig verneigen vor dieser Geschichte. Aber wir sind ja im Theater. Und so erhebt sich nach sehr langem Dunkel am Ende dann eben doch Beifall, und voller Verzweiflung erheben wir uns mit ihm – vor der Passion, die in Kassel und darüber hinaus die Ärztin Lilli Jahn durchlitten hat.

Wenn das Morden weitergeht

von Cornelia Fiedler

Kassel, 12. September 2019. Das Morden geht weiter. Das ist das bittere, bitter aktuelle Fazit dieses Theaterabends. Zwei Originaltöne am Anfang und Ende von "Der NSU-Prozess. Die Protokolle" stehen am Staatstheater Kassel symbolisch für das Versagen nicht nur der Gerichte, sondern der deutschen Gesellschaft angesichts der NSU-Morde.

Das arme Tier zeigt seine Zähne

von Nikolaus Merck

Kassel, 10. Mai 2019. Der Krieg ist schwarz und weiß und überall. Er kriecht über die Bühne von Daniel Roskamp, in die Kostüme der Soldaten, auf den Planwagen der Marketenderin (für die Heutigen: bei der Markentenderei handelt es sich um einen ambulanten Supermarkt hinter der Front), bis auf die verblichene Haut seiner Opfer. Schwarz und weiß. Ein Gegensatz, so wie die traditionellen Lesarten für die "Mutter Courage" von Bertolt Brecht: "Hyäne des Krieges", die am Schlachten und Morden verdient, die ihre Kinder opfert, nur um einen kleinen Gewinn einzubringen. Oder: das Muttertier, das versucht im menschenverschlingenden Krieg zu überleben, und dabei, weil die Verhältnisse eben einmal so sind, ihre Kinder verliert, die kriegstauglichen Söhne Schweizerkas und Eiliff, sowie die Tochter Katrin, die stumm ist, und nicht besonders hübsch.

Die Droge Sucht

von Michael Laages

Kassel, 24. Januar 2019. Es wirkt wie die Fortsetzung einer der schillernden Berliner Revuen der späten 20er Jahre, von "Es liegt in der Luft" etwa: 1928 ließen die Autoren Marcellus Schiffer und Mischa Spoliansky die Diseusen Margo Lion und Marlene Dietrich Arm in Arm und ziemlich grenzdebil durchs Kaufhaus und die Modewelt delirieren. Auch im neuen Theatertext von Rebekka Kricheldorf treten nun zwei ziemlich beste Freundinnen auf. Sie versuchen einander sozialhygienisch korrekt den Alkohol auszutreiben, die Dramatikerin hat ein auf den ersten Blick eher banales Experiment vom Zaun gebrochen.

Frankensteins Freunde

von Michael Laages

Kassel, 9. November 2018. Was das wohl ist, das in uns (noch) nicht hurt und stiehlt und mordet, aber alle Verantwortung von sich weisen will – und darum meint, dass der eigene Kühlschrank, das Auto intelligenter sein sollte als wir selber? Dass ein Roboter, Computer oder sonst irgendein Kunstgeschöpf uns unsere Kernkompetenzen abnehmen sollte, aus Gründen der Verlässlichkeit … obwohl schon das Schicksal des Homunculus in der glühenden Phiole im zweiten Teil von Goethes "Faust" eher kurz und kläglich ist und auch die Fabel vom jungen Schweizer Arzt Viktor Frankenstein, der in Ingolstadt den "neuen Menschen" erschaffen wollte, nicht wirklich zur Nachahmung einlädt. Das Thema liegt in der Luft: Den vor ziemlich genau 200 Jahren erschienenen Roman der englischen Autorin Mary Shelley entdecken die Theater wieder – und der junge Regisseur Wilke Weermann zeigt jetzt am Staatstheater Kassel eine freie Phantasie über die Erfindung des Menschen.

