tt 2011 – Kultur als Entwicklungsmotor? Was kulturelle Initiativen in Afrika bewegen könnten. Eine Diskussion

Von Afrika lernen ...

von Elena Philipp

Berlin, 22. Mai 2011. "Geld hier rein" steht über dem kleinen Hüttchen, in dem die Programmhefte zu Via Intolleranza II verkauft werden. "Anlässlich der Aufführungen von Christoph Schlingensiefs 'Via Intolleranza II' möchte das Theatertreffen um breite Unterstützung für das Operndorf in Burkina Faso werben", kündigen die Berliner Festspiele auf ihren Webseiten die Diskussion "Kultur als Entwicklungsmotor?" an. Schlingensiefs letztes Großvorhaben, der Bau eines Dorfes nahe Ouagadougou, mit Schule, Krankenstation, Gästehaus, Fußballfeld und nicht zuletzt einem Festspielhaus, erfährt einmütige Unterstützung.

Theatertreffen 2011 - Abschlussdiskussion der Jury

altWeg mit der Charity, her mit dem Stadttheatertreffen!

von Matthias Weigel

Berlin, 22. Mai 2011. So ein Ende kann manchmal befreiend wirken. Es schlagen die letzten Tage der diesjährigen Fachmesse und Leistungsschau "tt11", und nicht nur Festivalchefin Iris Laufenberg ist nach eigenem Bekunden durchaus erleichtert, die Leitung des Theatertreffens im nächsten Jahr abzugeben (im Zuge der neuen Festspiel-Intendanz von Thomas Oberender). Auch Theaterkritiker Andres Müry ließ sich von seiner heute endenden Jury-Mitgliedschaft zu einigen befreiten Worten hinreißen. Müry und seine sechs Jury-Kollegen, die die Theatertreffen-Einladungen zu verantworten haben, stellten sich in der traditionellen Abschlussdiskussion den kritischen Fragen des Publikums – oder heute eher: den Fragen der Teilnehmer des Internationalen Forums.

Autorenblog: Als Du schliefest

alt17. Mai 2011. Nach dem anti-naturalistischen Manifest Der Biberpelz nun ein anti-psychologischer Ibsen: Herbert Fritsch erweist sich mit Nora oder ein Puppenhaus als Meister des Formalen und genialer Eklektizist. Im Schnelldurchlauf sampelt er visuelle und literarische Zitate über den Ibsen-Stoff. Kristine Linde und Anwalt Krogstad versinken im Kuss aus "Vom Winde verweht". Finger krümmen sich "Nosferatu"-artig, und auf der glanzpapierfarben ausgeleuchteten Spielfläche wird zombiehaft gelurcht, dass es eine Freude ist. Unterlegt ist das alles mit verzerrt hallender Melodramenmusik, die Suspense à la Hitchcock suggeriert. E. T. A. Hoffmanns Coppelia wackelt puppenhaft über die Szene, und Nora trägt zum Tüllkleidchen der verzogenen Göre das rote Haar von Munchs lüsterner Vampirin. Ihr Geschlecht zieht die Männer magisch an – schwarzes Loch, "Vagina dentata".

Redaktionsblog: Habe ich Großes verschlafen?

17. Mai 2011. altNora aus Oberhausen, gestern. Sehr fein das wieder. Erstaunlich, wenn man es gegen den Schweriner Biberpelz hält. Dort eine erdige, rohe, slapstickkomische dann eben doch Sozialästhetik, wenn auch aus dem Kaschperletheater mit Pritsche und Krokodil. Hier eine Unsere-Leichen-reiten-wieder-Spieluhr-Ästhetik, bei der man glaubte, Achim Freyers "Woyzeck", der vor gefühlten hundert Jahren auf dem Theatertreffen gastierte, und bei dem Martin Schwab als Woyzeck possierlich auf einer schräg gestellten Spieluhr-Oberfläche agierte, seien irgendwie die Federn durchgeknallt und die Figuren begönnen im mechanischen Endkampf zu rasen.

Teppich und Tusch II: Der fliegende König

don_carlos_piero_chiussi
Burghart Klaußner rauscht über den roten Teppich. © Piero Chiussi

13. Mai 2011. Kann sein, dass Filmschauspieler hier einfach im Vorteil sind. Und mit Burghart Klaußner, der in Roger Vontobels Don Carlos den Philipp spielt, lief gestern natürlich auch ein besonders Teppich-erfahrener, sogar Oscar-Verleihungs-geprüfter Mann zur TT-Ehrung auf. Und wie er lief! Den Oberkörper leicht nach vorn geneigt, mit verschmitzter Miene preschte er im Laufschritt vor und hatte im Nu die ganze Teppichlänge erstürmt. Als Begleitmusik für derart spontane Mini-Performances macht die neue tt-Fanfare dann fast schon wieder Spaß.

(ape)

Redaktionsblog: Streichholzschachteln sortieren

3. Mai 2011. Dienstag, dreizehn Uhr, Theatertreffenpressekonferenz. Wo? Im Haus der Berliner Festspiele, das wegen längerer Totalsanierung immer noch eine Baustelle ist. Was war? Freundliches Unterrichten über die Kunst und ihre diesjährigen Haupt-Exekutoren. Aino Laberenz, Christoph Schlingensiefs junge Witwe, hat viel über den Fortgang des Operndorfs in Afrika (im Oktober soll es seinen Betrieb aufnehmen), Via Intolleranza II und ihre Weiterarbeit an Schlingensiefs hinterlassenen Projekten geredet, tt-Star Herbert Fritsch über seine antiregietheaterliche Art, Theater zu machen, und tt-Chefin Iris Laufenberg über das beste aller möglichen Theatertreffen und sein Programm.