Geschichten an der Feuerglut

von Maximilian Pahl

Zürich, 23. Januar 2020. Sie wollten sich wahrscheinlich ums Feuer versammeln und nicht drei Meter daneben. Aber hier im Zürcher Neumarkt Theater ist vieles verschoben. Als hätte sich der Treffpunkt, die Feuerschale, bei Ankunft vom Treffen verabschiedet. Der Sitzkreis als Minigalaxie, wo um die Glut die Erzählungen kreisen – dieses archaische Gefüge ist von Katharina Pia Schütz' Raumgestaltung sanft zerschlagen. Alleinig lodert die Feuerschale und sonst wo ranken sich die Märchen, womit zumindest szenisch die gut einstündige Performance umschrieben wäre. Den äußersten Orbit bildet das auf Schaumstoff gebettete Publikum.

Der Planet brennt und wir tanzen

von Valeria Heintges

Zürich, 18. September 2019. "They shoot horses, don't they?", auf Deutsch: Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss, ist ein Buch von Horrace McCoy, das von Tanzmarathons in Zeiten der großen Depression in den USA der 1930er-Jahre handelt. 1969 wurde es von Sydney Pollack unter anderem mit Jane Fonda verfilmt und neunmal für den Oscar nominiert, wobei am Ende aber nur Gig Young als Bester Nebendarsteller eine Ehrung erhielt.

Als Plattenläden nicht mehr helfen konnten

von Valeria Heintges

Zürich, 26. Januar 2019. Die Bestseller-Trilogie "Das Leben des Vernon Subutex" von Virginie Despentes ist ein "Abgebrüll" auf die Grande Nation, wie der "Spiegel" schrieb. Es ist auch ein Roman über die Musik, von den 60ern- bis heute. Bei der Uraufführung des Werks im Zürcher Theater Neumarkt ist alles da: Das Geräusch, das ein Plattenspieler macht, wenn die LP nur noch leer vor sich hindreht. Das Sampling an den Turntables, das schlierende Geräusch, wenn eine Passage zurückgedreht wird und dann noch einmal zu hören ist. Der subversive Kommentar der Frank-Zappa-Titel, Klänge von CDs, das Grölen zu eingespielten Liedern, das Zucken zu Techno oder Metal, die Karaokesession, die Seite auf Facebook, wo man Freunden per Post Musiktipps gibt. Und der Discosteg, der manche Tänzer besser präsentiert als die anderen.

Volksbewegte aller Länder, verlautbart Euch!

von Valeria Heintges

Zürich, 6. November 2018. Vor 25 Jahren erschien Botho Strauß' Essay "Anschwellender Bocksgesang" im Wochenmagazin "Der Spiegel". Der Text führte zu einem Aufschrei, machte Strauß zur Galionsfigur der neuen Rechten. Raunend, in langen, nahezu hermetischen Sätzen diagnostiziert er eine "frevelhafte Selbstbezogenheit" und prognostizierte Konflikte, in denen sich rächen würde, dass "der Westeuropäer sozusagen auch sittlich über seine Verhältnisse gelebt hat". Es werde Krieg geben.

Kollaps der Hemmungen

von Mirja Gabathuler

Zürich, 22. September 2018. "Öffentlich Frau zu sein, ist das Allerrevolutionärste auf der Welt." Das habe ihr wohl Jahre zu spät eingeleuchtet, schrieb die amerikanische Schriftstellerin und Filmemacherin Chris Kraus in ihrem Roman "I Love Dick". Das war 1997. Heute denkt man: Vielleicht eher zwanzig Jahre zu früh. Das Original des Romans war ein Flop. Erst die Neuauflage von 2006 wurde zum Bestseller und von Independent-Darling Jill Soloway als Serie verfilmt: ziemlich kultig, ziemlich feministisch.