Im Konfliktbeschleuniger

von Michael Laages

Kassel, 30. August 2018. So viel Dummheit tut weh. Sie ist aber auch (für halbwegs Kluge) irrsinnig komisch – und darum hat Jenny natürlich die besseren Karten im Geschwister-Zwist im Stück von Lucy Kirkwood. Jenny weiß nicht viel und lernt noch weniger. Sie hat eine Tochter im sehr frühkindlichen Alter verloren, weil sie eine zwingend nötige Impfung für gefährlich hielt. Schon als das Kind starb, war Jenny wieder schwanger, immerhin geht sie jetzt zur Ultraschall-Untersuchung. Jennys Schwester Alice hingegen betreibt High-Tech-Physik am CERN. Als dort das für schlichtere Geister wie Jenny unvorstellbare "Higgs-Boson" experimentell verifiziert wird, ist Jenny gerade bei Alice zu Gast; mit Karen, Mutter dieser extrem ungleichen Schwestern. Jennys Tochter ist noch nicht lange tot, Jenny gilt als suizidgefährdet – und leitet eine Art familiärer Kernschmelze ein.

Sturm, Drang und Pop

von Alexander Jürgs

Kassel, 17. März 2018. Nacheinander treten sie auf die Bühne, in Ballkleidern aus weißem Tüll, hinter ihnen eine Wand aus riesigen Luftballons. Lysander, Demetrius, Hermia und Helena. Sie treten ans Mikrofon, hauchen "Ich liebe dich" in den Zuschauerraum, stellen sich als Band auf, greifen zu Bass, Gitarre, Schlagzeug und stimmen die Schnulze von Chris Isaak an. Spielen den Song so, als wären sie die Band von Liz Phair, Kim Deal oder Kathleen Hanna. Laut, krachend, voller Kraft. "No, I don't want to fall in love, no, I don't want to fall in love with you."

Ich zerfick dein Narrativ

von Karolin Berg

Kassel, 23. Januar 2018. Edward ist mit Kitty verheiratet. Jake mit Rachel. Tim – ja nun, Tim ist alleine, so wie es im Freundeskreis eben immer einen oder eine gibt, der/die notgedrungen Langzeitsingle ist und für den die anderen selbstredend nach potenziellen Kandidaten Ausschau halten. Ihre Wahl fällt auf Zara, eine Schauspielerin, ebenfalls Mitglied der Freundesrunde – auch wenn man sich fragt, wie und warum es Zara zu dieser Juristensippe verschlagen hat. Die Gespräche auf den Partys: Fachsimpelei samt des Hausierens mit ihren jüngsten Gerichtsverhandlungserfolgen, alles maximal abgebrüht: "Und dann zerfick ich dein Narrativ." Denn zermürbende, perfide Strategien vor Gericht sind das A und O.

Krimskrams

von Michael Laages

Kassel, 13. Januar 2018. Gerade ist alles schief gegangen. Und die, die alles hatten gerade biegen wollen, sitzen einander noch einmal gegenüber, wie beim Streitgespräch im Fernsehen. Auf dem Bildschirm über der Bühne reden sie: "Aber du wolltest doch…" fängt der eine an, der Macher; "Aber Du hast doch…" antwortet der andere, der Denker. Ratlos und am Ende sind beide; und als nichts mehr zu sagen ist über die gescheiterte Vision von der besseren Welt, die der Visionär dem Herrscher in den Kopf gesetzt hatte zu Beginn des Theaterabends, löst der Geist sich in ein Logik-Wölkchen auf – weg ist er, und an den Sitzplatzreihen im Theater entlang wandernd liefert er nur noch ein wenig Statistik nach über den kleinen und unbedeutenden blauen Stern, dessen Bevölkerung kurz vor der Zerstörung nichts Besseres zu tun wusste als genau daran intensiv zu arbeiten: am Ende. Am Untergang.

Labern, bis der Flüchtling kommt

von Michael Laages

Kassel, 1. April 2017. Gerade noch rechtzeitig zur spannenden Schlussphase kommt der Joker aufs Feld. 80 von 100 Theater-Minuten sind durch, und alle scheinen sich schon eingerichtet zu haben mit einer Art leistungsgerechtem Unentschieden auf mittlerem Ulk-Niveau – aber jetzt soll's "der Flüchtling" noch richten in der verbleibenden Spielzeit.

