Top Dogs / Medea – Landestheater Tübingen – Mit Euripides und Urs Widmer vermessen Ragna Guderian und Christoph Roos die Spannweite des Theaters durch zwei vordigitale Jahrtausende

Vor dem Mord bitte Hände waschen

Don Quijote - Jan Jochymski ruft mit Rebekka Kricheldorfs Cervantes-Adaption am Landestheater Tübingen zur Befreiung aus gescheiterten Lebensentwürfen

Oh, wie schön ist La Mancha

von Elisabeth Maier

Tübingen, 22. Juni 2018. Weltliteratur, ins Wohnzimmer eines schrulligen Träumers verpflanzt: Bei Rebekka Kricheldorf, der Meisterin zeitgenössischer Komödienkunst, flüchtet Don Quijote alias Herr Alfons in eine Scheinwelt der Poesie. Die aber öffnet ihm den Weg in reale Abenteuer. Seine Vertreibung aus dem Bücherparadies beflügelt die Ironie der Gegenwartsautorin. Miguel de Cervantes Meisterwerk klopft sie auf seine Aktualität ab. Seine Vertreibung aus dem Bücherparadies liefert dem Ensemble des Landestheaters Tübingen nicht nur herrliches Rollenfutter. Regisseur Jan Jochymski kitzelt in seiner vergnüglichen Interpretation gerade die leisen, dunklen Töne von Kricheldorfs Text heraus, der im Mai 2017 in Osnabrück uraufgeführt wurde. Das Leben tut weh. Aber schön ist es doch.

Believe Busters - Dorothea Schroeders Uraufführung von Konstantin Küsperts Stück um Religionskritik und Kritik an Religionskritik am Landestheater Tübingen

Gott und die Verdauung

von Thomas Rothschild

Tübingen, 25. Februar 2017. Während auf der Bühne von dem Vorfall in Nizza am französischen Nationalfeiertag des vergangenen Jahres die Rede war, wurde bekannt, dass ein 73jähriger in Heidelberg gestorben ist, nachdem jemand mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren war. Näher an der Realität kann Theater nicht sein. Freuen kann man sich darüber nicht. Aber Vorsicht: nach dem Stand der Dinge gibt es keinen Hinweis auf religiösen Fanatismus oder auf einen terroristischen Hintergrund für den Heidelberger Vorfall.

Schuld und Sühne - Gernot Grünewald inszeniert Dostojewskijs Roman am LTT Tübingen als Maskenspiel

Schwellköpfe im Holzverschlag

von Elisabeth Maier

Tübingen, 20. Februar 2016. Pferde zertrampeln die Schädel von Menschen in den Angstträumen, die den Studenten Raskolnikow quälen. In einer engen Bretterbude hat Gernot Grünewald am Landestheater Tübingen Fjodor Dostojewskijs Roman "Schuld und Sühne" in Szene gesetzt. Fünf Spieler verkörpern 20 Rollen. An Mikrofonen sprechen sie Passagen des Klassikers, der im Jahr 1866 erschienen ist. Düster und schwer klingt die epische Sprache des Russen, die der Regisseur und seine Dramaturgin Kerstin Grübmeyer in ihrer pointierten Fassung auf die inneren Konflikte des Mörders reduzieren. Kollektives Erzählen ermöglicht einen distanzierten Blick auf die Handlung, die ab und an doch etwas antiquiert wirkt.

Carlos Eugenio López
Regie: Lars Helmer
09. Oktober 2015
Kerstin Grübmeyer, Gernot Grünewald
Regie: Gernot Grünewald
13. Februar 2015
Thomas Melle
Regie: Maria Viktoria Linke
06. Juni 2014
Johannes Schrettle
Regie: Michael von zur Mühlen
04. April 2014
Iwan Gontscharow
Regie: Sergej Pronin
20. Februar 2014
Ewald Palmetshofer
Regie: Mizgin Bilmen
09. April 2011
28. September 2009
08. Mai 2009
06. Dezember 2008