Dein Lied lügt, Mann!

von Maximilian Pahl

Zürich, 6. Juni 2018. Es wäre diesem Abend am Zürcher Neumarkt zuzutrauen, dass er ein Schattenprofil anlegt, um sich über soziale Medien selbst zu bewerten. Eher schlecht zu bewerten. Denn Martin Heckmanns' Stück "Der Schwindel und sein Gegenteil" läuft als Herrenkomödie unter Selbstbehalt. Sie zeichnet in Simone Blattners Uraufführung einen virilen Waschlappen und seine Heimsuchung von aller Welt. Also von Dämonen, Vermieterinnen, Hölderlin und der Polizei. Von seinen vier SpielpartnerInnen erntet Urs Jucker überdies die Schuld an der Ungleichheit, dem Klima und der Armut, obendrein sei er als Alleinunterhalter für alle Totalitarismen mindestens mitverantwortlich. Doch zum Unterhalter ist er geboren.

Durch den Distinktionsdschungel

von Mirja Gabathuler

Zürich, 27. April 2018. Klassenkampf in Wohlfühlrosa? Ja, zumindest zu Beginn von "Café Populaire" ist die Bühne des Zürcher Neumarkts – verkleinert auf eine schmale Box – in pastelliger Wes-Anderson-Optik gehalten. Wes Anderson ist der Filmregisseur, über dessen tolles Frühwerk man sich gerne einig ist, im Stück wie wohl auch im Publikum. Zumindest, wenn man einer bestimmten Klasse angehört. Wer glaubt, der Klassenbegriff sei nun wirklich überholt, den lässt Nora Abdel-Maksoud im Verlauf ihres Stücks genüsslich auflaufen: Ihre beißende Satire speist sich aus dem alltäglichen Hickhack zwischen sozialen Klassen, die weiter existieren – auch wenn die Figuren auf der Bühne das Gegenteil behaupten.

Im Hamam der Hölle

von Valeria Heintges

Zürich, 9. März 2018. Drei Männer haben sich gestritten, einen Krieg angezettelt, ihre Heere aufeinander gehetzt. Und jetzt stehen sie da und verhandeln. Ihre Mittel: Machtspielchen voller Rachegefühle, Drohung, Erpressung. Man kennt das. Diesmal sind es Szenen aus den Rosenkriegsdramen von William Shakespeare. Die drei Herren allerdings, die die Szene unter sich aufteilen, sehen etwas anders aus als gemeinhin üblich. Der eine mit langer, roter Mähne, der zweite mit dünnen, blonden Zöpfchen und der dritte mag mit der Frisur gar nicht recht zeigen, ob er Männlein ist oder Weiblein.

Spiel mir den Europa-Blues

von Maximilian Pahl

Zürich, 18. Januar 2018. Für ein nachnationales Europa! Und vor allem: Nie wieder Auschwitz! Und dass sich das erste aus dem zweiten herleitet, hat der österreichische Schriftsteller Robert Menasse schon vergangenen März in seiner Rede zum 60. Jubiläum der Römischen Verträge gesagt. Und im wunderbaren EU-Roman "Die Hauptstadt" literarisch verstrickt, wofür er den Deutschen Buchpreis 2017 erhielt.

Alles landet in einer Pfanne

von Maximilian Pahl

26. November 2017. Sehr verehrter Herr Frisch, gestatten Sie eine Frage von Max zu Max?
(Zündet die Pfeife) "Schiessen Sie los."

Also, eines Ihrer Werke als Anlass für sechs Schauspieler, die Sau rauszulassen – finden Sie in Ordnung? "Höchstens in Deutschland. Welches Stück?"