Vorsicht: scharfe Kurve!

von Michael Laages

Kassel, 10. Februar 2017. Ob wohl Rebekka Kricheldorf dem Kollegen Ferdinand Schmalz ein paar praktische Tipps mit auf den Weg geben mochte – am Abend, bevor Schmalz in Kassel der "Förderpreis für komische Literatur" verliehen werden sollte? Kricheldorf bekam ihn ja vor mittlerweile schon sieben Jahren; mit dem jüngsten Stück, uraufgeführt wieder am Theater des Intendanten Thomas Bockelmann, der die Autorin schon seit seiner Intendanz am Theater in Münster begleitet und neue Stücke von ihr immer wieder in den Spielplan nimmt, müht sich Rebekka Kricheldorf aber unüberspürbar um ein anderes Profil.

Ein Rätsel, das ein Rätsel spielt

von Andreas Wicke

Kassel, 16. Dezember 2016. Wie spielt man eine Frau, die sich selbst nicht versteht – und die so viele Facetten wie Kleider und Schuhe hat? Die von den Männern vergöttert wird und selbst erstaunt ist, dass sie erst elf Liebhaber hatte. Die kein Geld besitzt, aber von einem Frühstück bei Tiffany träumt. Ein Glamourgirl mit Depressionen, eine "bizarre Romantikerin", die vom "bösen Rot" befallen wird. Holly Golightly gehört sicher zu den Ikonen der Moderne. Und dennoch, wer auf den Kuss im Regen wartet, der am Schluss von Blake Edwards' berühmter Verfilmung das Happy End besiegelt, der wird von der Bühnenfassung Richard Greenbergs enttäuscht.

Das Ohne-Worte-Haus

von Michael Laages

Kassel, 10. Dezember 2015. Schwer zu sagen, wer oder was da mehr zu bestaunen war – das Theater in Kassel, nicht immer und notwendigerweise im Zentrum theatralischer Innovation, oder das Publikum, das sich da klaglos einem Experiment ausgesetzt hat, das durchaus auch andere Reaktionen hätte provozieren können ... "Tyrannis" aber, das in allererster Linie wortlose Projekt des noch nicht 30-jährigen Performance-Regisseurs Ersan Mondtag aus Berlin, schafft es immerhin auch jenseits gängiger Theater-Dramaturgien, die Kundschaft über etwas mehr als zwei Stunden hin eng in szenische Vorgänge hinein zu zwingen, deren Sinn und Zweck und Ziel im Nachhinein kaum zu bilanzieren sind.

Wahrheit vergiftet Gegenwart

von Michael Laages

Kassel, 8. Oktober 2015. Eine Frau liegt im Koma; sie ist nicht tot, auch im letzten Augenblick des Stückes nicht – aber all die Schuld und Verantwortung, die sich in ihr selbst und um alle in ihrer Nähe gruppiert, hat schon viel Zerstörung gestiftet. Der Mann, der an ihrer Seite war, weiß kaum noch, ob er seine neue Partnerin wirklich liebt; die wiederum, die sich für den Neuen gerade vom vorigen Partner trennt, weiß auch nicht mehr so genau; und dazwischen müssen die schwerst pubertierende Tochter der hin und her gerissenen Frau und eine Angestellte und Vertraute des Mannes mit monströser Schuld auf der Seele weiter leben.

Winnetous Erben

von Michael Laages

Kassel, 6. Juni 2015. Gerade trat ja der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer in die Spur seines Landsmanns Peter Handke, der vor drei Jahren (und zum 70. Geburtstag) mit dem renommierten Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde. Und unübersehbar verbindet sich "die unverheiratete", das Preisträgerstück Palmetshofers gleich in mehrerlei Hinsicht mit "Immer noch Sturm", jenem Handke-Text, der den Dramatiker derzeit heimisch werden lässt wie nie zuvor in den Spielplänen deutscher Bühnen.