Am Zürcher Neumarkt haben sie "Biedermann und die Brandstifter" mit Schlagermusik und Handpuppen gespielt.
"Mit oder ohne meinem höllischen Nachspiel?“

Und leider auch Nanotechnologie...

von Claude Bühler

Zürich, 5. Mai 2017. Es solle "kläffend neben dem Klassiker herlaufen". Als "Sekundärdrama" verfasste Elfriede Jelinek 2011 ihre Anklage "FaustIn and out", die jeweils parallel zu Goethes Urfaust am selben Haus aufgeführt werden soll. Gemeinsame Ausgangspunkte sind der Missbrauch und der Kerker: Der Geschäftsmann Josef Fritzl, der die eigene Tochter 24 Jahre lang als Sexsklavin im Keller gefangen hielt und mit ihr mehrere Kinder zeugte, als Wiedergänger des Gelehrten Faust, der die junge Margarete schwängert, die später wegen Kindsmord im Kerker landet, wo sie auf ihre Hinrichtung wartet.

Den Bruder vergessen

von Maximilian Pahl

Zürich, 8. März 2017. Moussa! Dieser Name hallt hinein in eine Schrecksekunde. So hieß also der namenlose Algerier, den Albert Camus in "Der Fremde" niederschießen ließ, um seinen überdrüssigen Mörder Meursault mit dem Todesurteil zu erlösen. Und so politisch und dicht kann also heute wieder ein Theaterabend sein, der sich lose auf diesen Geburtstext des Existenzialismus bezieht. Das alles freilich nur dank des Journalisten und Autors Kamel Daoud und seinem 2013 erschienenen Roman "Der Fall Meursault. Eine Erwiderung". Und dank Özgur Karadeniz, der als Moussas Bruder Haroun auf einem Stuhl im Theater Neumarkt sitzt und von einem wiederum namenlosen Europäer darauf angesprochen wird.

Ihr hört uns ab, doch hören tut ihr nichts

von Valeria Heintges

Zürich, 25. September 2016. Eine runde Bühne, fünf Bürostühle mit Rollen, ein paar altmodische Telefone, eine Bar im Einbauschrank und zwei große Gemälde, eines in Quadrate zerschnitten – mehr braucht Simeon Meier nicht, um die Schweizer Erstaufführung von Wajdi Mouawads "Himmel" am Theater Neumarkt in Szene zu setzen. Doch so einfach und übersichtlich die Bühne, so kompliziert und verschlungen der Inhalt des Stücks, mit dem der aus dem Libanon geflohene kanadische Schriftsteller Mouawad seine Tetralogie "Das Blut der Versprechen" abschließt. Das Werk ist ein Theaterkrimi, ein Stück also, das seine Spannung auch aus der Entschlüsselung diverser Indizien bezieht, die auf der Bühne diskutiert und verhandelt werden.

Dompteurin des Universums

von Kaa Linder

Zürich, 28. April 2016. Auf der aseptisch weissen Bühne trampelt Sandra Hüller als Isa in DocMartens zwischen schwarzem Kabelsalat herum und hält sich fest am Mikrofon. Zwei Zimmerpflanzen und ein Berg aus braunem Tierpelz – mehr gibt's hier nicht an Kulisse. Zwei Musiker (Moritz Bossmann, Sandro Tajouri) sind noch da, ganz in Weiss und moderat verschanzt hinter Schlagzeug und Keyboard. Was folgt, ist ein fulminanter Monolog, der zwischen barockem Rezitativ und Rockkonzert oszilliert. Schauspiel allererster Güte.

Geist, entweiche!

von Christoph Fellmann

Zürich, 18. März 2016. "Geht ihr zu Köppel?", fragten die zwei Kiffer am Ufer des Zürichsees, als vielleicht 200 Menschen an ihnen vorbeizogen. Und vielleicht hätte man an dieser Stelle den Theaterskandal, der die Stadt seit zwei Tagen in, nun ja, Atem hielt, besser verlassen. Jedoch ging man pflichtbewusst weiter, begleitet von allerhand Kameras und sogar einer Drohne, um nach knapp einer Stunde den Stadtrand zu erreichen. Dort beginnt im Osten von Zürich nämlich Küsnacht, wo tatsächlich besagter Roger Köppel wohnt, rechtsnationaler Herausgeber der "Weltwoche" und Nationalrat der SVP. Es war ein ausgesprochen schöner Spaziergang, und noch wartete an seinem Ende ja die Aussicht auf das Theaterereignis dieses Frühlings. "Ja", war die folgerichtige Antwort.