Das Leben ist woanders

von Petr Manteuffel

Kassel, 10. April 2015. Mit seinem Welterfolg "Verbrennungen", das die schickalshaften Verstrickungen der Beteiligten und Nachgeborenen des libanesischen Bürgerkrieges thematisiert, hat Wajdi Mouawad 2003 ein posttraumatisches Passionsspiel und Reinigungsritual geschaffen, das man am explosivsten in einer nahöstlichen Gemeinde unter Beteiligung der gesamten Anwohnerschaft aufführen müsste. Eine Brücke zum griechischen Drama schlagend, pfropfte er dem Stück freilich im letzten Drittel die Ödipus-Thematik auf, was die Wirkung eher schwächt; der Nahe Osten hat auch ohne Ödipus Probleme genug. Nun hat sich das Kasseler Staatstheater als erstes im deutschsprachigen Raum Mouawads Erstlings "Hochzeit bei Cromagnons" aus dem Jahre 1992 angenommen.

Kommune 2015

von Michael Laages

Kassel, 15. Februar 2015.Chancen, Risiken und Nebenwirkungen lauern schon im Untertitel des neuen Stückes von Rebekka Kricheldorf: "Eine Endlichkeits-Clowneske" will die Autorin erzählen. Aha. Also soll es um den Tod gehen, um Sterben und Verschwinden; gleichzeitig aber gehen die Clowns an den Start. Endzeit-Phantasien, aber komisch – damit hat sich die als Autorin unerhört fleißige (und auch schon als Mitglied im Leitungsteam vom Theaterhaus Jena mit allen Bereichen des Bühnenbetriebs erfahrene) Freiburgerin vom Jahrgang 1974 ziemlich viel vorgenommen. Vielleicht ein wenig zu viel.

Kein Anschluss unter dieser Handy-Nummer

von Alexander Kohlmann

Kassel, 13. Dezember 2014. Nur kurz fahren die schwarzen Schiebetüren auseinander wie elektrische Türen in einem Krankenhaus. Dahinter ein Gang mit Kacheln und ein Mann mit Krone und grünem Klinik-Leibchen. Dann gehen die Türen wieder zu und der Geist ist verschwunden, als sei er nie dagewesen. Vieles in Gralf-Edzard Habbens Inszenierung deutet darauf hin, dass wir hier drei Stunden lang nur einen Traum von einem Hamlet erleben, der längst in einer geschlossenen Einrichtung sein Dasein fristet.

Der erotisierte Wille zur Macht

von Andreas Wicke

Kassel, 23. Mai 2014. Die Partystimmung bei den Krönungsfeierlichkeiten im dritten Akt ist prächtig, Macbeth, der neue König, und seine Frau stehen mit Weingläsern hinter einer Leuchtrampe und feiern ausgelassen mit ihren Gästen. Die Kleiderordnung schreibt Smoking und großes Abendkleid vor. Plötzlich kommt Banquo – besser gesagt der Geist Banquos – als ebenso tänzelnder wie blutverschmierter Tod heiter gestimmt dazu. Er hält sich nicht an die Kleidungsvorschrift, trägt nur ein paar schwarze Shorts und die Schlinge, mit der er ermordet wurde. Spätestens hier schlägt der tyrannische Machtwahn des Titelhelden in existentielle Angst um, auch die finsteren Mächte sind nicht mehr beherrschbar.

Endstation Nirgendwo

von Andreas Wicke

Kassel, 7. Februar 2014. Im Mittelpunkt steht das Paar: Er ist Künstler, sie ist lebenshungrig. Er visioniert das absolute Gemälde, sie will Genuss, Gesellschaft, Glamour. Das Thema in Tennessee Williams' 1969 uraufgeführtem Drama "Eine Hotelbar in Tokyo" ist sicher nicht neu, aber die dichte atmosphärische Psychologisierung macht es dennoch zeitlos.