Wie es kam, dass Adolf Hitler von Rudi Carrell nicht getötet, sondern in Pension geschickt wurde

von Christoph Fellmann

Zürich, 25. Februar 2016. Das war noch Willkommenskultur: "Wenn dann die Germanen da sind", so sagte Romulus als letzter römischer Kaiser zu seinem Kammerdiener, "sollen sie hereinkommen." So steht es wenigstens bei Friedrich Dürrenmatt, in "Romulus der Große“, seiner ersten, wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geschriebenen Komödie. Darin sitzt der letzte Herrscher der Antike in seinem Landsitz, züchtet Hühner und wiegelt alle Meldungen über die vorrückenden Barbaren aus dem Norden ab, denn "Meldungen regen die Welt nur auf, man gewöhne sie sich so weit als möglich ab". Seine Truppen sind tot oder übergelaufen, sein Staat ist bankrott, sein Gemüt ist friedfertig. Romulus möchte die Weltgeschichte "nicht stören" und sitzt sie, während in seiner Entourage alle bis zum letzten Fetzen ihres Körpers kämpfen wollen, nur noch aus.

Das Kabarett vom Urknall der Moderne

von Kaa Linder

Zürich, 12. Januar 2016. Neumarkt 5, so lautet die geschichtsträchtige Adresse des kleinen Theaterhauses in der Zürcher Altstadt, das in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiert. Mit einem eigens dafür kreierten Festakt unter dem Titel "Was tun?" – wobei der Titel von Lenins Schrift aus dem Jahr 1920 zitiert wird. Wladimir Iljitsch Lenin weilte im Jahr 1916 einen Steinwurf von den Räumlichkeiten des Theaters entfernt in der Spiegelgasse 14 im Exil. In diesen Gemäuern (dem späteren Cabaret Voltaire) riefen anfangs des 20. Jahrhunderts Kriegsflüchtlinge die Moderne aus. All das müsste wissen, wer sich den fast zweieinhalbstündigen Festakt zu Gemüte führt.

Wehe, wenn er nüchtern wird!

von Beat Mazenauer

Zürich, 5 November 2015. Das erste Wort gehört Matti, dem Chauffeur. Im Ton und Outfit des angry young man blickt er mit rollenden Augen ins Publikum und brüllt herum, dass er des ewigen Wartens überdrüssig sei. "So könnens einen Menschen nicht behandeln." Doch was ist ein Mensch, und ist der Chauffeur einer?

Tod ohne Netz

von Valeria Heintges

Zürich, 8. Oktober 2015. Sibylle Berg mag es tierisch. Ein Schimpanse mit Plastiklarve und Perücke wackelt vor Beginn der Uraufführung von "How to sell a Murder House" auf der Leinwand durch einen asiatischen Laden. Dann öffnet sich der Vorhang für vier Waldrappen. Nicht diese ausgestorbenen Vögel, sondern vier Schauspielerinnen in Waldrappen-Kostümen. Sie sprechen im Chor. Auf Schweizerdeutsch. Auf schlechtem, höflicher: artifiziellem Schweizerdeutsch.

Im Sog der Weltverlorenheit

von Claude Bühler

Zürich, 16. Mai 2015. Sehnsucht und Furcht müssen Autorin Judith Schalansky bewegt haben, als sie ihren "Atlas der abgelegenen Inseln" (2009) verfasste. Im Spiegel-Interview sagte sie: "Angefangen habe ich aus einer Art Kinderglauben heraus: Es muss doch irgendwo noch einen wirklich schönen Ort geben! Es kam etwas anders." Mehrheitlich ein Atlas des Grauens entstand. Viele der kurz umrissenen Anekdoten aus der Geschichte von 50 Inseln, die verstreut um den ganzen Erdball liegen, schildern das Scheitern und Sterben von Menschen an und in grausig unwirtlichen Verhältnissen. Dem beigefügt ist jeweils eine Karte der betreffenden Insel. Man betrachtet sie, als ob die Abbildung das Rätsel um das beschriebene Drama preisgeben könnte.