Visionen von Johanna

von Andreas Wicke

Kassel, 30. November 2013. "Ich möcht als Reiter fliegen / Wohl in die blutge Schlacht", heißt es in Joseph von Eichendorffs "In einem kühlen Grunde", und mit diesem Gedicht, in wackerem Männerchorsound vom Ensemble gesungen, endet Gustav Ruebs Kasseler Inszenierung der "Jungfrau von Orleans". Blutüberströmt steht Johanna an der Rampe, im Hintergrund wird der Showdown begleitet von all jenen Visionen, die im Laufe des Abends auf Rückwand und Bühnenboden projiziert worden waren.

Bänker-Bekenntnisse

von Michael Laages

Kassel, 22. September 2013. Das war dem Stück durchaus nicht anzusehen bei der Uraufführung Anfang des Jahres in Stuttgart – dass es kein Solitär bleiben würde. Der Filmemacher Andres Veiel, im Kino erfolgreich mit "Die Spielwütigen" (über Schauspielstudenten) und "Black Box BRD" (über Leben und Sterben des Bankiers Alfred Herrhausen und des RAF-Terroristen Wolfgang Grams), war ja auch im Theater angekommen seit der Neonazi-Recherche "Der Kick", entstanden einst für Volker Hesses Intendanz am Berliner Maxim-Gorki-Theater in Zusammenarbeit mit Simone Schmidt. Nun hatte er sich unter Führungskräften des Finanzwesens umgehört und aus deren Selbstzeugnissen einen Bühnentext gedrechselt, der im Titel mit einem Zitat von Gudrun Ensslin spielte: "Wer Himbeerreiche anzündet, kann nicht erwarten, deren Früchte zu ernten".

Das perfekte Leben

von Leonie Krutzinna

Kassel, 20. September 2013. "Zukunft heißt Glück, heißt zwei Kinder, heißt ein Dach, um die Nacht festzuhalten." Im Staatstheater Kassel steht bürgerliches Familienidyll auf dem Spielplan. Man eröffnet die Saison mit der Uraufführung von Noah Haidles neuestem Stück "Lucky Happiness Golden Express". Doch wo ist das Glück, wenn das Familienoberhaupt nach einem Schlaganfall im Krankenhaus liegt, die Mutter dement ist und die Töchter zu Neurotikerinnen erzogen wurden?

Eineinhalbzimmerwelten

von Michael Laages

Kassel, 11. Mai 2013. Ob wohl die versammelte Dramaturgie am Staatstheater Kassel vor Jahresfrist tatsächlich den Kalender gewälzt und festgestellt hat, dass die letzte Schauspielhaus-Premiere der Spielzeit tatsächlich auf den Abend vor dem Muttertag fallen würde? Denn nichts passt besser zu diesem Feiertag wie "Hase Hase", diese "Mutter ist die Beste"-Farce der französischen Regisseurin und Dramatikerin Coline Serreau. Die war immerhin schon mal für den Oscar nominiert gewesen mit dem Kinofilm "Drei Männer und ein Baby", als sie Mitte der 80er Jahre das Schweizer Theater-Urgestein Benno Besson kennen lernte – und der zauberte die deutsche Fassung von Serreaus Bühnenerstling "Hase Hase" im Mai 1992 im Berliner Schiller Theater derart nachhaltig auf die Bühne, dass das kleine Stück fast vernichtet war: weil kaum jemand sich fortan mehr messen konnte oder mochte mit diesem Meisterstreich.

Die Angst der Männer

von Andreas Wicke

Kassel, 10. Mai 2013. Warum im Federschmuck? Die Frage bleibt. Anatol hypnotisiert in der ersten Szene von Schnitzlers Einakterzyklus seine Geliebte Cora, er möchte endlich die Wahrheit erfahren, ob er für sie der einzige Mann ist, ob sie ihn – und sei es nur in Gedanken – je betrogen hat, ob sie ihm wirklich treu ist und ewig treu bleiben wird. Aber er traut sich nicht, immer wieder versucht er, die richtige Formulierung zu finden, doch seine Angst siegt.