Iphigenie auf Cannabis

von Christoph Fellmann

Zürich, 26. März 2015. Thoas ist der König auf Tauris – aber regieren auf der Insel, die wir heute als die Krim kennen, tut der Schauder. Der Iphigenie ist er, wie sie schon in der vierten Zeile ihres eröffnenden Monologs berichtet, ein ständiger Begleiter in ihrem unfreiwilligen Exil. Und der Schauder zwingt ihr einen Blick auf, der wiederum die Einheimischen schaudern lässt. Zunächst Arkas, den Vertrauten des Königs, und bald auch diesen selbst. Die vollendete Sprache dieses Dramas von Goethe sei eine "dünne Haut", hat Heiner Müller bemerkt, darunter "bebt es": Der Schauder der Iphigenie ist tief in den Text eingewirkt, nur, um an geeigneter Stelle aufzuplatzen.

Trauerbergarbeit

von Julia Stephan

Zürich, 5. Februar 2015. Als Bewohnerin einer Alpenrepublik wüsste ich gern, was im Kopf des griechischen Filmregisseurs Yorgos Lanthimos vorging, als er unsere Berge für seinen Film "Alpen" (2009) derart überhöhte. Zwar denken auch wir Schweizer uns die Alpen gerne gross. Aber bei aller Selbstzufriedenheit, die uns eigen ist, wissen wir doch, dass wir nicht die Grössten sind - gegen den Himalaya ziehen wir den Kürzeren.

Wenn sich die Alpenwut rötet ...

von Julia Stephan

Zürich, 17. Januar 2015. Die 13-jährige Dienstmagd Elsie sieht sich gross in der Welt. Sie will Künstlerin werden. In Florenz. Doch bevor sie aus ihrer kleinen Stellung entfliehen kann, wird die talentierte Geigerin von ihrem Hausherren, einem Schweizer Industriellen, geschwängert, mit Knecht Jakob notverheiratet, und auf einen Hof in der Nähe des Zürichsees abgeschoben. Dort träumt Gatte Jakob, ein Kind seiner Zeit, noch nicht vom BMW, aber vom eigenen Pferd. Eine Fantasie, die brutal mit Elsies feingeistigen Fidelambitionen kollidiert. Das ergibt: einen Totalschaden für die Ehe.

Eine Erlösung

von Julia Stephan

Zürich, 27. September 2014. Als Martin Heckmanns' Boulevardstück "Ein Teil der Gans" 2007 am Deutschen Theater in Berlin zur Uraufführung kam, zerrupfte Kritiker Wolfgang Behrens ungerührt dessen witzlose Umsetzung. Nur das Stück selbst verschonte er damals: "Ja, Martin Heckmanns hat ein Boulevardstück geschrieben. Aber aufgeführt wurde es noch nicht", schrieb er, und machte Regisseur Philipp Preuss für die Pleite verantwortlich.

Die Phantome des Schriftstellers

von Claude Bühler

Zürich, 19. Juni 2014. Wenn der französische Autor Michel Houellebecq sein vereinsamtes Alter Ego gleichen Namens gedankenverloren Sätze hinbrabbeln lässt wie "Sie blasen dir einen ohne Gummi, das war wirklich gut", mag man dies als bloße Provokation oder Banalität abtun. Aber, keine Frage, er will etwas damit. Er setzt sie in seinem jüngsten großen Roman "Karte und Gebiet" von 2010 mit dem Bewusstsein, dass sie treffsicher auf die Schande des Daseins einer hochgebildeten, aber ausdrücklich als depressiv geschilderten Figur hinweisen – die die Not anderer Leute, von Prostituierten, ausbeutet – und deshalb wehtun.